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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Eine zornige Abrechnung mit dem Tod, aber auch ein Lobgesang auf das Leben
Eingestellt am 08. 07. 2015 15:51


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Winfried Stanzick
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2011

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Rezension zu:

Eyal Megged, Unter den Lebenden, Berlin Verlag 2015, ISBN 978-3-8270-1242-5

Was ist das Wesen einer echten Freundschaft unter zwei MĂ€nnern? Was hĂ€lt sie zusammen und was trennt sie. Der israelische Schriftsteller Eyal Megged, Ehemann der in Deutschland bekannteren Zeruya Shalev erzĂ€hlt in seinem von Ruth Achlama sensibel und lebendig ĂŒbersetzten Roman „Unter den Lebenden“ von einer sehr außergewöhnlichen Freundschaft und von dem was, der Tod des einen aus dem ĂŒberlebenden Anderen und aus der Freundschaft macht.

Der Ich-ErzĂ€hler des Buches ist ein berĂŒhmter Chirurg und als solcher mit dem Alltag des Todes vertraut. Doch wĂ€hrend er in der Klinik diese Sterblichkeit seiner Patienten abspalten kann und sich auf seine kĂŒhle Kunst als Operateur, der sich nach der erfolgten Operation fĂŒr nichts mehr verantwortlich glaubt, verlĂ€sst, ist der frĂŒhe und plötzliche Tod seines Freundes Boas Masor fĂŒr ihn ein Schock, von dem er sich das ganze Buch ĂŒber nicht zu erholen scheint. Boas` Tod ist fĂŒr ihn unfassbar, er hĂ€lt ihn fĂŒr einen Skandal, der sein ganzes Leben aus dem Gleichgewicht bringt. Nichts ist mehr so wie frĂŒher. Er kann sich nicht mehr auf seine medizinische Routine zurĂŒckziehen und bekommt kaum noch OPs zugeteilt.

Der Ich-ErzĂ€hler reflektiert nicht nur seine eigenen GefĂŒhle und erinnert sich an unzĂ€hlige Begebenheiten einer langen gemeinsamen Freundschaft. Er versucht sie auch, gegen die, wie er glaubt, vernichtende Kraft und Macht des Todes am Leben zu erhalten. Was er nie fĂŒr möglich gehalten hĂ€tte, der Tod des Freundes bedroht sein Leben, schient seinen eigenen Tod vorwegzunehmen, raubt ihm jegliche Kraft und jeglichen Lebensmut.
Er erzÀhlt von Liebe, von Streit und Versöhnung und nicht nur an einer Stelle erinnert die Beziehung der beiden Freunde jedenfalls aus der Sicht der ErzÀhlers an die alte RivalitÀt zwischen Kain und seinem Bruder Abel. Denn auch Boas wollte Arzt werden, beugte sich aber dem vernichtenden Diktum seines Vaters. Nun, da er tot ist, wird sich der ErzÀhler dieser immer zwischen ihn stehenden Konkurrenz bewusst. Immer wieder geht es um Neid auf den Erfolg des anderen, gerade auch bei den Frauen.

Eyal Megged zwingt seinen Leser, tief in die Reflexionen seines ErzĂ€hlers einzutauchen ĂŒber das, was der „die verfluchten Fragen des Lebens“ nennt. Sein Roman ist auf der einen Seite eine zornige Abrechnung mit dem Tod, aber auch ein psalmenartiger Lobgesang auf das Leben.

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