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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Elektronisk Merkmaskin ;)
Eingestellt am 25. 02. 2001 23:39


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freund janleo°
PISA-Studien-Beweis
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Elektronisk Merkmaskin

Ich habe eigentlich nichts gegen Beschriftungen. Ein Leben ohne Drangeschriebenes ist wie ein Gang auf die Toilette, ohne vorher zu wissen ob dort Klopapier liegt. Stellen sich mal vor ab morgen wĂŒrden nun keine Schilder mehr angebracht werden. Oh Gott, welches Chaos wĂŒrde das ergeben. Die französische Nonne z.B., die mich nach dem Weg gefragt hat und nach links, rechts, rechts, gerade aus am Schlachter vorbei, völlig falsch und unwissend mit angstgeweiteten Augen in Rosies Nachtbar landet. Das wĂ€re doch eine Katastrophe, nicht wahr? Nein, nein, Dranschreiben, da macht uns keiner was vor, ist vollkommen sinnvoll.
Aber es gibt da so Menschen, die können das einfach nicht lassen, die mĂŒssen stĂ€ndig ĂŒbertreiben. Mein Nachbar Karl-Heinz Ewald z.B. Wenn ich dort vor dem Haus stehe, weiß ich gar nicht, was ich machen soll. Da sind so viele Schilder angebracht, daß man gleich wieder abhaut. „Hier wohnen Karl-Heinz, Brigitte, Jonas, Mathias und Marie Ewald”, „Unser Hund beisst nur in die Eier” und so weiter. An jeder Hausecke sind Schilder angebracht „Da geht's zum Garten”, „Da geht's zum Eingang”, „Da geht's zur Garage”, als wenn das den Postboten interessieren wĂŒrde. Karl-Heinz sagt immer nur, das ist wichtig, von wegen der Sicherheit. Ja K-H, sage ich dann, weil ich weiß, daß er es bei der Berufsgenossenschaft schwer hat.

Haben Sie schon mal was von „Greenwrite” gehört? Da bin ich schon seit lĂ€ngerem aktives Mitglied. Greenwrite hat sich organisiert um ĂŒberdimensioniertes Drangeschreibe und wahnsinniges oder auch großflĂ€chiges Beschildern mit friedlichen Mitteln einzudĂ€mmen. JĂ€h, sagt unser Vorstandsvorsitzende immer, jĂ€h, „Peace for ever” and „Save the white wall”. Und dann streckt er immer die Faust in Luft, weil er meint, daß so was gut ankommt.
Erst letzten Monat hatten wir wieder eine Aktion zum Schutz einer weißen Mauer. Da hatte sich ein Aktivistenkollege vom asiatischen Austauschprogramm in Brandenburg an eine weiße Mauer dran gekettet, mit einem „Safe the white wall” Transparent in der Hand. Ich war ziviler Beobachter.
Doch die meisten Passanten hatten wohl ein wenig Probleme mit der englischen Sprache und da die Deutschen schon immer ein wenig dummschĂ€dellig waren, glaubten sie das Greenpeace sich unbenannt hat. Es dauerte nicht lange und eine Menschenmenge fand sich ein, weil die Deutschen nicht nur kein Englisch können und dummschĂ€delig sind, sondern auch noch oberneugierig dazu. Die standen also vor diesem kleinen Aktivisten, der sich an der Mauer festgekettet hatte. Die in der ersten Reihe versuchten krampfhaft, das Transparent zu entziffern. „Saaaaffffeeee theeee wiiiiiteeeeee waaaaaalllll” lassen sie langsam und plötzlich rief ein erster vermeintlich Schlauer aus: „Das ist PlattdĂŒtsch, das heißt „Seife den weißen Wal”. Da tobte die Menge, schmiss ihre HĂŒtte in die Luft, die Glatzen schimmerten in der Sonne und es freute sich ein Jeder. Ja, die Freude war wirklich groß und mein Aktivistenkollege in seinem GrĂŒnmann freute sich auch, weil der aus Japan kam und gar kein Deutsch konnte. Doch die Freude war nur von kurzer Dauer, denn als die Brandenburgianer gar keinen weißen Wal nicht fanden, wurden sie ganz schön sauer und fĂŒhlten sich verarscht. Von wegen einen nicht vorhandenen weißen Wal seifen, wo gar keiner zu finden ist. Das fanden die in Brandenburg gar nicht lustig. Und als dann so ein blöder Depp, der gar keine Glatze hatte, ĂŒber irgend einen Stock am Boden stolperte, fĂŒhlte sich die Menge leicht angemacht und „plĂŒgelte fulchtbal“ auf ihn ein, auf den armen „Gleenwlite-Austausch-Aktivisten“, der sich ja nicht „wehlen“ konnte, weil er immer noch an der „Mauel“ mit „Fischel Mauelhalken verankelt wal“ und ich nur ziviler Beobachter sein durfte. SpĂ€ter war der „Glennwlitel“ im „GlĂŒnmann“ dann tot und in der Bildzeitung stand wieder was von Glatzengewalt in den neuen BundeslĂ€ndern.
Das alles nur, weil wir in Brandenburg gegen das Beschriften und fĂŒr eine bessere Zukunft demonstriert hatten.

