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Leselupe.de > Gereimtes
Einst lebt' ein Kasper voll Kultur...
Eingestellt am 26. 02. 2003 09:52


Autor
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Penelopeia
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Nov 2002

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Einst lebt' ein Kasper voll Kultur
("Hochleitkultur" nat├╝rlich nur),
war h├Âchstgebildet, schwerstbelesen,
ist durch und durch Ästhet gewesen.

Der Mensch lebt nicht vom Brot: kann sein.
Doch Kasper fast von Kunst allein,
von kulturellem Kunstprodukte,
das, wenn erw├Ąhlt, er vornehm schluckte.

Er lebte f├╝r Niveau und Stil
und galt geschmacklich als subtil,
nur hehrer Kunst edelste Fr├╝chte
s├Ąttigten des Rezeptors S├╝chte.

Traf der Gourmet auf sonst'ge Frucht,
w├Ąhlte Distanz er oder Flucht;
ach, er hat Kleinkunst nie vertragen,
ist ihm meist auf den Wanst geschlagen...

Nun kommt im Leben manchmal vor:
ein Kasper wird ein Redaktor.
Oder er darf - verr├╝ckt, das Leben -
sich gar zum Kritiker erheben..!

Wie hat das Kasper doch gefreut,
wie zog er her ├╝ber die Leut',
wie hat er kritisch nun geschrieben,
dass oft nur Rauch und Tr├╝mmer blieben...

Kasper, der wurde stolz und kalt
in dem Gef├╝hl, er sei Anwalt
der hohen Kunst, der wirklich echten.
"Den Rest", sprach er, "werden wir sch├Ąchten.!

Wir sch├Ąchten Kleinkunst, das steht fest,
ich mach' ein Riesenschlachtefest!"
(Kasper, der war sendungsbesessen,
vielleicht auch nur von Neid zerfressen...)

Kritiker-Kasper stach nun ein,
auf das, was ohne Heil'genschein,
was ohne Kanon und Staatspreise,
stach mit der Feder und schrie:"Schei├če!"

Doch wer kann blo├č, was folgt, verstehn? -
Man sah den Kasper gr├Ąmlich gehn,
man sah ihn schlie├člich nur noch schleichen,
s' war zum "Kritikerherzerweichen"...

Und Kasper wurde d├╝nn, nahm ab.
Und machte eines Tages schlapp.
Man hat den Magen autopsieret
und fand, der war ganz zugeschn├╝ret.

"Das zieht sich", sprach der Doktor barsch,
"vom Magen hin bis zu dem Arsch.
Die Trakte, die f├╝r das Verdauen,
erwecken selbst bei mir nur Grauen.

Wenn mich mein scharfer Blick nicht trog,
sich dieser Teil zusammenzog.
Er litt an Unvertr├Ąglichkeiten
und mu├čte wahrlich schwerstens leiden.

Er hat gelitten als ein Mann,
der manches nicht vertragen kann,
was war's blo├č, was er nicht vertragen? -
Welch Gift? - Ach, Fragen ├╝ber Fragen...

Solch Innenleben ich nie sah,
h├Âchst grausam wohl, was dem geschah.
Er war von innen so zerknittelt.
es hat mich f├╝rchterlich gesch├╝ttelt...

Vielleicht", vernimmt man nun zum Schlu├č,
"war es ein ganz neuer Virus".
Ich denke, es ist nichts gewesen,
nur: Kasper mu├čte Knittel lesen.

Voll Knittel war, h├Ârt' ich, sein Tisch,
voll Knittelverse mancher Wisch...
Und Knittel konnt' er nicht vertragen,
die schlugen ihm doch auf den Magen!

Ach, Kultur-Kasper, Kasper, du,
nun hast Du endlich deine Ruh,
sollst ganz in Ruhe gut verwesen,
la├č uns nur Knittel schreiben, lesen...



