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Leselupe.de > Krimis und Thriller
Einsamkeit
Eingestellt am 22. 07. 2001 16:12


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Rebecca
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Apr 2001

Werke: 9
Kommentare: 7
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Eigentlich wu├čte er nicht, was er dort tat. Er wollte doch nur eine gute Zukunft f├╝r die Familie. Jetzt war alles kaputt. Seine Eltern hatten sich nie Gedanken ├╝ber die Zukunft gemacht. Sie waren nie f├╝r ihn dagewesen, hatten ihn verlassen. Schlie├člich hatte er sein Gl├╝ck allein gesucht. Aber er mu├čte feststellen, da├č die Welt genauso erbarmungslos war. Dann traf er sie. Sie war das h├╝bscheste M├Ądchen, das er je gesehen hatte. Sie war seine Traumfrau. Wie gl├╝cklich sie am Anfang waren. Sie waren verliebt. Doch jetzt ha├čte er Marlis daf├╝r. Er ha├čte ihren Egoismus. John ha├čte die ganze Welt, weil er von ihr so entt├Ąuscht worden war. Er hatte doch nur etwas Gl├╝ck gesucht. War das denn zuviel verlangt? Er war zu lange in seinem Leben allein gewesen. Ihm stand verdammt noch mal ein St├╝ck Gl├╝ck zu. Hatte er nicht bereits genug gelitten? Marlis hatte ihn mal geliebt. Deswegen hatten sie vor sechs Jahren geheiratet. Sie waren danach so unendlich gl├╝cklich gewesen. Aber dann... Was war blo├č mit ihnen geschehen?

Marlis hatte damals ihren Job aufgegeben und war, wie John es wollte, Hausfrau geworden. Wenn er nach Hause kam, erwartete sie ihn bereits an der T├╝r. Alles schien perfekt zu sein, wie in diesen Serien, die John immer als Kind gesehen hatte. Aber dann kamen sie, und alles ├Ąnderte sich pl├Âtzlich.
Marlis hatte nicht mehr soviel Zeit f├╝r ihn. Sie wurde abweisend und war immer zu am Jammern, da├č sie kein Geld h├Ątten. Dann kam sie auf die Idee, wieder zu arbeiten. Reichte ihr sein Einkommen pl├Âtzlich nicht mehr? Hatte er sich nicht genug abgeschuftet, damit sie ein angenehmes Leben hatte? Dabei hatte John sich so auf die Zwillinge gefreut, als er von ihnen h├Ârte. Sie sollten das Familiengl├╝ck noch perfekter machen. Eine richtige Familie eben.
Doch es kam alles anders. Marlis mu├čte sich von fr├╝h bis sp├Ąt um die Balgen k├╝mmern und vernachl├Ąssigte ihn. Niemand k├╝mmerte sich nun mehr um John. Das war nicht richtig. Er war hier der Versorger. Und so begann er mit dem Trinken. Er versuchte seine Einsamkeit in Bier zu ertr├Ąnken. Doch das funktionierte nicht so gut, wie er gehofft hatte.
Wenn er nach Hause kam, wartete sie w├╝tend im Schlafzimmer. Wenn er dann lauter wurde, schimpfte sie ihn aus, weil die Kinder wach wurden. Sollten sie doch nur schreien. Wen k├╝mmerte das? Ihn sicherlich nicht. Sein Familiengl├╝ck br├Âckelte. Das konnte er doch nicht zulassen. Hatte er seinen Jungen nicht die Leben geben wollen, die er nicht bekommen hatte?
Aber was war der Dank, diese kleinen Nimmers├Ątter wollten immer mehr. Immer mehr Liebe und Essen. Sie verschlangen sein Geld und die Liebe von Marlis. Schlie├člich sah er keinen anderen Ausweg mehr. Er mu├čte das beenden.