Wissen sie, frĂŒher habe ich ĂŒber diese Dinge gelacht. Doch eines Tages, ich war gerade auf ein Bier bei meinem Nachbarn Karl-Heinz, da wendete sich das Blatt. Da ich gerne ein wenig neugierig bin, war ich ins Schlafzimmer gegangen und hatte mal so ganz zufĂ€llig in seinen WĂ€scheschrank geschaut. Da traf mich der Schlag. Ich war wirklich sprachlos. Nicht daß sie denken, ich hĂ€tte einen Vibrator und Penisator oder gar gebrauchte Kondome gefunden. Nein, viel, viel schlimmer noch. Er hatte mit kleinen goldenen Schildern definiert, wo z.B. seine Liebestöter hingehören und wo die FallobstfĂ€nger von seiner Frau und natĂŒrlich wo sein Penisator oder auch Liebeskugeln zu liegen haben. Das war fĂŒr mich zu viel, glaube ich. Dieses Übergenaue passt einfach nicht mehr in die heutige schnelllebige Zeit, wo ein Furz schon altersschwach ist, wenn man ihn gerade fahren lassen hat. Seit diesem Tage drehe ich durch, wenn jemand eine Stelle mit Dangeschriebenem verschandelt.

Doch gebe ich allerdings zu, daß diese neumodischen BeschriftungsgerĂ€te geradewegs zum unkontrollierten Dranschreiben verfĂŒhren. Haben sie so ein elektronisches Dymadingens schon mal in der Hand gehabt? Da muss doch ein Technikfreak ausflippen und wie auf Pille durch die Wohnung laufen und alles „belabeln“. Die sind nicht mehr wie frĂŒher, als die noch „typo-clic” und „Typograph hießen, wo sie ĂŒber Mordsgewalt rot- und blaufarbene Glanzplastikstreifchen mit einem kleinen labbrigen „Kunststoff-drĂŒck-mich-nicht-zu-doll-sonst-ich-geh-kaputt-GerĂ€t” prĂ€gten. Damals Ă€hnelten die in Form und Farbe irgendwie den „Fasern“ von Raumschiff Entenscheiss. Das war wahrscheinlich auch der Grund, weshalb sie immer kaputt waren, wenn man sie dann mal brauchte.
Nun gut, diese Zeiten sind leider vorbei und ein neues Zeitalter hat schon lange begonnen. Heute gibt es keine „Faser” mehr, sondern nur noch ĂŒberdimensionierte elektronische Labelmaker. Als ich das erste mal so ein HightekgerĂ€t erblickte, erinnerte es mich stark an das in die Jahre gekommene Kofferradio, das mein Dad mal aus DĂ€nemark importiert hatte. Das war genauso hĂ€sslich unförmig und nicht zu gebrauchen.

Wussten sie eigentlich, dass elektronisches BeschriftungsgerĂ€t auf dĂ€nisch „elektronisk MĂ€rkmaskin” heißt. Was ich ĂŒbrigens fĂŒr sehr gelungen halte und frei ĂŒbersetzt, glaube ich, elektronische Merkmaschine heißt, oder so. Die DĂ€nen nehmen das ja nicht so genau, die waren schon immer ziemlich locker. Vor kurzem erst haben sie es wieder bewiesen. Da lachten sie alle, machten komische Grimassen und sagten „Nei nei, den Euro ... neiiiii, den woll’n wir nicht.” Die ganze Welt war wieder mal sprachlos, bloß die DĂ€nen nicht. Die haben gleich ein Fass aufgemacht und ne große Party geschmissen. Die DĂ€nen sind schon immer grass gewesen. Sie kennen doch diese WĂŒrstchen mit Brot drum herum und Gurke oben drauf. Genau, „heiße Hunde” oder „Hot Dog” heißen die ĂŒberall auf der Welt. Aber nicht in DĂ€nemark, da werden die „Pölser“ genannt. Nicht daß die damit bewiesen hĂ€tten, daß sie anders sind, nein sie haben die armen WĂŒrstchen auch noch coloriert und zwar knallrot. Drauf tun sie sĂŒĂŸe Gurken, als wĂ€re das mit dem feuerlöscherroten WĂŒrsten noch nicht genug.

Erst neulich war ich wieder in dem eurofreien Land, wo auf den Autos Aufkleber angebracht sind wie: „Wi stopper ikke för Euros” was soviel wie „Wir bremsen nicht fĂŒr Euros” heißt. Das war gleich an Grenze wieder ein Schlag in die Fresse. Aber alles nach kurzer Zeit verziehen und vergessen. Doch wie ich in eine Pölserbude gehe, ich will mich vergewissern, wissen sie, trifft mich der Schlag. Ich erwische den Besitzer mit der „Boschni - elektonisk MĂ€rkmaskin”, wie er wahrscheinlich gerade einen Pölser beschrifteten will. Da drehe ich vollkommen durch. Ich schreie fanatisch-ideologisch-europĂ€ischen Blödsinn, sage dem Pölserbudenbesitzer, daß er sich den Euro in den Arsch stecken kann und frage ihn, warum der arme Japaner sterben musste. Dann nehme ich die Boschni und haue sie ihm um Ohren. Fassungslos und völlig verĂ€ngstigt blickt mich der Pölserbudenbesitzer an. Er macht höchst wahrscheinlich seine Kasse auf und hebt die Arme. Aber das sehe ich nicht mehr, weil ich mit großem Zorn im Höschen abziehe. Und als ich am dĂ€nischen Grenzposten vorbeifahre zeige ich ihm den Stinkefinger und weiß, daß ich niemals wieder ins Boschni - MĂ€rkmaskinen Land fahren werde.
So war das neulich. Und heute musste ich fĂŒr meinen Chef die dĂ€nischen Kekse mit dem „eletronic Labelmaker” beschriften, obwohl ich nicht wollte. Das war nicht schön.



.... ich hoffe ich habe zu Erheiterung beigetragen ....



grĂŒsse aus Worpswede
Euer
Freund JanLeo°

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