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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Eine saubere Sache
Eingestellt am 09. 05. 2013 14:55


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wowa
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Eine saubere Sache

Zeit verging.Viel Zeit. Die Nacht kam, doch die Hitze blieb. Das war normal. Jeff kannte die Sommer in L.A..
Er sa├č in diesem Zimmer auf diesem Stuhl und schwitzte. Die AC hatte er ausgeschaltet, auch das Telefon, niemand klopfte. Drau├čen auf dem Flur war es ruhig und nur die diffusen Laute der Stadt drangen ged├Ąmpft von tief unten zu ihm herauf.
Jeff sch├╝ttete Bourbon auf die Eisw├╝rfel, trank und betrachtete den Revolver auf dem Tisch. Ein Smith & Wesson Magnum. Er sah die Patronen in der Trommel.
Sein Partner besa├č die gleiche Waffe. Heute Morgen hatte er sich umgebracht.
Sein Anruf kam beim Fr├╝hst├╝ck, da mu├čte er schon unterwegs gewesen sein. Im Hintergrund waren die Motorger├Ąusche des Au├čenborders zu h├Âren. Letzte Woche waren sie noch zum Angeln rausgefahren.
Er sagte, sein Fall sei erledigt, sein Boot am Alltag zerschellt oder so ├Ąhnlich. Und dann, diese Worte hatte Jeff noch im Ohr: ÔÇ× Gib niemand die Schuld, da├č ich sterbe und bitte kein Gerede. Der Verstorbene hat das ganz und gar nicht gemocht.ÔÇť
Der Verstorbene. Jeff sprang sofort ins Auto und fuhr r├╝ber. Das Haus war leer, das gro├če Schlauchboot verschwunden und der Pazifik spiegelglatt.
Seebestattung, spurlos, eine saubere Sache, verdammt.
Jeff stand auf, nahm Eisw├╝rfel aus dem K├╝hlschrank, kippte Whiskey dr├╝ber und trank. Er langte nach dem Revolver und steckte sich den Lauf in den Mund. Ein Geschmack von Pulver und Stahl. Es war so einfach, so naheliegend, zehntausend in diesem Land machten so Jahr f├╝r Jahr ihrem Leben ein Ende. Von den andern mal abgesehen.
Aber er nicht. Er war nicht depressiv. ├ťberhaupt, in seinem Bekanntenkreis war sein Partner, sein Expartner, der einzige. Depressive Bankr├Ąuber sind selten, - Jeff l├Ąchelte bitter.
Genau das machte ihn besonders: diese Mischung aus Eleganz, Brutalit├Ąt und Empfindsamkeit. Sein k├╝hler Verstand fand bei schwierigen Jobs die Schwachstellen und sein zynischer, destruktiver Humor sorgte manchmal f├╝r ein kurzes, abruptes Schweigen, bevor die Jungs in befreiendes Gel├Ąchter ausbrachen.
Er hatte gern mit ihm gearbeitet, er hatte ihn gemocht, wenn nicht sogar geliebt.
L├Ąngere Frauenbeziehungen waren in seinen Kreisen selten. Bei der Arbeit spielten sie keine Rolle, eher in der Zeit zwischen den Jobs. Frauen kamen und gingen und halfen, das Geld auszugeben. Gute M├Ąnner dagegen blieben zusammen, sp├╝rten instinktiv das Au├čergew├Âhnliche ihrer Verbindung. Er und sein Ex waren so ein Team gewesen.
Vorbei. Seine inneren D├Ąmonen hatten gesiegt. Sp├Ątestens, seit er versuchte, sie mit Whiskey und Tabletten zu kontrollieren.
Jeff seufzte und trank auf seinen Ex.
Nein, da hatte er recht, Schuld hatte niemand, nicht mal die Cops. Es war ein Ungl├╝ck, ein schleichendes Verh├Ąngnis, vielleicht ein genetisches Problem. Ein Fall f├╝r professionelle Hilfe, ohne Frage. Aber in der Beziehung war nicht an ihn ranzukommen.
Er sah seine zunehmende Verd├╝sterung als Privatsache und sagte, er habe seine eigene Behandlungsmethode. So what? Wir leben in einem freien Land. Zudem war der Mann bewaffnet.
Es war hell geworden, die Sonne kam ├╝ber die Berge.
Er w├╝rde einen neuen Partner brauchen. Er ging die Kandidaten durch. Unmittelbar dr├Ąngte sich keiner auf. J├Ąh und unerwartet ├╝berfiel ihn eine panische Einsamkeit und sein Herz schlug hart und schnell gegen die Rippen.
Jeff stand auf, atmete tief durch und konzentrierte sich auf das Wesentliche.
Er steckte den Revolver ein und fuhr runter. An der Rezeption legte er einen Schein auf den Tisch und trat hinaus in das glei├čende Sonnenlicht. Sein Thunderbird stand auf dem Hotelparkplatz. Er setzte sich ans Steuer und griff nach der Sonnenbrille. Ein paar Blocks entfernt kannte er ein mexikanisches Restaurant. Jeff hatte Hunger.




Version vom 09. 05. 2013 14:55
Version vom 11. 05. 2013 14:27
Version vom 13. 05. 2013 14:21
Version vom 13. 05. 2013 14:40
Version vom 13. 05. 2013 15:10

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