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Leselupe.de > Science Fiction
Einsam
Eingestellt am 15. 07. 2001 21:08


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Pageman
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jul 2001

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Einsam

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Wie schwere T√ľcher hing der Nebel in den B√§umen. Die Sonne dieses Systems stach wie mit hei√üen Nadeln, L√∂cher hindurch. Von seinem Standort aus konnte er die ganze Lichtung √ľberblicken. Ein paar Kuhhasen grasten auf der linken Seite. Diesen Namen hatte der Commander ihnen gegeben. Weil sie sich wie Hasen fortbewegten obwohl sie fast wie K√ľhe aussahen, und weil ihnen sowieso nichts besseres eingefallen war. Zwei gigantische Klauentr√§ger jagten die Herde auseinander. Das waren wohl die gr√∂√üten Raubtiere dieses Planeten. Aber er brauchte sich deswegen keine Sorgen zu machen. Sie w√ľrden ihn nicht angreifen. Wohl waren sie ein-, zweimal hier gewesen und hatten an ihm geschn√ľffelt, aber dann waren sie wieder weitergezogen ohne gro√ües Interesse an ihm zu bekunden. Er k√ľmmerte sich jetzt erst mal um die Solarpaneele. Die waren durch die Feuchtigkeit der Nacht ganz na√ü und klamm. Sie mu√üten getrocknet und nach dem Sonnenstand gerichtet werden. Mit einem feinem Summen fingen sich die Fl√ľgel der Emitterplatten an zu drehen. Fr√ľher h√§tte er die Heizwendeln aktiviert, allerdings wu√üte er mittlerweile, da√ü die Sonne hier genug Kraft hatte um die Platten innerhalb weniger Minuten vollst√§ndig abzutrocknen. Das sie in dieser Phase eine etwas geringere Menge Energie lieferten war zu vernachl√§ssigen. Einige Minuten vergingen bis die Energieproduktion auf voller Kraft war. Als die Systeminformatik Maximalstatus anzeigte, aktivierte er den Sender. Seit sie hier notgelandet waren, sorgte er jeden Tag daf√ľr, das ein automatisches Notsignal zu der im Orbit stationierten Funkbake √ľbermittelt wurde. Anf√§nglich hatte die Bake ja automatisch gesendet, aber nachdem sie von einem Mikrometeoriten besch√§digt wurde, waren sie froh, da√ü man sie noch als Relais einsetzen konnte. Der Captain und der Techniker hatten sich diese Sendeanlage ausgedacht und es zu seiner Aufgabe gemacht, sie zu betreuen. Nun stand er hier und lies seinen Blick √ľber die Lichtung schweifen. F√ľr den Anfang hatte er heute alles getan, was er tun konnte. Die Anlage hatte Strom und setzte in regelm√§√üigen Abst√§nden den Notruf ab. Das Diagnosemodul und die Empfangsbenachrichtigung waren aktiv und w√ľrden ihn √ľber eventuell auftretende Fehler oder eingehende Funkspr√ľche informieren. Jetzt hatte er Zeit zum Nachdenken.
Das Camp befand sich fast genau auf der gegen√ľberliegenden Seite der Lichtung. Das war immerhin fast 3 Kilometer Wegstrecke. Dort befand sich eine nat√ľrliche geologische Formation, die einen ziemlich guten Schutz vor den Tieren und den Wetterunbilden dieses Planeten bot. Die Sendestation mu√üte allerdings hier aufgestellt werden, damit die Orbitalbake sich im Richtstrahl der Antenne befand. Immerhin hatten sie Gl√ľck gehabt und noch einen Planeten mit atembarer Atmosph√§re gefunden. Sonst w√§re es aus gewesen. Einsam war es auf dieser Seite der Lichtung. Seit einiger Zeit hatte sich keiner der Kameraden mehr bei ihm blicken lassen. Langsam machte er sich Sorgen. An seinem rechten Bein wucherte bereits eine dieser Schlingpflanzen in die H√∂he. Er konnte sie ja nicht selbst entfernen. Der Techniker hatte ihm damals seine Bewegungsfreiheit genommen. Er hatte ihm erkl√§rt, da√ü das n√∂tig w√§re, damit er seine volle Aufmerksamkeit der √úberwachung des Notsenders widmen k√∂nne. Damals hatte er es auch geglaubt. Der Techniker hatte ihn nie belogen. Warum sollte er es also gerade in einer so schweren Situation wie nach diesem Absturz tun. Jetzt machte ihn dieser Umstand allerdings nerv√∂s. Wenn diese Pflanze so weiterwuchs, w√ľrde sie ihn bald √ľberwuchert haben. Fr√ľher war ja ab und zu noch jemand vorbeigekommen und hatte sich um ihn gek√ľmmert. Es war sch√∂n wenigsten einmal am Tag mit jemanden reden zu k√∂nnen, auch wenn er nie eine Erfolgsmeldung geben konnte. Leider hatte sich ja bis jetzt niemand auf ihren Notruf gemeldet. Aber das war kein Grund zu resignieren. Sie konnten einige Zeit auf diesem Planeten √ľberleben. Die Vegetation war genie√übar. Es gab Wasser und es gab Wild. Und irgendwann w√ľrde es auch wieder Kontakt geben. Man mu√üten nur warten und √ľberleben. Aber in der letzten Zeit machte er sich Sorgen. Schon seit einem Monat war keiner mehr vorbeigekommen, seit diesem seltsamen Abend.
An diesem Abend stand er wie immer hier und drehte die Sonarpaddel in Richtung Sonnenuntergang um noch eine Energiereserve f√ľr die Nacht zu erhaschen, als er das Zischen und Pulsen von Phaserwaffen h√∂rte. Dort, wo sich das Camp befinden mu√üte, zogen sich die grellen Linien von Photonensch√ľssen durch den Abendhimmel. Es war ein unkoordiniertes, wildes Geballer, also konnte es sich nicht um eine Jagd handeln. Durch das Ereignis abgelenkt, h√§tte er fast vergessen den Sendebetrieb f√ľr diesen Tag abzuschalten. Nachdem er das getan hatte, wandte er sich wieder den Ereignissen auf der anderen Seite der Lichtung zu.
Die Sch√ľsse erfolgten jetzt vereinzelter und weiter auseinander. Einer der Sch√ľtzen schien sich sogar in seine Richtung zu bewegen. Nach und nach verebbte das Phaserfeuer. Nur der Sch√ľtze, der in Richtung seines Standortes lief, scho√ü noch ab und zu. So richtig wu√üte er nicht, wie er das Ganze einsch√§tzen sollte. Aber wenn dieser Einzelne so weiterlief, w√ľrde er bald hier ankommen, und dann k√∂nnte er ihn ja fragen. Langsam wurde es dunkler und er langsam ungeduldig, als das Unterholz vor ihm in Bewegung geriet. Allerdings kam dort nicht der Captain oder einer der Anderen, sondern ein Krallentr√§ger hervor. Zwischen den Krallen der vorderen Pranken hingen blaurote Stoffetzen und aus seinem Maul tropfte Blut. Er ahnte Schreckliches. Als er am n√§chsten Morgen den Sendebetrieb wieder aufnahm und die Paddel der Solaranlage in die Sonne drehte, sah er seine Bef√ľrchtungen best√§tigt. Unweit von ihm lagen die √úberreste eines menschlichen K√∂rpers.
Mittlerweile hatten die Aasfresser die Knochen blankgeputzt. Jetzt schimmerten sie nur noch kalkig wei√ü in der Sonne. Seit diesem Abend war niemand mehr gekommen. Waren alle tot oder hatten sie nur Angst die weite Strecke zu ihm her√ľber zu laufen. Er wu√üte ja auch nicht, ob der Rover kaputt war. Immerhin w√§re die Strecke mit diesem Gef√§hrt nur ein Katzensprung.
Jetzt stand er hier und wucherte langsam zu. Und das Schlimmste war, er konnte weder etwas gegen die Pflanzen tun noch nachschauen, was mit den anderen Kameraden passiert war. So verging einige Zeit.
Eines Tages hörte er Schritte. Das waren eindeutig Schritte von Menschen. Mittlerweile hatte er gelernt die Kuhhasen und die Krallenträger an ihren Bewegungsgeräuschen zu unterscheiden. Auch die anderen Tiere konnte er auseinanderhalten, doch das waren eindeutig die Schritte von Menschen. Kamen seine Kameraden nach so langer Zeit wieder, um nach ihm zu schauen? Er konnte es nicht sehen, da er gänzlich mit Pflanzen bedeckt war. Auch vor seinem Gesicht hatte sich ein regelrechtes Dickicht gebildet. Die Schritte kamen ganz nahe und plötzlich wischte eine Hand die Zweige von seinem Augen.

