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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Eine seltsame Begegnung
Eingestellt am 13. 06. 2014 12:30


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Sabina
???
Registriert: Jun 2014

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Eine seltsame Begegnung

"Ich will jetzt ein Eis!"
Ich sehe mich um. Neben mir steht ein kleines Mädchen und schaut frech zu mir hoch. Weißblonder Wuschelkopf, schätzungsweise vier Jahre alt.

"Du willst ein Eis?"
"Ja - jetzz - SOFOTT!"
"Aber das geht doch nicht", sag ich zu dem Kind.
"Klar geht das - los, hol mir ein Eis. Schwarzer Teller mit gaaanz viiiel Sahne!"
"Schwarzer Teller? - Was soll denn das f√ľr ein Eis sein?" frage ich ratlos.
"Na das mit den Schokokr√ľmeln drin!"
"Ach, du meinst Stracciatella?"
"Jaaa, genaaau!" - Das Wuschelkopf-Mädchen strahlt mich an.

"Du, das geht jetzt wirklich nicht", sag ich. "Ich muss die Einkommensteuererklärung fertig machen. Und dann muss ich noch aufräumen, und dann noch die Email an ..."
"Quatsch, alles Quatsch Quatsch Quatsch!" sagt sie.
Sie hat ja recht, aber machen muss ich diesen Quatsch trotzdem, da hilft alles nichts.

"Kuck ma, die Sonne scheint, unn es is so schön warm draußen, da brauch ich doch jetzt'n Eis!" sagt die Kleine und schaut mich intensiv an mit ihren großen blauen Augen.
Hm. Das passt mir jetzt gar nicht in den Kram. Aber ganz unrecht hat sie nicht, und sie strahlt so fr√∂hlich. Wer k√∂nnte so einem s√ľ√üen kleinen Wesen ein Bitte abschlagen?

"Also gut", sag ich, "dann geh'n wir halt jetzt Eis essen".
"Juchhuuu!" Die Kleine ist aufgeregt, tanzt vor Freude um mich rum.
Ich ziehe mich um, lege mein rosa Haarband an, mache mich zurecht, während das Mädel ungeduldig hin und her wuselt.

Dann schlendern wir die Stra√üe runter, Hand in Hand. Die Sonnenstrahlen sind angenehm warm auf der Haut. F√ľhlt sich in der Tat besser an als daheim hocken und Quittungen sortieren.
Und auf einmal krieg ich so'nen Flash - als h√§tte mir Gott mal eben schnell ein P√§ckchen Gl√ľcksgef√ľhl geschickt, einfach so. Obwohl ich es gar nicht bestellt hatte. Solche Gratis-Lieferungen liebe ich!

In der Fußgängerzone zerrt mich die Göre zu dem im Freien stehenden Kleiderständer einer Boutique.
"Kuck ma, da is'n sch√∂√∂√∂nes Kleid f√ľr Dich!"
Ja, sie hat recht. Aber ich hab derzeit kein Geld f√ľr sowas.
"M√∂nsch, Du musst das ja nich kaufen", meint das M√§del. "Aber ma anprobiern, unn die Jacke hier, unn da, der rote Pullover, unn kuck ma, die t√ľrkise Bluse .... aaaah, ich mag t√ľrkis!"

Mit zw√∂lf Teilen im Arm gehen wir in den Laden, runter in den Umkleideraum. Das Anprobieren macht gro√üen Spa√ü, auch wenn ich mich aus Geldgr√ľnden gegen die Sachen entscheide. Aber die t√ľrkise Bluse ist ein Volltreffer. Runtergesetzt auf 20 Euro. Darin seh ich aus wie eine K√∂nigin! Die nehme ich mit und ziehe sie auch gleich an.

Dann gehen wir Eis kaufen. Unterwegs ruft jemand "Sabina!"
Eine Bekannte vom Kulturverein winkt fr√∂hlich zu mir r√ľber. Das ist allerhand - die ist sonst n√§mlich eher reserviert mir gegen√ľber, ja, ich hatte immer eher den Eindruck, sie mag mich nicht.
Ich winke erfreut zur√ľck.
√úberhaupt - mir f√§llt auf, dass mich jetzt schon mehrere Leute, die ich gar nicht kenne, angel√§chelt und gegr√ľ√üt haben. Ob das an der G√∂re liegt?

Das Eis, eigentlich nur eine Kugel, aber mit Sahne, f√§llt riesig aus. Der Verk√§ufer scheint verzaubert zu sein von der Kleinen. Dann will ich zur√ľcklaufen, die Einkommensteuer sitzt mir im Nacken.
"Nööö!", sagt die Kleine, "nu setzn wa uns erstma hier hin."
"Das ist Zeitverschwendung", sag ich, "du kannst dein Eis genauso gut beim Laufen essen."
Aber die G√∂re hat sich schon auf der Bank vorm Rathaus platziert, und mir bleibt nichts anderes √ľbrig, als mich neben sie zu setzen. Ich kann sie doch hier nicht einfach so alleine lassen. So ein zartes, kleines Wesen, so fr√∂hlich, so unbedarft. Frech, aber auch zauberhaft lieb.