Jetzt zitterten seine H├Ąnde, als er die kleinen K├Ârper in die M├╝lls├Ącke stopfte. ├ťberall klebte Blut. Er wischte es sich am Hemd ab. Dann warf er einen hektischen Blick aus dem Fenster, um sicher zu gehen, da├č keine neugierigen Nachbarn zusahen. Er schwitzte.
Warum hatte sie ihm das angetan? Waren sie nicht vorher gl├╝cklich gewesen?
Sie wollte wieder arbeiten. Verdiente er ihr nicht genug? Keine Frau sollte arbeiten gehen. Sie geh├Ârte ins Haus. Aber sie lie├č es sich nicht wieder ausreden, bestand darauf, sich einen Job zu suchen. Das war zuviel. Sie vernachl├Ąssigte den Haushalt und k├╝mmerte sich nicht mehr um ihn. Hatte er nicht auch Bed├╝rfnisse. Er mu├čte sich immer mehr um diese kleinen Bastarde k├╝mmern, doch das wollte er nicht. Er ha├čte Marlis daf├╝r. Er ha├čte die Firma, den verdammten Job, die Kollegen und sein ganzen beschissenes Leben. John schleppte die Plastiks├Ącke durch die Hintert├╝r zum Wagen und legte sie vorsichtig in den Kofferraum. Wieder einmal war er allein, wie so oft in seinen Leben, dabei wollte er doch nur gl├╝cklich sein. Er ging zur├╝ck ins Haus, lief durch die K├╝che ins Wohnzimmer. Auf dem Teppich waren ├╝berall Blutflecken. John mu├čte ihn rausnehmen. Er wickelte ihren K├Ârper darin ein, aber so konnte er sie nicht in das Auto bekommen. Wieder einmal machte Marlis Probleme.
John mu├čte sich beeilen, es wurde sp├Ąt. Und was hatte die neugierige Nachbarin gesehen? Sie hatte geklingelt und neugierig ins Zimmer geschaut. Er mu├čte sicher sein. Also wusch er sich kurz die H├Ąnde und ging r├╝ber zu der alten Hexe. Sie ├Âffnete gleich, hatte ihn kommen sehen.
"Meine Frau hat Probleme mit der Waschmaschine, die ist ganz neu. W├╝rden sie mal mit r├╝berkommen?"
Sie gingen in sein Haus. Mrs. Alberts fragte ihn, was er mit den Plastiks├Ącken vorhatte. Offenbar hatte sie ihn gesehen, und das war schlecht, schlecht f├╝r. Als sie sich ├╝ber die Maschine beugte, nahm John den Hammer aus der Schublade und schlug zu. Wie leicht doch ein Hinterkopf zerschlug. Sie war sofort tot. Er mu├čte ihr ein paar Knochen brechen, damit sie ihn den M├╝llsack pa├čte. Bei Marlis war es schwerer. Sie pa├čte nicht in den Kofferraum. Wie gut, da├č er eine Axt im Werkzeugschuppen hatte. Erst sch├Ąrfte er sie noch einmal, bevor die Axt durch das Fleisch sauste. Sie schnitt wie durch Butter. John war zufrieden. Als die beiden Frauen und der Teppich im Kofferraum verstaut waren, fuhr er los zur M├╝llhalde. Auf dem Weg dorthin erschienen ihm wieder diese Bilder. Er sah Marlis mit den Zwillingen auf dem Arm die Treppe hinunterkommen. Sie hatten f├╝rchterlich gestritten, sie wollte fortgehen.
Das konnte er nicht zulassen. Er schubste sie ins Wohnzimmer. Sie schrie ihn weiter an. Dann schlug er zu. Ihr Kopf flog zur Seite und sie weinte. Die Kinder krabbelten am Boden. Marlis rief: "Tu ihnen nichts!" Doch da hatte er den Feuerhaken schon in der Hand. Er hatte dieses zwingende Bed├╝rfnis ihr wehzutun. Also schlug er ein zweites Mal zu. Sie lag regungslos am Boden. Die Kinder schrien. Der Feuerhaken bohrte sich in Marlis Brust. Ein Augenpaar starrte John an. Es war vorbei. Dann nahm John ein Kissen vom Sofa und dr├╝ckte es einem Kind auf das Gesicht. Als es tot war, kam das n├Ąchste dran.
Wenig sp├Ąter warf er die M├╝lls├Ącke auf die Halde und fuhr weiter. Er konnte nicht nach Hause, die Polizei w├Ąre bald hinter ihm her. Eigentlich wollte er nach Mexiko, aber er drehte um und fuhr in seine Heimatstadt. Es war noch genau wie fr├╝her., als er noch ein kleiner Junge war. Seine Kindheit war allerdings nicht die beste gewesen. Er fuhr zu dem Haus seiner Eltern. Es war dunkel. Seine Eltern w├╝rden bereits schlafen. Schlie├člich schlich er sich ins Haus und ging die Treppe hinauf zum Schlafzimmer. Er hatte aus der K├╝che ein Messer mitgenommen. Es dauerte nur wenige Minuten. Erst schnitt er seiner Mutter die Kehle durch.
Danach durchschnitt er auch seinem Vater den Hals. Blut tropfte auf das Laken. John l├Ąchelte.
Er f├╝hlte sich frei. Er leckte sich die Finger. Wie s├╝├č doch Rache schmeckte.

