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Leselupe.de > Humor und Satire
Eine rabenschwarze Geschichte
Eingestellt am 06. 07. 2006 10:13


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Inu
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Eine rabenschwarze Geschichte

Es gibt seltsame Dinge unter dem Himmel. Und unglaublich originelle MenschenkĂ€uze. Ich denke da an einen Sonderling namens JĂŒrgen B, der sich freiwillig zum Opfer des Kannibalen von Rotenburg gemacht und von ihm hat aufessen lassen. Er ist mir gerade so in den Sinn gekommen.

Aber hören Sie, was ich erlebt habe:

Voller Vorfreude auf meinen Urlaub in Kenia bestieg ich im hochsommerheißen Casablanca die Maschine nach Nairobi. Das vollklimatisierte, in ruhigem Blau gestylte Innere des brandneuen Airbus, die aparten, schwarzen und maurischen Flugbegleiterinnen in ihren leuchtenden GewĂ€ndern, Diskurse um mich herum in wahrhaft wohltönenden, mir fremden Sprachen, girrendes, flirrendes Frauenlachen, der Hauch von teurem ParfĂŒm und GewĂŒrz-Aromen, all die Nuancen menschlicher VerstĂ€ndigungsmöglichkeiten, die in der Luft mitschwangen ... schufen eine fĂŒr mich erregende AtmosphĂ€re, die aber gleich zu Beginn meiner Reise - na ja - wie soll ich sagen – ziemlich entweiht wurde, nĂ€mlich in der Sekunde, als ich meinen Sitznachbarn erblickte.

Dieser Mensch musste bemerkt haben, dass wir Landsleute sind, redete mich gleich in Deutsch an und wir wechselten ein paar Allerweltsfloskeln.

„Was ist denn mit Ihnen geschehen?“, fragte ich höflich, aber: ‘O Mann, es wĂ€re besser, du wĂŒrdest dich unter einem weiten Burnus und dem beduinischen Gesichtsschleier unsichtbar machen', schoss es mir durch den Kopf.

Ein dunkelvioletter Bluterguss von der GrĂ¶ĂŸe einer Untertasse prangte oberhalb seiner Wange. Das Fleisch war so angeschwollen, dass man darunter sein rechtes Auge, wenn es denn noch vorhanden sein sollte, nicht mehr erkennen konnte. Seine Nase war geschient, Hinterkopf, Stirn und Nacken mit Binden umwickelt, die ihm schneeweiß und mumienhaft auch RĂŒcken und Brust umspannten. Ein metallenes Monstrum von HalsstĂŒtze stabilisierte seine obere WirbelsĂ€ule.
Außerdem hatte er beide Arme in Schlingen und einen Gips am rechten Bein.
Überhaupt ... die ganze Jammergestalt sah aus wie jemand, der eigentlich nur noch auf seine Entsorgung wartet. Und darauf schien er tatsĂ€chlich zu setzen, wie er mir durch die ZahnlĂŒcke in seinem Mund zischelnd peu Ă  peu preisgab.

In dieser Umgebung, mit lauter schönen Menschen um mich herum, war er so fehl am Platz wie ein Grippevirus. Warum kurierte er sich nicht in Ruhe irgendwo im trauten Heim aus, statt die Mitpassagiere mit seinem Anblick zu schrecken? Das klingt jetzt sehr kaltschnĂ€uzig ... doch eine ganz gehörige Portion Mitleid fĂŒhlte ich schon.

„Haben Sie einen Unfall gehabt?“, fragte ich verwegen.
„Ach nein", sagte er, „es kommt alles von meiner ĂŒbergroßen SensibilitĂ€t!“ Seine Stimme wurde leise und geheimnisvoll...
„ErzĂ€hlen Sie, erzĂ€hlen Sie!" Ich war neugierig. Das versprach interessant zu werden!

„Ich verrate Ihnen das von Mann zu Mann, obwohl es unendlich peinlich ist ... also, vor einigen Wochen", sagte er, "kam ich frĂŒher als sonst vom BĂŒro nach Hause. Sie mĂŒssen wissen, ich arbeite fĂŒr die deutsche Botschaft in Casablanca. Ich fand meine Frau, Vera, nackt und ... frohlockend ... in unserem Ehebett in inniger Umarmung mit ihrem Fitnesstrainer, einem Schweden namens Holger, der sich in letzter Zeit auch außerhalb der Übungsstunden viel zu oft in ihrer NĂ€he herumgetrieben hatte. Wie blind ich gewesen war!
Zu allem Elend beschimpfte, ja verhöhnte Vera mich nun auch noch, nannte mich Weichei, Trottel, Depp.

Nachdem er meine Frau so kaltschnĂ€uzig gef. habe, könne er mich ebenso gut gleich umbringen, sagte ich zu diesem Holger, der auf meinem Bett seine sonnengebrĂ€unte Haut, die mĂ€chtigen Muskeln und anderes frivol zur Schau stellte. Ja, er solle mir doch ruhig den Todesstoß versetzen!

