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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Elsas letzte Weihnachtsfeier
Eingestellt am 31. 10. 2006 11:03


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MĂ€rchentante
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Elsas letzte Weihnachtsfeier

Es war Elsas dritte Weihnachtsfeier in Folge im Seniorenheim. Als sie sich auf DrĂ€ngen der Kinder entschloss, ihr Haus aufzugeben und hier her zu ziehen, hoffte die alte Dame, dass sie sich im Laufe der Zeit einleben wĂŒrde. Jedoch das Gegenteil war der Fall. Kein Tag verging, an dem sie nicht vor Heimweh fast umkam. Sie konnte und wollte sich nicht daran gewöhnen, morgens um sechs von der Schwester laut aus den TrĂ€umen gerissen zu werden. Sie wehrte sich auch dagegen, noch schlaftrunken von der ĂŒberforderten Pflegerin ans Waschbecken gezerrt und im Schnelldurchgang abgewaschen zu werden. Anschließend wurde vom Personal im Laufschritt das knappe FrĂŒhstĂŒck ins Zimmer gebracht, und nach zehn Minuten ging es schon wieder ans AbrĂ€umen. Ob ihre etwas demente Zimmernachbarin in dieser kurzen Zeit ihre Mahlzeit verspeisen konnte oder nicht, die Tabletts wurden wieder im Galopp abgeholt und in einen großen Essenswagen geschoben, der auf dem Flur stand. Hier wurde alles im Eiltempo erledigt. Ein eintöniger Tag nahm seinen Lauf und endete, wie er begonnen hatte. Dazwischen lag ein gĂ€hnendes Nichts.

FrĂŒhstĂŒck, Mittagessen, Kaffeetrinken, Abendbrot, das warÂŽs. Es gab in dem Heim kaum eine Bewohnerin, mit der sie sich hĂ€tte normal unterhalten können und das Personal war stĂ€ndig im Stress. Wenn Elsa nicht gelegentlich Besuch von ihren Kindern und Enkeln bekommen hĂ€tte, wĂ€re sie wohl verrĂŒckt geworden. Sie seufzte. Am Anfang kamen ihre Angehörigen noch regelmĂ€ĂŸig, doch die Besuche ließen nach einiger Zeit immer mehr nach. Zu Weihnachten holten Sohn und Tochter sie abwechselnd zu sich nach Hause, damit sie im Kreise der Familie die Feiertage verbringen konnte. Darauf freute sich die alte Dame schon Wochen vorher, es war einer der wenigen Lichtblicke in ihrem jetzt so trostlosen Leben. Seit drei Jahren verbrachten die Familien mit ihren Kindern nun die Weihnachtstage im warmen SĂŒden. Elsa schĂŒttelte den Kopf. Weihnachten in der WĂ€rme, ohne Tannenbaum, Christstollen und Weihnachtsliedern, unvorstellbar! Und sie blieb einsam und allein hier zurĂŒck. „Im Leben meiner Familie spiele ich keine Rolle mehr“, dachte die alte Frau traurig.

Sie schaute sich um. Dort, in einer Ecke des Saales, stand ein großer, geschmĂŒckter Tannenbaum. „Unser Baum daheim war zwar nicht ganz so groß, doch er war viel schöner anzusehen.“, dachte Elsa wehmĂŒtig. Ihr Blick glitt hinĂŒber zu dem Akkordeonspieler, der sich redlich mĂŒhte, mit den beiden Flötespielenden Schulkindern mitzuhalten. Heimleitung, Stationsleitung und PflegekrĂ€fte saßen am Nebentisch, ihre SchĂŒtzlinge stets im Visier. Sie sangen gemeinsam mit den Senioren ein paar der schönen alten Weihnachtslieder. Die Tische waren festlich gedeckt und auf Weihnachtstellern lagen Kuchen und GebĂ€ck. Als das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“ angestimmt wurde, stieg es heiß in Elsa auf. Energisch stand sie, zum Erstaunen aller Anwesenden, auf, stĂŒtzte sich schwer auf ihren Stock, den sie seit ihrer HĂŒftoperation brauchte, und verließ die Feier. Langsam ging sie durch den stillen Flur.