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Klopfstock
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo, Penelopeia,

also mir gef├Ąllt dieses Werk GANZ TOLL!!!
Du hast Dich - und das meine ich nicht b├Âse,
im Vergleich zu Deinen fr├╝heren Reimen -
sehr, sehr verbessert. Ich finde das ist sogar
ganz ausgezeichnet gereimt. Ein Kleinigkeit:
in der sechsten Strophe w├╝rde ich ein Wort
nur umstellen: anstatt "wie hat er nun kritisch
geschrieben" - "wie hat er kritisch nun geschrieben".
Liest sich fl├╝ssiger und ist nur ein Klacks.
Deine anderen Gedichte fand ich vom Inhalt immer
gut, nur die Reimerei - diesmal bin ich sehr positiv
erstaunt!!! Du machst Dich wirklich.

Sende Dir liebe Gr├╝├če

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Penelopeia
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Nov 2002

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Die Reimerei

Hallo Klopfstock,

danke f├╝r Deinen Kommentar, hat mich sehr gefreut. Trotzdem bin ich mit Deinem Standpunkt zum Thema Reimen nicht so ganz gl├╝cklich. Ich halte die Reimerei zwar f├╝r eines der wichtigsten Stilmittel des Gedichteschreibers, aber auch f├╝r eines der gef├Ąhrlichsten: es ist leicht, vorgegebenen rhythmischen und metrischen Mustern zu folgen. Aber es ist sehr schwer, dabei Nat├╝rlichkeit zu behalten. Meine Texte sind zu einem Gro├čteil "gezielt verholpert"... Es ist ev. eine Frage des Vortrags, manche solcher Texte mit unklarem Rhythmus oder Metrum verst├Ąndlich zu machen...

Vielleicht erinnert sich mancher auch einmal an ber├╝hmte Knittelverse aus der Zeit der deutschen Klassik... Ein Gedicht geht z.B. so:

T├Ątst du zur rechten Zeit Dich regen,
H├Ąttst du's bequemer haben m├Âgen.
Wer geringe Ding wenig acht't,
Sich um geringere M├╝he macht.

Klingt nur zum Teil harmonisch, oder? - In den ersten beiden Zeilen wechseln die betonten und unbetonten Silben noch regelm├Ą├čig,in der dritten Zeile folgen zwei betonte Silben unmittelbar aufeinander. Nun ja, das Textchen ist von unserm JWG...

So wie auch der "geknittelte" Er├Âffnungsprolog Fausts... Der hat sich offenkundig l├Ąnger gehalten und war von tieferer Wirkung auf die Gem├╝ter als ein Gro├čteil der in Metrum und Rhythmus h├Âchst genauen, symmetrischen Gedichte des Meisters...(Vielleicht sp├╝rte er auch schon ein gewisses Unbehagen bei der "sauberen Reimerei"?)

Deinen Korrekturvorschlag nehme ich gern an!

Liebe Gr├╝├če

Penelopeia

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aboreas
Routinierter Autor
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Hallo Penelopeia,

das Gedicht spricht mir aus der Seele. Man sollte schon die verschiedenen Stilmittel akzeptieren.

Im ├ťbrigen sind diese etablierten Feuilleton-Kultur-F├╝rsten auch nicht unfehlbar, oft subjektiv, in der Regel politisch-kulturell oberkorrekt.

Aber sie, als Gesamtheit!, haben einen ma├čgeblichen Einfluss auf den Stil. Da spielen sie durchaus auch eine positive Rolle. Aber sie bestimmen auch die Nachfrage. Das wissen sie. Das gibt ihnen Macht. Kaum einer wagt es, sich mit ihnen anzulegen.

Danke f├╝r deinen erhellenden Beitrag.

Gru├č. aboreas

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Penelopeia
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Nov 2002

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die etablierten Feuilleton-Kultur-F├╝rsten...

Hallo Aboreas, diese fleischgewordenen Selbstgerechtigkeiten , die sich mit Gott verwechseln und dabei in des Teufels Sprache verfallen, gibt es leider auf fast allen Ebenen und in fast allen Bereichen, auch in unserer Leselupe...

Danke f├╝r Deinen positiven Kommentar,

liebe Gr├╝├če

Penelopeia

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