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Leselupe.de > Science Fiction
Einer wird der Letzte sein
Eingestellt am 23. 11. 2005 20:31


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Rumpelsstilzchen
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„Bitte, tu’ es nicht!“ Sie kniete vor dem Sessel und ihre verquollenen Augen flehten zu ihm hoch.

„Hör’ auf, es hat doch keinen Zweck.“ Er hatte genug von dieser quĂ€lenden Diskussion.

„Ich brauche dich“, flĂŒsterte sie, viel zu oft hatte sie diese Worte in den vergangenen Wochen geschrieen.

Er lachte bitter. „WofĂŒr? Als ErinnerungsstĂŒck? FĂŒr dein persönliches Museum?“ Sanft befreite er seine Beine aus ihrer Umklammerung und stand auf.

„Nie wieder werde ich jemanden wie dich finden!“

Er ging zum Fenster und sah durch sie hindurch, hinaus in die glitzernde Dunkelheit der Stadt. „NatĂŒrlich nicht, ich bin der Letzte. Ein Relikt.“

Er sagte nicht mehr, wie sehr er es hasste, nicht wie die Anderen zu sein. Wie einsam, unendlich einsam er war. Dass er doch sie habe, wĂŒrde sie antworten, und sie zusammen gehörten. Ihr Spiegelbild erhob sich vom Boden und er schloss die Augen. Das ist nicht das Gleiche, hatte er versucht zu erklĂ€ren. Du bist nicht wie ich. Niemand ist wie ich. Nicht mehr.

Geschichte.
Seine Art war Geschichte.
Ihr Schicksal war bereits besiegelt gewesen, als sie, noch in ihrer Unbesiegbarkeit schwelgend, sich mit Eifer die Erde untertan machten. Jahrtausende hatten sie die Geschicke der Menschheit bestimmt. Sie waren die Herren ĂŒber Krieg und Frieden gewesen, hatten das Recht geschaffen und die Urteile gesprochen, im Namen des Fortschritts das Leben erforscht und Tode erfunden. Die GrĂŒnde gleich dazu. Nichts und Niemand war ihnen gewachsen gewesen, nicht einmal sie selbst. Sie hatten die Welt gezĂ€hmt.

Ihr Atem kitzelte seinen Nacken, als sie sich an ihn drĂ€ngte. „Schlaf mit mir. Ein letztes Mal.“ Ihre HĂ€nde schlichen an seinen Schritt heran und ein kleines feuchtes Tier kroch hinter sein Ohr.

„Lass das.“ Leise und gleichmĂŒtig kamen die Worte. Das Tier zuckte vor ihrer EndgĂŒltigkeit zurĂŒck.

Was hĂ€tte es fĂŒr einen Sinn? Er war der Letzte und wollte es bleiben. Anfangs hatten sie es versucht, als ihre Leidenschaft sein Widerstreben noch besiegen konnte. Aber im Laufe der Zeit war ihr Verlangen verzweifelter geworden und sein Widerwille wuchs daran zur Gewissheit, es dem Ungezeugten schuldig zu sein. Wie oft hatte er seinen Vater verflucht! Seine arrogante Überheblichkeit, die ihn zu dieser sinnlosen Existenz in einer Welt verurteilt hatte, die seinesgleichen nicht mehr brauchte.

Sie war an ihm herunter geglitten und stieß ihre Schluchzer in seine Kniekehlen. Sie konnte seinen Entschluss nicht erschĂŒttern, diesmal wĂŒrde er ihren egoistischen kleinen Schmerz aushalten.
Meine Liebe ist groß genug, um dem Hass und Neid der Anderen zu widerstehen und du willst einfach aufgeben, was wir haben, hatte sie ihm vorgeworfen. Was sie hatte: Seine Einzigartigkeit. Schließlich hatte er es verstanden.

Es war still geworden hinter ihm und er drehte sich um. Erschöpft von ihrem aussichtslosem Kampf lag sie in sich zusammen gerollt auf dem Teppich.
„Ich kann nach der Transplantation wieder kommen“, sagte er leise und ohne Hoffnung. Sie rĂŒhrte sich nicht. Ihr leerer Blick in eine Zukunft ohne ihn krampfte sich um seine Eingeweide. Willst du mich dann quĂ€len, hatte sie gefragt, indem du mich stĂ€ndig erinnerst, was ich verloren habe? Du wirst nicht mehr der Mann sein, den ich liebe.

