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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Eiszeit
Eingestellt am 02. 02. 2016 10:37


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Ucci
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Eiszeit

Wir reden nicht mehr viel miteinander. Gestern Abend hatten wir schweigend nebeneinander gesessen und dem Fernsehprogramm zugesehen. Seufzend trage ich die leeren Gl├Ąser in die K├╝che zur├╝ck. Paul, denke ich, w├╝rde das nicht gefallen, uns so zu sehen. Er h├Ątte uns beide an den H├Ąnden genommen, dabei den Kopf im Rhythmus seines Lieblingsliedes bewegt und sich mit hilfloser Kindlichkeit fest an uns gedr├╝ckt. Seine kleine Welt beinhaltete noch keine schlechten Gef├╝hle.
Resigniert streiche ich mir eine Haarstr├Ąhne hinter das rechte Ohr und lehne mich mit verschr├Ąnkten Armen an den Rahmen der Schlafzimmert├╝r. Sein Gesicht. So verletzlich im Schlaf. Wie sein Gesicht ausgesehen hatte, wenn er sich ├╝ber sie gefreut hatte. Bei ihrer ersten Begegnung hatte er dieses schwarze Cordhemd getragen, mit abgewetzten ├ärmeln und einem zu gro├čen Kragen, wie aus einer anderen Zeit. Dieses Hemd also, das er zuletzt auf der Beerdigung angezogen hatte.
Wei├čt du, murmele ich, ich habe heute Nacht getr├Ąumt, er sei vielleicht gar nicht gestorben. Es ist immer der gleiche Traum. Er l├Ąchelt mich fortw├Ąhrend an. Wie eine Fotografie. Dann wird er gr├Â├čer und gr├Â├čer, bewegt sich auf mich zu und verschwindet. Ich kann es schwer aushalten.

Es war ein Unfall. Ungl├╝ckliche Umst├Ąnde sagten die Leute. Dabei hatte er Paul nur kurz alleine gelassen. Um die Eispackung aus der Tiefk├╝hltruhe im Keller zu holen. Zitrone war seine Lieblingssorte. Sie hatten den Teich neben dem Gartenbeet vergangenen Monat zusch├╝tten lassen, die Goldfische und Wasserpflanzen an dankbare Abnehmer verschenkt.
Manchmal h├Âre ich ihn nachts. Seine unruhigen Schritte. Er duscht lange und hei├č. Dann setzt er sich in die K├╝che und trinkt Wein. Ich kann es h├Âren, das Plopp beim ├ľffnen der Flasche. Seit einiger Zeit schluckt er morgens immer diese Tabletten zusammen mit starkem Espresso. Ich habe aufgeh├Ârt mich in der Zeit zu bewegen, sagte er. Du hast mit vielem aufgeh├Ârt, antworte ich. Er macht sich nicht die M├╝he seinen Zustand vor mir zu verbergen. Die Schuldgef├╝hle nagen an ihm, haben sich bereits tiefer eingenistet als er es sich eingestehen kann. Seine Verzweiflung wurzelt in jeder noch so kleinen Regung.

Ich sch├╝ttele ruckartig den Kopf, ziehe die Rollos hoch, mache die Balkont├╝r auf und beuge mich ├╝ber das Gel├Ąnder. Es dauert einen Moment. Bis ich mich wieder gefasst habe. Ich sehe, dass er sich aufgesetzt hat, den R├╝cken mir zugewandt. Etwas hat sich verschoben. Dass mich davon abh├Ąlt, ihn anzufassen, zu umarmen. Ich wei├č, dass es auch heute nicht dazu kommen wird. M├Âchtest du einen Kaffee? Gerne, sagt er, ja gerne.
Fr├╝her hatte er immer ├╝ber die viele Arbeit geklagt. Der vers├Ąumten Zeit hinterher gejammert. Zeit? Wof├╝r eigentlich? Ich war mir nicht mehr sicher, was es hie├č seine Zeit sinnvoll zu nutzen. Denn was sollte man mit dem ganzen Sinn anfangen, wenn die Zeit doch irgendwann keine Bedeutung mehr hatte.
Kurz vor Mittag verl├Ąsst er das Haus. Sein Weg f├╝hrt ihn in den nahegelegenen Park. Er fragt mich schon lange nicht mehr, ob ich mitkommen wolle. Fr├╝her hatte er sich morgens immer umgedreht, zu unserem Haus hingesehen, die Hand gehoben und gewunken. Ich hebe dennoch gr├╝├čend den Arm hinter der Gardine.

