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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Ekel
Eingestellt am 09. 03. 2011 09:59


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DocSchneider
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Ekel


Sie wickelte die Rinderzunge vorsichtig aus dem Papier. Das Anfassen war wie immer widerlich. Die raue Haut lie├č sich nur schwer greifen und fast w├Ąre ihr die Zunge aus der Hand geglitten. Es gelang ihr, sie sanft in das bereitstehende Wasser zu legen.

Auf der Anrichte standen die vergessenen Kartoffeln von vorgestern, es hatten sich bereits Schimmelpilze gebildet und zwei Fliegen taten sich g├╝tlich daran. Wo kamen die immer sofort her? Mit entschlossenem Griff warf sie die Kartoffeln in den M├╝lleimer unter der Sp├╝le. Sie traute sich nicht, zur drau├čen stehenden Restm├╝lltonne zu gehen. Diese war immer umschw├Ąrmt von Fliegen, angezogen vom daneben befindlichen Katzenklo, das von den Tieren des Nachbarn eingerichtet worden war.

Sie ging ins Badezimmer und suchte W├Ąsche zusammen, die von Blutflecken durchsetzt war. Ihre Periode kam immer unregelm├Ą├čiger und sie konnte sich nicht wappnen. Der M├╝lleimer quoll ├╝ber von blutdurchtr├Ąnkten Binden, die auf Entsorgung warteten. Ekel breitete sich in ihrem Inneren aus. Ihr ganzes Leben schien nur aus ekligen Situationen zu bestehen.

Sie brachte den M├╝ll nach drau├čen, ignorierte die Fliegen, aber mit der Nachbarin klappte das nicht. Auch nicht mit dem Haar, welches dieser schwarz und lang aus dem Kinn wuchs. Sie bem├╝hte sich, woanders hinzusehen, aber es gelang ihr nicht. Sie fl├╝chtete ins Haus zur Rinderzunge.

Sie dachte an das, was ihr noch bevorstand. Zwei Zentner wei├čes, haariges Fett, verteilt auf ein Meter neunzig, den Mund verschlossen durch eine Schnarchmaske. So lag er neben ihr. Jeden Abend, jede Nacht.

Sie ekelte sich inzwischen am meisten vor sich selbst. Denn sie schaffte es nicht, ihn zur Rede zu stellen, zu veranlassen, dass er wenigstens alleine schlief. Wenn sie ehrlich war: Sie schaffte es nicht, ihn zu verlassen. Denn das wollte sie doch. Seine Gegenwart ekelte sie an. Dass sie ihm Rinderzunge kochen musste auch.

Ihr ganzes Leben ekelte sie an ....


Version vom 09. 03. 2011 09:59

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Charmaine
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Hallo DocSchneider,

das ist ja ein trauriges und trostloses Bild, dass du da angerichtet hast. Du zeichnest das Bild einer verheirateten, doch einsamen Frau in den Wechseljahren, die sich durch ihren Haushalt und das triste Leben mit ihrem Gatten k├Ąmpft und dabei vor Ekel keinen Zentimeter aus dem Haus kommt. Dabei bleibst du erz├Ąhlerisch in einem gedimten Modus. Im ganzen Text habe ich sechs Adjektive gez├Ąhlt.

An dieser Stelle tritt die Geschichte aus dem Sparmodus:

quote:
Zwei Zentner wei├čes, haariges Fett, verteilt auf ein Meter neunzig, den Mund verschlossen durch eine Schnarchmaske. So lag er neben ihr. Jeden Abend, jede Nacht

Das sind nackte Tatsachen, die mich schaudern machen.

Am Anfang habe ich sprachlich etwas zu m├Ąkeln:
quote:
Obwohl sie es wusste, war das Anfassen wie immer widerlich.

ÔÇ×Obwohl sie es wussteÔÇť und ÔÇ×wie immerÔÇť beinhalten in diesem Zusammenhang das Gleiche. Meiner Meinung kannst du sogar beides weglassen. Ich finde ÔÇ×Das Anfassen war widerlichÔÇť, an sich schon eine starke Formulierung. Aber wenn du auf das wiederholte Auftreten hinweisen willst, ist es nat├╝rlich wichtig.

Danke f├╝rs Lesen lassen.

LG
Charmaine
__________________
Dann eines Tages regt sich dieser gebrechliche Leib in Gottes Bauch. (Marguerite Duras)

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DocSchneider
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Liebe Charmaine, danke für deine (positive) Meinung und den Änderungsvorschlag, den ich übernommen habe!
LG Doc

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