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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Einerlei
Eingestellt am 14. 06. 2002 19:19


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Patina
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: May 2002

Werke: 3
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Die tönerne Leere spielte mit dem Einerlei. Saftig grüne Bäume angemalt vom Sonnenlicht. Dazwischen das ohrenbetäubende Gezwitscher der Vögel. Der Gummibaum am Fenster gedieh prächtig. Eine Schleifspur zog sich durch ihr Gehirn. Sie nahm ihr Gebiß heraus und tauchte es in das sprudelnde Glas und beobachtete, wie es auf den Grund sank. Endlich war sie befreit von dem Druck, den die falschen Zähne erzeugten. Der Kiefer eines Neugeborenen schnappte nun nach Luft. Noch eine. Der Arzt hatte es nicht erlaubt. Sie fingerte mit ihren teigigen Extremitäten nach der Schachtel. Zwei waren noch übrig. Eine für heute, die andere für den Morgen. Sie setzte die Zigarette an den Mund an. Die Lippen waren taub. Sie dachte an ihren Gummibaum. Warum gerade jetzt, war ihr der Gedanke an das Gestrüpp entflohen? Der Gummibaum setzte sich in ihrem Kopf fest. Ein Vogel hob gackernd in die Luft ab. Sie klapperte die nicht vorhandenen Zähne aufeinander. Dann nahm sie das Feuerzeug und zündete die Zigarette an. Dunstschwaden erhoben sich in die Luft. Welch Kampf, das Einerlei auszuhalten! Von der Ferne ein dröhnendes Lachen. Sie erhob sich vom Sofa, öffnete das Fenster, nahm das Kissen und stützte die Arme darauf, die Zigarette in den hohlen Zahnraum gepresst. Sie starrte der Horde Jugendlichen hinterher. Hatten sie wegen ihr gelacht? Sie war schon versucht, ihnen hinterher zu schreien, als sie bemerkte, daß sich ein Knopf an ihrer Bluse geöffnet hatte. Wie peinlich! Mit zitternden Fingern versuchte sie den Knopf in das Loch zu fädeln. Als es ihr mißlang, drehte sie sich schnell von dem Fenster hinweg und begann, immer noch die Zigarette zwischen den Fingern, den Kampf mit dem Knopf. Nach mehreren mißlungenen Versuchen sprang er ab. Sie fingerte im gesamten Raum nach ihm. Unauffindbar. Keine Lösung. Die Asche war über den Teppich verteilt. Sie verfluchte sich, weil sie so dick war. Sie verfluchte den Arzt, weil er ihr die Zigaretten verboten hatte. Der Knopf blieb unauffindbar. Sie fand ihn am nächsten Morgen, als sie sich das Gebiß hineinsetzen wollte. Dann fiel es ihr wieder ein. Sie wollte doch. Sie ging zu dem Gummibaum und riß ihn aus der Erde. Unter den Resten vergrub sie den Knopf und das Gebiß. Danach rauchte sie eine Zigarette.

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Zefira
???
Registriert: Jan 2001

Werke: 14
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Liebe Patina, ich kann Dir die Geschichte nachfühlen.
Sie hat Kraft und Wucht, aber so ist das nicht mit den falschen Zähnen. Weiß ich zufällig genau . Es sei denn, Deine Protagonistin ist eine uralte Dame und ist noch nach dem alten Zahnersatzprinzip behandelt worden, das da heißt: nachts Wasserglas.
Ich gebe Dir gern noch weitere Informationen, aber ich denke, das machen wir dann doch lieber privat ab.
Aber: Kraft und Wucht hat es. Der Teufel hole den Gummibaum! Alles wächst und gedeiht, nur mir gehts dreckig. Kommt sehr gut rüber.
Der Schluß kommt ein bißchen sehr unvermittelt, dieser Zeitbruch zum nächsten Morgen hin. Versuche doch mal, die es mit einem Absatz vor und nach "Sie wollte doch" aussieht.
lG, Zefira

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Patina
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: May 2002

Werke: 3
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Hallo Zefira,
tatsächlich hatte ich eine sehr alte Frau im Kopf, als ich die Zeilen schrieb. Ich bin dabei, mehrere kleine Geschichten über das Altern zu schreiben. Du weißt ja, daß meine Großmutter gestorben ist. Das beschäftigt mich immer noch.

Was ich zwischen die Zeile einschiebe, werde ich mir noch überlegen. Vielleicht kommt mir demnächst die göttliche Eingebung. Die Zeit rinnt mir zwischen den Fingern davon. Wenn ich doch nochmal ganz jung sein und nocheinmal von vorne anfangen könnte. Oder wenn ich schon immer geschrieben hätte. Vielleicht wäre dann alles einfacher.

Viele liebe Grüße von Patina

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