Als wir ein Paar wurden, kannte ich Paul bereits aus seinen Erz├Ąhlungen. Er hatte mir schon bei unserem ersten Treffen von ihm berichtet. Dem kleinen Bruder, dem ungeplanten Nachz├╝gler, der mit einer genetischen St├Ârung auf die Welt gekommen war. Ich wusste um die anf├Ąngliche Best├╝rzung seiner Eltern, die Ehe hatte dem Druck nicht standhalten k├Ânnen. Die Mutter, die dennoch verzweifelt versucht hatte das Kind zu lieben. Die Krankheit. Depression, Schwermut. Er war ├╝ber den Tod seiner Mutter nie ganz hinweggekommen, hatte aber keine Sekunde ├╝berlegt, als es darum ging die Vormundschaft von Paul zu ├╝bernehmen.
Das war, was ich wusste, als ich Paul zum ersten Mal gegen├╝berstand. Was ich im Laufe der Beziehung noch kennenlernen sollte, waren die zahlreichen Arztbesuche, die Termine beim Logop├Ąden, beim Physiotherapeuten, die intensive Auseinandersetzung mit dem Kind. Die Wochenenden verbrachten wir zu dritt. Es fiel mir anfangs schwer. Nat├╝rlich h├Ątte ich den Freund gerne f├╝r mich alleine gehabt. Ich lernte damit umzugehen. Schwerf├Ąllig trete ich in den Garten hinaus. Setze mich in die Schaukel, die eigens f├╝r Paul aufgestellt worden war. Das Lachen des Kindes, sobald es h├Âher angeschubst wurde. Die bedingungslose Liebe, die das Kind mir entgegenbrachte. Bald hatte es sich angef├╝hlt, als w├Ąre Paul immer schon Teil meines Lebens gewesen. Ich spiele mit meinen nackten Zehen im Gras, zwei Spatzen streiten sich um die Brotkrumen, die ich jeden morgen auf die Terrasse streue, flattern auf, als der Kater vom Nachbarn aus der Hecke springt. Paul hatte mir das Sehen beigebracht. Mit seinen patschigen H├Ąnden jedes noch so kleine Insekt angeschleppt. Staunen, beobachten, wie behutsam das Kind damit umging. Seine ganz eigene Sprache. Eine Sprache ohne Worte.

Seit dem Unfall ist fast ein ganzes Jahr vergangen. Ich treffe mich wieder regelm├Ą├čig mit meiner besten Freundin. Jeden ersten Donnerstag im Monat. Er hat sich nicht dazu ge├Ąu├čert. Das muss er auch nicht, denn ich sp├╝re die Missbilligung auch so.
Bea wundert sich, wie ich weiterhin bei ihm bleiben konnte. So kann es nicht weitergehen, wiederholt sie mit sch├Âner Regelm├Ą├čigkeit. Du musst eine Entscheidung treffen. Es ist schlie├člich auch dein Leben. W├Ąhrend Bea dies sagt, funkelt sie emp├Ârt mit ihren gro├čen Augen, dr├╝ckt energisch meine H├Ąnde. Insgeheim bewundere ich den unersch├╝tterlichen Glauben der Freundin, selbst gr├Â├čte zwischenmenschliche Probleme mit dem rationalen Verstand l├Âsen zu wollen. Einmal hatte ich scherzhaft zu ihr gesagt, sie arbeite wie ein Antivirenprogramm. Durchsuche solange alle Lebensdateien bis der vermeintliche Sch├Ądling gefunden und gel├Âscht sei. Nach dem Motto, Gib jedem Tag die Chance, der sch├Ânste deines Lebens zu werden, hatte Beas l├Ąngste Beziehung gerade einmal 2 Monate gehalten. Er hat zu sehr geklammert, meinte sie damals mit einem achselzuckenden Lachen. Sie spricht niemals ├╝ber ihre zerbrochenen Beziehungen. Die meisten Leute halten Bea deshalb f├╝r oberfl├Ąchlich. Doch dies ist ihre Art mit dem Leben umzugehen.
Wollen wir noch eine Flasche Rioja ├Âffnen. Beas Frage vom vergangenen Donnerstagabend. Gern. Nach l├Ąngerem Suchen des Korkenziehers stie├čen wir zum wiederholten Male miteinander an, sagten nichts dazu. Der Wein schmeckte auch nach dem vierten Glas noch nach feinen Gew├╝rzen, die S├Ąure prickelte im Hals. In meinem Kopf drehte sich etwas, das ich gerne gew├Ąhren lie├č. Irgendwann waren wir beide ├╝berm├╝tig geworden. Die Leichtigkeit der vergangenen Zeit hatte sich eingestellt. Gekicher, Kissen werfen, tanzen, sich mit den Weingl├Ąsern in den Armen liegen. Im Fernsehen zeigten sie im Sp├Ątprogramm eine Reportage ├╝ber streunende Hunde in Rum├Ąnien. Ich blickte pl├Âtzlich in zwei traurige Augen einer ausgezehrten schwarzen Labradorh├╝ndin. Augen, die eine ganze Geschichte zu erz├Ąhlen schienen, eine Geschichte von Leid, Entbehrungen und gro├čer Einsamkeit. Augen, die mich an ihn erinnerten. Ich musste weinen. ├ťber das Schicksal der Tiere. Die Ungerechtigkeit der Welt. Ob es an der Trunkenheit lag oder an Beas Hartn├Ąckigkeit. Ich wei├č es nicht. Ich wei├č nur, dass die Freundin heute mit mir ins Tierheim f├Ąhrt.

