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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Einen Menschen so nehmen, wie Gott ihn gemeint hat
Eingestellt am 29. 03. 2005 13:29


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Haremsdame
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Wie könnte Gott D. gemeint haben? Sie sitzt im Wohnzimmer in ihrem Sessel und schaut vor sich hin. Sitzt immer in der gleichen Haltung: das linke Bein über das rechte geschlagen, die rechte Hand unter das linke Knie geklemmt, die linke Hand unter den linken Oberschenkel geschoben. Dabei hängt die linke Schulter ganz schief nach unten. Das Gesicht sieht gelangweilt aus, sie schaut geradeaus nach vorne – manchmal schaut sie ins Bücherregal, manchmal nach unten. Die Augen sind leer.

Allein bringt sie nichts mehr auf die Reihe. Doch, sie geht noch allein aufs Klo, wenn wir ihr den Weg zeigen. Sie spürt den Drang auf die Toilette noch selbst. Sie kann auch noch selbständig essen, wenn wir sie zu Tisch bitten. Zuvor müssen wir ihr alles hingelegt haben. Wir müssen ihr den Stuhl zurechtrücken und sie darauf aufmerksam machen, dass der Teller vor ihr steht und wo der Löffel liegt.

Bei D. können wir lernen, nichts von einem Menschen zu erwarten, sondern einfach nur für ihn da zu sein. Ist es das, was Gott von uns erwartet? Was will er uns mit der Alzheimer Krankheit sagen?

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jon
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„Was will er (Gott) uns mit der Alzheimer Krankheit sagen? "
…dass wir alles vergessen können? (grins)
Nein im Ernst: Ich hab in den Text geklickt, weil ich bei der „Forderung" dachte: Wer um alles in Welt WEIß, wie Gott diesen oder jenen Menschen gemeint hat und wie wir ihn deshalb zu nehmen haben? Der Text stellt diese Frage auch – gewissermaßen. Die Antwort ist aber unvollständig: Dass D. „nur" vergessen hat, ist eine Sache (das hätte Gott auch mit einem Unfall "erledigen" können – die Krankheit Alzheimer ist aber viel weitreichender. Persönlichkeitsverändernd. Paranoia auslösend. Was bitte soll darin die "Botschaft" sein? Und: Wozu Alzheimer, wo all das auch anders und einfacher zu bewerkstelligen ist? Ist Gott einer von den "Sicherheitsfanatiker", die alles fünfzigfach abschicken, damit es wenigstens einmal garantiert "ankommt"? Das hat was mit Kontrollsucht zu tun. Aber auch das könnte Gott doch einfacher haben, oder?
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Haremsdame
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Hallo Jon,

wer tagtäglich von morgens bis abends mit einem an Alzheimer erkrankten Menschen zusammenlebt, fragt sich nach einer Reihe von Jahren unweigerlich nach dem Sinn dieser Krankheit. Sie beeinträchtigt ja nicht nur den Kranken. Sie verändert auch die Menschen, die den Kranken begleiten.

Es gibt auf diesem Weg viele Stufen der Entwicklung. In der anfänglichen Verzweiflung („Warum hat es gerade meinen Angehörigen und mich getroffen?“) steckt man gewöhnlich erst mal den Kopf in den Sand. Spätestens nach einer Reihe von Auseinandersetzungen, die aus dem Unverständnis der Gesunden dem Kranken gegenüber resultieren, beginnt die Suche nach einer Zukunftslösung, um den Rest des Lebens möglichst für alle Beteiligten so menschenwürdig wie möglich über die Runden zu bringen. Der Schmerz des täglichen Abschiednehmens ist schon fast „normal“ geworden, wenn die Gesunden schließlich einsehen, dass sie die Krankheit als unveränderbar akzeptieren müssen und damit aufhören, dem Kranken seine zunehmenden Unzulänglichkeiten vor Augen zu führen. Die Begleiter werden „demütig“ und denken häufig auch darüber nach, was sie aus dieser nicht alltäglichen Situation für sich selbst lernen können...

