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Leselupe.de > Kurzgeschichten
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Eingestellt am 21. 02. 2015 15:20


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Hannes Bender
Hobbydichter
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Gegen 18 Uhr hatte ich mich entschlossen wieder einmal etwas f├╝r meinen unterforderten Verdauungstrakt zu tun. Ich hatte dieses starke Bed├╝rfnis ihm erneut das Gef├╝hl der Befriedigung zu vermitteln, das man im Allgemeinen durch die Herausforderung zielstrebiger und sinnvoller Arbeit erreichen konnte. Nach reichlich n├╝chternem, fast schon analytischem Nachdenken - so eine Tat sollte gut ├╝berlegt sein - stand ich auf und schaute zuerst aus dem Fenster um im Voraus herauszufinden ob meine Umwelt mich auch meinen Plan verwirklichen lassen w├╝rde.┬áDie ausgiebige Betrachtung der Situation vor meinem Haus durch das leicht beschlagene Doppelfenster meines Zimmers zeigte allerdings keinen sonderlich aufregenden Anblick. Die Strasse war, wie jeden Tag dicht gef├╝llt von unterschiedlichsten Autos - von kleinen Roten bis hin zu schwarzen gl├Ąnzenden Riesen die f├╝r mich den Anschein erweckten als h├Ątten sie ihre Besitzer fest im Griff, was in diesem Fall der Bezeichnung Fahrzeughalter eigentlich widerspricht. Man kann sich schliesslich auch ein Haustier halten - zum Beispiel ein Katze, jedoch stellt sich dort die Frage wer nun wen fest im Griff hat. Aber trotz der grossen unterschiedlichen ├äusserlichkeiten dieser nicht enden wollenden, fast schon schlangenhaft wirkenden Blechlawine hatten jedoch alle Bausteine dieses bunten Gesamtwerkes etwas gemeinsam. Ihre Besitzer eher gesagt deren "Halter" hatten alle den gleichen Gesichtsausdruck. Eine bunte Mischung aus Verzweiflung und Wut gepaart mit einer Brise Neid auf den Vordermann, denn der w├╝rde es bei der n├Ąchsten Gr├╝nphase bestimmt als letzter ├╝ber die Kreuzung schaffen. Der hinzukommende Stress rundet das ganze dann noch ab, wie das letzte K├Ârnchen Salz in einem Festmahl, das vor dem Nachw├╝rzen noch fehlte.

Wie lange sie hier und an den Ampeln davor wohl schon stehen mochten? Ihnen mag es bestimmt vorkommen wie eine kleine Ewigkeit, denn an Ampeln scheint ja im Allgemeinen die Zeit still zu stehen. Wahrscheinlich standen sie an dieser Ampelkreuzung noch nicht so lange wie die vielen Menschen an der Strassenbahnhaltestelle, die an der sich kerzengerade durch die zwei grossen, doppelspurigen Strassen schneidenden Schienentrasse lag. Allein das Gras, das um ihr Schienenbett wuchs lies mir dieses Transportmittel von hier oben sympathischer und angenehmer Erscheinen erm├Âglichte es immerhin ein kleines St├╝ck beruhigendes Gr├╝n inmitten der grauen, dunklen Asphaltlandschaft gedeihen zu lassen. Bei genauerer Betrachtung der wartenden Gestalten zwischen den Automassen fiel mir auf, dass sich deren Gesichtsausdruck eigentlich kaum von dem der Autofahrer die sie umgaben unterscheiden lie├č.