Wir nehmen die zweite Ausfahrt nach dem Autobahnkreuz, fahren durch ein Gewerbegebiet, vorbei an einer Sportgastst├Ątte, auf einer schmalen Stra├če durch einen dichtbewachsenen Wald. Das terrassenf├Ârmig angelegte wei├če Geb├Ąude mit den gro├čen, bodenlangen Fenstern erinnert mich unweigerlich an ein Krankenhaus. Ich bleibe z├Âgernd stehen, h├Âre das Bellen der Hunde, aggressives Knurren vermischt sich fast rhythmisch mit tiefen anklagenden T├Ânen, dazwischen hoffnungsvolles Winseln. Am Eingang werden wir freundlich von einer Mitarbeiterin begr├╝├čt. Nach dem Grund unseres Besuchs gefragt. Der lange Korridor erlaubt uns nur kurze Blicke in die anderen Trakte. Den Kopf nach rechts und nach links, das Knacken meiner Halswirbels├Ąule. Ich schrecke hoch, weil ein Hund mit voller Wucht gegen die Scheibe seines Geheges springt. Hefte meinen Blick auf die an den W├Ąnden angebrachten Tafeln: Quarant├Ąnestation -Zutritt nur f├╝r Mitarbeiter-, Wochenarbeitspl├Ąne, Veranstaltungstermine, festgelegte F├╝tterungszeiten, Regelungen zum Gassi gehen, Namen von Leuten, die eine Patenschaft f├╝r Hunde ├╝bernommen haben, Spendenaufrufe. Die Pr├Ąsenz der vielen Hunde, der Tiergeruch, ich halte insgeheim die Luft an und versp├╝re den Drang, durch den Hinterausgang ins Freie zu laufen. Vor mir lacht Bea ├╝ber irgendetwas, das ihr die Tierpflegerin gerade erz├Ąhlt hat.