Aber der Casanova steckte sich grinsend eine Zigarette an und nahm mein Weib noch fester in die Arme. Da brannten bei mir alle Sicherungen durch, da konnte ich nicht mehr an mich halten ...“

„O, sie Ärmster“, sagte ich mitfĂŒhlend, „jeder hĂ€tte wie Sie gehandelt ... klar, Sie haben Sich auf den Mann gestĂŒrzt, doch er war stĂ€rker und Sie mussten es ausbaden!"

„Nein“, murmelte er, „nein ... ich ging in die Garage, fuhr mit meinem Wagen los, hielt auf der AutobahnbrĂŒcke, stieg ĂŒber das GelĂ€nder und dann ... dann versuchte ich den finalen Kopfsprung ... aber Sie sehen ja, er ist mir nicht wirklich gelungen!"

Ich nickte.

„Im Hospital haben sie mich wieder zusammengeflickt. Nun fliege ich nach Kenia und setze meine ganze Hoffnung auf die Begegnung mit einem krĂ€ftigen Löwen. Noch idealer wĂ€re eine dieser Breitmaul-Nashorn-MĂŒtter, die sollen ja, wenn sie Neugeborene haben, extrem angriffsfreudig sein.

Ich könnte auch Cyankali nehmen oder mir die Kugel geben“, flĂŒsterte er verschĂ€mt, als ich ihn entgeistert anstarrte, „aber wissen Sie ... ich mag es nun einmal ... fantasievoll. Ach, ich sehe gerade, Sie haben eine Kamera! Da möchte ich Sie doch herzlich bitten, mein Ableben zu dokumentieren. WĂŒrden Sie das fĂŒr mich machen? Es wĂ€re mir eine große, letzte Genugtuung.“

„Das passt gut, ich habe ohnehin fĂŒr morgen eine Foto-Safari durch den Nairobi-Nationalpark gebucht, da können Sie ja mitkommen", sagte ich lĂ€ssig. Es sollte ein Scherz sein!

„Wunderbar“, rief er, „wunderbar, wie das Schicksal so spielt! Da werde ich mich Ihnen doch gleich anschließen!"

Mir war der Mann inzwischen etwas unheimlich, aber ich fĂŒrchtete, nein ich ahnte schon: Er wĂŒrde auch mit der Tiernummer nicht richtig zu Potte kommen.

Ich sollte Recht behalten, konnte jedoch die atemberaubendsten Ausschnitte seiner selbstgewĂ€hlten, fast lethalen Konfrontation mit einer wildgewordenen BĂŒffelherde im Film festhalten. Mein Bekannter ĂŒberlebte.

Von einem wunderbaren, menschenfressenden, sibirischen Tiger und von einer bald bevorstehenden Reise nach Omsk sprach er, wÀhrend er mich unter all dem Gewirr von SchlÀuchen fröhlich anlÀchelte, als ich ihn zum ersten Mal auf der Intensivstation im Klinikum Nairobi besuchte.




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Copyright Irmgard Schöndorf Welch



Version vom 06. 07. 2006 10:13

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Syonjnna
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Sehr schwarzer Humor!!
FĂŒr meinen Geschmack etwas zu schwarz, is scho bissl gemein...
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"Doch sie weckten ihn mit Worten, ihren scharfen, glÀnzenden Waffen"

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Inu
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Hallo Syonjnna

Was tut man nicht alles, damit ein Text beachtet wird und sich einprÀgt!

Nein ... ich hab mir gedacht, wenn es Menschen gibt, die sich von einem Internet-Bekannten den Schn... abmetzeln und aufessen und sich dann auch noch freiwillig zerstĂŒckeln lassen, gibt es bestimmt auch welche, die so drauf sind wie der in meiner Geschichte.
Ich denke aber auch, dass ich den Text so geschrieben hab, dass niemand ihn wirklich ernst nimmt.


LG
Inu

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flammarion
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eben.

weder als humor, noch als satire kann man diesen text ernst nehmen.
lg
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Old Icke

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Inu
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hallo Old icke
Als was siehst Du ihn denn?
ich hab gedacht, die Geschichte ist so wahnsinnig ĂŒbertrieben dass niemand sie wirklich ernst nimmt und deswegen auch kein Grauen empfindet. Ich halte Sie fĂŒr skurril ( und trotz allem ) auch ein bisschen lustig. Ich hoffe, ich habe Deine GefĂŒhle nicht verletzt.

Einen guten Sonntag Dir
Inu

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flammarion
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lustig?

nicht die bohne. eher bemĂŒht und nicht von dieser welt. so ne sachen bin ich nicht von dir gewohnt. aber du darfst ja auch mal n schlechten tag haben, obwohl ich dir nur gute wĂŒnsche.
lg
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Old Icke

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