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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Eine zweite Chance
Eingestellt am 07. 01. 2010 18:32


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gerian
Festzeitungsschreiber
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Es war nicht zum Aushalten. Seit Tagen ging das nun schon so. Unaufhaltsam redete die Stimme auf Martin ein, seit er sich hier im Hause von der Au├čenwelt abgeschottet hatte.
"Kennen wir uns?" " Gewiss doch..., seit f├╝nfzig Jahren." "Ach nee?" "Hast nicht auf mich h├Âren wollen..." "So soll es auch bleiben, lass mir meine Ruh!" "Wer ruht, der..., du Eigenbr├Âdler." "Kann allein auf mich aufpassen." "Siehst ja, was du davon hast. Steckst mittendrin im Schlamassel." "Was wei├čt du schon von meinem Leben?" "Mehr als dir lieb ist..."
Martin hatte aufgeh├Ârt, um den Tisch herumzulaufen, so als verfolgte ihn jemand. Ersch├Âpft lie├č er sich in den Sessel fallen.
"Sie haben mich gefeuert. Jeden Dritten von uns, auch mich, weil ich f├╝nfzig bin." "Such dir einen neuen Job."
"Zu alt." "Wer sagt das?" "Ich!" "Nein Martin, du l├Ąsst dich h├Ąngen..."
Er sprang auf, hastete zum Sideboard und schenkte nach, nahm einen kr├Ąftigen Schluck.
Die Pendeluhr tickte in die Stille hinein.
"Sabrina ist auf und davon, mit einem anderen..." "Sei es drum, du wei├čt um ihre Aff├Ąren..., nichts getaugt..., Eure Ehe."
"Ich kann nicht mehr..., auch nicht die Raten f├╝r das Haus..." "Pfeif drauf, zieh in eine Wohnung." "Nicht mit mir, ich zieh doch nicht in so eine enge Behausung."

Martin floh wieder um den Tisch herum, dann zur Terrassent├╝r. Als er ├Âffnete, flutete Sonnenlicht herein. Er holte tief Luft, blinzelte zum Sommerflieder hin├╝ber. Der Wind verschwendete Bl├╝tenduft. Eine Amsel lockte. Eine andere erwiderte. Er nahm das alles nicht mehr wahr. Sein Leben schien ihm sinnlos geworden zu sein. Er wollte nicht mehr, hatte alles verloren.
"So bist du Martin." "Bl├Âdsinn."
Es zog ihn nach drau├čen, zum nahen Fluss. Als er den Marktplatz ├╝berquerte, begegnete er zwei nadelgestreiften Anz├╝gen. Die beiden Banker darinnen erkannten ihn sofort wieder. Einer der Beiden hatte ihn wegrationalisiert. Sie schauten zu ihm, z├Âgerten, eilten dann gru├člos weiter.

Endlich hatte er den Promenadenweg am Fluss erreicht. Er setzte sich auf eine Bank und schaute gedankenverloren zum Ufer hin├╝ber. Ein blonder Junge jagte ein ferngesteuertes Boot ├╝ber das Wasser. Paare flanierten vorbei. Er dachte an Sabrina.
Ein zerlumpter Mann schob einen Einkaufswagen mit Plastikt├╝ten beladen vor sich her. Martin erschauerte: D├╝nkte sich in dem Obdachlosen wiederzuerkennen. "Hallo, Sie da..., warten Sie..." Der alte Mann blieb erschrocken stehen: "Meinen Sie mich?" Er n├Ąherte sich ihm und streckte dem B├Ąrtigen einen Geldschein zu. Martin versuchte zu l├Ącheln. Es gelang ihm nicht, die schweren Mundwinkel zu bewegen.
Er nahm die Br├╝cke ├╝ber den Fluss, blickte vom Gel├Ąnder hinab. Feuerrot lockte der Fluss zwischen den Br├╝ckenpfeilern. "Wie eine H├Âlle," sch├╝ttelte er sich. Er sehnte sich danach, den Rest seines Lebens zu verlieren.
"Verkorkstes Leben." "Nein, du bist so..." "Du schon wieder, lass mir meine Ruh." "Der Sprung hier in die Tiefe wird dir das Leben kosten." "Ist mir egal." "Martin, du wei├čt nicht mehr, was du tust." "Lass mir meinen Frieden."
Martin stieg auf die Br├╝ckenbr├╝stung, guckte nach unten und sah ihn, den blonden Kopf, im Strudel unter der Br├╝cke treiben. ┬┤Rief da jemand um Hilfe?┬┤
Er sprang, fiel wie ein Stein. In den Ohren donnerte ein Gewitter. Das Herz raste zum Halse. Als er aufschlug, teilten sich die Fluten, die ihn herunterzogen bis in die Abgr├╝nde. ┬┤Endlich..., Erl├Âsung.┬┤
Die Luft zum Atmen blieb ihm weg. Nein, er wollte nicht. Er wollte weiterleben. Wollte sich und den Jungen retten. ┬┤Raus hier!┬┤
Er schwamm nach oben, wo der Feuerball brannte. Der Junge!
Er umfasste dessen Kinn, schwamm r├╝cklings, endlos lange, hin zum rettenden Ufer. Dort standen Leute herum und glotzten. Ein Martinshorn t├Ânte in der Ferne. Martin presste dem Jungen Atem ein, dr├╝ckte dessen Brustkorb. Der Junge erbrach.
Leben!
Beider Leben gerettet.
Der Notfallarzt beugte sich ├╝ber den Jungen.
Martin folgte seiner inneren Stimme.