Als beide in den linken Trakt abbiegen, beginne ich schneller zu laufen. Ein rascher Griff nach der T├╝rklinke und ich stehe im Freien. Durchatmen, aufatmen. Vor der Sonne stehen Wolken. Pl├Âtzlich ist es k├╝hl geworden. Unschl├╝ssig, ob ich wieder in das Geb├Ąude zur├╝ckkehren soll, bleibe ich fr├Âstelnd stehen, ziehe die ├ärmel meiner Strickweste ├╝ber die Handgelenke. Mein Blick heftet sich an eine m├Ąchtige Eiche, die mit ihren ├ästen den gesamten Au├čenbereich des Tierheims einzunehmen scheint. Ein schmaler Kiesweg von akkurat geschnittenen Buchsb├Ąumen eingefasst schl├Ąngelt sich an dem Baum vorbei, bis zum Zaun und zur├╝ck zur T├╝r, wo beidseitig neben einer Parkbank aus hohen Terrakotta Gef├Ą├čen F├Ącherpalmen herausragen. Die Stimmigkeit des Bildes bewirkt in mir eine pl├Âtzliche M├╝digkeit. Ich schlie├če unwillk├╝rlich die Augen, lasse mich geradewegs ins Gras fallen. Geht es Ihnen gut, brauchen Sie etwas, die Frage einer Tierheimpflegerin beendet den lebhaften Traum, in dem ich ihn verzweifelt bei Hitze gek├╝sst hatte, mit Haut und Haar. Sie betrachtet mich sorgenvoll, bed├Ąchtig und ruhig, Mit geht es tats├Ąchlich nicht gut, denke ich, mir geht es schon seit Monaten nicht gut. Ich sage, danke, ich habe alles, was ich brauche. Wirklich, vielen Dank.
Hier bist du also, die atemlose Stimme meiner Freundin. Du h├Ąttest wenigstens dein Handy anschalten k├Ânnen. Sie lacht grundlos, hakt sich bei mir ein. Zieht mich ins Innere des Geb├Ąudes. Foxi wird dir gefallen, sagt sie. Wir bleiben vor einem Hundezwinger mit einem tapsigen kleinen Welpen stehen. Nett anzuschauen. Bea redet munter weiter, z├Ąhlt die Vorz├╝ge eines Havanesers auf, dennoch dringen ihre Worte nur bruchst├╝ckhaft zu mir durch. Beim Strecken meines schmerzenden R├╝ckens schweift mein Blick unbeabsichtigt nach rechts. Pl├Âtzlich ist alles von Bedeutung, der Tag, die Stunde, mein Name, das Datum und der Ort meiner Geburt. Zwei verschiedenfarbige Augen blicken mich ausdruckslos an. Augen, die zu sagen schienen, zu sp├Ąt, meine Liebe, zu kommst zu sp├Ąt. Alles ist weg. Und ich denke, das wird nie aufh├Âren. Und ich wei├č, dass ich ihm helfen m├Âchte. Die Tierheimmitarbeiterin will mir den Dobermannr├╝den ausreden. Der Hund brauche eine feste F├╝hrung, jemanden, der mit einem vernachl├Ąssigten, geschlagenen Zwingerhund klarkomme. Ich nehme ihn dennoch mit, halte seine Leine w├Ąhrend der ganzen Autofahrt fest in meinen H├Ąnden. Bea ├Âffnet mir kopfsch├╝ttelnd die T├╝r, in sp├Ątestens einer Woche wirst du den Hund wieder zur├╝ckbringen, ruft sie mir zum Abschied zu.

Ein Gef├╝hl der Unruhe ├╝berf├Ąllt mich, als h├Ątte ich mich falsch entschieden und m├╝sste es schon bereuen. Es l├Ąsst mich nicht los, auch nicht, als ich die Haust├╝r aufschlie├če und der Hund mir widerstrebend und mit eingezogener Rute folgt. Ich will mich zu ihm hinunterbeugen, doch er l├Ąsst mich nicht an sich heran. Sch├╝ttelt unwirsch den Kopf, schaut wachsam, um bei jeder noch so kleinen Bewegung reagieren zu k├Ânnen. W├Ąhrend ich meine Jacke ausziehe und das Wohnzimmer betrete, sehe ich ├╝ber der Kommode das Netz einer kleinen Spinne, ertappe mich dabei wie ich ebenfalls auf Ger├Ąusche im Haus h├Âre. Was ich h├Âre, ist ein brummendes Insekt, das sich in den Falten des langen Vorhangs verfangen hat. Noch ehe ich das Fenster aufrei├čen und das Insekt hinausbef├Ârdern kann, ist der Hund schon herbeigesprungen und beginnt mit lautem Bellen nach der Fliege zu schnappen. Irgendwann wird das Brummen leiser, erstirbt. Der Vorhang ist zerrissen, auf dem Teppich zeigt sich ein dunkler Fleck. Ich will auf den Hund zugehen, um ihn an die Leine nehmen. Doch der Hund bewegt sich r├╝ckw├Ąrts, knurrt drohend, sieht mich unverwandt an.
Niemals sollst du fremden Hunden in die Augen sehen, h├Âre ich die Stimme meiner Mutter. Dennoch halte ich dem Blick stand. Es war ein Fehler, denke ich, w├Ąhrend ich langsam nach oben schleiche, ger├Ąuschlos, mit dem R├╝cken zur Wand, immer weiter nach oben, bis zur T├╝r seines Arbeitszimmers. Ich wei├č nicht, ob er da ist, ich wei├č nur ich w├╝rde die T├╝r ├Âffnen, ihm die Sache mit dem Hund beichten m├╝ssen, denn gleich w├╝rde der Hund loslaufen und die Treppe hochjagen. Die Angst nimmt mir den Atem, dr├╝ckt mir den K├Ârper zusammen, l├Ąsst die Vergangenheit wieder aufleben. Ich sehe Bilder von einem M├Ądchen, das an der Fu├čg├Ąngerampel einen Hund streicheln will und dabei gebissen wird. Sp├╝re den Schmerz, die Unsicherheit. Nerv├Âs ertaste ich mit beiden H├Ąnden die T├╝rklinke, dr├╝cke sie, renne hinein, sehe beim kurzen Blick zur├╝ck, dass mir der Hund tats├Ąchlich gefolgt ist. Rumms. Vor der T├╝r erhebt sich lautes Gebell. Ich setze mich in den Sessel, mein Herz rast noch immer. Durchatmen, aufatmen. Erst jetzt bemerke ich, das das Zimmer leer ist, obwohl im Hintergrund der Fernseher l├Ąuft. Mein Handy habe ich wie ├╝blich nicht griffbereit, schw├Âre mir hoch und heilig, es zuk├╝nftig immer bei mir zu tragen. Vom Bett aus schaue ich in den Abendhimmel und z├╝nde mir eine von seinen Zigaretten an. Mir wird schwindelig vom Rauchen. Ich w├╝nschte, die Haust├╝r w├╝rde ins Schloss fallen, ich w├╝nschte er w├Ąre daheim. Die Ger├Ąusche des Fernsehers machen mich m├╝de. Als ich wenig sp├Ąter hochschrecke, ist das Bellen verstummt, stattdessen h├Âre ich seine Stimme. Er schien im Wohnzimmer mit jemandem zu reden. Vorsichtig schl├╝pfe ich die Treppe hinunter. Von der letzten Stufe aus sehe ich hin. Er redet beruhigend zu dem Hund, der sich vertrauensvoll an ihn dr├╝ckt und ihn dabei nicht aus den Augen l├Ąsst. Ein kurzes L├Ącheln umspielt seinen Mund. Ich bleibe stehen, nur um ihn anzuschauen. Er sieht mich nicht. Ich wei├č nicht, wie lange ich dort sitze. Ich wei├č nur, dass ich mich irgendwann umdrehe und unbemerkt die Treppenstufen wieder hinaufsteige.
























