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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Einfach
Eingestellt am 11. 10. 2002 15:28


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tinchen
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Oct 2002

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Einfach


Es soll das Gef├╝hl sein, das alle am Leben erh├Ąlt. Ohne das ein Mensch nicht leben kann.
Es ist das Gef├╝hl, das alles kaputt machen kann. Das, das Leben sinnlos erscheinen l├Ąsst.
Aber es ist das selbe Gef├╝hl, es ist die selbe Macht.
Es ist die Liebe.


Ich liege im Krankenhausbett. Allein, nur meine Gedanken, meine Schmerzen, ich. Mir gegen├╝ber liegt eine Frau. Seit fast zwei Tagen liegt sie dort, blass, sprachlos, gef├╝hllos? Was wird sie denken? Wird sie ein Gef├╝hl der Liebe in sich haben, wenn sich ihre Tochter zu ihr setzt, unf├Ąhig die Schmerzen der Mutter zu lindern?
Und was ist mit ihrer Liebe zu ihrem K├Ârper, nachdem ihr ihre Weiblichkeit genommen wurde?
Wenn ich nach drau├čen schaue, sehe ich die ersten Fr├╝hlingssonnenstrahlen. V├Âgel, die sich den Wolken entgegenbewegen, aber auch wieder zur├╝ckkehren, als wollten sie sagen: "Schaut euch das an, was hier vor sich geht. Das Leben lacht euch zu, egal wo ihr seit, wer ihr seit, was euch gerade bewegt."
Dieses Fr├╝hlingserwachen, auch wenn mein Verstand wei├č, das es in ein paar Minuten wieder anfangen kann zu regnen, macht mir soviel Mut. Ich sitze hier auf meinem Krankenhausbett, wei├č nicht, wann ich wieder in die "normale" Welt entlassen werde, sehe diese kranke Frau vor mir, aber ich l├Ąchle. W├╝nsche mir und auch den anderen, das man sich diesen kurzen Augenblick einf├Ąngt. Ihn sich vor die Augen h├Ąlt, wenn es wieder tr├╝ber wird.
Doch selbst mir f├Ąllt es so oft schwer, w├Ąhrend ich gerade Lieder h├Âre, die mich an eine Zeit erinnern, in der ich diese Sonnenstrahlen nicht wahrgenommen habe. In der ich sie ignoriert habe.


Ja! Ich darf, wenn die Untersuchungen am Dienstag gut verlaufen, sp├Ątestens am Donnerstag das Krankenhaus verlassen. Von Au├čen sieht die Wunde gut aus. Ich k├Ânnte strahlen, muss mir aber gerade die Tr├Ąnen verkneifen.
Warum? Es gibt Tage, da sind so viele unterschiedliche Gedanken in einem. Es staut sich im Moment soviel: Angst, Versuch des Vertrauens, Misstrauen, Gl├╝ck oder doch Ungl├╝ck?
Wie soll ich es sehen, annehmen?
Jetzt renne ich erst mal vor den Gef├╝hlen weg, dr├Ąnge sie zur Seite..


Ich werde b├Âse auf mich selbst, wenn ich an die Zeit denke, die ich mit dem Begriff Liebe verbunden habe. Mit der Liebe nicht zu Eltern, Geschwistern, Freunden, sondern Liebe zu einem Mann. An Tagen wie heute, frage ich mich, ob es Liebe war?
Nat├╝rlich war ich am Anfang verknallt, schw├Ąrmte f├╝r Mark mehr als f├╝r jeden anderen Mann.
Auch bin ich mir sicher, das diese Schw├Ąrmerei wuchs, ich verliebt war.
Ich bin mir aber auch sicher, das es am Ende alles war, aber keine Liebe.
Aber was war es dazwischen?
Kann man mit achtzehn ├╝berhaupt von Liebe reden?
Was ist ├╝berhaupt von N├Âten, damit man von Liebe sprechen kann?
Gibt es eine Checkliste f├╝r Liebe?
Wie einfach erscheint es im R├╝ckblick als Kind seine Eltern, seine Geschwister, seine Gro├čeltern bedingungslos zu lieben. Das Urvertrauen, das uns gegeben ist, l├Ąsst uns nicht dar├╝ber nachdenken, warum uns diese Menschen wichtig sind. Es ist nicht ihre Art, es ist nicht unbedingt ihr Charakter. Wir lieben sie einfach!
Es ist kein unkontrolliertes Gef├╝hl. Es gibt uns Sicherheit. Wir werden zur├╝ckgeliebt. Ich habe einmal das Sprichwort gelesen, das Liebe erst dann Liebe ist, wenn sie keine Gegenliebe erwartet.
Mir str├Ąuben sich die Nackenhaare, ich bekomme unb├Ąndige Angst.
Ich will zur├╝ckgeliebt werden.
Nein, zwischen mir und Mark war es schon lange keine Liebe mehr. Es war f├╝r mich ein Kampf, ein einseitiger Kampf, bei dem es von vornherein klar war, das ich ihn verlieren w├╝rde. Das es gut war, das ich ihn verlieren w├╝rde.
Aber das wei├č ich auch erst jetzt.


