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Leselupe.de > Kurzprosa
Eins mit der Welle (Bali/Lombok 2002, Episode 10)
Eingestellt am 31. 01. 2003 17:15


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Zerok
Festzeitungsschreiber
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Wenn die Welle kommt, dann musst Du nicht vorbereitet sein. Wenn die Welle kommt, dann musst Du nicht mal schwimmen k├Ânnen. Ich meine, wenn DIE Welle kommt, dann musst Du nur eines sein: Du musst eins mit der Welle sein! Du musst die Welle in Dich aufnehmen. Du musst denken wie die Welle, f├╝hlen, sehen, schlagen und umrei├čen. Du musst DIE Welle so annehmen, wie sie ist, und Dich vertrauensvoll auf sie einlassen. Wenn Du das schaffst, dann wird die Welle Dein bester Freund, Dein Segen und Dein Gl├╝ck. Und die Wellen des indischen Ozeans haben gen├╝gend Kraft zum segensreichen Gl├╝ck!

Wenn die Welle kommt und ├╝ber Dich zusammenschl├Ągt, Dich mit ihr mitrei├čt, Du Dich ├╝berschl├Ągst, nach Luft ringst und das Salz des Meeres zu schmecken bekommst, bis Du schon fast auf dem Strand liegst und Dich immer noch die Kraft des Wassers weiter ├╝ber den Sand treibt, dass Du denkst, Deine Haut wird in Streifen geschnitten, wenn das alles geschieht, dann hast Du nichts verstanden! Dann hat die Welle Dich besiegt.

Du liegst keuchend am Strand - f├╝r einen kurzen Moment - denn dann zieht Dich das Meer mit erstaunlich unbarmherziger Macht zur├╝ck. Zur├╝ck in seine H├Ąnde, geformt aus tausenden Fingern aus Schaum, um Dir erneut seine Macht zu demonstrieren und Dich erneut zu besiegen. Siehe dies als Chance, dieses Mal eins mit DER WELLE zu werden, denn allzu oft wirst Du dazu nicht mehr die Gelegenheit bekommen, bevor Dich die Welle endg├╝ltig vernichtet.

W├Ąhrend Du beim wiederholten Zur├╝ckschleudern ├╝ber im Sand verborgene Felsen geschleift wirst, und die Haut Deiner Beine in Fetzen gerissen wird, w├Ąhrend der aufgewirbelte Sand in alle Deine K├Ârper├Âffnungen eindringt, dass selbst das Entweichen eines Darmwindes knirscht, dann kannst Du Dir sicher sein, dass das Opfer Deines Blutes Dir auch nicht mehr weiterhelfen wird und Du noch ein paar genesungsreiche Tage warten musst, bis Du es wieder wagen kannst, eins mit der Welle zu werden.

(Padangbai, 15.09.2002)

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Renee Hawk
???
Registriert: Jan 2001

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Hallo Zerok,

wie oft musstest du mit der Welle eins werden, um sie zu verstehen?
Sch├Âne Beschreibung von einer nat├╝rlichen Symbiose. Da ich das Meeresrauschen h├Âren konnte, bedanke ich mich f├╝rs Lesevergn├╝ge und behalte deine Episoden im Auge.

liebe Gr├╝├če
Rene├Ę


PS.: "Wenn die Welle kommt und ├╝ber Dich zusammenschl├Ągt, Dich mit ihr mitrei├čt," <-- unn├Âtige Verdoppelung

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Zerok
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jan 2003

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Danke Renee, es freut mich, dass Dir diese Episode gefallen hat.

Ich habe es insgesamt dreimal versucht, "eins mit der Welle" zu werden. Insgesamt war ich an dem Tag vielleicht viereinhalb Stunden im Wasser.
Da sage noch mal einer, Strandurlaub sei was f├╝r faule Menschen. Eine Woche in den Wellen von Padangbai baden und man ist durchtrainiert, wie es einem in keinem Fitnessstudio besser widerfahren kann. Nur leider braucht man danach wahrscheinlich zwei Holzbeine.