Er wĂŒrde sie nicht wieder sehen, das war der Preis der Befreiung von seiner Einsamkeit. Vielleicht hatte sie sogar recht und er wird es nicht einmal mehr wollen. Nur jetzt tat es weh und machte seine Stimme rau. „Ihr kommt sehr gut ohne uns aus.“

Bei der Suche nach dem Geheimnis des Lebens hatten die Gensequenzierer irgendwann das Menetekel offenbart und es gab kokettes WeltuntergangsgeflĂŒster in den Feuilletons der Sonntagszeitungen. Aber niemand nahm es ernst. Dann ließ die Fruchtbarkeit nach, zu viele Hormone in der Landwirtschaft, hieß es. Den wirklichen Grund hatten sie verdrĂ€ngt, stattdessen kĂŒnstliche Methoden gefunden. Eine unwesentliche Verzögerung des Millionen Jahre alten Spielplans. Ihre Rolle war zu Ende und morgen wĂŒrde er den Schlusssatz sprechen. Wer brauchte noch MĂ€nner.

__________________
Ich glaube
an das Gesetz
der kritischen Masse

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Amos
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Hallo Rumpelsstilzchen!

Es ist mir schon des öfteren aufgefallen, daß du eine besondere Vorliebe dafĂŒr zu haben scheinst, griffige Pointen auf einen letzten Satz zu legen, was dir auch dieses Mal wieder sehr gut gelungen ist. Man möchte ggf. versucht sein zu spötteln, daß eine derartige ÜberschĂ€tzung des mĂ€nnlichen Geschlechts hinsichtlich seiner Bedeutung fĂŒr den "Zivilisationsprozeß" nur aus der Sichtweise eines seiner Angehörigen nachvollziehbar ist - aber lassen wir das.

Beim Lesen bin ich lediglich beim Übergang zum letzten Absatz ein wenig gestolpert, er schien mir etwas "aufgesetzt"; persönlich hĂ€tte es mir besser gefallen, wenn du den Übergang fließender gestaltet hĂ€ttest. Man könnte vielleicht auch den Frust etwas deutlicher machen, wie man(n) sich fĂŒhlen muß als letzter seiner Art, belagert von den Medien, knapp dem Versuch entkommen, von der Kulturanthropologischen Stiftung zwangsweise in ein Museum eingewiesen zu werden... Nur um die Sache vielleicht etwas dramatischer zu gestalten.

Unklar bleibt mir allerdings die Sache mit der Transplantation; natĂŒrlich gibt es eine naheliegende Lösung, allerdings finde ich sie ein wenig - nun ja, unpassend. Schließlich wĂ€re das nur die Ă€ußerliche Angleichung, die m.E. unweigerlich in einem Disaster resultieren mĂŒĂŸte. Es sei denn, du denkst an etwas anderes als an eine Geschlechtsumwandlung.

Wie dem auch sei, die LektĂŒre hat Spaß gemacht und zum GrĂŒbeln angeregt, und zudem liest sich die Geschichte als interessantes Pendant zu "Auch eine Möglichkeit".

Mit besten GrĂŒĂŸen,

Asmo


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flammarion
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da

bleibt noch die frage: wie schaffte er es, sich vor den anderen frauen zu verbergen und nur bei der einen zu leben? ich kann mir vorstellen, dass die weiber sich gnadenlos um den kerl zerfetzt hÀtten.
ansonsten: gut erzÀhlt.
lg
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Old Icke

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xrotbartx
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Autsch

„Bitte, tu’ es nicht!“ Sie kniete vor dem Sessel und Du vermengst hier zwei Infos, die nichts miteinander zu tun haben. Mach lieber zwei HauptsĂ€tze daraus. ihre verquollenen Augen flehten zu ihm hoch.

„Hör’ auf, es hat doch keinen Zweck.“ Er hatte genug von dieser quĂ€lenden Diskussion.

„Ich brauche dich“, flĂŒsterte sie, viel zu oft hatte sie diese Worte in den vergangenen Wochen geschrieen.
Du springst hier mit der Perspektive hin und her, wie es dir gerade passt. Vielleicht kann man das noch umformulieren.

