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Emanzipation
Eingestellt am 05. 09. 2002 13:58


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Janek S.
???
Registriert: Sep 2002

Werke: 11
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Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. (Art.3(3) GG)

....doch niemand wird in der Gesellschaft trotz allem normal behandelt!



Die Emanzipation gesellschaftlicher Randgruppen ist noch lange nicht erreicht, obwohl der Staat dies gerne vorgeben wĂŒrde. Das Problem der Gleichstellung beschĂ€ftigte die Menschen schon solange sie ein soziales Wesen in einer Gesellschaft sind und sozial denken lernten.
Schon in der Steinzeit, bei den Neandertalern, gab es eine feste Rollenverteilung; der Mann geht, als das “starke Geschlecht“, jagen und die etwas schwĂ€cheren und hĂ€uslicheren weiblichen Wesen hĂŒten zu Hause Feuer und Kind. Diese festgelegten Aufgaben zogen sich durch die gesamte Geschichte der Menschen bis in die heutige Zeit.
Wie bereits erwĂ€hnt standen schon zur Zeit der Neandertaler die Aufgaben gemĂ€ĂŸ den Geschlechtern fest. Doch auch als die Menschheit intelligenter wurde, verfielen diese Ideale nicht. So sah z.B. Konfuzius (551 – 479 v.Chr.) die Unterordnung der Frau unter den Mann als eine der fĂŒnf wichtigsten Grundbeziehungen menschl. Zusammenlebens.
Auch Sokrates (469 – 399 v.Chr.), welcher unter seiner Frau Xanthippe nicht unbedingt zu Wort kam, war der Auffassung, die Frau sei dem Mann untergeordnet.
Aristoteles sah es als wichtig, die vollkommene Tugend zu erreichen, doch auch er sagte, diese könne nur von reifen, mÀnnlichen Wesen erreicht werden; nicht aber von Frauen, Kindern oder Barbaren.
SpĂ€ter, im Mittelalter, waren nahezu tĂ€glich Hexenverbrennungen. Auch hier fielen deutlich mehr Frauen der Inquisition zum Opfer als MĂ€nner. Wenn eine Frau ihren Mann verließ, sagte er möglicherweise sie sei eine Hexe und sie wĂ€re hingerichtet worden. HĂ€tte eine Frau das ĂŒber ihren Mann gesagt hĂ€tte ihr niemand geglaubt.
Auch im moderneren Deutschland, zur Zeit des Kaiserreichs, gab man verschiedenste Ideale, die vollkommen entgegen der Emanzipation sind, in keinster Weise auf.
So gab es zum Beispiel die §§ 218 und 175. Der sogenannte Abtreibungsparagraph, welcher die Freiheit der Frau vollkommen untergrÀbt und der sogenannte Schwulenparagraph. Die Emanzipation lag am Boden, denn Frauen, Homosexuelle, AuslÀnder oder Behinderte wurden durch den alltÀglichen Umgang diskriminiert.
Schließlich begannen die Goldenen Zwanziger und der Lebenshunger der Frauen war stark genug, sich gegen die MĂ€nnerfront aufzulehnen. Den MĂ€nnern gefiel das in keinster Weise, doch die Frauen lebten ihr Leben völlig aus. Es entstand ein neues Schönheitsideal, das sich nach den WĂŒnschen der Frau, nicht nach denen der MĂ€nner richtete. Es hieß nun Sport statt Korsett und luftige Kleider kamen in Mode.
Es entstand also ein weiblich, sportlich eleganter und ein adrogyner, mÀnnlicher Typ, welcher auch nicht selten ein bisschen lesbisch war. Also genossen zu dieser Zeit auch Homosexuelle ihre soziale Freiheit ohne Diskriminierung.
AuslÀnder und Behinderte genossen sicher keine Vorteile, wurden aber auch nicht benachteiligt.
Mit dem Beginn des III. Reiches Ànderte sich dies wieder abrupt. Hitler vertrieb und verfolgte AuslÀnder, Behinderte und Homosexuelle, was bis zum Mord gehen konnte. Die Gesellschaft, welche fast die Emanzipation erreichte, war zerschmettert.
Doch seit der Beendigung dieser schwarzen Zeit ging es wieder aufwĂ€rts. Die Frauen hatten es auch jetzt noch schwer, denn sie waren in der Nachkriegszeit ĂŒberwiegend ohne ihre MĂ€nner und mussten dennoch eine Familie versorgen, was wiederum die Mutter- und Hausfraurolle prĂ€gte.
Als 1970 Alice Schwarzer begann, sich fĂŒr die Frauenbewegung zu engagieren, war ein weiterer wichtiger Schritt geschafft. Die Öffentlichkeit wurde mit Nachrichten, mit modernem Inhalt, informiert.
Langsam entstanden nun auch viele weitere, positive VerÀnderungen. Behinderten wurde allmÀhlich der Alltag erleichtert, durch spezielle Bauweisen und andere Möglichkeiten, sich leichter zu bewegen. AuslÀnder waren nun willkommen und wurden nicht nur als billige ArbeitskrÀfte angesehen.
Leider gibt es immer noch sogenannte Neonazis, welche die Ideale des III. Reiches vertreten. Durch diese ist ein harmonisches Zusammenleben noch immer gestört.
Gerne wird nun dennoch von erreichter Emanzipation gesprochen.
Auch Menschen mit anderen sexuellen Orientierungen haben es in unserer Gesellschaft noch schwer, da sie oft diskriminiert oder mit Abstand und Distanz behandelt werden. Der §175 ist zwar mittlerweile auch abgeschafft, doch in den Köpfen der Menschen spukt immer noch die alte Rollenverteilung und auch die alte Meinung, der Mann habe vor der Frau sÀmtliche Vorrechte.
Haben wir also tatsÀchlich die Emanzipation erreicht?