┬áManche sassen auf den Sitzen unter dem geschwungenen Glasdach der Haltestelle. Andere wiederum standen, die Augen erwartungsvoll auf den Fluchtpunkt der Schienen gerichtet, um dort in der Ferne erkennen zu k├Ânnen ob die Bahn schon zu ihnen unterwegs war damit sie sich rechtzeitig bereit machen konnten um im richtigen Moment sofort in die Bahn zu gelangen und somit dieser endlosen Warterei ohne weiteren Zeitverlust ein Ende bereiten konnten - wenn sie denn mal endlich kommen w├╝rde. Viele von ihnen, haupts├Ąchlich die J├╝ngeren, versuchten sich mit ihren Mobiltelefonen zu besch├Ąftigen in der Hoffnung, dass die Zeit etwas schneller an ihnen vor├╝bergeht. Andere wiederum machten den Anschein als k├Ânnten sie sich nicht so recht entscheiden was sie nun mit ihren Augen anfangen sollten. Einige Blicke wechselten vom Boden ├╝ber die Strasse hinauf zur elektronische Anzeigetafel, die ihnen signalisierte wie lange sie dort theoretisch noch zu warten hatten. Jedoch nachdem sie ihren Blick dort hinauf fokussiert und ihr Gehirn realisiert hatte, dass es noch eine kleine Ewigkeit dauern sollte bis sie an der Reihe waren, verschwand der kleine Ansatz der erwartungsvollen Hoffnung auf Erl├Âsung die sich w├Ąhrend der Aufw├Ąrtsbewegung in ihren Augen- und Mundwinkeln abzuzeichnen versuchte schlagartig und der Kopf sank wieder nach unten in Richtung Pflastersteine. Ich glaube, dass niemandem dort unten das Gr├╝n aufgefallen war.┬á

Ich lies mich so sehr von dem Geschehen dort unten ablenken, dass ich fast vergass auf die Hauptsache zu achten die in der entgegengesetzten Richtung lag, n├Ąmlich ├╝ber mir. Der Himmel war, wie schon die Tage zuvor, gef├╝llt von dicken grauen, schnell vor├╝berziehenden Regenwolken soweit meine Augen reichten. Es hatte den Anschein als warteten sie einzig und allein auf die Gelegenheit ihre feuchte Fracht auf so vielen ungesch├╝tzten K├Âpfen┬áwie m├Âglich abzuladen die sich unter ihnen befanden. Allerdings schienen diese Wolken sehr ehrgeizig zu sein - denn unter ihnen liessen sich jetzt schon sehr viele Frisuren ruinieren - aber anscheinend waren es ihnen heute noch nicht genug. Ich sollte die Gelegenheit und die Geduld der Wolken ausnutzen, obwohl sich bei mir keine Frisur ruinieren liess, allerdings wollte ich auch nicht unbedingt in eine Wolkenbruch geraten, welcher an und f├╝r sich ja etwas angenehmes hatte. Ich beschloss daraufhin meine Observation zu beenden um mich auf den Weg zu machen.

Aber bevor ich dies konnte musste ich mir zuerst einmal etwas Passendes anziehen. Ich lief zum anderen Ende meines Zimmers, dann den Gang entlang. Ich ├Âffnete die T├╝r zur kleinen Abstellkammer, die meinen Kleiderschrank beherbergte. Nachdem ich die T├╝r ge├Âffnet hatte blies mir ein frischer, angenehmer Wind entgegen, denn dies war der einzige Raum in dem nicht geraucht wurde und dessen Fenster immer ge├Âffnet war. Durch ihn bemerkte ich auch, dass es draussen ja eigentlich gar nicht so kalt war wie die Tage zuvor denn auch die Heizung war in diesem Raum niemals an. Ich schnappte mir einige Kleidungsst├╝cke und verliess das Zimmer. Dieses mal liess ich die T├╝r aber bewusst ge├Âffnet in der Hoffnung, dass etwas dieses frischen, angenehmen Windes sich dazu entschloss auch in andere Teile meiner Wohnung vorzudringen. Ich schl├╝pfte aus der einen Hose in die andere, zog mir meinen Lieblingspulli ├╝ber und lief auf Socken ins Bad um einen letzten Blick in den Spielgel zu werfen. Nach der obligatorischen Selbstbetrachtung schlung ich mir meinen Schal um den Hals und zog meine Jacke an. Dieser Ablauf hatte sich schon seit Jahren zum Automatismus entwickelt, obwohl ich mir schon des ├ľfteren vorgenommen hatte die Jacke erst anzuziehen wenn ich die Wohnung in sp├Ątestens 10 Sekunden verlassen w├╝rde. Nun hatte ich sie schon an und es war mir wieder einmal egal - beim n├Ąchstem Mal w├╝rde ich ja bestimmt daran denken. Gut eingepackt in Stoff und Leder musste ich nun erst einmal alle f├╝r mein Vorhaben notwendigen Utensilien zusammen suchen. Das wichtigste war nat├╝rlich mein Geldbeutel, ohne den ging ich eigentlich nie aus dem Haus. Ich hatte ihn am Abend zuvor nat├╝rlich mal wieder irgendwo hingelegt - nur wo? Ich machte mich auf den Weg in die K├╝che, denn selbst wenn er dort nicht sein sollte k├Ânnte ich auf jeden Fall die Stofftasche mitnehmen die dort┬áimmer an der gleichen Stelle lag. Der Geldbeutel lag selbstverst├Ąndlich nicht in der K├╝che - wie h├Ątte es auch anders sein k├Ânnen - also griff ich mir wenigstens schonmal die Tasche. Auf dem erneuten Gang in mein Zimmer lief ich noch meinem Rucksack ├╝ber den Weg, auch ein Gegenstand den ich mitnehmen wollte. Ich ├Âffnete ihn und stopfte die Stofftasche lieblos hinein schliesslich waren beide ja nur Mittel zum Zweck. Wieder in meinem Zimmer angekommen sah ich auch schon meinen Geldbeutel auf dem Nachttisch liegen - was f├╝r ein Gl├╝ck, hatte ihn immerhin schon nach dem zweiten Anlauf gefunden. Ich schnappte mir meinen Schl├╝ssel und zw├Ąngte mich in meine Schuhe bei denen ich es noch nie f├╝r Notwendig gehalten hatte die Schn├╝rsenkel zu ├Âffnen um sie an- oder auszuziehen. Mittlerweile waren sie das auch schon┬ágewohnt, genauso wie ich. Ich tastete mich selbst nochmals von oben nach unten ab um sicherzustellen, dass meine Taschen nun auch wirklich mit den n├Âtigen Gegenst├Ąnden gef├╝llt waren. Schl├╝ssel, Geldbeutel, Rucksack - alles schien vorhanden zu sein. Ich lief zur Haust├╝r, ├Âffnete sie, machte einen Schritt hinaus und zog sie schliesslich hinter mir zu.

Ohne nachzudenken griff ich nach meinem Schl├╝sselbund in der Jackentasche um die T├╝r mindestens einmal zu verschliessen aber eigentlich nur weil es alle machten denn bei mir war selbst f├╝r die anspruchslosesten Diebe nicht viel zu holen.┬áIch ging die Holztreppe hinunter die unter meinem nicht allzu grossen Gewicht knirschte und ├Ąchzte. Man konnte ihr Alter schon allein an ihren Ger├Ąuschen erahnen. Was diese Treppe wohl schon alles erlebt hatte? Die vier Stockwerke die ich nach unten gehen musste erschienen mir wie ein endloser Weg obwohl ich sie schon so oft benutzt hatte und genau wusste was mich erwartete. Erneut fiel mir auf, dass es mir auf dieser Treppe jedes mal so erging, obwohl ich mittlerweile jeden Quadratzentimeter ihres Belages kannte und auch schon genau wusste welche st├Âhnende T├Âne sie beim n├Ąchsten Schritt von sich geben w├╝rde. Ich wusste auch auf Anhieb aufgrund der unterschiedlich bunten Fussmatten die, wie es sich anscheinend geh├Ârte, vor jedem Wohnungseingang lagen in welchem Stockwerk ich mich befand. Ich glaube meine Wohnungst├╝r war die Einzige im Haus, die sich nicht mit einer Fussmatte schm├╝cken konnte, was mich aber nicht weiter st├Ârte denn meine Fussmatte lag hinter der T├╝r in der Wohnung. Auf was f├╝r Gedanken ich so kam w├Ąhrend ich diese Treppe herunterlief. Im Erdgeschoss angekommen und erleichtert abermals dieses endlose Treppenherabsteigen endlich hinter mich gebracht zu haben griff ich erneut in meine linke Jackentasche um den Schl├╝sselbund herauszuholen. Dieses mal sollte mir der kleinste Schl├╝ssel am Bunde von Nutzen sein, der Briefkastenschl├╝ssel.