Die Geschichte des Wellenbades geht auch noch ein wenig weiter.
Und zwar so:


Eine besonders gute Eigenschaft von salzigem Meerwasser ist seine desinfizierende Wirkung. Es beruhigt mich etwas, dass sich die roten Striemen auf meinem rechten Knie wohl nicht entz├╝nden werden, als ich vom Meer weg ├╝ber den Strand humpele.
Der Strand liegt in einer kleiner Bucht, ├Âstlich von der Ortschaft Padangbai selbst. Wir mussten einen kleinen H├╝gel ├╝berwinden und inmitten eines ausgedorrten W├Ąldchens den richtigen Weg raten, bis wir dieses kleine Badeparadies erreicht hatten. Eingeschlossen von einer H├╝gelkette und zwischen felsigen Steinen vulkanischen Ursprungs bietet der wei├če und feine Sand Platz f├╝r ein paar Warungs*, die Handt├╝cher und Sarongs einiger Touristengr├╝ppchen und einer Ameisenkolonie, die ihren angestammten Platz uns gegen├╝ber ebenso wehr- und schmerzhaft wie erfolgreich verteidigt hatten.
W├Ąhrend ich mich unserem Lagerplatz entgegenschleppe, bemerke ich, dass ein paar aus unserer Gruppe auf eine der Felsformationen geklettert sind, die unseren Strand einrahmen. Neugierig schlage ich einen Umweg ein und stehe auch bald schnaufend auf dem Gestein. Barfu├č leider, denn die Steine sind auch hier recht scharf, und halbwegs angenehm kann man eigentlich nur in einer der vielen Pf├╝tzen stehen. „Halbwegs“ deshalb, weil in diesen Pf├╝tzen die Sonne das Meerwasser zu kochen scheint. Jedenfalls brennt es ziemlich an den F├╝├čen, wenn auch nicht am ganzen Fu├č. Merkw├╝rdig! Ich blicke erstaunt zu meinen F├╝├čen hinab, was meine ├ťberraschung nicht sonderlich mildert. Aus meinem linken dicken Zeh steigt friedlich eine rote Bluts├Ąule empor.
Die Felsen sind eigentlich doch langweilig. Ich hinke zu unserem Platz und setze mich an den Rand eines Warung, um etwas gegen die Verwundungen zu unternehmen, die ich mir beim brutalen Bad in den Wellen zugezogen habe: Ich beginne hingebungsvoll zu ├Ąchzen, was jedoch keiner der Anwesenden mit auch nur irgendeiner (bevorzugt mitf├╝hlenden) Regung quittiert. Ich z├Ąhle an meinen F├╝├čen drei mitunter recht tiefe Einschnitte, aus denen nur deswegen kein Tropfen Blut mehr sickert, weil sie mit Sand verklebt sind.
Die Wellen toben immer noch herausfordernd und verlockend auf der anderen Seite des Strands. Allerdings sollte ich mich besser aus dem wilden Bad heraushalten, will ich keine weiteren Schmisse an meinen Beinen und F├╝├čen riskieren, die m├Âglicherweise den Ausflug an den Kraterrand des Rinjani-Vulkans in einer knappen Woche gef├Ąhrden k├Ânnen. So schwer es mir f├Ąllt, es ist ein Gebot der Vernunft, den Wellen fern zu bleiben.
Meine Gedanken klingen recht kummervoll, derweil ich sie mit einem leise klagenden St├Âhnen untermale. Bemerkenswerterweise bilde ich mir erfolgreich ein, dass mir dies Linderung verschafft. Ich beginne, die Tonlagen meines Jammerns zu variieren und experimentiere mit dem Klang. Es ├╝berrascht mich etwas, wie gut das tut. Ich f├╝hle mich immer besser.
Da sehe ich, wie sich Uli erhebt, um ins Meer zu gehen. Ich glaube, ich passe einfach ein bisschen mehr auf und begleite ihn...**

*Ein Warung ist so etwas wie das Missing Link zwischen Kiosk und Imbiss Bude und auf Indonesien sehr weit verbreitet.
**So sehr ich auch versuchte auf mich acht zu geben, mit der Entscheidung, ein zweites Mal eins mit der Welle zu werden, war das Los meiner Fu├čgesundheit zu ihren Ungunsten gefallen und das Schicksal meines letzten halben Meters Heftpflaster entschieden. Er reicht nicht mal mehr bis zum Rinjani-Treck, von dem mich allerdings ein paar weitere Wellenbad-Wunden und ein halb abgerissener Fu├čnagel nicht abhalten konnten.

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