Wenn man diese Frage unter einem politisch, juristischem Aspekt betrachtet kann man sie mit einem verhaltenem „Ja“ beantworten.
Im Grundgesetz ist die Gleichstellung von Mann und Frau ganz eindeutig festgelegt und auch die gleiche Behandlung von sozialen Randgruppen wird durch den Art. 3 GG garantiert.
Die gesamten Artikel 1-3 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland sichern jeder Person ein freies Leben ohne UnterdrĂŒckung und Diskriminierung zu, insofern man sich mit seinen Interessen und der Entfaltung der eigenen Persönlichkeit friedlich in sein soziales Umfeld einordnet.
MĂ€nner und Frauen sind vor dem Gesetz gleichgestellt, sowie alle anderen Menschen auch.
Auch die Politik bemĂŒht sich um ein Ausgeglichenes VerhĂ€ltnis von MĂ€nner und Frauen.
Dennoch sind erst etwa 25% der Politiker weiblich und die Bundesrepublik Deutschland hatte auch noch nie eine Bundeskanzlerin.
Dennoch haben Frauen in unserer Gesellschaft bereits hohe berufliche Stellungen erlangt.
Im Jahre 2002 hatte Deutschland sogar fast eine Kanzlerkanidatin.
Auch die Homosexuellen haben eine etwas bessere Stellung als vor einigen Jahren. Berlin hat zum Beispiel zum aktuellem Zeitpunkt einen homosexuellen BĂŒrgermeister.
Mit der EinfĂŒhrung der Green Card hat Deutschland offiziell gezeigt, dass sie sehr gerne auslĂ€ndische Spezialisten in der Bundesrepublik sehen wĂŒrden und diese sogar benötigt.
Auch Behinderte haben einen erleichterten Alltag. Behinderten gerechte Wohnungen, Einkaufszentren und sogar eigene SitzplĂ€tze im Bus fĂŒr Schwerbehinderte. Doch das kann man nun bereits als eine Form von Diskriminierung sehen.
Eine bestimmte Gruppe der Behinderten, nĂ€mlich die HIV postiven und AIDS kranken Menschen sind erst seit den achtziger Jahren, mit der Entdeckung dieser Krankheit ins GesprĂ€ch gekommen. Sie gelten gesetzlich als Behinderte, was ihnen sicher schon etwas die Lebenslust nimmt, sie in ein psychisches Tief reißt. Doch viele AufklĂ€rungsgalen und Spendenaktionen zeigen, dass diese Menschen der Gesellschaft nicht egal sind. Solche Aktionen sind mittlerweile sehr bekannt und werden z.B. auch fĂŒr Krebskranke Menschen veranstaltet. Genau dies rĂŒckt diese Themen in den Mittelpunkt, was fĂŒr Betroffene sicher schwer ist, doch fĂŒr AufklĂ€rung und Akzeptanz sorgt.
Doch die Medien tragen auch sehr zu einem verĂ€nderten, modernen, aber eigentlich normalen Geschlechterbild bei. NĂ€mlich dem, dass eine Frau durchaus auch Erfolg haben kann und als FĂŒhrungsperson einer hohen Firma arbeiten kann. Viele Filme zeigen Frauen in der Rolle der erfolgreichen, selbstĂ€ndigen Chefin und auch Homosexuelle und AuslĂ€nder werden als “normale Menschen“ gezeigt. Serien, die bei Jugendlichen beliebt sind, haben Behinderte als Schauspieler und zeigen den richtigen Umgang mit ihnen, nĂ€mlich den Normalen. Reportagen und aufklĂ€rende Diskussionsrunden, Internetseiten und Werbung schaffen Klarheit zur Emanzipation und zeigen, wie einfach es sein kann, sie zu verwirklichen. Wenn die Gesellschaft diese Botschaft versteht und umsetzt haben wir alle unser Ziel erreicht. Eine Gesellschaft mit Emanzipation und ohne Diskriminierung und UnterdrĂŒckung. Aus all diesen GrĂŒnden lĂ€sst sich schließen, dass wir nicht mehr weit davon entfernt sind. Es muss nur noch die Mauer der alten Auffassung in den Köpfen der Menschen durchbrochen werden.