┬áMit ihm ├Âffnete ich meinen Briefkasten, was in mir jedes mal das Gef├╝hl erweckte das man versp├╝rt wenn man ein Geschenkpaket ├Âffnet, da man ja nie wusste was einen im Inneren wirklich erwarten w├╝rde. Und was erwartete mich dieses mal? Das gleiche wie immer. Berge von buntem Papier, teils in Plastik zusammengefasst, teils lose hineingestopft f├╝r mich alles nur belanglose Werbung denn ich war nicht der Typ, der sich in solchen Werbeprospekten dar├╝ber informierte wo das Pfund Hackfleisch beispielsweise um zwei Cent billiger war als in anderen Gesch├Ąften. Ich warf es, ohne ihm jegliche Beachtung zu schenken direkt in den gr├╝nen Plastikkorb, der einzig und allein zu diesem Zweck von einem engagierten Nachbarn dort platziert wurde. Wieder nichts dabei. Ich konnte mich nicht so richtig entscheiden ob das nun gut war das ich keine Post bekommen hatte oder nicht, schliesslich h├Ątte es ja auch ein netter Brief sein k├Ânnen den mir jemand schickte weil er an mich dachte. Es h├Ątte allerdings zum Beispiel auch eine Rechnung sein k├Ânnen, was nat├╝rlich nicht heissen w├╝rde das in diesem Falle niemand an mich dachte - ganz im Gegenteil.

Ich ging zur Haust├╝r, dr├╝ckte den Griff herunter und lehnte mich mit meinem vollen Gewicht nach hinten, denn die T├╝r war gross und schwer, ausserdem h├Ątten sich ihre Scharniere bestimmt mehr ├╝ber etwas ├ľl gefreut, als ihre Aussenseite ├╝ber einen neuen Anstrich. Zugegeben, sie h├Ątte beides sehr gut vertragen k├Ânnen. Aber wenn sich schon mal jemand dazu ├╝berwinden w├╝rde dieser T├╝r etwas Gutes zu tun, dann doch bitte mit etwas Eigennutz denn durch einen neuen Anstrich w├╝rde sie sich bestimmt nicht leichter ├Âffnen lassen. Durch einen beherzten Schritt stand ich nun auf dem T├╝rabsatz im Freien. Es regnete immer noch nicht. Ich ├╝berlegte kurz in welchen Laden ich denn jetzt letztendlich gehen soll. Dies hatte ich zwar schon die ganze Zeit im Hinterkopf, allerdings┬ákonnte ich mich nicht wirklich entscheiden. Da ich jetzt aber keine andere M├Âglichkeit mehr hatte als mich damit auseinanderzusetzen, weil von dieser Entscheidung nun alles abhing, musste ich eine Wahl treffen. Links zum einen, rechts zum anderen. Ich entschloss mich rechts entlang zu gehen, da ich so an der grossen Strasse entlang laufen konnte wo immer etwas los war. H├Ątte ich mich f├╝r den anderen Weg entschieden m├╝sste ich nun durch kleine, triste Strassen gehen, in denen in der Regel ├╝berhaupt nichts los war, was in manchen Stimmungslagen bestimmt angenehmer gewesen w├Ąre - heute allerdings nicht. Ich lief los und schon nach wenigen Schritten erreichte ich die Hausecke. Als ich um diese herumging blies mir ein unglaublich starker und frischer Wind ins Gesicht. Er wehte so stark, das ich fast meinem Schal h├Ątte hinterher rennen m├╝ssen, denn die Jacke hatte ich nicht zu gemacht und der Schal hatte sich mittlerweile unbemerkt soweit gelockert, das er mir nur noch ├╝ber die Schulter hing. Mit einer schnellen, reflexartigen Bewegung fing ich ihn ein und wickelte ihn erneut um meinen Hals und machte anschliessend die Jacke bis zum Kinn hinauf am Reissverschluss zu. Das war knapp.