Wir sitzen also auf der Bank in der Sonne, verschwenden die Zeit und schlecken Eis. Ich hab Sahne auf der Backe. Es macht mir nichts aus, ich sch√§me mich nicht, wie sonst bei sowas, streife die Sahne gen√ľsslich ab und schlecke sie noch gen√ľsslicher vom Finger.

Das Eis ist alle. Die G√∂re springt auf und ruft: "Unn jezz gehn wa da rein!" Und schon h√ľpft sie in Richtung Kirche. Romanischer Stil in Rotsandstein, aber die Fenster laufen oben spitz zu, also doch auch ein bisschen gotisch. Oder wie war das noch mal?
Ich br√ľlle der G√∂re hinterher: "Das kannste vergessen, Kirchen sind tags√ľber immer zu!"
"Das glaub ich nich, das glaub ich nich", trällert die Kleine vor sich hin.
Aha, ungläubig ist sie auch noch, was will sie dann in der Kirche, denke ich, aber ich laufe ihr halt hinterher. Auf die Viertelstunde kommt es jetzt auch nicht mehr an.

Die Kirchent√ľr l√§sst sich in der Tat √∂ffnen! Wie oft schon bin ich an dieser Kirche vorbeimarschiert, h√§tte gern mal reingeguckt, um die bunten Fensterscheiben von innen zu betrachten, dachte aber dann immer, die hat eh geschlossen, brauch ich erst gar nicht probieren. Tja, wer ist hier nun die Ungl√§ubige ... ?
Drinnen im Vorraum. Die G√∂re h√§lt mir ein Teelicht entgegen: "Z√ľndeste das ma an?"
50 Cent f√ľr ein d√§mliches Teelicht, hm. Ich z√∂gere.
Die G√∂re sagt: "Da kannste Dir dann was w√ľnschen, und ich mir auch, und das kriegn wa dann auch, wei√üte?!"

Ich kann ihrem ausgelassenen, naiven Charme einfach nicht widerstehen und opfere mein blitzblankes, funkelnagelneues 50-Cent-St√ľck, das ich eigentlich in meine M√ľnzsammlung geben wollte.
Dann stehen wir da und w√ľnschen uns was.
"Pschschscht!" l√§sst die Kleine vernehmen, "das d√ľrfen wa nich laut sagen, was wa uns w√ľnschen, das is schtreng GEHEIM!"

Und als wir so dastehen, in das Licht der Kerze schauen, das blonde Wuschelkopfm√§dchen und ich, und uns was w√ľnschen - da f√§llt auf einmal alles von mir ab, was mich in den letzten Tagen so belastet hat. Die beruflichen Sorgen, der Stress, die vielen anstrengenden Probetermine mit den neuen Musiksch√ľlern, der zu erledigende Papierkram, Anwaltstermine - all die Pflichten, die mir √ľber den Kopf zu wachsen drohen.
All das ist auf einmal weit weg, es z√§hlt nur noch das Jetzt und ein Gef√ľhl der Freude und Dankbarkeit f√ľr diesen Moment.

Auf dem Heimweg frage ich die Göre:
"Sag mal, wer bist'n du eigentlich?!
"Mööönsch - weißte denn das nich?"
"Nein".
"Du bist aber ganz schön dooof!" sagt sie und lacht verschmitzt.
"Woher soll ich denn wissen, wer du bist? - Ich hab Dich doch vorher noch nie gesehen ..."
"Ja ja, das hab ich gemerkt, dass du mich NIE beachtest - doof, doof, doof, ich sag's ja. Dabei bin ich schon soooo lange bei dir!"
"√Ąh - wie jetzt? Und √ľberhaupt - du bist doch gerade mal h√∂chstens vier Jahre alt ..."
"N√∂√∂√∂, scht√ľmmt gar nich - ich bin schon fast F√úMF!"
Stolz präsentiert sie mir die gespreizten Fingerchen ihrer rechten Hand.
"Na gut, dann f√ľnf. Aber ich bin ja schon fast zehn mal so alt wie du", sag ich, "also kannste doch gar nicht schon quasi fast immer bei mir sein ..."

Die Kleine schaut mich lange an mit ihren großen blauen Augen.
Und plötzlich erkenne ich sie.





Version vom 13. 06. 2014 12:30
Version vom 15. 06. 2014 13:20
Version vom 15. 06. 2014 15:49
Version vom 15. 06. 2014 16:40

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Architheutis
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo und Willkommen Sabina,

kann es sein, dass es Probleme mit der Formatierung gibt? Jedenfalls finde ich die ganzen // irritierend.