In einem hast Du sicher recht: nicht nur die Alzheimer Krankheit stellt einen vor das Problem, den Kern des anderen in der übriggebliebenen Hülle zu suchen. Ein Unfall, der zum Beispiel im Wachkoma endet, wirft die gleichen Überlegungen auf – allerdings mit dem Unterschied, dass so jemand weder kontern noch „danke“ sagen kann, aber immer noch die Hoffnung auf eine „gesunde Rückkehr“ besteht...

Ăśbrigens bin ich der Meinung, dass im Tagebuch auch unbeantwortete Fragen stehen dĂĽrfen. Fragen, die zum Nachdenken anregen. Sehe ich das falsch? Darf man wirklich erst schreiben, wenn man fĂĽr alle Probleme eine Antwort parat hat?

Leider habe ich bezüglich Deiner letzten Anmerkungen Scheuklappen. „Ist Gott einer von den "Sicherheitsfanatiker", die alles fünfzigfach abschicken, damit es wenigstens einmal garantiert "ankommt"? Das hat was mit Kontrollsucht zu tun. Aber auch das könnte Gott doch einfacher haben, oder?“ Könntest Du mir diese Sätze etwas verdeutlichen, damit auch ich sie verstehe?
Auf jeden Fall freue ich mich ĂĽber Dein Interesse.

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jon
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Das Thema ist nicht neu und trotzdem jedesmal neu für den, den es trifft. Die Suche nach dem Sinn ist eine der menschlichsten Strategien mit "sowas" umzugehen. Es tröstet, wenn "es zu was gut ist". Keine Frage.
Und: Ja, es darf im Tagebuch auch Unbeantwortetes stehen, ja sogar Ungefragtes.
Was bei mir – ebenfalls tagebuchartig – aber immer wieder auftritt, ist die Frage: Wie fatalistisch muss man sein, um Gott "sowas" nicht übel zu nehmen? Wann hört man auf, sich die Frage zu stellen: "Konnte ER dazu nicht jemand anderen nehmen?" oder eben: “Menschen hilflos machen – das hat ER schon so oft getan. Wie oft will ER uns diese lektion denn noch unter die Nase reiben?!"
Wo ist – in der Wirkung auf den, den er hinnimmt  – der Unterschied zwischen "Gott ist eben so" und "Das Leben ist eben so."? Und wozu dann Gott als "Alibi"?
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Haremsdame
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Das Leben

Hallo Jon,

was hilft es denjenigen, die täglich mit "sowas" zu tun haben, wenn sie es IHM übel nehmen? Dadurch ändert sich überhaupt nichts. Das Leben behält trotzdem seine grausamen Aspekte.

Seitdem ich versuche, das Leben so nehmen, wie es nun mal ist, geht es mir persönlich besser. Ich versuche mich an den immer wieder auftauchenden Sinnfragen weiter zu entwickeln und nicht in einer ohnmächtigen Wut und Trauer hängen zu bleiben. Denn das würde den Alltag nur vergällen.

Sicher hast Du recht: es ist egal ob man "Gott" oder "das Leben" verantwortlich macht. Solange es einen "Schuldigen" gibt, ist es leichter zu ertragen. Gleichzeitig lenkt mich das Ăśben, diesem Schuldigen zu vergeben, von meinem Leid ab.

Liebe GrĂĽĂźe
Haremsdame


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jon
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Provokatorische Frage: Wozu dann überhaupt Gott ins Spiel bringen? Wäre es nicht einfacher, IHN als nicht existent anzunehmen, so dass eine Schuldfrage gar nicht erst aufkommt?

Ich weiß, diese Option stellt sich einem an Gott Glaubenden nicht. Rationales ist in Glaubenssachen nun mal kein Argument. Insofern ist es unsinnig, hier eine echte Diskussion (, das heißt: eine, die zu einer "Einigung" führt) vom Zaune brechen zu wollen. Das will ich auch nicht. Situationen wie deine fordern sowieso von jedem eine ganz eigene "Entscheidung" darüber, wie man sie trägt und ob man sie überhaupt tragen will (, das ist ja heute auch ein Thema, im Gegensatz zu früher). Ich versuche, mich in so eine Situation hineinzudenken, diese Entscheidung schon mal vorzubereiten. Und merke immer wieder, dass ich es nicht kann. Trotzdem: Danke für diesen Anlass, es doch mal wieder zu versuchen.
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