‚ÄěIch hatte Recht, Mike! Hier ist die Sendestation, und sieh mal, durch was sie gesteuert wird!‚Äú
Der so Angesprochene trat n√§her. ‚ÄěEine XP3-Einheit ?! Ich werd verr√ľckt! Die haben tats√§chlich eine XP3-Einheit zu einem Notrufsender umgebaut?!‚Äú ‚ÄěIst schon erstaunlich einen einfachen Serviceroboter als Transceiver zu benutzen. Ich werde mal dem Captain Bescheid geben.‚Äú ‚ÄěJa tu das Frank, ich schau mich noch ein wenig um.‚Äú

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Volker Kock
Hobbydichter
Registriert: Mar 2001

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Eine √ľberraschend gute Kurzgeschichte. Erinnert mich stark an Isaack Asimov, zumindes im Stil.

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Pageman
Festzeitungsschreiber
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Danke f√ľr das Kompliment. Auch wenn mir genannte Autor nicht gel√§ufig ist.

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FirstAid
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Eine schöne Kurzgeschichte! Wie bist du auf die Idee gekommen sie zu schreiben?

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Pageman
Festzeitungsschreiber
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Wie ich auf die Idee gekommen bin? Keine Ahnung! Solches Zeug fällt mir meist während der Arbeit ein. Es ist nur das erste Mal, das ich es aufschreibe und irgendwo veröffentliche.

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Volker Kock
Hobbydichter
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Sollte das Dein erster Anfang sein, so ist er originell gelungen.

Isaack Asimov hat seit den f√ľnfziger/sechziger Jahren viele Geschichten um Roboter geschrieben. Teilweise ganze Romane. Schlicht lesenswert.

Weder stilistisch noch von der Originalität her, finde ich, gibt es an Deiner Kurzgeschichte was zu deuteln. Wann kann man mit einer neuen Geschichte rechnen?

Volker

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Pageman
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jul 2001

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In Sachen Robotergeschichten fallen mir jetzt nur die "Robotermärchen" von Stanislaw Lem ein. Eine neue Geschichte ist bereits in Arbeit. Diesmal allerdings aus dem Star Trek Universum. Als kleiner Trekkie muß ich ja auch mal sowas abliefern.

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