Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92210
Momentan online:
229 Gäste und 6 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzprosa
Einmal
Eingestellt am 30. 07. 2010 21:44


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
sekers
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Feb 2003

Werke: 25
Kommentare: 122
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um sekers eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Prolog

Einmal kam ein Baby auf die Welt. Es verhielt sich ganz ruhig und schrie nicht wie andere Kinder nach der Geburt. Daf├╝r war es umso gescheiter. Noch im Kreissaal hatte es eine erste Integralrechnung - korrekt, versteht sich - gel├Âst. Es verstand einfach alles. Nur nicht, warum der Kreissaal gar so viele Ecken hatte. Da wurde es ganz b├Âse und hub an zu schreien. "Na seht ihr", sagte die Hebamme, "das Kind ist doch ganz normal."

Monolog

Einmal gab ein Junge einem M├Ądchen einen Kuss. "Muss das sein?", fragte das M├Ądchen. Und es fuhr fort: "Ich hab doch eh schon so viele. Zu viele eigentlich, ich kann sie gar nicht alle aufheben." Und es warf den Kuss auf den Boden. Da musste der Junge lachen, denn er hatte ihn eh nicht ernst gemeint.

"Einmal ist Kain Mal", sagte Abel, und erschlug sich mit Kains Pr├╝gel. Kains Unschuldsbeteuerungen wurden ihm jedoch von niemandem abgenommen.

Einmal ging ich zum Schuster und wollte ihm meine Schuhe zum Richten geben. "Was gibtÔÇÖs denn f├╝r einen Streit?", fragte er.

Einmal fingen die Beine und die Platte eines Tischs an zu streiten. Die Beine moserten, wie wichtig sie doch w├Ąren, m├╝ssten sie doch das Gewicht der Platte noch zus├Ątzlich zu dem, was auf den Tisch gestellt wurde, auf sich nehmen. Und trotzdem w├╝rden sich die Leute, wenn sie sie denn wahr n├Ąhmen, nur immer beschweren, weil sie sich ihre eigenen Beine anhauten. Und die Platte w├╝rde immer geputzt, und manchmal sogar mit einer Tischdecke besch├╝tzt, aber gab es Tischbeindecken? Das st├Ąndige St├Ąnkern machte die Platte w├╝tend, und sie machte sich ganz schwer. Die Beine ├Ąchzten, aber die Platte war unerbittlich. Schlie├člich knickten die Beine ein. Euch mach ich platt, meinte die Platte, als sie nach langer Zeit wieder festen Boden unter sich versp├╝rte.

Einmal bog der Zug bei einem unbeschrankten Bahn├╝bergang von den Schienen ab, hinaus auf die Landstra├če. "Warum soll ich mich eigentlich auf der Stra├če halten", fragte er sich nach kurzer Zeit, "jetzt treibe ich es ganz wild." Und er fuhr quer durch die Felder, schlug seine Spuren in Gem├╝seg├Ąrten und Hauswiesen. "Irgendwie", schnaufte er, "ist es auf den Schienen doch ein bisschen gem├╝tlicher." Aber da hatte er schon keine Kohlen mehr.

"Einmal, nur einmal", bettelte der Liebhaber. "Ich befriedige Dich doch die ganze Zeit schon. Warum darf ich nicht zum H├Âhepunkt kommen?" "Wenn Du wirklich darauf bestehst", sagte die Spinne und biss ihm den Kopf ab.

Einmal hob die Zeitung den Boden auf. "Bist ja ein Mordsstemmer", meinte dieser. Als sie aber dann dem Sch├Ąferhund, der sie seinem Herrchen bringen wollte, noch einen Zahn zog, war das Ma├č voll. Sie wurde zwar noch gelesen, aber gleich darauf weggeworfen.

Einmal krachte es ordentlich, dann war Stille. Eine Schildkr├Âte hob huldvoll den Kopf, w├Ąhrend die zwei Giraffen ihren nur ungl├Ąubig sch├╝ttelten. Die Salamander zogen ihn, quasi statt des Schwanzes, ein. Der L├Âwe wiegte ihn in einer Bewegungsabfolge wie man sie eigentlich nur von der Bezaubernden Jeannie kennt. Nur der Bayer blieb unbeeindruckt. "WirdÔÇÖs wo eingschlagn haben", meinte er, und hob nicht einmal den Blick von der Zeitung.

Einmal gab ein Sitz seinem Besitzer einen Sto├č in den Hintern. "Bist Du wahnsinnig?", fragte dieser. "Nein, aber Du", antwortete der Sitz. "Wer glaubt Dir schon, dass Du von mir eine Tachtel bekommen hast."

Einmal werden die Leute verstehen, dass sie sich zerrei├čen, wenn sie fernsehen, und Chips essen. Die Chips und das Fernsehen halten sie vielleicht auf dem Platz, aber gleichzeitig sind ganz weit weg von sich.

Einmal m├Âchte ich in den Himmel fliegen, mit einer Rakete. Die m├╝sste ganz leise sein, denn ich will die Sterne singen h├Âren, und den Monde mit der Erde tratschen. Au├čerdem m├╝sste eine B├Ąckerei an Bord sein, weil ich nicht auf mein Kipferl zum Fr├╝hst├╝ck verzichten m├Âchte. Und Platz f├╝r einen Piloten muss es auch noch geben. F├╝r den Fall, dass ich mich verfliege.


