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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Einfach tot...
Eingestellt am 22. 07. 2002 21:30


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la chica de prusia
Nennt-sich-Schriftsteller
Registriert: Jul 2002

Werke: 7
Kommentare: 2
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Einfach tot...

Gestern Nacht um 22.17 Uhr bin ich gestorben. Ich nahm eine Rasierklinge und schnitt mir die Pulsadern auf. Nicht lÀngs oder wie auch immer, ich habe schrÀg
geschnitten. Vorher hatte ich viel gehört. Wenn du „so“ schneidest kann man dich noch retten und wenn du „so“ schneidest bist du unwiederbringlich verloren. Das hat mich verwirrt, also dachte ich mir, mache ich es eben ganz anders. Es hat ja auch funktioniert. ZunĂ€chst habe ich die Schmerzen gar nicht gespĂŒrt, doch als ich meine Arme vor mein Gesicht hielt und mein dunkelrotes, warmes Blut daran herabfloss spĂŒrte ich es. Es war kein Schmerz im herkömmlichen Sinne, es war eher ein erregendes GefĂŒhl. Lange konnte ich es jedoch nicht genießen, denn plötzlich wurde mir schwindelig und ich verlor das Bewusstsein. FrĂŒher hatte ich gedacht man stirbt und dann ist einfach alles vorbei, aber nachdem sich mein Freund getötet hatte, war ich im festen Glauben ihn nach dem Tode wiederzusehen. Ich hatte nichts anderes mehr im Sinn, ich wollte mein Leben, als verwöhntes, kleines MĂ€dchen fĂŒr ihn aufgeben und mit ihm gehen, in diese Welt, von der ich nicht wusste wie sie wohl sein wĂŒrde. Es ist diese Welt von der keiner weiss wie sie ist. Es gibt diese Theorie von Himmel und Hölle, doch daran glaube ich nicht, es gibt die Theorie der Reinkarnation, daran glaube ich schon eher, es gibt sicher auch noch mehr Theorien, doch ich will keine so recht glauben. Ich habe mir meine eigenen Vorstellungen gemacht, allerdings nie gewagt, sie auch nur gedanklich in Worte zu fassen. Das erschien mir als zu gefĂ€hrlich, denn ich hĂ€tte mich zu sehr in diese Welt hineintrĂ€umen können, ich hĂ€tte mich von ihr in einen Strudel ziehen lassen können und wĂ€re ihr nie mehr entkommen. Letzten Endes macht es keinen Unterschied. Tot ist tot und wird nie mehr lebendig. Jetzt bereue ich, was ich getan habe, denn meinen Freund sah ich nie wieder und mich selbst erkannte ich nie wieder. Ich sehne mich nach dem Leben. Ja, ich sehne mich so sehr danach, dass mein Blick in jeder Sekunde meines erbĂ€rmlichen Todes durch TrĂ€nen getrĂŒbt...

__________________
Solange es SchlachthÀuser gibt, wird es auch Schlachtfelder geben.
Tolstoi, Leo (1828-1910 ) Humanist, Autor

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