Er lachte bitter. „WofĂŒr? Als ErinnerungsstĂŒck? FĂŒr dein persönliches Museum?“ Sanft befreite er seine Beine aus ihrer Umklammerung und stand auf.

„Nie wieder werde ich jemanden wie dich finden!“ Wer sagt das?

Er ging zum Fenster und sah durch sie Durch die Frau? Das Fenster ist Einzahl. hindurch, hinaus in die glitzernde Dunkelheit der Stadt. „NatĂŒrlich nicht, ich bin der Letzte. Ein Relikt.“

Er sagte nicht mehr, wie sehr er es hasste, nicht wie die Aanderen zu sein. Wie einsam, unendlich einsam er war. Dass er doch sie habe, wĂŒrde sie antworten, und sie zusammen gehörten. Ihr Spiegelbild erhob sich vom Boden und Siehe ganz oben. er schloss die Augen. Das ist nicht das Gleiche, hatte er versucht zu erklĂ€ren. Du bist nicht wie ich. Niemand ist wie ich. Nicht mehr.

Geschichte.
Seine Art war Geschichte.
Ihr Schicksal war bereits besiegelt gewesen, als sie, noch in ihrer Unbesiegbarkeit schwelgend, sich mit Eifer die Erde untertan machten. Jahrtausende hatten sie die Geschicke der Menschheit bestimmt. Sie waren die Herren ĂŒber Krieg und Frieden gewesen, hatten das Recht geschaffen und die Urteile gesprochen, im Namen des Fortschritts das Leben erforscht und Tode erfunden. Die GrĂŒnde gleich dazu. Nichts und Niemand war ihnen gewachsen gewesen, nicht einmal sie selbst. Sie hatten die Welt gezĂ€hmt.
Sorry, aber wen meinst du?

Ihr Atem kitzelte seinen Nacken, als sie sich an ihn drĂ€ngte. „Schlaf mit mir. Ein letztes Mal.“ Ihre HĂ€nde schlichen an seinen Schritt heran und ein kleines feuchtes Tier kroch hinter sein Ohr.

„Lass das.“ Leise und gleichmĂŒtig kamen die Worte. Das Tier zuckte vor ihrer EndgĂŒltigkeit zurĂŒck.

Was hĂ€tte es fĂŒr einen Sinn? Er war der Letzte und wollte es bleiben. Anfangs hatten sie es versucht, als ihre Leidenschaft sein Widerstreben noch besiegen konnte. Aber im Laufe der Zeit war ihr Verlangen verzweifelter geworden und sein Widerwille wuchs daran zur Gewissheit, es dem Ungezeugten schuldig zu sein. Wie oft hatte er seinen Vater verflucht! Seine arrogante Überheblichkeit, die ihn zu dieser sinnlosen Existenz in einer Welt verurteilt hatte, die seinesgleichen nicht mehr brauchte.

Sie war an ihm herunter geglitten und stieß ihre Schluchzer in seine Kniekehlen. Sie konnte seinen Entschluss nicht erschĂŒttern, diesmal wĂŒrde er ihren egoistischen kleinen Schmerz aushalten.
Meine Liebe ist groß genug, um dem Hass und Neid der Aanderen zu widerstehen und Siehe wieder gaaaanz oben. du willst einfach aufgeben, was wir haben, hatte sie ihm vorgeworfen. Was sie hatte: Seine Einzigartigkeit. Schließlich hatte er es verstanden.

Es war still geworden hinter ihm und er drehte sich um. Erschöpft von ihrem aussichtslosem Kampf lag sie in sich zusammen gerollt auf dem Teppich.
„Ich kann nach der Transplantation wieder kommen“, sagte er leise und ohne Hoffnung. Sie rĂŒhrte sich nicht. Ihr leerer Blick in eine Zukunft ohne ihn krampfte sich um seine Eingeweide. Willst du mich dann quĂ€len, hatte sie gefragt Warum fragt sie es nicht jetzt? , indem du mich stĂ€ndig erinnerst, was ich verloren habe? Du wirst nicht mehr der Mann sein, den ich liebe.