So lief ich nun, nach vorn gebeugt damit es dieser herrliche Wind nicht schaffen w├╝rde mich aus dem Gleichgewicht zu bringen. Gleichzeitig zog ich meine Schultern nach oben, damit er nicht durch eine L├╝cke zwischen Kragen und Schal unter die Jacke kriechen konnte. Zu meiner Linken lag nun ein kleiner Fahrradweg, gefolgt von der immer noch von Autos ├╝berbesiedelte Strasse die durch den kleinen, zarten Gr├╝nstreifen unterbrochen wurde. Als ich den Gehweg entlang ging wurde ich ab und zu von schnaufenden Fahrradfahren ├╝berholt die mit all ihren Kr├Ąften versuchten gegen diesen Wind anzukommen, was einigen recht gut gelang, anderen wiederum nicht. Der Strasse schenkte ich allerdings keinerlei Beachtung. Was f├╝r ein Wind! Nach circa 300 Metern hatte ich mein Ziel auch schon fast erreicht. Der Laden den ich mir ausgesucht hatte lag auf der anderen Strassenseite, zu meinem Gl├╝ck fuhren die Autos an dieser Stelle aber immer nur in Intervallen an mir vorbei und zwar immer wenn die Ampel an der sie alle zuvor warteten wiedermal auf Gr├╝n geschaltet hatte. Nachdem ich gewartet hatte bis das letzte Auto begleitet von einer tosenden, zischenden Ger├Ąuschkulisse an mir vorbeigezogen war ├╝berquerte ich leichten Fusses die erste H├Ąlfte der Strasse und auch gleich dazu noch den Gr├╝nstreifen der Strassenbahn denn diese kam sowieso nur ganz selten. Vor der ├ťberquerung der zweiten H├Ąlfte der Strasse musste ich wieder warten. Wieder zogen die Automassen an mir vorbei. Ich hatte das Gef├╝hl sie beschleunigten allesamt nur damit ihre Bremsen nach 500 Metern wieder etwas zu tun hatten, dort war n├Ąmlich die n├Ąchste Ampel, die vor meinem Haus - nat├╝rlich schon wieder auf Rot.

Ich hatte es fast geschafft. Nun musste ich nur noch ├╝ber einen Fahrradweg und einen Gehweg hin├╝ber und schon stand ich in der Eingangst├╝r des Supermarktes. Es war nicht so ein kalter, lieblos hingebauter, nagelneu steriler Supermarkt, wie es die meisten mittlerweile waren, nein es war ein kleiner gem├╝tlicher Supermarkt, ein Familienbetrieb sozusagen der nur soviel unterschiedliche Artikel im Sortiment hatte weil sein Besitzer ganz einfach die G├Ąnge etwas enger gestaltet hatte. Ich mochte diesen Laden denn hier ├╝berkam mich, aus was f├╝r Gr├╝nden auch immer, das angenehme Gef├╝hl der Geborgenheit. In ihm war es immer ruhig und ganz und gar nicht hektisch, auch wurde er noch von echten Gl├╝hbirnen ausgeleuchtet welche im Vergleich zu den neuen grossen M├Ąrkten ein sehr warmes Licht abstrahlten, nicht dieses bl├Ąulich, kalte Neonlicht, das wirklich nur das kosteng├╝nstigste Mittel war um den Kunden den Raum zu beleuchten. Wahrscheinlich wurden diese auch nur installiert, damit der Betreiber keine Anzeigen