Die Frau ist dem Mann untergeordnet und die Aufgaben sind klar verteilt. Alles, was davon abweicht ist unnormal.
Die Geschichte, die Philosophie und vor allem der Glaube haben eine Meinung und ein Rollenbild geschaffen, dass seit jeher die Köpfe der Menschen besetzt und sie in ihrem Denken und Handeln einschrÀnkt, was das Fortschrittsdenken betrifft.
Besonders durch “die jungen Jahre der Menschheit“, die Neandertalerzeit ist der Gedanke festgelegt, der Mann jagt, die Frau hĂŒtet, die Alten, Schwachen und Kranken werden getötet, um das Überleben der Masse zu sichern. Angehörige fremder oder verfeindeter Rasse werden gejagt oder ebenfalls getötet.
In der Philosophie war die Frau schon immer die Untergeordnete des Mannes. Wie bereits erwĂ€hnt war es fĂŒr Konfuzius ein SelbstverstĂ€ndlichkeit, dass sich die Frau dem Mann unterordnet.
Sokrates war der Meinung, der Mann stehe ĂŒber der Frau und Aristoteles nahm der Frau die Möglichkeit, vollkommen Freiheit zu erlangen, betrachtete sie also nicht als vollwertiges Wesen. Auch Imanuel Kant war nicht der Meinung, dass die Frau selbstĂ€ndig und gleichgestellt mit dem Mann sein sollte. Erst mit fortschrittlicheren Philosophien wurde der Frau keine Rolle mehr auferlegt, sie wurde nun nicht mehr dem Mann untergeordnet.
Die Kirche aber vertritt schon seit jeher die Auffassung, die Frau sei nicht gleichzustellen mit einem Mann. Das erkannte auch Simone de Beauvoir. Sie sagte: Die Kirche vertritt und verkörpert eine patriachale Kultur, die der Frau ihren Platz, als GefÀhrtin des Mannes zuweist.
Da nun der grĂ¶ĂŸte Teil der Bevölkerung streng glĂ€ubig ist, was zu frĂŒheren Zeiten noch weiter verbreitet war, hatte die Kirche einen großen Einfluss auf die allgemeinen Auffassungen. „Die christliche Ideologie hat nicht wenig zur UnterdrĂŒckung der Frau beigetragen.“ sagte ebenfalls Simone de Beauvoir.
Die Bibel selbst sieht in der Frau die Hausmutter, welche die Kinder und den Mann betreut, Essen macht und die HĂŒtung, SĂ€uberung und Pflege des Hauses zur Aufgabe hat.
„Wer eine Ehefrau findet, der hat etwas Gutes gefunden.“ (Bibel, SprĂŒche Salomons 18,22)
Die Kirche hat in gewisser Weise auch die AuslĂ€nderfeindlichkeit geprĂ€gt, denn schon sie drĂŒckte tiefen Hass gegen die Babylonier aus und bekĂ€mpfte in den KreuzzĂŒgen die Juden brutalst.
Des weiteren spricht sich die Kirche eindeutig gegen Homosexuelle aus, da der Geschlechtsverkehr nur zum Zweck der Fortpflanzung durchgefĂŒhrt werden sollen und dies hier nicht möglich ist.
Diese Auffassungen der Kirche sind bis heute in den Köpfen der Menschen vorhanden und in der Gesellschaft deutlich spĂŒrbar.
Auch in anderen LĂ€ndern und Kulturen wird die Frau nicht mit dem Mann gleichgestellt.
In der TĂŒrkei zum Beispiel ist die Frau immer noch Hausmutter und sozusagen die Leibeigene des Ehemannes. Der Vater entscheidet, wen sie heiratet und diesem Mann muss sie schließlich ein Leben lang dienen. Wird sie selbstĂ€ndig und befreit sich von solchen ZwĂ€ngen, wird sie geĂ€chtet.
In arabischen LÀndern werden Frauen teilweise gegen Kamele eingetauscht, da diese bei den Menschen diese Landes einen höheren Wert haben.
In Deutschland gibt es einen Ehefrauenmarkt. Frauen werden auch hier noch nicht so gleichberechtigt behandelt, wie es seien sollte.
Auch Übergriffe auf AuslĂ€nder sind oft in den Medien, geschehen fast tĂ€glich. Ein normaler Umgang mit Homosexuellen ist fĂŒr die meisten der Menschen noch schwer und Behinderte Menschen werden auch oft von ihren Mitmenschen diskriminiert. Es ist also fraglich, ob Emanzipation in unserer heutigen Gesellschaft tatsĂ€chlich existiert.

