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Leselupe.de > Krimis und Thriller
Ende einer Ehe
Eingestellt am 29. 06. 2005 14:51


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JuDschey
Festzeitungsschreiber
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Der Autor dankt f√ľr die Kritik und hat die Geschichte √ľberarbeitet.



Ende einer Ehe

Da liegt sie nun im Staub, meine Frau. Ich kann es immer noch nicht glauben, dass ich das getan habe. Aber weit und breit gibt es hier, mitten im Wald, keine Menschenseele, außer mir. Folglich habe ich sie tot gemacht. Und da ist der pampelmusengroße Stein in meiner Hand. Und die Erinnerung an meine Tat, so wie ich sie schon tausendmal vorher in meiner Fantasie geschaffen habe, ist noch ganz frisch: Ich schlug ihr einfach von hinten einen Stein auf den Schädel. Und als sie bewusstlos zu Boden gefallen war, da habe ich nicht mehr aufhören können, ihr mit dem Stein auf den Kopf zu schlagen.
Meine Frau sieht nicht mehr sch√∂n aus. Nein, das tut sie nicht. Von ihrem einst so h√ľbschen Gesicht gibt es keine Spur mehr. Der Sch√§del, eine einzige, zertr√ľmmerte, blutige Sauerei, aus der immer noch, wie z√§h dahinschleichendes Magma, ihr waberndes, schwabbeliges Hirn blutig in den Dreck des Waldbodens kriecht.
Endlich lie√ü ich den Stein los und war eine Sekunde irritiert, weil er ger√§uschlos auf dem Boden ankam. Der Waldboden d√§mpft, fl√ľsterte irgendetwas in meinem Kopf. Die Gummihandschuhe blieben noch an meinen H√§nden. Wer wei√ü, wo DIE hier √ľberall nach Spuren suchen. Da bin ich lieber vorsichtig.
Ich schaute noch einmal auf den ausblutenden, leblosen K√∂rper im Dreck. Dann wollte ich drauf spucken, um meiner Abscheu, f√ľr diese Frau, noch ein letztes Mal Ausdruck zu verleihen. Doch eine wispernde Stimme in meinem Kopf bewahrte mich vor dieser Torheit: "Schon mal was von genetischem Fingerabdruck geh√∂rt, den sie aus deinem Speichel extrahieren werden?"
Gut, mein genetischer Fingerabdruck durfte sich nach geltendem Recht in keiner Datenbank der Welt befinden. Aber wer will und wer kann das kontrollieren?
Wenn der Hausarzt einem Blut f√ľr eine Routineuntersuchung abzapft, dann k√∂nnten die Leute im Labor sonst was mit der Blutprobe anstellen, ohne das irgendwer einen Schimmer davon h√§tte.
Ich wollte mich gerade herumdrehen, um den bedr√ľckenden Ort meiner finstersten Fantasien, die nun also doch Wirklichkeit geworden waren, zu verlassen, da h√∂rte ich pl√∂tzlich einen Ast knacksen. Im n√§chsten Moment jagte ein Belgischer Sch√§ferhund aus dem Dickicht hervor und sprang an mir hoch. "Brutus! Brutus!" h√∂rte ich jemanden schreien, w√§hrend ich mechanisch den bl√∂den K√∂ter am Gnick packte und mit eiserner Hand zur√ľck auf den Boden dr√ľckte. Verdammt! Wo kommen die denn urpl√∂tzlich her? Hier war doch niemand, fluchte ich.
"Brutus! Verdammt, komm her!" schrie die Stimme, die nun schon bedrohlich n√§her kam. Ich f√ľhlte Schwei√üperlen auf meiner Stirn, w√§hrend ich fieberhaft √ľberlegte, wie ich mit dem Besitzer dieses d√§mlichen Viehs fertig werden k√∂nnte. Jetzt noch erwischt zu werden, war nicht das, was ich mir gew√ľnscht hatte. Wird er mir zuh√∂ren, wenn ich ihm meine Motiv erkl√§re? Sicher nicht. Menschen sehen einen Mord und fantasieren sich gleich was von Gerechtigkeit zusammen. Nat√ľrlich zu Gunsten der Leiche, die da sowieso nichts mehr von hat. Er wird mich anzeigen. Er wird mich gleich sehen und die Sauerei, die ich auf dem Waldboden verursacht habe. Er wird daf√ľr sorgen, dass ich hinter Gitter komme. W√§hrend mir diese Gedanken wie Raketen durch mein Hirn schossen, versuchte ich erst einmal Herr √ľber den Hund zu verden.