bekam weil sich ein Kunde im dunkeln verletzt hatte. Ich nahm mir einen Einkaufswagen, hier musste man keinen Pfand daf├╝r hineinstecken, und begann meine kleine Tour durch die engen G├Ąnge. Am Gem├╝se blieb ich zuerst stehen. Was sollte ich denn nun mitnehmen? ├ťber alles hatte ich mir Gedanken gemacht nur ├╝ber das Wichtigste ├╝berhaupt nat├╝rlich nicht. Ich entschloss mich beim Anblick der roten, reifen Tomaten, einfach mal das┬áeinzupacken auf das ich Lust hatte. Daraus w├╝rde sich bestimmt etwas leckeres zaubern lassen. Nachdem ich vier Tomaten in eines dieser keinen Plastikt├╝tchen gesteckt hatte sah ich noch eine leckere gr├╝ne Paprika, sie nahm ich auch mit. Am Brotregal das folgte hielt ich mich nicht auf denn dieses abgepackte Brot ist nicht so nach meinem Geschmack, obwohl es ja schon praktisch ist das man es hier bekommt, auch nachdem schon alle B├Ąckereien geschlossen hatten. Ich folgte dem Gang, der zugleich eine sehr enge Kurve machte - Nudeln. Davon hatte ich in den letzten Tagen nun wirklich schon genug, allerdings blieb mein Blick an einer Packung Lasagneplatten h├Ąngen. Ohne auch nur eine Sekunde zu z├Âgern hatte ich mich entschieden - heute w├╝rde es Lasagne geben! ┬áDiese Entscheidung lies sich nat├╝rlich nun nicht mehr mit meinen Plan, einfach alles einzupacken auf das ich Lust hatte, vereinbaren.┬áDie Tomaten und die Paprika konnte ich daf├╝r ja gut gebrauchen, zum Gl├╝ck stehen die Nudel ganz am Anfang. Nun konnte ich zielstrebiger vorgehen. Ich zw├Ąngte mich durch den engen Gang an zwei entgegenkommenden Einkaufswagen und einer Grossfamilie vorbei zur├╝ck zum Gem├╝se, denn ich brauchte nun noch Karotten und auf jeden Fall ein K├Ârbchen frischer Champignons. Durch Zufall sah ich auch noch ein Netz Knoblauch, das ich mir auch noch einpackte. So - jetzt brauchte ich eigentlich nur noch etwas K├Ąse, passierte Tomaten und eine Dose Mais, dies w├╝rde mir reichen. Die passierten Tomaten und den K├Ąse fand ich auf Anhieb, nur der Mais bereitete mir Probleme. Doch nach konzentriertem Studium des Dosenregals fand ich ihn schliesslich ganz unten neben den Erbsen. Sollte ich nun wirklich schon alles in meinem Einkaufswagen haben? Mit einem kritischen Blick schaute ich hinein und stellte mir den Herstellungsprozess, der sp├Ąter in der K├╝che auf mich zukommen w├╝rde, schon einmal bildlich vor. Schritt f├╝r Schritt nahm ich die Zutaten und stellte sie, der Reihenfolge nach wie ich sie verwenden w├╝rde, in die andere Ecke des Wagens. Es waren tats├Ąchlich alle Zutaten. Auf dem Weg zur Kasse musste ich noch an den S├╝ssigkeiten vorbei und konnte mich deren Anziehungskraft wieder einmal nicht entziehen also packte ich noch eine Tafel Zartbitterschokolade obendrauf.

