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Leselupe.de > Humor und Satire
Einmal wie John Wayne...
Eingestellt am 03. 08. 2004 06:28


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Herzog
???
Registriert: Apr 2004

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Einmal wie John Wayne
oder
Der Besuch beim Schneider



Wenn sonst schon nichts, so erinnert doch immerhin deine Art dich fortzubewegen an John Wayne, den Supermacho des amerikanischen Edelwesterns: Leicht in den Knien wippend, die F├╝├če mehr zur Seite als nach vorn setzend, ein Mann geht seinen Weg. Irgendwelche Zweifel? Wann ist ein Mann ein Mann? Der Dottore wei├č von zwei F├Ąllen zu berichten, wo "es" hinterher nicht mehr klappte. Absolut blockiert, sagt er, alles psychisch bedingt, spielen total verr├╝ckt, die M├Ąnner. - Und du? Na, man wird ja sehen.

Deine dir Angetraute, einf├╝hlsam wie immer, bringt es auf den Punkt: Es ist dir etwas genommen worden, deshalb dieses Moll-Gef├╝hl, diese Weltverlorenheit, diese tragische Spur von Trauer in Stimme und Blick. Es war ein Opfer. Du fragst dich nat├╝rlich, f├╝r wen. Und du m├Âchtest sagen: Ein Opfer f├╝r die Frauen. Das hebt deine Stimmung, du klopfst dir wohlwollend, geradezu ergriffen auf die schmalen Schultern, du bist ein Held. Und du freust dich auch auf die dummen Gesichter deiner ach so linken Freunde. Wieder einmal von ihnen in die Chauviecke hineindiskutiert, wirst du ganz beil├Ąufig sagen: Ach ├╝brigens, ich habe da anno 85... wie ist das eigentlich bei euch...

Nun gut. ├ťber die Motive mag man streiten. Ob aus Egoismus oder im Kampf gegen die Gewinnmaximierung bei Bayer, Schering und den Rimbacher Gummiwerken - irgendwie empfindest du schon die Gr├Â├če deiner Entscheidung. Die Hei├čgeliebte, die Gattin, allerdings meint, dich warnen zu m├╝ssen: Du willst mich doch nicht unter Druck setzen, oder? Und denke blo├č nicht, dass wir nun ├Âfter...

Der Dottore ├╝brigens hat Motivforschung nicht betrieben. Auch die Kinderzahl (immerhin f├╝nf!) wischt er bei dem ├╝blichen Vorgespr├Ąch mit einer Handbewegung vom Tisch. Er plaudert lieber ├╝ber "F├Ąlle" (zwei von zehntausend, siehe oben), liest vor aus dieser "Einwilligungs- und Verzichterkl├Ąrung", die ohnehin mit nach Hause genommen und unterschrieben werden muss. Da ist dann noch die Rede von anderen Nettigkeiten, Entz├╝ndungen, Abzessen und Wundinfektionen, von Bluterg├╝ssen und Granulombildungen, daneben dann immer - Segen der Statistik! - beruhigend niedrige Prozentangaben. Und auch ├╝ber Geld wird gesprochen: dreihundert Mark, die keine Kasse ├╝bernimmt. Ob die Mehrwertsteuer da schon drin ist, wagst du nicht zu fragen. Ein Blick auf diesen Prachtsaal mit alten M├Âbeln, echten Teppichen und dem zierlichen Schild "Besprechungszimmer" l├Ąsst aber vermuten, dass eher nicht...

Ein paar Wochen sp├Ąter geht es dann wie versprochen schnell. - Da eine Krankschreibung anscheinend nicht drinliegt, hast du dir vorsichtshalber den Freitagnachmittag vor einem langen Wochenende ausgesucht. Und nat├╝rlich ist die Gattin mit dem j├╝ngsten und nunmehr endg├╝ltig letzten Spross dabei, will die Zeit f├╝r einen schnellen Wochenendeinkauf nutzen, w├Ąhrend du... Aber warum schlie├člich nicht, und ob das M├Ądchen am Empfang deshalb so irritiert l├Ąchelt - wer will es wissen.