In dem kleinen Zimmer angekommen, holte die alte Dame aus dem Nachtschrank einen mit einer Schleife zugebundenen Karton hervor. Leise stöhnend setzte sie sich damit in ihren alten Ohrensessel. Er war das Einzige, was ihr von all ihren schönen Möbeln blieb, als sie hier einzog. Ihr HĂŒftgelenk schmerzte, als sie sich setzte, und da war auch wieder dieser Schwindel, der sie schon den ganzen Tag ĂŒber begleitete. Mit dem BehĂ€ltnis auf dem Schoß sah sich die Greisin in dem Zimmer um. Das war also alles, was von ihrem langen Leben ĂŒbrig geblieben war. Mit zittrigen Fingern zog Elsa die Schleife auf und betrachtete gedankenverloren die alten ErinnerungsstĂŒcke, von denen sie sich niemals getrennt hĂ€tte. Ein PĂ€ckchen sorgsam verschnĂŒrte Briefe ihres viel zu frĂŒh verstorbenen, geliebten Mannes Werner, ein kleines, goldenes Ringlein, der erste Schmuck, den er ihr schenkte, zwei in Seidenpapier eingewickelte blonde Haarlocken ihrer beiden Kinder, Fotos der Enkelkinder und lĂ€ngst vergilbte Bilder aus glĂŒcklichen Zeiten. Von den Erinnerungen ĂŒbermannt, schlug Elsa die HĂ€nde vors Gesicht und weinte bitterlich. Sie trocknete ihre TrĂ€nen, legte ihre SchĂ€tze sorgfĂ€ltig wieder zurĂŒck und stellte den Karton beiseite, um nach der Bibel zu greifen, die auf dem kleinen Tisch lag. Vor der Nachtruhe wollte sie dort noch die Geschichte der Heiligen Familie lesen. Mittlerweile war es aber zu dunkel geworden und so ließ Elsa das Buch zugeschlagen auf ihrem Schoß liegen. Sie schaltete kein Licht an, sondern schaute mĂŒde aus dem Fenster zum Park hinĂŒber. Schneefall hatte eingesetzt und verwandelte ihn in eine MĂ€rchenlandschaft. Versunken dachte die Greisin ĂŒber ihr Leben nach, ĂŒber all die Höhen und Tiefen, die es fĂŒr sie bereitgehalten hatte, ĂŒber glĂŒckliche und traurige Momente.

Plötzlich wurde der einsamen betagten Frau sonderbar warm ums Herz. Ein ĂŒberirdisches Licht nĂ€herte sich ihr vom Park her, begleitet von den Sternen, die vom Himmel herab gestiegen waren. Elsas Herz klopfte laut vor GlĂŒck. Das Licht wurde strahlend hell und erfĂŒllte nun ihr ganzes Zimmer. Staunend blickte sie um sich. „FĂŒrchte dich nicht“, sagte eine sanfte Stimme. Als sie aufsah, bemerkte sie zwei große weiße Engel, die rechts und links neben ihrem Sessel standen. „In dieser Heiligen Nacht wird deine Seele den himmlischen Frieden finden, den Christus als kleines Kind einst in die Welt gebracht hat. Alle MĂŒhsal wirst du hinter dir lassen. Wir sind gekommen, um dich zu begleiten, Elsa. Schau, es wartet noch jemand auf dich.“ Eine Gestalt löste sich aus der unwirklichen Helligkeit und kam langsam auf sie zu. „Werner“, rief die alte Dame laut und erhob sich aus dem Sessel. Sie verspĂŒrte keinerlei Schmerzen mehr und fĂŒhlte sich federleicht. „Ja, mein Herz“, antwortete der geliebte Mann und reichte ihr seine Hand, „komm zu mir, so lang habe ich schon auf dich gewartet, jetzt wird alles gut.“ Begleitet von den Engeln, flogen beide Seelen dem Himmel zu.

Als die Pflegerin nach der Weihnachtsfeier das stille Zimmer betrat, saß Elsa mit friedlichem Gesicht und einem LĂ€cheln auf den Lippen in ihrem alten Ohrensessel, ihre gefalteten HĂ€nde ruhten auf der Bibel.