Irritierend finde ich auch Deine Geschichte, aber das ist ja Deine Absicht. ;-)

Geht es hier um das "inner child inside"? Es stimmt: Wir Erwachsenen können dem Alltagsgrau entfliehen, wenn wir mit Kinderaugen sehen.

Was ich nicht ganz so gut finde, ist die uneinheitliche Sprache der Kleinen:

quote:
\"Ja - jetzz - SOFOTT!\"

quote:
"M√∂nsch, Du musst das ja nich kaufen\", meint das M√§del. \"Aber ma anprobiern, unn die Jacke hier, unn da, der rote Pullover, unn kuck ma, die t√ľrkise Bluse .... aaaah, ich mag t√ľrkis!


T√ľrkis als Farbe kennen 4j√§hrige nicht. Sie sprechen auch nicht so abgekl√§rt. "jetzz - sofott" -> so sprechen 4j√§hrige. ;-)

Was Du noch besser ausarbeiten k√∂nntest, ist meiner Meinung nach die innere Wandlung der Frau. Ja, sie beginnt bei einer Steuererkl√§rung und endet mit dem Eis an der Backe. Ich meine, dass Du der Seite Frau etwas mehr Kontur geben m√ľsstst, ihre Alltagssorgen etwas genauer konturieren k√∂nntest.

Gutes Gelingen,
Archi

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Sabina
???
Registriert: Jun 2014

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Hallo Architheutis,

herzlichen Dank f√ľr das nette Willkommen :-)

In der Tat bin auch ich sehr erschrocken √ľber die ganzen Schr√§gstriche. Wie konnte das nur passieren???
Nein, das kann auf keinen Fall so bleiben, das schaut ja f√ľrchterlich aus und hindert beim Lesen.

Danke Dir, dass Du die Story trotzdem gelesen hast :-)

Als ich vier Jahre alt war, kannte ich die Farbe T√ľrkis durchaus, daran erinnere ich mich noch, denn es war schon damals meine Lieblingsfarbe, und meine Mutter hatte mir dieses Wort erkl√§rt.

Kinder kennen das, was sie von ihren Eltern (oder auch von anderen Personen) lernen, und das kann sehr unterschiedlich ausfallen.

Die vierjährige Tochter einer Freundin erklärte mir mal, was ein Armleuchter ist, so wie sie es von ihrer Mutter "gelernt" hatte: "Das is einer, der nich Auto fahr'n kann".

(Jetzt bin ich aber mal gespannt, ob hier auch Schr√§gstriche bei den Anf√ľhrungszeichen auftauchen!)

Das hast Du richtg erkannt, es geht um das innere Kind. Und darum, die vergessene kindliche Unbedarftheit in den Alltag zur√ľckzuholen.

Ich wollte das Thema lediglich anreißen, nicht lang und breit auswalzen, und wie ich sehe, hast Du genauestens verstanden, worum es geht.
Damit ist das Ziel meiner Geschichte erreicht, mehr wollte ich nicht ;-)

Könntest Du mir bitte sagen, was ich nun tun muss, um die Geschichte bearbeiten zu können?
Bin gerade ziemlich paralysiert, dass gleich bei der ersten Geschichte sowas Doofes passiert wie mit den ganzen Schrägstrichen *jaul*

Lieben Gruß
Sabina

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Sabina
???
Registriert: Jun 2014

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Die Schrägstriche

So, habe die Bearbeitungsfunktion gefunden und die störenden Schrägstriche gelöscht.

Puh! *erleichtertsei*

Nochmal Danke f√ľr den Hinweis!

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Sabina
???
Registriert: Jun 2014

Werke: 3
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Sprachduktus

Hallo Architheutis,

Zitat: "aber mir ging es ja eher um den Sprachduktus"

Ja, das hatte ich schon verstanden.
Du hattest zu bedenken gegeben, dass Kinder in dem Alter die Farbe T√ľrkis √ľblicherweise noch nicht kennen.

Die Sache ging mir nicht aus dem Kopf, und deshalb fragte ich heute eine Freundin, die Erzieherin im Kindergarten ist. Sie war im Urlaub, daher erst jetzt.

Sie meinte, dass der Wissensstand da sehr, sehr unterschiedlich sei. Eine Reihe von Kindern kennt tats√§chlich nur die Grundfarben. Aber ungef√§hr genauso viele Kinder kennen mit vier, erst recht mit f√ľnf Jahren, auch schon alle m√∂glichen Farbnuancen wie hellblau, dunkelblau, lila, und auch t√ľrkis.

Deshalb denke ich mal, ich lasse es dann doch so stehen.

Dennoch Danke f√ľr den Denkansto√ü!

Viele Gr√ľ√üe,
Sabina

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