Letztendlich kann man zu der anfangs gestellten Frage sagen, dass die Emanzipation in der Politik und vor allem in der Juristik tatsĂ€chlich versucht wird zu verwirklichen, was auch offiziell gelingt. Doch in der Gesellschaft ist noch immer die Rollenverteilung der Neandertaler spĂŒrbar, da in den Köpfen der Menschen noch immer dieses geschichtlich schon immer existierende Bild von Mann und Frau vorhanden ist und schließlich leben wir in der Gesellschaft und nicht im Gerichtssaal.
Dennoch gibt es bereits viele Menschen, die fortschrittlich, eigentlich mit normal zu bezeichnen, denken und auch einige, die sich aktiv oder passiv fĂŒr die Emanzipation sĂ€mtlicher Randgruppen einsetzten. Es ist also mehr und mehr eine Besserung zu erkennen, doch man weiß nie, was die Zukunft bringt.

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gox
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Allerdings wurden in arabischen LĂ€ndern keinesfalls Frauen gegen Kamele getauscht. DafĂŒr waren Kamele zu wertvoll. Allenfalls hgab es ein Schwein pro Frau;-)

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Janek S.
???
Registriert: Sep 2002

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Ich meinte das eigentlich anders herum.
Also man konnte gegen Kamele eine Frau bekommen oder doch anders herum?
Ach, weiß ich jetzt auch nicht mehr so genau.

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