Mann, hatte es mich erwischt, als ich ihn an diesem Abend gesehen hatte - ich wollte ihn nur k├╝ssen, nichts anderes.
Ich habe ihn gesehen und irgendwas war in mir passiert. Und wie selbstverst├Ąndlich war es, das er mich auch mochte, das auch er mich wollte. Nicht nur f├╝r einen Abend. Es war sofort klar, wir w├╝rden uns wiedersehen. Wir wollten noch viel mehr von dem anderen, als nur diesen Abend.
Mittlerweile kann ich sagen, das es ein sehr sch├Ânes Gef├╝hl war, das zwischen mir und Mark war. Auch wenn es sich am Ende sehr gewandelt hat, dieses Gef├╝hl. Und leider nicht in Sympathie. Wie oft hatte ich zu Mark gesagt, als die Zeit, die wir zusammenverbrachten l├Ąnger wurde, wir uns immer mehr mochten, dass ich mir w├╝nschen w├╝rde, das wir immer ehrlich, fair miteinander umgehen w├╝rden, eben weil wir soviel Zeit, so viele Dinge gemeinsam erlebt hatten.
Ich erinnere mich nicht mehr daran, was er darauf gesagt hat. Ich wei├č wirklich nicht mehr, ob er mir je eine Antwort darauf gegeben hat.
Das tut mir jetzt weh. Ist es normal, das Liebe auf einmal aufh├Ârt?
Kann sich Liebe so wandeln?
Kann ein Mensch, den man irgendwann geliebt hat, einem irgendwann egal sein?
Soll das Liebe sein, oder was ist es dann?


Es ist schwer einzusehen, warum alle Menschen so versessen sind, verliebt zu sein, die Liebe zu erleben, wenn sie so schmerzhaft enden kann.
Ich glaube, wenn schon alleine Gef├╝hle wie Trauer, Sehnsucht, Angst schwer in Worte zu fassen sind, ist es mit der Liebe um so schwerer.
Mark hat mich mit einer kleinen Ber├╝hrung, einem Blick, einem Kuss, allein mit seinem Dasein gl├╝cklich gemacht.
Vielleicht hei├čt lieben, den anderen gl├╝cklich machen zu wollen. Oder lieben hei├čt, gl├╝cklich zu sein, den anderen zu ber├╝hren, ihn zu sehen.
Denn wenn es hei├čt, den anderen gl├╝cklich machen zu wollen, dann hat Mark schon lange bevor er es, aber auch ich es wahrhaben wollte, aufgeh├Ârt mich zu lieben.
Fast 2 1/2 Jahre hatten wir uns immer mehr aneinander angen├Ąhert.
Bis er mich betrog.
Zur Checkliste geh├Ârt Vertrauen.
Das wird jeder Mensch sagen, der anf├Ąngt, dabei ist oder aufgegeben hat zu lieben.
Ich schmunzle ironisch bei diesem Gedanken. K├Ânnte mir auch nur einer dieser Menschen sagen, wie man es schafft zu einem Menschen Vertrauen aufzubauen?
Wenn man jemanden liebt, jemanden besonders mag, passiert es einfach - sehe ich den Menschen um mich ins Gesicht geschrieben, wenn ich ihnen diese "bl├Âde" Frage stellen w├╝rde.
Nat├╝rlich habe ich Mark vertraut. Warum sollte er mir weh tun, mich unfair behandeln? Er liebte mich doch!
Es ist Samstag abend, kurz nach22 Uhr. Ich bin eine unternehmungslustige 21-j├Ąhrige und liege nach einer f├╝r mein Alter viel zu fr├╝hen gyn├Ąkologischen Operation mit Schmerzen im Krankenhausbett. Auf dem Zimmer liege ich mittlerweile mit drei fremdl├Ąndischen Frauen, mit denen ich mich vielleicht gerade ├╝bers Wetter unterhalten k├Ânnte. Meine Laune war heute beschissen!
Ich w├╝rde mehrere von diesen Tagen wie heute vorziehen, wenn ich nie wieder das Gef├╝hl erleben m├╝sste, wie es ist, wenn dein Vertrauen von einer Person, von der du denkst, das sie dich genauso liebt, wie du diese Person liebst, so entt├Ąuscht wird.
Ich wei├č nat├╝rlich, dass so was allt├Ąglich ist. Das wahrscheinlich in dieser Minute gerade einige von so einem Vertrauensbruch erfahren.
Was ist also dran an der Liebe, das wir so einen Schmerz aushalten?
Strebt der Mensch ein Leben lang nach einer Liebe, die nicht weh tut? Die nur gl├╝cklich macht?
Gibt es sie ├╝berhaupt? Oder nur f├╝r einige? Muss man sich das Recht zu lieben, geliebt zu werden erst verdienen? Wer bestimmt dar├╝ber?


Vielleicht ist Liebe auch nur "einfach", wenn es die richtige Person und der richtige Zeitpunkt ist. Vielleicht ist es dann einfacher Vertrauen aufzubauen, sich auf den anderen Menschen einzulassen. Vielleicht ist es ein Zeichen daf├╝r, das es nicht passt, das es nicht gut gehen kann, wenn es anstrengend wird in der Liebe.
Anstrengend, weil man sich nach 2 Jahren langweilt, sich nach anderen Leuten umschaut, weil man sich aufraffen muss, wenn man den Partner k├╝sst, ihm zeigen will, das man ihn doch eigentlich immer noch liebt.
Ich w├╝nsche mir, das die eigentliche Liebe, eine Liebe ist, die gl├╝cklich macht. Die nicht anstrengend wird. Bei der es selbstverst├Ąndlich ist, dem anderen Menschen die Liebe zu zeigen. Das es so was wie Kompromisse bei der echten Liebe nicht geben muss, weil man zum Beispiel einfach Interesse f├╝r die Sachen, die dem Partner wichtig sind, zeigt.
Das man nicht um Aufmerksamkeit, um Z├Ąrtlichkeiten betteln muss.
Ich w├╝nsche mir, das man den anderen einfach liebt!


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