Version vom 07. 01. 2010 18:32
Version vom 25. 10. 2010 17:38

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petrasmiles
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Hallo Gerian,

ein starker Text, der ganz richtig das Geheimnis der Stimme nicht 'aufl├Âst'.
Zwei W├Ârter empfinde ich als fehl am Platze:

quote:
Purpurrot
widerspricht dem unpr├Ątenti├Âsen Stil und die
quote:
Geige
im letzten Satz gleichfalls.

Gerne gelesen!

Liebe Gr├╝├če
Petra
__________________
Nein, meine Punkte kriegt Ihr nicht ... ! Gegen Bevormundung durch Punktabzug f├╝r Gutwerter!

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Haremsdame
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Hallo Gerian,

die Idee, die hinter Deiner Geschichte steht, gef├Ąllt mir sehr. Die Ausarbeitung dagegen (noch) nicht so ganz.

Das Selbstgespr├Ąch, das das Ego des Protagonisten f├╝hrt, ist sehr deutlich - auch wenn es mich beim ersten Lesen gest├Ârt hat, dass es nur durch Schweigen unterbrochen wird. Doch das l├Âst sich auf, als Martin beschrieben wird. Die Umsetzung, in der jeder Satz mit einer neuen Zeile beginnt, finde ich allerdings weniger gelungen.

Warum schreibst Du am Ende pl├Âtzlich: "├îch h├Ârte eine Glocke in mir klingen." Ist dieses "Ich" Absicht? In meinen Augen passt es nicht. Oder wolltest Du damit ausdr├╝cken, dass Martins gespaltene Pers├Ânlichkeit nun wieder vereint ist?

Du solltest aus dem Noffallarzt noch einen Notfallarzt machen ...

Mit ein wenig ├ťberarbeitung k├Ânnte daraus richtig was werden!
Weiter so!

meint die Haremsdame
__________________
Wer nicht wagt, der nicht gewinnt

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gerian
Festzeitungsschreiber
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Eine zweite Chance

Hallo Petra,
Danke!
Ich freue mich, dass dir der Text gefallen hat und auch ├╝ber deine Zustimmung, dass es ein "ungel├Âstes" Geheimnis bleiben darf.

Mag sein, dass "purpurrot" so nicht ganz in die Landschaft passt (zum sonst eher "unpr├Ątenti├Âsen Stil").

Ich sehe allerdings keine "Geige" (du meintest wohl die "Glocke").
Es stimmt. Da ist ein Stilbruch drin.

Viele Gr├╝├če
Gerian.

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gerian
Festzeitungsschreiber
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Eine zweite Chance

Hallo, liebe Haremsdame,

"Mit ein wenig ├ťberarbeitung k├Ânnte daraus richtig was werden...," das befl├╝gelt mich, liebe Haremsdame, daran zu arbeiten.
Wiederum eine konstruktive Kritik. Danke!

Ich werde es mir abgew├Âhnen, jeden Satz mit einer neuen Zeile zu beginnen.

"Ich h├Ârte eine Glocke in mir klingen."
Das war so keine Absicht, eher Stilbruch.

Ich sollte beim auktorialen Erz├Ąhlstil bleiben.

Der Notfallarzt war ein "Ungl├╝ck".

Danke nochmals.

LG
Gerian

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Ralf Langer
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2009

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Hallo Gerian,

habe auch hier alles in einem Rutsch gelesen.
Auch hier das Zwiegespr├Ąch gelungen.
Die Geschichte ist spannend und ich denke
der Plot funktioniert.

Ein Vorschlag von mir w├Ąre, die W├Ârtliche Rede
besser in die Geschichte zu binden,

Zeig dem Leser am Anfang wo er mit seinen Lyrich
ist, das federt ein wenig den Lauf der Geschehnisse ab.

Chapeau und weiter so

lg
ralf
__________________
RL

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gerian
Festzeitungsschreiber
Registriert: Oct 2006

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Eine zweite Chance

Hallo Ralf,

danke dir!
Ich werde dar├╝ber nachdenken, wie ich die "w├Ârtliche Rede" besser in den Text hinein arbeiten kann.

Es freut mich, dass du die Geschichte flie├čend gelesen hast.
So w├╝nsche ich es mir.

LG
Gerd

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