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Rumpelsstilzchen
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aligaga
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Hallo @Ucci,

ein sch├Ân unspektakul├Ąres Geschichtchen, das uns da erz├Ąhlt wird. Es kommt ohne Effekthascherei aus und ist doch sehr ber├╝hrend.

Vieles ist haargenau beobachtet, mit einem ganz eigenen, kundigen Blick, und ruhig beschrieben. Ab und zu vielleicht ein bisschen zu redundant, zu intensiv, die Fantasie des Lesers erstickend.

Daf├╝r bleibt anderes h├╝bsch verborgen und der eigenen Vorstellungskraft ├╝berlassen. So muss es sein!

Ein paar Sachen sollten ein wenig klarer und plausibler kommen, und Abs├Ątze k├Ânnen Stilmittel sein. Vielleicht so:

quote:
Wir reden nicht mehr viel miteinander. Gestern Abend waren wir schweigend vor dem Fernseher gesessen. Sp├Ąter trug ich die leeren Gl├Ąser in die K├╝che zur├╝ck. Paul, dachte ich, h├Ątte das nicht gefallen, uns so zu sehen. Er h├Ątte uns bei den H├Ąnden genommen, dabei den Kopf im Rhythmus seines Lieblingsliedes bewegt und sich mit seiner hilflosen Kindlichkeit fest an uns gedr├╝ckt. Seine kleine Welt beinhaltete noch keine schlechten Gef├╝hle.

Ich streiche mir die Haarstr├Ąhne hinter das rechte Ohr und lehne mich mit verschr├Ąnkten Armen an den Rahmen der Schlafzimmert├╝r. Sein Gesicht, so verletzlich im Schlaf. Wie es ausgesehen hatte, wenn er sich ├╝ber mich gefreut hatte. Bei unerer ersten Begegnung hatte er dieses schwarze Cordhemd getragen, mit abgewetzten ├ärmeln und einem zu gro├čen, altmodischen Kragen, wie aus einer anderen Zeit. Das Hemd, das er zuletzt auf der Beerdigung anhatte.

"Wei├čt du", murmele ich, "ich habe heute Nacht getr├Ąumt, Paul sei vielleicht gar nicht gestorben."

Es ist immer der gleiche Traum. Er l├Ąchelt mich fortw├Ąhrend an. Wie eine Fotografie, die sich auf mich zu bewegt und wieder verschwindet. Ich kann es schwer aushalten.
oder so ├Ąhnlich. Und so weiter.

Gru├č

aligaga


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