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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Empfinden
Eingestellt am 30. 01. 2014 16:34


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wildnessisanecessity
Hobbydichter
Registriert: Jan 2014

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\"Empfinden\"

Grauenerregende Dunkelheit umgab uns. Aileen und mich. Wir waren vollkommen allein, eingeschlossen in tiefer schwarzer Schw├Ąrze. Tausend Augen starrend. St├Âhnen. Krachen. Ein undurchdringlicher Dschungel. Angst.
Dort waren wir nun, neben dem Hexenhaus welches von solch einer ungew├Âhnlich b├Âsartige Aura umgeben war.
Die B├Ąume standen dicht gedr├Ąngt, meterhoch. Kein Himmel zu erkennen.
Sie lie├č den Korb fallen. Aileen. Ihr Gesicht schmerzhaft verzerrt. Das m├╝hsam gesammelte Moos sprang heraus und verschmolz mit der unaufh├Ârlich h├Ąrter werdenden Finsternis und ihrer Schatten. Ostern. Nesterbau. Das schien jetzt so unwirklich, fern. Wir w├╝rden hier nicht wieder lebend hinauskommen. Da war ich mir sicher.
Ein Schrei. Ich zuckte zusammen und bemerkte erst dann, dass ich es war die geschrien hatte. Aileen stimmte mit ein. Unsere Hilferufe wurden jedoch von der klebrigen Nacht verschluckt, so schien es. Wie sollten unsere K├Ârper es schaffen wenn selbst unsere Stimmen es nicht schafften. Keine ├ťberwindung, keine Bew├Ąltigung. Es war ausweglos. Ich war am Ende, angekommen?
Wir gaben auf. Lie├čen uns, nahezu unnat├╝rlich synchron, ins Moos fallen. Ein weicher Teppich der den starren Boden ├╝berzog, als l├╝de er zum Verweilen ein. Tr├Ąnen durchn├Ąssten die Erde. Den Grund. Der Wind trug uns fort. Unwiederbringlich verloren.
Die Augen zwinkerten uns voller Schadenfreude zu. Geisterhaftes Lachen explodierte ├╝ber uns, unter uns. In uns. Wir verfielen in eine Art Trance. W├╝rde jemand kommen und uns aufsammeln?


Da war diese Hütte. Zusammengestellte Äste und Mooskugeln formten das spitze, charakteristische Dach. Hier hatten wohl mal Kinder gespielt. Wirklich ein Hexenhaus in Kinderaugen. Ein Hexenhaus inmitten eines verwunschenen Waldes. Ein Lachen entfuhr mir. Ich stand genau an der Stelle, an der ich etliche Jahre zuvor mit Aileen auf den Tod gewartet hatte.
Wie sich die Wahrnehmung ver├Ąndern kann.
Die meterhohen B├Ąume gingen mir knapp bis zu den Schulterbl├Ąttern. Dabei bin ich wohl eher eine Zwerg als ein Goliath. Am├╝siert sah ich mich um.
Der Boden war immer noch mit diesem wohlig weichen Moosbett ├╝berzogen. Es umschmeichelte meine freien F├╝├če. Ich lie├č mich fallen. Wie viele Zeiten auch immer ich so da lag. Im Einklang. Alleine. Zwinkernd lie├č ich wieder meinen Blick schweifen. Die B├Ąume standen so licht, dass ich locker hindurchspazieren konnte. Das d├╝stere Hexenw├Ąldchen war eher ein bezaubernder M├Ąrchenwald. Ein Ort, an dem sich Feen und Baumgeister wahrscheinlich wohlgef├╝hlt h├Ątten.
Was mich am meisten faszinierte war, dass unser Ferienhaus, zu dessen Garten der Dschungel geh├Ârte, nur einige Meter weit weg thronte. Als meine Mutter damals im hohen Bogen die nasse W├Ąsche wegwarf, als sie unsere Schreie deutlich vernahm, muss sie uns schon von Weiten gesehen haben. Doch uns umgab undurchdringliche Schw├Ąrze. Es war ein Sonntag, zur Mittagszeit.

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"Wildness is a necessity."
- John Muir

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