Er wĂŒrde sie nicht wieder sehen, das war der Preis der Befreiung von seiner Einsamkeit. Vielleicht hatte sie sogar recht und er wird es nicht einmal mehr wollen. Nur jetzt tat es weh und machte seine Stimme rau. „Ihr kommt sehr gut ohne uns aus.“

Bei der Suche nach dem Geheimnis des Lebens hatten die Gensequenzierer irgendwann das Menetekel offenbart und es gab kokettes WeltuntergangsgeflĂŒster in den Feuilletons der Sonntagszeitungen. Aber niemand nahm es ernst. Dann ließ die Fruchtbarkeit nach, zu viele Hormone in der Landwirtschaft, hieß es. Den wirklichen Grund hatten sie verdrĂ€ngt, stattdessen kĂŒnstliche Methoden gefunden. Eine unwesentliche Verzögerung des Millionen Jahre alten Spielplans. Ihre Rolle war zu Ende und morgen wĂŒrde er den Schlusssatz sprechen. Wer brauchte noch MĂ€nner.?

Ich hoffe, es hilft auch dir.
__________________
Mit kritischem Gruß
Harald Hillebrand

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Amos
Guest
Registriert: Not Yet

@xrotbartx: Deine Korrekturen mögen aus der subjektiven Perspektive eine Verbesserung darstellen, eine Notwendigkeit hierfĂŒr scheint mir aber nicht gegeben, da sie am VerstĂ€ndnis des Textes kaum etwas Ă€ndern.

Die Streichung der Konjunktionen, die schließlich dazu dienen, zwei (Teil-)SĂ€tze miteinander zu verbinden, macht das Beschriebene nicht besser verstĂ€ndlich. Man/frau kann durchaus gleichzeitig knien und flehen; diese VerknĂŒpfung scheint mir schon fast archetypisch - warum in zwei SĂ€tze zerlegen?

Den willkĂŒrlichen Perspektivwechsel kann ich auch nicht erkennen. Mal spricht er, mal sie.

quote:
Seine Art war Geschichte.
Ihr Schicksal war bereits besiegelt [schnipp] Sie hatten die Welt gezÀhmt. Sorry, aber wen meinst du?

Wenn der Autor die Frage an dieser Stelle beantworten wĂŒrde, wĂ€re die Pointe ĂŒberflĂŒssig. Darf man dem Leser nicht zumuten, auf die Auflösung zu warten?

Wie gesagt, man diese Korrekturen anmerken, aber ich zweifle, daß sie den Text wesentlich verbessern.

--Amos

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Rumpelsstilzchen
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quote:
Man könnte vielleicht auch den Frust etwas deutlicher machen, wie man(n) sich fĂŒhlen muß als letzter seiner Art, belagert von den Medien, knapp dem Versuch entkommen, von der Kulturanthropologischen Stiftung zwangsweise in ein Museum eingewiesen zu werden... Nur um die Sache vielleicht etwas dramatischer zu gestalten.
Mit solchen Sensationen wĂ€re es große Oper. Mir genĂŒgte das Kammerspiel; das Drama ist immer ein persönliches.
quote:
Schließlich wĂ€re das nur die Ă€ußerliche Angleichung, die m.E. unweigerlich in einem Disaster resultieren mĂŒĂŸte.

Das ist ja das Drama.
quote:
bleibt noch die frage: wie schaffte er es, sich vor den anderen frauen zu verbergen und nur bei der einen zu leben? ich kann mir vorstellen, dass die weiber sich gnadenlos um den kerl zerfetzt hÀtten.
Vielleicht hÀtten sie sich gefetzt. Einige sogar bestimmt. Tja, sie gewann. Ein Alphaweibchen eben.

Nun zu deinem Geschichtspeeling, mein lieber xrotbartx :-)):
Einen dicken Pickel hast du tatsĂ€chlich gefunden: den Perspektivwechsel. Muss noch ein bisschen reifen, dann drĂŒcke ich ihn aus.
Der Rest sind Schönheitsflecken, alle mit Sorgfalt appliziert.
Hier zum Beispiel:
quote:
Er ging zum Fenster und sah durch sie hindurch, hinaus in die glitzernde Dunkelheit der Stadt.

Das ist eine Katapher (VorwÀrtsverweis) auf
quote:
Ihr Spiegelbild erhob sich vom Boden ...

Frisch gepudert und perĂŒckt, ist er abgerĂŒckt

__________________
Ich glaube
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