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Leselupe.de > Science Fiction
Electrify
Eingestellt am 03. 05. 2001 20:20


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masterplan
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: May 2001

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Ich spĂŒre wie die Ströme direkt in mein Gehirn treffen und schmerzen. Ich ertrage diesen Schmerz nicht mehr der sich unter vielen Menschen ausgebreitet hat.
Überall sind Maschinen. Elektronisch betriebene Maschinen. Sie schalten die Impulse durch ihre endlosen KreislĂ€ufe und geben dabei eine Strahlung ab. Diese Strahlung war schon immer da, erreicht aber nun eine neue QualitĂ€t. Sie ist so stark dass sie sich in deine Synapsen und Neuronen bohrt. Der Smog ist zu stark. Ich spĂŒre wie ich mich verĂ€ndere. Wie er andere verĂ€ndert. Die Strahlung lĂ€sst uns denken und handeln wie Maschinen. Der Impuls ist direkt da, zehnmal schneller als alles andere. Nur das Licht kann noch schneller sein. Wir denken nicht mehr, wir handeln nur noch. Es gibt keine Details mehr, nur noch den eigentlichen Ablauf einer Sache. Alles ist ein Strom. Ein fließender Fluss aus Impulsen und Handlungen. Wir sind Roboter. Unmenschlich handelnde Maschinen aus Fleisch und Blut.

Sonntag, Tag 3
Ich stehe vor dem Spiegel uns sehe mir in die Augen. Die Pupillen weiten sich und bleiben in dieser Haltung. Ich frage mich was gestern Nacht passiert ist. Der Gedanke kommt zurĂŒck und sehe ein Bild vor mir, wie ich einen fremden Mann vor einer heruntergekommenen Bar mit einer Flasche billigem Rotwein das Gesicht verletzte. Ich habe nur einmal zugeschlagen. Das hat aber gereicht ihm sein Nasenbein zu zertrĂŒmmern. Das habe ich alles mitbekommen, ohne dabei auch nur ein GefĂŒhl wahrzunehmen. Der Grund warum ich auf den Typ losgegangen war erscheint mir jetzt denkbar dumm. Er hat an die EingangstĂŒr der Bar uriniert. Ich war nicht betrunken als ich an dieser Bar vorbeigekommen war, bin aber geradewegs aus dem BĂŒro gekommen und hatte mir noch eine Flasche Wein im Minimarkt gekauft um mich abends vor dem Fernseher zu betrinken. Ich sah den Penner und spĂŒrte wieder die Kopfschmerzen die ich jeden Abend der vergangenen Woche zuvor auch schon hatte. Dann schlug ich ihn nieder und ging weiter. Es hat wohl niemand diese Aktion mitbekommen, denn ich bin ohne Probleme nach hause gekommen und dann in mein Bett gefallen. Als ich vorhin wach geworden war mir klar dass gestern abend etwas nicht richtig gelaufen war. Ich habe gehandelt ohne Gedanken oder ein GefĂŒhl gehabt zu haben. Ich habe den Mann einfach angegriffen weil er etwas unorthodoxes getan hat. Gott, ich bekomme diese Kopfschmerzen wieder. Doch ein weiteres GefĂŒhl steigt in mir auf. Ich spĂŒre ein vibrieren in meinem Körper. Irgendetwas passiert.