MĂ€rchentante

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HFleiss
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Elsas letzte Weihnachtsfeier

MĂ€rchentante, was hast du dir denn da einfallen lassen? Anfangs alles so realistisch, so gut beobachtet, dass man denken könnte, du arbeitetest in solch einem Pflegeheim - und dann der Engel. Tut mir leid, ich halte zumindest den Schluss fĂŒr verkorkst. Du hĂ€ttest wohl besser realistisch weiterschreiben sollen, damit daraus eine wirklich gute Geschichte wird. Das ist (trotz deines Nicknamens) kein MĂ€rchen, sondern
eine wĂŒste Story, im Konfirmationsunterricht vorzulesen.

Gruß
Hanna

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Ully
???
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Eine

sehr anrĂŒhrende Geschichte. Die daran erinnert, wie kalt und Herzlos die Gesellschaft und die Angehörigen mit den Alten umgehen.
Der Schluss mit den Engeln ist bestimmt nicht "verkorkst".

LG Ully

HFleiss:
Die Alte Frau hatte lediglich in der Stunde ihres Todes die intensive Vorstellung davon. Von Àhnlichen Visionen spricht man auch in der Nah-Tod-Erfahrung.
Die Äußerung ĂŒber den Konfirmandenunterricht ist einfach nur geschmacklos!

U.
__________________

© by Ulla Magonz

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strolch
???
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hallo mÀrchentante,

die geschichte kommt mir bekannt vor, kann es sein, dass du sie schon mal in einem anderen forum hattest?

also - ich finde keinen kritikpunkt darin, dass das ende der geschichte anders ist als die nĂŒchterne beschreibung, von wie elsas erleben des heimes.

das ihr abschied da ganz anders verlĂ€uft - ist richtig, da passt keine nĂŒchternheit, in der erzĂ€hlweise. ich sehe eher das problem, dass hier dieser bruch in der gestaltung, nicht so hart ist. irgendwie bleibe ich bei der schilderung, dieses wiedersehen mit ihrem werner draussen, es ist unglaubhaft.

ich stehe jetzt vor einem problem, da ich mit handy hier bin - kann ich nicht so richtig textarbeit machen.

du beschreibst elsa nachmals im ĂŒbergang.
das wĂŒrde ich Ă€ndern.

"Elsa sah ein Licht..." als ĂŒbergang. auch wurde ich rausnehmen, dies das ihr gesagt wird, das ihre seele und so. dies stört, da erklĂ€rst du, wo du nicht erklĂ€ren musst.
schildere doch einfach, wie sie in erinnerungen lebt. ohne auf den hinweis, dass sie stirbt - dies weiß ich als leserin, schon durch die ĂŒberschrift.

lg brigitte
__________________
"Ich will nicht, daß Frauen Macht ĂŒber die MĂ€nner, sondern ĂŒber sich selbst erlangen."(Mary Wollstonecraft)

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MĂ€rchentante
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Hallo HFleiss,

Du liegst richtig mit Deiner Vermutung, dass ich schon mal in einem Pflegeheim gearbeitet habe. Und da ich um das Elend der alten Leute weiß, wollte ich fĂŒr meine Elsa einen schönen Abschied ihres Erdendaseins. Außerdem meine ich, dass die Fantasie in einer Weihnachtsgeschichte auch nicht zu kurz kommen darf. Ist es nicht schön so aus dem Leben zu treten, mit der Hoffnung seine Liebsten wiederzusehen? Leider haben nicht alle Alten das große GlĂŒck, in Ruhe und Frieden sterben zu können. Verkorkst finde ich diese Geschichte ganz bestimnmt nicht. Findest Du Engel und Erscheinungen generell in MĂ€rchen und Geschichten unpassend?

Gruß
MĂ€rchentante

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MĂ€rchentante
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Hallo Brigitte,

nein, diese Geschichte ist ganz neu und erst wenige Tage alt. Mit Werner, Seele und Erscheinungen habe ich keine Probleme. Es gibt viele Dinge zwischen Himmnel und Erde die man sich nicht erklÀren kann. Ich selbst war als Baby klinisch tot und habe vielleicht durch mein Erlebtes ein anderes VerhÀltnis zu den Dingen.

Herzlicher Gruß
MĂ€rchentante

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