Als ihn die Polizei einige Tage sp├Ąter in den kleinen Hotel festnahm, sagte er nur: "Ich habe nur meine Pflicht getan."
Er wurde unter h├Âchsten Sicherheitsma├čnahmen ins Gef├Ąngnis gebracht. Seine Verhandlung war schnell vorbei. Seine Strafe wegen sechsfachen Mordes, der elektrische Stuhl. Zwei Jahre verbrachte John nun bereits in der Todeszelle. Er war einsam dort. Nachts konnte er die Stimmen seiner Opfer h├Âren, die ihn riefen. Als der Tag der Hinrichtung endlich kam, bestellte er sich einen Priester in die Zelle. John sa├č ihm gegen├╝ber und beichtete seine S├╝nden. Der Priester segnete ihn. Pl├Âtzlich schnellte John hoch, er hatte das Messer von seiner letzten Mahlzeit in der Hand. Er grinste und meinte: Was wird dein Boss wohl dazu sagen, wenn ich dich jetzt mitnehme. Dann wird er mir sicherlich nicht vergeben. Ich werde nicht allein zur H├Âlle fahren, denn ich nehme dich mit. Ich werde nie wieder allein sein, nie wieder..." John rammte dem Priester das Messer in die Brust. Danach starch er es sich in den Bauch. Wieder flo├č Blut durch seine H├Ąnde, doch dieses Mal war es sein eigenes. Dieses Mal war er nicht allein. Die Wachen rannten in die Zelle. Es war zu sp├Ąt. An der Wand stand das Wort Einsamkeit. Er war sein Leben lang einsam, doch gestorben ist er nicht allein.

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Korina
Hobbydichter
Registriert: Jul 2001

Werke: 1
Kommentare: 9
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Das Thema gef├Ąllt mir :)

Hallo Rebecca,

Ich finde die Idee so eine Geschichte zu schreiben sehr gut, trotzdem fielen mir ein paar Kleinigkeiten auf:

Gleich am Anfang kommt schon dieses Dann traf er sie...

ich empfinde das als etwas pl├Âtzlich, man hat sich auf ihn noch gar nicht richtig eingestellt, da kommt schon sie... und du h├Ąttest seinen Konflikt vielleicht noch detaillierter beschrieben k├Ânnen. Du erw├Ąhnst zwar dieses:

Hatte er nicht bereits genug gelitten? [...]
... aber man erf├Ąhrt zu wenig davon, da├č er tats├Ąchlich gelitten hat.

Zu:
Alles schien perfekt zu sein, wie in diesen Serien, die John immer als Kind gesehen hatte.
... m├Âchte ich nur sagen: man wei├č zwar was du meinst, aber vielleicht h├Ąttest du diese Art von Friede-Freude-Eierkucken-Serien genauer beschreiben k├Ânnen.

Weiter:
[...] Und so begann er mit dem Trinken. [...]

Der Ernst der Situation kommt nicht so ganz r├╝ber, finde ich. Du h├Ąttest den Grund vielleicht etwas drastischer beschrieben sollen, damit man ihn auch versteht, warum er sich in den Suff fl├╝chtet...

Jetzt mal Lob
... Den ├ťbergang von: Er mu├čte das beenden. zu: Jetzt zitterten seine H├Ąnde, als er die kleinen K├Ârper in die M├╝lls├Ącke stopfte. [...] h├Ątte man besser nicht machen k├Ânnen, das war wirklich gut und unerwartet. Ab dieser Stelle wird die Geschichte echt gut, auch vom Schreibstil her.

[...] Offenbar hatte sie ihn gesehen, und das war schlecht, schlecht f├╝r.
Schlecht f├╝r was? Schlecht f├╝r wen? Ist das absichtlich? Also: schlecht f├╝r punkt-punkt-punkt? Oder Tippfehler? Oder hab ich mich verlesen, kann auch sein...