Zufrieden k├Ąmpfte ich mich durch die engen G├Ąnge des Supermarktes bis an die Kasse vor, an der zu meinem Gl├╝ck gerade niemand stand und somit konnte ich direkt meine Sachen auf das kleine, schwarze F├Ârderband legen. Die Verk├Ąuferin hatte anscheinend schon l├Ąngere Zeit niemanden mehr abkassiert denn sie legte, als sie mich bemerkte, ihre Zeitschrift beiseite und begann damit meine Waren ├╝ber den Scanner zu ziehen. Ihre Handbewegungen sahen dabei sehr routiniert und sicher aus. Nach dem sie damit fertig war dr├╝ckte sie mit einer gef├╝hlvollen Handbewegung den Knopf an der Kasse der alles zusammenrechnete. Diese Bewegung sah aus wie bei einer Pianistin die den allerletzten, allein stehenden Ton einer Partitur┬á auf der Klaviatur spielte. "Vierundzwangsechsunddreissig" sagte sie mit einem freundlichen L├Ącheln im Gesicht und riss den Kassenzettel ab. Man konnte ihr ansehen, dass dies nicht nur ein aufgesetztes L├Ącheln war weil ihr Chef es so wollte, sondern sie schien ganz und gar zufrieden zu sein. Ich griff in meine Tasche, holte den Geldbeutel hinaus und reichte ihr f├╝nfundzwanzig Euro worauf sie bereits das passende Wechselgeld in der Hand hielt und mit zur├╝ckgab. "Vielen Dank und einen sch├Ânen Abend w├╝nsche ich Ihnen" sagte sie und griff wieder zu ihrer Zeitschrift. Sie hatte mir aber zu keinem Zeitpunkt den Eindruck vermittelt das ich sie ja nur vom lesen abhalte. Ich w├╝nschte ihr daraufhin auch noch einen sch├Ânen Abend und schob meinen Wagen an das Fenster vor dem sich ein kleiner Tisch befand auf dem man seine Sachen umpacken konnte. Heute ging alles in den Rucksack hinein, die Stofftasche h├Ątte ich auch zuhause lassen k├Ânnen aber sie wog ja nicht viel und in der K├╝che war ich ja sowieso wegen des Geldbeutels. Ich schob den Einkaufswagen wieder zur├╝ck zu all den anderen und ├Âffnete die T├╝r zur Strasse hinaus. Nachdem ich es endlich wieder geschafft hatte die Strasse zu ├╝berqueren lief ich mit angenehmem R├╝ckenwind, fast wie auf Wolken nach hause. Das Gewicht des Rucksacks bemerkte ich gar nicht.

An der Haust├╝r angekommen schloss ich diese auf und stemmte mich wieder dagegen, dieses mal in die andere Richtung. Am Briefkasten vorbei kam ich zu dem Schluss, das keine Post auch gute Post war und ich begann den Treppenaufstieg, der trotz des zus├Ątzlichen Gewichtes des Einkaufes meinem Gef├╝hl nach nur ein Zehntel der Zeit und Kraft ben├Âtigte die der Abstieg in Anspruch nahm. Im vierten Stock angekommen schloss ich die Wohnungst├╝r auf, rieb meine Schuhe an der Fussmatte ab die ja bereits in der Wohnung lag und schloss die T├╝r hinter mir. Noch bevor ich einen weiteren Schritt machte zog ich mir die Schuhe aus, nat├╝rlich ohne die Schn├╝rsenkel zu ├Âffnen. Ich ging den Gang entlang an dessen Ende direkt die K├╝che folgte. Ich stellte den Rucksack auf dem K├╝chentisch ab und schaltete direkt auch den Elektroherd ein, den ich auf 200 Grad vorheizen musste. Ich sp├╝lte die Tomaten und die Paprika unter dem Wasserhahn ab, legte sie auf das Brett und begann alles in kleine Streifen zu schneiden, was bei Tomaten ja gar nicht so einfach aber auch nicht unm├Âglich ist. Danach kamen die M├Âhren an die Reihe. Absp├╝len, sch├Ąlen und in auch in Streifen schneiden. Als ich fertig war warf ich alles in den Topf den ich zuvor schon vom Regal heruntergenommen hatte. Ich zerlegte den Knoblauch, sch├Ąlte eine Zehe und schnitt diese dann in hauchd├╝nne Scheiben - ich finde nur so schmeckt er wirklich gut und man brauchte ihn nicht einmal leicht anzubraten. Danach wanderten auch die Scheiben in den Topf. Ich sch├╝ttete die passierten Tomaten obendrauf und sp├╝lte danach noch den Mais ab den ich zuvor aus seinem dunklen Blechverlies befreit hatte. Zum Schluss musste ich nur noch die Champignons putzen und schneiden. Alles im Topf vereint verfeinerte ich das Gemisch noch mit etwas Salz und Pfeffer. Ich schnappte mir die Lasagneplatten und brach sie vorsichtig auf die richtig Gr├Âsse damit sie so gut wie m├Âglich in die Form passten. Nun kamen die Schichten dran. Erst eine Lage Nudelplatten gefolgt von einem Teil der Mischung aus dem Topf. Das ganze bedeckte ich wiederum mit einem Teil des bereits gerieben K├Ąses. Diesen Vorgang wiederholte ich mehrmals, bis der Topf der das Gemisch enthielt seinen nackten, gl├Ąnzenden Boden zeigte. Nachdem ich den Rest K├Ąse ├╝ber alles dar├╝ber gestreut hatte wanderte die gef├╝llte Form in den bereits heissen Ofen. Nun hiess es nur noch die Geduld zu haben, das ganze mindestens 40 Minuten lang nicht anzur├╝hren.

