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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Eines der bemerkenswertesten Romandebüts in Deutschland der letzten Jahre
Eingestellt am 21. 03. 2012 17:35


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Winfried Stanzick
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2011

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Rezension zu:

Natasa Dragnic, Jeden Tag, jede Stunde, DVA 2011, 278 Seiten, ISBN 978-3-421-04516-4

Dieses Buch ist eines der bemerkenswertesten Romandebüts in Deutschland der letzten Jahre. Die früher selbst in Kroatien lebende und seit 1994 in Erlangen lebende Dozentin Natasa Dragnic entführt ihre Leser in ihrem Buch in eine wunderbare und gleichzeitig traurige Geschichte zweier Menschen, die sich ein Leben lang lieben und es doch so schwer haben wirklich zueinander zu finden.

Sie erzählt die berührende Liebesgeschichte von Dora und Luka auf dem Hintergrund der Geschichte ihrer Heimat Kroatien seit Anfang der sechziger Jahre, über den verheerenden Bürgerkrieg Anfang der neunziger Jahre bis in die jüngste Gegenwart des ersten Jahrzehnts des 21.Jahrhunderts.

Alles beginnt in einem Kindergarten in Makarska, einer kleiner Stadt am kroatischen Meer. Der fünfjährige Luka geht dort schon länger hin, als eines Tages ein neues Mädchen zur Tür hereinkommt, die eine Tasche in der Hand hat, die sofort Lukas Aufmerksamkeit erregt. Und etwas, was sich sein ganzes Leben lang durchziehen wird, geschieht: vor Aufregung über die Gestalt dieses Mädchens – es ist Dora, gerade drei Jahre alt- hält er die Luft an, beginnt zu zählen und wird ohnmächtig. Die kleine Dora ist als erste bei dem Jungen: „Sie geht in die Hocke, wird winziger als winzig. Ihre Augen weiten sich, bis ihr Gesicht, das blasser wird als blass, nur noch aus Augen zu bestehen scheint.“ Zum Entsetzen ihrer Mutter küsst die kleine Dora den Jungen auf den Mund und sagt: „Du bist mein Dornröschen, nur mein, wach auf, mein Prinz, du bist mein Prinz, nur mein…“

In den nächsten Jahrzehnten wird sich diese Szene noch mehrmals wiederholen in einem bewegten Leben, das vom Wechsel aus Nähe und Entfernung zwischen Dora und Luka bestimmt wird, ein Wechsel, den sie selbst mit gestalten und auch wieder nicht. Vom ersten Moment an, als Dora Luka im Kindergarten wach küsst, sind die Herzen und die Seelen der beiden unzertrennlich. Als nach einer wunderschönen Kinderzeit, in der die beiden Kinder jeden freien Tag miteinander verbringen, Doras Eltern nach Frankreich gehen, scheint alles vorbei. Die konkrete Erinnerung an den jeweils andern verblasst, doch in den Seelen der erwachsen werdenden Protagonisten bleibt der andere da als ein Schatten, ein Licht, eine seltsam schmerzende Leerstelle.

Meisterhaft beschreibt Natasa Dragnic in wechselnden Einstellungen dieser über die Grenzen und die Jahre währenden Verbindung, bis sich eines Tages Luka, der inzwischen ein talentierter Maler geworden ist und Dora, die als Schauspielerin vor einer großen Zukunft steht, in Paris wiedertreffen. Es folgen drei glückliche Monate, in der sie täglich ihre Liebe ausleben. Eine gemeinsame Zukunft ist beschlossene Sache. Nur Luka muss noch einmal kurz nach Hause, um einiges zu klären. Doch dann kommt er nicht mehr wieder und meldet sich nicht mehr.

Doch das ist noch lange nicht das Ende der Geschichte zweier Menschen, die füreinander bestimmt sind, wie selten zwei andere Menschen zuvor. „Jeden Tag, jede Stunde“ – der Titel bezieht sich auf eine Liebesgedichtzeile von Pablo Neruda, der Luka zum lyrischen Freund wird- ist ein wunderbarer und sprachmächtiger Liebesroman, der von innen heraus seine poetische Kraft und seine emotionale Dimension erschafft.

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