Epilog

Einmal tat mir der Hals weh. Da entschied ich mich, lieb zu ihm zu sein. Ich streichelte ihn, liebkoste ihn, gurgelte mit Salbeitee. Und dann dr├╝ckte ich ihn ganz, ganz fest. Leider bekam ich Probleme mit der Luft und verstarb eines gr├Ąsslichen Todes.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Ralf Langer
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2009

Werke: 304
Kommentare: 2919
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Ralf Langer eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

hallo

" Einmal ist Kain Mal" ...
vortreffliche idee hiuer mit versatzst├╝cken und
wiederkehrenden mustern zu arbeiten.

ein fraktales st├╝ck, das wie durch ein kaleidoskop
den blick auf den menschen und seine einmaligkeiten
erhellt.

hat mir gut gefallen

ralf
__________________
RL

Bearbeiten/Löschen    


Ofterdingen
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2009

Werke: 24
Kommentare: 382
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Ofterdingen eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Einige h├╝bsche Mini-Szenen mit trocken-├╝berraschendem Schluss. Mir gefallen jedoch nicht alle gleich gut. Gleich die erste hat zwar etwas, funktioniert aber nur, wenn der Leser ein Rechtschreibproblem hat, nat├╝rlich dasselbe wie das superintelligente Baby: Der Krei├čsaal hat mit dem Kreis nichts zu tun, sondern mit krei├čen, "in Geburtswehen liegen".

>>"Einmal ist Kain Mal", sagte Abel, und erschlug sich mit Kains Pr├╝gel. Kains Unschuldsbeteuerungen wurden ihm jedoch von niemandem abgenommen.<<
Anders als Ralf finde ich den Gag hier nicht genial, sondern eher asthmatisch: Er kommt allzu bem├╝ht daher.

>>Einmal hob die Zeitung den Boden auf. "Bist ja ein Mordsstemmer", meinte dieser. Als sie aber dann dem Sch├Ąferhund, der sie seinem Herrchen bringen wollte, noch einen Zahn zog, war das Ma├č voll. Sie wurde zwar noch gelesen, aber gleich darauf weggeworfen.<<
Dies hat mich leider auch nicht gerade begeistert.

>>Einmal werden die Leute verstehen, dass sie sich zerrei├čen, wenn sie fernsehen, und Chips essen. Die Chips und das Fernsehen halten sie vielleicht auf dem Platz, aber gleichzeitig sind ganz weit weg von sich.<<
Dies ist zu sehr Sonntagspredigt, k├Ânnte VIEL flockiger daherkommen.

>>Einmal tat mir der Hals weh. Da entschied ich mich, lieb zu ihm zu sein. Ich streichelte ihn, liebkoste ihn, gurgelte mit Salbeitee. Und dann dr├╝ckte ich ihn ganz, ganz fest. Leider bekam ich Probleme mit der Luft und verstarb eines gr├Ąsslichen Todes.<<
Dies k├Ânntest du vermutlich auch besser, oder?

Sonst aber war ich ganz angetan. Du hast Phantasie.

Gru├č,
Ofterdingen
__________________
Man soll keine Dummheit zweimal begehen, die Auswahl ist schlie├člich gro├č genug. J. P. Sartre

Bearbeiten/Löschen    


sekers
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Feb 2003

Werke: 25
Kommentare: 122
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um sekers eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Danke M├Ąuschen und Ofterdingen f├╝r die assoziativen Kommentare.

Hallo Mauserl,

einmal kam ein M├Ąuschen in den Keller. es war auf der Suche nach einem St├╝ck K├Ąse (, denn es war eine Stadtm├Ąuschen, als Feldebensolchiges h├Ątte es nach Roggen oder Weizen, als bayrische Ebenebensolchiges wahrscheinlich nach Hopfen und Malz Ausschau gehalten).

da sah es vor sich eine Mausefalle und, sich umdrehend, einen Kater auftauchen.

was den Hunger betraf h├Ątte es es locker mit ihm aufnehmen k├Ânnen.

sonst eher nicht.

verzweifelt war da das M├Ąuschen.

doch da kam sekems herbei, und sagte: hey Kater, lass M├Ąuschen in Ruhe, die ist eine ganz Liebe.

und der Kater schlich sich von dannen.

und wir wollen hoffen, inst├Ąndig, dass es nicht in die Falle tappte.


Hallo Ofterdingen,

Deine Kritik ist berechtigt, und nat├╝rlich hat nicht der Leser ein Rechtschreibproblem, sondern der Schreiber.
q.e.d.

ich muss Dir auch in Deinen anderen Kommentaren gr├Â├čtenteils mehr recht geben, als mir lieb ist. und arbeite an einer Umarbeitung. aber habe da so meine Probleme.

Dein Satz "Dies k├Ânntest du vermutlich auch besser, oder?" beweist, dass jedenfalls Du (oder: Du jedenfalls) ├╝ber jede Menge Phantasie verf├╝gst.

Liebe Gr├╝├če

G.

Bearbeiten/Löschen    


4 ausgeblendete Kommentare sind nur f├╝r Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zur├╝ck zu:  Kurzprosa Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!