Auf der schmalen Liege, oben mit Pulli und unten mit Tennissocken bekleidet (Was tr├Ągt der elegante Herr zu seiner Vasektomie?), bleibt dir zum Nachdenken dann nicht viel Zeit. Dass die beiden Helferinnen, w├Ąhrend du so daliegst, unentwegt nur "dahin" gucken, bildest du dir wohl nur ein, genau so wie das Glitzern im Auge des Maestro, als er sich dir schlie├člich huldvoll zuwendet. -

Eine Lampe wird angeschaltet, und schon beginnt die Suche. Dottore, Kopf in den Nacken gelegt, versonnener Blick nach oben, tastet blind (wozu dann die Lampe?) an den entscheidenden Stellen herum. Er kneift auch mal kr├Ąftig zu, wenn er meint, "den Bengel" gefasst zu haben, und zitiert aus der Fachliteratur: Die l├Ąngste Suchzeit habe zweieinhalb Stunden betragen. - Da f├╝hlst du dich dann doch erleichtert, als er triumphierend "Jetzt!" ruft, irgend jemand eine Art W├Ąscheklammer anlegt und dir eine Bet├Ąubungsspritze hineinjagt. Das alles wiederholt sich noch einmal auf der anderen Seite, bis du, schwei├čgebadet wie nach einer halben Stunde Squash, vernimmst, dass jetzt das Schlimmste eigentlich vorbei sei... Und den Kopf solltest du sch├Ân liegenlassen, dich "entspannen", es dauere jetzt nur noch ein paar Minuten, bis die Spritzen richtig wirkten.

Prompt l├Ąsst der Schmerz auch nach, und von der eigentlichen Schnippelei bekommst du so gut wie gar nichts mit. Du h├Ârst, dass es falsch war, dich vorher so gr├╝ndlich zu rasieren, denn dein sensibles Dingsbums habe sich in einer Schockreaktion daraufhin unvern├╝nftigerweise verdickt. Dies f├╝hre zu einer vermeidbaren Erschwernis f├╝r den Herrn Operateur. (Aha! Du versprichst, es dir f├╝rs n├Ąchstemal zu merken!) Schlie├člich werden dann die beiden Schnitte mit fl├╝ssigem Pflaster ├╝bersprayt, Dottore streift dir mit launigen Anmerkungen den Slip ├╝ber, man hilft dir beim Aufstehen und erkundigt sich nach der Funktionst├╝chtigkeit deines Kreislaufs (besser sp├Ąt als gar nicht!). Du hast es hinter dir, es hat tats├Ąchlich nur f├╝nfzehn Minuten gedauert, und nat├╝rlich ist Madame noch nicht vom Einkaufen zur├╝ck...

Als sich das liebende Paar in dem ebenfalls ├╝ppig ausgestalteten Wartezimmer dann wieder gegen├╝bertritt, breitet sich doch eine leichte Verlegenheit aus. - Schweigend strebt man dem heimischen Herde zu. F├╝r einen Augenblick wundert sich Junior, dass die Mama chauffiert. Der Ehemann auf dem Beifahrersitz bittet darum, ausnahmsweise sanft zu schalten, ruckartiges Bremsen m├Âglichst zu vermeiden, die Kurven mit Gef├╝hl zu nehmen. Ein halber Tag im Bett, dann die ├ťberraschung, wie schnell die Heilung einsetzt: Am n├Ąchsten Morgen schon kann geduscht werden, und was zu sehen ist - nicht von oben, sondern im daruntergehaltenen Kosmetikspiegel - sind zwei anderthalb Zentimeter kurze Falten, schon jetzt kaum noch als Narben zu erkennen. Keins von den schrecklichen Dingen, die das Merkblatt so gen├╝sslich angedroht hatte, ist eingetreten. Nach und nach stellst du fest: All systems go. - Und was den albernen Watschelgang im Stile John Waynes angeht: Der wird sich sicherlich auch noch verlieren...














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gareth
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Vielleicht werde ich alt, lieber Herzog,

aber ich k├Ânnte schw├Âren, dir auf diesen Text schon einmal geantwortet zu haben. Ich hatte da sinngem├Ą├č gesagt, dass der Name des Mannes, dessen Gang du am Ende beschreibst, nicht John Wayne ist, sondern Charlie Chaplin. Das m├Âchte ich gerne nun noch einmal sagen. Ich bin, bin einigen Ausnahmen was seine Filme betrifft, kein John Wayne Verehrer (eher ein Charly Chaplin Fan), es macht aber in meinen Augen wenig Sinn, nur um des Witzes willen, die Wirklichkeit zu ignorieren.

In diesem Sinn
gr├╝├čt freundlich
gareth


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Herzog
???
Registriert: Apr 2004

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Lieber gareth...

... ich w├╝nsche dir sehr, dass du alt wirst, denn ├╝berleg mal, was ist die Alternative?

Aber Spa├č beiseite. Der o-beinige J. W. geht watschelig, darauf muss ich bestehen. - Im ├ťbrigen hast du nat├╝rlich Recht: Ich habe den Text aus "Erz├Ąhlungen" zu "Humor und Satire" hin├╝bergezogen. Hier scheint er mir besser hinzupassen.

Sch├Ânes Wochenende, Herzog

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