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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Einsam im Mondschein
Eingestellt am 21. 03. 2014 16:12


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pseudodelic
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jun 2012

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Die Nacht brach an, der Mondschein des Vollmondes tr├Ąnkte die dunklen Gassen in eine gewisse Helligkeit, in der man selbst fremde Gesichter erkennen konnte.
Er, John Hoffmann, st├Âberte in seiner Tasche nach seinen Filterzigaretten, die er regelrecht verschlang. Am Tag rauchte er ├╝blicherweise zwei Packungen.
John Hoffmann war ein normaler Typ, mit mittellangen dunkelbraunen Haaren, trug immer einen grau gestreiften Mantel und schwarze Lederschuhe, war gerade in den mittleren Zwanzigern angekommen und schon ma├člos ├╝berfordert vom Leben.
Diesen Makel hatte er sich selbst zuzuschreiben, denn er war mit seinen jungen Jahren schon abgekl├Ąrter als die meisten Mitf├╝nfziger und alles nur durch seine Furcht vor Menschen.
Diese Angst machte ihn zwar nicht fertig, aber zynischer als Diogenes von Sinope, und somit einsam.
┬╗Was darfs'n sein?┬ź sagte ein Barkeeper einer schmuddeligen Bar, an einer von Gro├čtonnern abgewrackten Stra├če, in der nur Stammg├Ąste tranken.
┬╗Bier.┬ź
John bekam ein gef├╝lltes Glas, z├╝ndete sich eine Zigarette an, spuckte ins Glas und schleuderte es vom Tresen.
┬╗In der Flasche, Vollidiot.┬ź
┬╗Haste eigentlich noch alle Latten am Zaun, Fremder?┬ź
Dem Barkeeper traten Wutadern am Hals hervor und er wurde roter als die Flagge der Sowjetunion.
┬╗Klar, wie sieht's bei dir aus? Jetzt gib mir ein Bier in der Flasche, ab dalli, sonst mach ich einen richtigen Aufstand. Und f├╝r den Dreck vom Fass bezahle ich gar nichts.┬ź
Die Musik h├Ârte auf zu dr├Âhnen, so etwas hat man hier noch nie erlebt. Einige Stammg├Ąste erhoben sich gem├Ąchlich, trotteten an den dunkelbraunen Bartresen r├╝ber, und versammelten sich um John in einem Halbkreis.
┬╗Wir hab'n hier kein Bock auf solche Leute wie dich.┬ź
┬╗Ja, schieb dein Arsch hier raus, sonst kracht es.┬ź
Der Barkeeper klinkte sich mit ein.
┬╗Mach dich ja raus, sonst ruf ich nicht nur die Bullen, sondern hau dir selbst die Fresse platt.┬ź
John stand auf, schmiss noch ein halbvolles Glas eines betrunken Gastes, der auf dem Tresen schlief, um, und ging mit einer Hand in der Tasche und der anderen am Glimmst├Ąngel hinaus auf die Stra├če.
Er machte sich auf den Weg zu Gregor, seinen einzigen und besten Freund.
Dort angekommen machten sie sich erstmal zwei Gl├Ąser dreiviertel voll mit Whisky, den billigsten Fusel, den Gregor im Supermarkt finden konnte.
┬╗Wie l├Ąuft's mit den Weiber'n?┬ź fragte Gregor.
┬╗Geht so, das mit Mary kann ich wahrscheinlich vergessen.┬ź
┬╗Was war denn los?┬ź
┬╗Hab mit einer anderen rumgemacht, sie hat es mitbekommen.┬ź
┬╗Du kannst nicht mit anderen rummachen, wenn du eine Frau liebst. Und du liebst Mary, das sp├╝re ich. Auch wenn du so tust, als w├╝rde es dir nichts ausmachen, ich kann deine Verzweiflung sehen.┬ź
┬╗Rede nicht so viel, schenk lieber nochmal nach.┬ź
John und Gregor sprachen nie viel, wenn sie beieinander waren, nur falls es wirklich etwas wichtiges zu erz├Ąhlen gab. Sie waren der Ansicht, man m├╝sse so viel gequirlten Dreck am Tag reden, im Beruf oder beim Einkaufen, dass es auch Zeiten geben muss, in der man einfach in Gesellschaft etwas trinkt und altem Blues von einer Schallplatte genie├čen.
Nach zwei Stunden des Schweigens stand John auf, verabschiedete sich mit den Worten "halt die L├Âffel steif, bis morgen" und machte sich auf den Weg nach Hause.
__________________
Seitdem ich selbstbewusst bin und genau das mache und sage, was ich wirklich will, komme ich mir verr├╝ckt vor.

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