Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m√ľssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5439
Themen:   92265
Momentan online:
571 Gäste und 13 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Humor und Satire
Emanzipation
Eingestellt am 03. 09. 2002 18:01


Autor
Ein neues Thema ver√∂ffentlichen.     Antwort ver√∂ffentlichen.
Franco
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Aug 2002

Werke: 3
Kommentare: 1
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Emanzipation

Wir leben im 21. Jahrhundert. F√ľr uns gebildeten Mitteleurop√§er ist das Thema Emanzipation schon l√§ngst kein Thema mehr. Frauen stehen ihren Mann in allen Lebenslagen und - sind wir doch mal ehrlich, liebe Geschlechtsgenossen, in vielen Dingen sind sie uns inzwischen sogar voraus.
Wenn wir nicht das eine oder andere mal unsere k√∂rperliche √úberlegenheit zur Schau stellen k√∂nnten - zum Beispiel beim √∂ffnen von Gurkengl√§sern, w√ľrden wir wirklich alt aussehen.
Nun muss ich zugeben, dass ich damit leben kann. Ja ich freue mich sogar √ľber die Selbstst√§ndigkeit unserer Frauen, macht sie uns das Leben doch um so vieles Angenehmer. So haben wir Zeit f√ľr die wirklich wichtigen Dinge des Lebens, wie Sport oder die Kneipenmeisterschaft im Dartspiel, w√§hrend unsere Frauen Autos reparieren, Wohnungen renovieren oder Eink√§ufe organisieren.
Aber wie alles in unserem Leben hat nat√ľrlich auch die Emanzipation nicht zu leugnende Nachteile. Dabei denke ich in erster Linie an den Haushalt.
Gut, den M√ľll haben unsere Frauen schon vor ewigen Zeiten zur Chefsache erkl√§rt. Das der Mann des Hauses an dem einen oder anderen Sonntag gezwungener Ma√üen freiwillig den Abwasch macht ist auch nicht neu. Aber so ein Haushalt hat wesentlich mehr Facetten, als sich unsere Machoweisheit ertr√§umen l√§sst.
Nun ist meine Ehefrau eine von denen, die nicht ganz √ľberzeugt ist von der Emanzipation - des Mannes. Der Haushalt ist einzig und allein Ihre Sache. So ist sie wenigstens sicher, dass alles richtig gemacht wird und alles an seinem Platz liegt. Ich w√§re nat√ľrlich kein moderner Mann, wenn ich nicht dagegen Protestieren w√ľrde.
Vor einigen Wochen war es dann so weit. Mein zaghafter, eher obligatorisch gemeinter Protest, zeigte wider Erwarten Erfolg.
Zwar war es noch lange nicht so weit, dass ich meine Fähigkeiten in der Wohnung unter Beweis stellen durfte, aber ich bekam die vertrauensvolle Aufgabe das Treppenhaus zu wischen.
Freude heuchelnd stemmte ich mich vom Sofa hoch und begab mich auf die Suche nach Eimer und Putzmittel.
Schon nach einer halben Stunde hatte ich das entsprechende Mittel in der Hand und las die Gebrauchsanweisung. Eine Verschlusskappe auf zehn Liter Wasser kam mir wenig vor. Ich war gro√üz√ľgiger und bekam auf diese Art und Weise eine wundersch√∂ne Schaumkrone auf dem Putzwasser.
Bewaffnet mit Lappen und Wischmopp verließ ich die bequeme samstägliche Wohnung um der gesamten Frauenwelt zu beweisen, das die Emanzipation in beide Richtungen funktionierte.
Ich hatte gerade den Wischmopp aus dem Eimer geangelt und √ľberlegt, ob ich ihn auswringen sollte, als er mir aus der Hand rutschte und auf meinem linken Pantoffel landete.
Wen wundert es, dass genau in diesem Moment die T√ľr zur Nachbarwohnung aufging und Fr√§ulein Becker unseren gemeinsamen Treppenabsatz betrat.
Sie warf einen kurzen, absch√§tzenden Blick auf meinen Wischmopp, l√§chelte gezwungen freundlich und sprach die einzigen Worte gelassen aus, die jeden Mann in den Grundfesten seiner Existenz ersch√ľttern k√∂nnen. ‚ÄúOh, ein Hausmann!‚ÄĚ
Obwohl mir danach war, ihr das Putzwasser √ľber den Kopf zu sch√ľtten, sie mit dem Wischmopp zu verpr√ľgeln, oder ihr wenigstens die Grunds√§tze der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau zu erkl√§ren, l√§chelte ich.
‚ÄúHier putzt der Chef noch selbst‚ÄĚ, machte ich den verzweifelten Versuch meine Ehre zu retten und erntete daf√ľr einen mitleidigen Blick, der wenigstens aufrichtig wirkte.
Das Wasser aus dem Mopp war inzwischen beinahe komplett von meinem Pantoffel aufgesogen worden, so das ich ihn erneut nassmachen musste.
Ich schaffte es, ihn am Wischmoppstiel zu befestigen und wischte los.