Ich setzte mich an den K├╝chentisch und begann zu lesen. Die Zeit verging dadurch wie im Schlaf, dies w├Ąre bestimmt auch ein gutes Mittel um die Zeit an der Stra├čenbahnhaltestelle zu ├╝berbr├╝cken. Mittlerweile waren schon gute 45 Minuten vergangen und ich konnte nun endlich die Fr├╝chte meiner Arbeit ernten. Ich nahm einen Teller und Besteck aus dem Schrank, legte alles in Reih und Glied auf den K├╝chentisch und faltete sorgf├Ąltig ein Geschirrhandtuch zusammen mit dem ich die heisse Form aus dem Ofen holen wollte. Ich ├Âffnete die Ofent├╝r, zog das Gitter auf dem die Form stand vorsichtig ein St├╝ckchen heraus und Griff mit dem Handtuch in den H├Ąnden hinein. Ich erwischte die Form beim ersten Versuch und stellte sie auf die Herdplatten oberhalb des Ofens. Mit bestimmt gl├Ąnzenden Augen nahm ich das grosse Messer und schnitt ein gutes St├╝ck aus der Form heraus. Nachdem ich dieses erfolgreich auch vom Rand der Form getrennt hatte hebelte ich es mit einer pr├Ązisen Handbewegung auf den Teller, den ich schon vom K├╝chentisch herbei geholt hatte damit mir bloss nichts herunterfallen konnte. Nach vollbrachtem Werk nahm ich den Teller und stellte ihn wieder zwischen Messer und Gabel auf den Tisch. Ich schob den Stuhl etwas beiseite und setze mich darauf. W├Ąhrend der ausgiebigen Betrachtung dieses Meisterwerkes genoss ich den s├╝sslichen Geruch der mir in die Nase stieg. Ich nahm das Besteck in die H├Ąnde, schnitt mir das erste St├╝ckchen ab und schob es mir langsam und gen├╝sslich in den Mund. Heiss! Es war unglaublich heiss. Es kam mir vor als h├Ątte ich ein St├╝ck H├Âlle in den Mund genommen. Tr├Ąnen schossen mir aus den Augen und ich versuchte mit tiefem Ein- und Ausatmen durch den Mund das ganze etwas abzuk├╝hlen, was mir aber erst nach einer Ewigkeit gelang. Beim zweiten St├╝ck pustete ich zuerst ausgiebig bevor ich es mir abermals unter den Gaumen schob um es dann gen├╝sslich und mit allen Sinnen gr├╝ndlich durchzukauen. Nachdem ich den Teller leer hatte ├╝berkam mich das unglaublich angenehme, wohlige Gef├╝hl der S├Ąttigung. Ich hatte mein Ziel erreicht und schaute noch der Sonne zu, wie sie unterging - hoffentlich weckt sie mich morgen vor meinem Magen.

Version vom 21. 02. 2015 15:20
Version vom 22. 02. 2015 13:48
Version vom 22. 02. 2015 16:35

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