Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, müssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5552
Themen:   95260
Momentan online:
478 Gäste und 8 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Elvis läbbt
Eingestellt am 29. 04. 2015 22:18


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Dr Time
Häufig gelesener Autor
Registriert: Apr 2010

Werke: 20
Kommentare: 85
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Dr Time eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Habe wieder angefangen zu schreiben und deshalb hier nach langer Zeit wieder eine Geschichte von mir.

Elvis läbbt

Die Dame vom Amt las ihren Satz von einem Blatt ab:

„Gutten Takk. Was kann irch fur sie tunn?“

Ich stockte.

„Oh – Verzeihunk. Irch neu hier auf Einwohnermeldeamt. Irch von Wolgograd. Prokopjewa.

Über ihren Bildschirm hinweg reichte sie mir eine zierliche Hand. Ich schüttelte sie.

„Tja – mein Opa hat sein Portemonnaie verloren und ich wollte…“

„Ah, ist nircht Fundburo hier. Mussen Sie zwei Tore weita zu meina Kolläggin.“

„Nein, Nein – da war ich schon. Da ist es nicht. Ich möchte für ihn einen neuen Ausweis beantragen.“

„Ach – ähm….gleine Momänt.“

Wieder sah die Frau auf ihren Zettel und wiederholte:

„Gutten Takk. Was kann irch fur sie tunn?“

„Ich möchte für meinen Großvater einen neuen Pass beantragen. Per-so-nal-ausweis!“


„Oh – natullirch. Jetzt irch habbe verstanden. Passausweis. Tudd mirch leid, aber muss selbst kommen, Opa.“

„Das geht aber nicht. Mein Opa kann nicht selber kommen. Er muss auf meine Oma aufpasssen. Die ist nämlich krank.Wissen Sie … Alzheimer.“

„Aber Alzrcheim andere Stadt, oda? Hier nircht Alzrcheim. Hier Sieggen.“

„Nein ich meine Alzheimer – die Krankheit.“

Sie sagte nichts, sah mich nur an. Ich hatte nicht vor, ihr das ganze Drama meiner Großeltern zu erklären. Was ging sie die Beziehung meiner Großeltern an. Meine Oma erkannte meinen Opa nicht mehr. Das einzige, was sie noch wahrnahm, war wenn ich ihr einmal in der Woche die alten Elvis-Schallplatten abspielte. Sie war schon immer ein glühender Elvis-Fan gewesen. Ob die Dame vom Amt Elvis überhaupt kannte, so jung wie sie war?

„Jetzt verstähe. Alzcheimer ist Krankheit?“

„Ja - eine Krankheit, bei der man alles vergisst. Manchmal sogar seinen eigenen Namen manchmal aber auch, dass man noch den Herd angelassen hat und deshalb passt Opa gerade auf Oma auf. Also bin ich hier, um seinen neuen Pass zu beantragen.“

„Ohh – tut mirch sehr leid, nircht sofort verstanden. Ich erst ein Jahr hier in Dötschland und bin nur Verträttunk heute.“

„Na gut, aber kann ich jetzt einen neuen Pass beantragen oder nicht?“

„Natullirch – Momäänt biitte….“

Sie schob die Computermaus emsig hin und her, machte aber insgesamt einen eher verzweifelten Gesichtsausdruck. Fast so verzweifelt wie meine Oma, wenn sie mal wieder etwas suchte. An Opa bewunderte ich, wie liebevoll er mit der Situation umging. Er versuchte alles, um eine normale Unterhaltung in Gang zu setzen, während Oma sich ständig über den fremden Mann in ihrer Wohnung beschwerte. Dabei hatte sie ihn einmal so sehr geliebt. Andere behaupteten hingegen scherzhaft, sie habe ihn nach seinem Geburtdatum ausgewählt. Es war das gleiche wie das von Elvis, dem King of Rock ´n Roll.

Hier ist Fomula!!“, rief plötzlich die Blonde. „So fang-gen wir an. Gebuttstag ihr Oppa?“

„08.Januar 1935.“

„Sso – dann irch braurche jetzt Namme von ihre Grossvatter.“

Vielleicht war es ein Reflex, eine blöde Idee, ein Blackout - vielleicht aber auch ein guter Plan als ich sagte:

„Elvis Aaron Presley.“

Und die Russin, die heute nur als Vertretung hier saß und nur die Hälfte von dem verstand, was ich ihr sagte, zögerte einen winzigen Moment, ehe sie die Finger auf die Tastatur legte:

„Gutt – aber dass ist ungewohnlircha Namme. Bitte burchstabiren mir, wenn gäht“

Als ich eine halbe Stunde später das Einwohnermeldeamt verließ, nahm ich mir vor, gleich noch ein paar schicke Klamotten für meinen Opa zu besorgen. Vielleicht einen weißen Anzug mit hohem Kragen und Pailletten. Und ein neues Portmonnaie bekäme er natürlich auch.

__________________
"der erste Entwurf ist immer scheiße"
Ernest Hemmingway

Version vom 29. 04. 2015 22:18
Version vom 30. 04. 2015 13:58

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Karn Hardt
Guest
Registriert: Not Yet

Ein unterhaltsamer Spin, @DrTime, den ich sehr gern gelesen habe.

Von der Idee her:
Prot. trifft auf ausdruckschwere weil der deutschen Sprache nur bedingt mächtige Aushilfsassistentin in entscheidender Position, die ein Gedankenkamasutra leserlich erlebbar werden lässt.
DAS finde ich gut, weil alles Teil eines Gesamten werden kann - und sich gut liest.
HERAUSFORDERUNG angenommen!

Wo es (für mich) dünn wird: die Vergangenheit um "Opa".
Zunächst schreibst du hier in der Vergangenheit, obwohl "Opa" ja noch lebt.
Wäre es nicht besser, ihn im Präsens zu beschreiben? Da gäbe auch genügend Absätze (und Stilbrüche), die plausibel wären.

quote:
Als ich eine halbe Stunde später das Einwohnermeldeamt verließ, nahm ich mir vor, gleich noch ein paar schicke Klamotten für meinen Opa zu besorgen. Vielleicht einen weißen Anzug mit hohem Kragen und Pailletten. Und ein neues Portmonnaie bekäme er natürlich auch.


Das ist (für mich) herabgespult, ein willkürliches Ende ohne Plotbezug, nur um abzuschließen.
Da geht mehr...

LG,


Bearbeiten/Löschen    


aligaga
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Sep 2014

Werke: 78
Kommentare: 4662
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um aligaga eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

quote:
quote:
Als ich eine halbe Stunde später das Einwohnermeldeamt verließ, nahm ich mir vor, gleich noch ein paar schicke Klamotten für meinen Opa zu besorgen. Vielleicht einen weißen Anzug mit hohem Kragen und Pailletten. Und ein neues Portmonnaie bekäme er natürlich auch.

Das ist (für mich) herabgespult, ein willkürliches Ende ohne Plotbezug, nur um abzuschließen.
Da geht mehr...

Du scheinst nicht zu wissen, @Karn, was Elvis in seinen letzten Tagen für Klamotten trug. Da braucht's wirklich nicht mehr - nur ein bisschen Fantasie von Seiten der Leserschaft ...

Übrigens: Portemonnaie. Oder Portmonee (würg!).

Gruß

aligaga

Bearbeiten/Löschen    


8 ausgeblendete Kommentare sind nur für Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zurück zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Werbung