Samstag, Tag 2
Das BĂŒro ist leer und ich sitze verlassen in meinem drehbaren Stuhl. Überall auf den Schreibtischen stehen Computer und deren Kabelverbindungen zu anderen Computern und FaxgerĂ€ten und Druckern und Monitoren und Projektoren und Modems und Telefonen und Stereoanlagen und elektronischen Grafikboards und MĂ€usen und Fernsehern und vielem weiteren Zeugs das man in einer Medien- und Werbeagentur benötigt. Alles piept und klickert einsam vor sich hin und ist dennoch verbunden zu Seinesgleichen. Es ist lĂ€ngst Feierabend, doch ich sitze noch nachdenklich und erschöpft an meinem Arbeitstisch und sehe mir die beschĂ€ftigten GerĂ€te und Maschinen an wie sie ihre Arbeit auch nach Arbeitsschluß noch perfekt erledigen. Diesen Morgen war mir etwas Seltsames passiert.
Als ich auf dem Weg zur Arbeit war, bin ich die AbkĂŒrzung durch den Stadtpark gegangen. An einem Weg der mit dem Schatten der BĂ€ume bedeckt war, konnte ich eine tote Katze einen Meter neben dem Pfad erkennen. Diesen Moment bekam ich ein Pfeifen in den Ohren, ein Flimmern vor den Augen und leichte Kopfschmerzen. Dann weiß ich noch wie ich die Katze ohne einen Gedanken darĂŒber zu verschwenden mit trockenem Laub bedeckt und das ganze mit einem Streichholz angezĂŒndet habe. Entsetzlich heller Rauch stieg auf und ich sah mir die aufkeimenden Flammen an. Mindestend fĂŒnf Minuten bin ich reglos dagestanden und habe mir geistesabwesend die brennende Katze angesehen. Keiner hatte mich oder mein kleines Barbecue bemerkt. Erst als nur noch eine leichte Glut und Asche ĂŒbrig war setzte ich meinen Körper wieder in Bewegung und ging ohne auch nur eine geistige Regung weiter.
Warum habe ich das getan? Wollte ich der Katze helfen oder den ParksĂ€uberern oder mir? Ich habe keine Ahnung. Ich weiß nur dass das Flimmern und meine Kopfschmerzen weg waren und dass ich ohne jegliche Entschlossenheit, die von mir aus gekommen wĂ€re, gehandelt habe.

Freitag, Tag 1
Ich sitze zitternd auf dem heruntergeklappten Toilettensitz der Kraftwerktoilette und kalter Schweiß lĂ€uft mir von der Stirn in meine Augenbrauen. Mein SchĂ€del brummt vor Kopfschmerzen und muß ihn in meine HĂ€nden festhalten dass ich nicht ohmĂ€chtig oder tot auf dem WC zusammenbreche. Ich habe meine billige Digitalarmbanduhr bereits in die Tiefen des Abwasserkanals gespĂŒlt, doch das helle Licht der Deckenlampen macht mich immer noch wahnsinnig. Vor allem spĂŒre ich das Summen. Das Summen der GlĂŒhbirne, den fließenden Strom. Dann ist da noch dieses Hintergrundbrummen, das GerĂ€usch des Megagenerators, dessen eigentlicher Grund dieser Firmenwerksbesuch war. Meine beiden Arbeitgeber waren geradezu davon besessen diesen riesigen Mechanismus aus leitenden und schaltenden Stromimpulsen zu besichtigen und eine Reportage darĂŒber zu machen. Dieses Monstrum aus Leuchtdioden und kaltem Metall könnte die Stromversorgung eines ganzen Staates mit ĂŒber zwei Millionen Haushalten steuern und lenken und betreibt jetzt schon die Schaltung der Stadt. Doch als ich diesem Wesen in die Augen sah verbrannte es mir die Wahrnehmung. Es begann auch mich zu steuern und zu schalten, es lenkte auch meine Gedanken und Handlungen. Jetzt bin ich Teil des gesamten Stromkreises und handle nach Wahrnehmung und vorherbestimmten Gesetzen. Und wenn ich darĂŒber nachgedacht habe werde ich mich nach der nĂ€chsten Nacht nicht mehr daran erinnern, weil es meine Gedankenschaltung nicht mehr zulĂ€sst. Jeder Tag wird von neu beginnen, mit einem GefĂŒhl des Unwohlseins. Mit dem grausamen Summen des Digitalweckers in meinem Kopf.
Doch ich habe schon einen Plan. Wenn ich jetzt noch lebend aus dieser Toilette und diesem kranken Elektronikzentrum komme, werde ich nicht schlafen, sondern Bomben bauen oder kaufen. Diese werde ich hier anbringen. Hier in diesem GebĂ€ude. Ich werde nachts einbrechen und das gesamt GebĂ€ude verminen. Schließlich werde ich auch eine in mir verpflanzen und die ZeitzĂŒnder alle auf den nĂ€chsten Feiertag stellen, damit niemand Unschuldiges mit in die Luft geht. Sonntag morgen werde ich Zuhause sein, in meiner kleinen einsamen Wohnung und in den Spiegel sehen.
Bei diesem Gedanken spĂŒre ich wie der Strom vor Angst vor seiner bevorstehenden Niederlage durch meine Augenlider zittert.

__________________
Schön, dass wir einmal darĂŒber sprechen konnten...

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