[...] Auf dem Weg dorthin erschienen ihm wieder diese Bilder. [...]
So wie du diese Bilder beschreibst, h├Ąttest du die Auseinandersetzungen, als Marlis noch am Leben war, auch beschreiben k├Ânnen, das ist echt gut. Ich finde es auch interessant, da├č du erst hinterher beschreibst, wie er sie umbrachte.

Es tut mir leid, da├č ich an so Kleinigkeiten gemeckert habe, aber die Geschichte finde ich echt toll und wenn du vielleicht noch mal dr├╝ber gehst und das eine oder andere ausbaust oder wegl├Ą├čt, dann ist das eine echt super Geschichte!

Viele liebe Gr├╝├če
Korina.

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Nico Jahn
Guest
Registriert: Not Yet

Ein tiefer Blick in den menschlichen Abgrund

Hallo Rebecca...

Ein aktuelles und jedem Menschen wohl bekanntes Thema - ein sehr erschreckendes Thema. Dies hast Du genauso niedergeschrieben, wie es kaum besser geht.

Zwar sind in Deinem dem Schreibstil einige Auff├Ąlligkeiten, die ich selbst anders machen w├╝rde oder die Fragen aufwerfen, aber dennoch eine kurze und harte Beschreibung der Vorg├Ąnge, die viele dieser Taten als Hintergrund haben.

Wird von solchen Trag├Âdien berichtet, kann man vor Entsetzen und Unverst├Ąndnis dies kaum glauben. Und das ist auch bei Deiner Geschichte der Fall.

Und da man dieses Entsetzen bei sich selbst w├Ąhrend des Lesens sp├╝ren kann, ist Deine Erz├Ąhlung eine gute Benotung wert. Weiter so...

Nico Jahn

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Frank Zimmermann
Junior Mitglied
Wird mal Schriftsteller

Registriert: Jan 1999

Werke: 41
Kommentare: 273
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Textkritik

Ich fand die kurze Einf├╝hrung des Protagonisten f├╝r den kurzen Text angemessen. Beim Weiterlesen war ich mir sicher, es mit einem zynisch-ironischen Text zu tun zu haben. Die psychologische Herleitung f├╝r das Ausrasten eines Mannes schien mir zu oberfl├Ąchlich um ernst gemeint zu sein. Am besten gefiel mir der Satz: "Wieder einmal machte Marlis Probleme.".

Doch dann kippt der Text: auf einmal wird die ganze Kaltbl├╝tigkeit und Brutalit├Ąt vorgef├╝hrt. War die Erz├Ąhlerin anfangs noch sehr dicht beim Protagonisten und seinen Gedanken - in der Erz├Ąhlung wiederholen sich sogar die Gedanken, so da├č man an den Zirkelschl├╝ssen des Verwirrten unmittelbar beteiligt ist - so entfernt sie sich nun von ihm, schludert noch drei weitere Morde hinterher, als w├Ąren vier Tote nicht genug.

Meiner Meinung nach h├Ątte die Autorin sich f├╝r einen Stil entscheiden sollen: entweder den lakonischen Erz├Ąhlton des Anfangs beibehalten, dann w├Ąre es wohl eher eine Krimisatire geworden oder die Schilderung eines Schicksals mit einer psychologisch fundierten Begr├╝ndung. Doch f├╝r zweiteres h├Ątte es wohl weit mehr gebraucht, an Text und an Hintergrundwissen.
So bleibt der Text auf RTL II-Niveau h├Ąngen: ein bi├čchen Psychovokabular, ein bi├čchen Splatterinventar; Brot und Spiele.
Schade!
__________________
fz

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Rebecca
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Apr 2001

Werke: 9
Kommentare: 7
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Profil
Antwort

Um es erst einmal vorwegzuschicken, dieser Text ist extrem alt. Ich glaube ich habe ihn noch in dieser Teenager-null-zukunft-Phase geschrieben. Ich habe ihn leider nicht noch einmal gr├╝ndlich Korrektur gelesen. Mittlerweile bin ich wieder runter von diesen Bild-Zeitungs-Stil. Es war wohl in der Tat etwas zu viel Blut. Aber damals entsprach das meinen Gef├╝hlen. Doch keine Angst, ich bin nicht amokgelaufen oder so, das tun immer nur meine Figuren.
Ich hoffe, ihr lest trotzdem weiter meine Geschichten.

Rebecca

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