Den Absatz zu wischen gestaltete sich als nicht sonderlich schwierig, wenngleich ich mehrmals ausrutschte ohne mich jedoch ernsthaft zu verletzen. Auch die Treppen machten wenig M√ľhe, so dass ich bald den unteren Absatz erreichte. Jetzt viel mir auf, dass ich den Putzeimer auf der obersten Stufe hatte stehen lassen. Beim Versuch ihn zu holen, rutschte ich wiederum aus und stie√ü mir das rechte Knie schmerzhaft an einer Stufe. Ans Treppengel√§nder festkrallend, schaffte ich es den obersten Absatz zu erreichen, als ich die Haust√ľr unter mir h√∂rte. Vor Schreck lie√ü ich das Gel√§nder los, rutschte erneut aus und landete auf dem Hosenboden. Da die Schwerkraft auf gut geschmierten Treppen besonders ausgepr√§gt zu sein scheint, rutschte ich Stufe f√ľr Stufe und mit wachsender Geschwindigkeit dem unteren Absatz entgegen - genau in die Beine von Herrn M√ľller, dem widerlichen Kerl von oben. Lauthals lachend stand er √ľber mir w√§hrend sein ebenfalls widerlicher Sohn immer wieder ‚ÄúIch will auch mal rutschen, Papa !‚ÄĚ, gr√∂lte.
Immer noch lachend √ľberwand der Widerling m√ľhelos die glatten Stufen und verschwand in seiner Wohnung.
Mit schmerzendem Hinterteil richtete ich mich auf. Sollte ich Aufgeben ? Einen Unfall vort√§uschen um statt der m√ľhevollen Arbeit den Trost und die F√ľrsorge meiner geliebten Ehefrau zu genie√üen ?
NEIN !, schrie alles in mir. Und so machte mich erneut an die Arbeit.
Diesmal war ich vorsichtiger.
Mein linker Fu√ü war h√∂llisch glatt und fand kaum Halt auf dem Fu√üboden, w√§hrend mein rechtes Knie langsam zur K√ľrbisgr√∂√üe anschwoll.
Trotzdem wischte ich weiter und schaffte es den unteren Treppenabsatz zu erreichen, ohne ein weiteres mal auszurutschen. Inzwischen begann das Putzmittel unter meinen Fingern√§geln zu brennen und ich gestand mir ein, das Gro√üz√ľgigkeit bei der Verwendung von Chlor -und Formaldehydhaltigen Putzmitteln eventuell nicht angebracht zu sein scheint. Ich schulterte den Mopp, griff nach dem Wassereimer, und begann den Aufstieg. Langsam √ľberwand ich die hochgl√§nzenden Stufen, w√§hrend mein linker Pantoffel mir bei jedem Schritt schmatzende Anerkennung zufl√ľsterte.
Vor meiner Wohnungst√ľr angekommen drehte ich mich noch einmal um und begutachtete mein Werk, beobachtete vertr√§umt, wie sich die Sonnenstrahlen in den bunten Seifenblasen auf den Treppenstufen brachen.
In diesem Moment wurde die Haust√ľr aufgesto√üen und das Treppenhaus erzitterte unter dem Angriff einer hundertk√∂pfigen Hunnenschaar.
Die Wegemanns ! , schoss es mir durch den Kopf. Was sollte ich tun ?
Mein Herz raste, meine Gedanken √ľberschlugen sich. Nicht jetzt !, Nicht jetzt !, wollte ich schreien, doch es war zu sp√§t. Drei kleine Wegemanns, bewaffnet mit Sandeimern und halbvollen Schaufeln, gefolgt von zwei riesigen, bellenden K√∂tern und den Eltern Wegemann polterten an mir vorbei. Frau Wegemann blieb einen Moment stehen und sah mich freudestrahlend an, w√§hrend ich meinen Blick nicht von der Sandspur und den Hundepfoten auf den Treppenstufen nehmen konnte.
‚ÄúMachen ganz sch√∂n Dreck die Kleinen‚ÄĚ, sagte sie. ‚ÄúGut das wir zur√ľckgekommen sind, bevor sie mit dem Putzen fertig sind.‚ÄĚ
Ich wollte etwas erwidern, schimpfen, schreien, doch alles was aus meinem Mund kam, war ein leises wimmern.
Nach zwei Stunden fand mich meine Frau in diesem Zustand und f√ľhrte mich in unsere Wohnung. Auch jetzt war ich noch nicht in der Lage ihr zu erz√§hlen was vorgefallen war. Alles was ich herausbrachte war :
‚ÄúSchei√ü Emanzipation !‚ÄĚ

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Silea
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Apr 2002

Werke: 4
Kommentare: 22
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Silea eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Haushalt

Wirklich urkomisch. Da spricht jemand aus Erfahrung. Nicht nur mit der Hausarbeit, auch mit Nachbarn. Besonders √ľber die Wegmanns habe ich gelacht. Und der moderne Mann hat es manchmal schwerer als die altmodische Frau, nicht wahr? Werde gleich mal auf die Suche gehen nach weiteren Geschichten.

Herlziche Gr√ľ√üe
Silea

Bearbeiten/Löschen    


Zur√ľck zu:  Humor und Satire Ein neues Thema ver√∂ffentlichen.     Antwort ver√∂ffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!