Ich setzte mich auf seinen R√ľcken, nat√ľrlich nicht so, dass er unter meinem Gewicht zusammengebrochen w√§re, sondern in der Art, dass ich die Kontrolle √ľber ihn hatte. Schlie√ülich war der K√∂ter wie in einer gro√üen Schraubzwinge zwischen meinen Beinen eingeklemmt und wird mir gleich, wenn der Besitzer auftauchen wird, keine Probleme mehr bereiten. Selbst dann nicht, wenn der Idiot "Fass" sagen w√ľrde. Mir schlug mein Herz bis zum Hals, angesichts meiner prek√§ren, geradezu ausweglosen Lage. Weglaufen! Lauf schnell weg! Aber nein, macht keinen Sinn. Der K√∂ter w√ľrde mir hinterher hechten und mich m√∂glicherweise noch bei√üen. Nein. Keine Chance. Aber da war ja noch das Messer, das ich zum Pilze ausstechen mitgenommen hatte. Gerade als ich dem K√∂ter mein feines Messer an die Kehle hielt, knackten √Ąste und ein J√§ger betrat die kleine, abgeschiedene Lichtung. Mit einem Blick erkannte er die Situation und schaute mich mit unmenschlich zornigen Augen und einer geradezu unersch√ľtterlichen Unerschrockenheit an, als w√§re er die personifizierte Gerechtigkeit. Ich war so perplex, dass ich verga√ü, dem bl√∂den Vieh die Kehle durchzuschneiden.
"Du verfluchtes, mieses Dreckschwein!" schrie er mit solcher Verachtung, dass ich bef√ľrchtete, er werde mich im n√§chsten Moment erschie√üen. Im selben Augenblick zeigte sein imposantes Jagdgewehr direkt auf meinen Kopf und ich w√ľnschte, ich w√ľrde das nur tr√§umen.
Was jetzt, was jetzt, dachte ich verzweifelt und sah mich schon mit einer Kugel im Kopf neben der Leiche meiner Frau liegen. Die Augen des J√§gers funkelten, wie die eines Irren, der felsenfest davon √ľberzeugt war, dass man einen Mord nur mit der Hinrichtung des M√∂rders vergelten k√∂nne. Du mu√üt dein Leben retten, raunte eine innere Stimme. Dein Messer. Du hast ein Messer in der Hand. Tu was damit.
"Hör mal, Arschloch!" brachte ich schließlich mit dem Mut und der Kraft der Verzweiflung hervor. "Werf sofort die Waffe weg! Sonst schneid ich Deinem dämlichen Köter die Kehle durch! Glaub mir, ich hasse Hunde genauso sehr, wie meine Katze das tut."
Wie ich bef√ľrchtet hatte, verfehlten meine Worte ihre Wirkung. Verst√§ndlich, dass der Waldmann etwas dagegen hatte, dass ich seinem Hund weh tat. Zornig erwiderte er, dass ich in der selben Sekunde, in der Blut flie√üt, eine Schrotladung im Kopf haben w√ľrde.
"Na wenn schon!" schrie ich spontan, und hiel mich ebenso spontan f√ľr verr√ľckt, "dann bist Du nicht besser als ich. Dann bist Du auch ein M√∂rder! Einen Menschen abzuknallen, um einen d√§mlichen K√∂ter zu retten, das verzeiht Dir kein Gericht."
Ich war verr√ľckt. Wie konnte ich so einen Bl√∂dsinn sagen? Was hatte ich davon, wenn ein Gericht ihn verurteilt und ich tot war.
Der J√§ger √ľberlegte nicht lange und meinte: "Ich sage, ich habe Dich in Notwehr erschossen, weil Du Dein Messer nach mir geworfen hast."
Daran zweifelt ich keine Sekunde. In der Hoffnung dadurch eventuell doch noch mein Leben zu retten und meinen Widersacher versöhnlicher zu stimmen, warf ich demonstrativ langsam, so dass er meine Niederlage genießen konnte, mein Messer fort und ließ danach den Hund, aus der Umklammerung meiner Beine, frei.
"Und jetzt! Willst Du mich immer noch erschiessen?" fragte ich, mit leiser Hoffnung das Schlimmste verhindert zu haben.
Er sch√ľttelte z√∂gerlich den Kopf, als ob er sich noch nicht ganz entschieden h√§tte und zielte gnadenlos weiter mit der t√∂dlichen Waffe auf meinen Kopf.
Mein Herz raste wie verr√ľckt. Wenn er die Waffe nicht bald fortnimmt, werde ich noch einen Herzschlag bekommen und tod umfallen, bevor er mich erschie√üt oder sonst was tut, dachte ich und versuchte diese unertr√§gliche Anspannung mit Z√§hlen von nat√ľrlichen Zahlen zu l√∂sen. Eins, Zwei, Drei .... Bei Funfundachtzig hatte ich eine Idee: La√ü dich fallen. Dann kommt er nachschauen, was mit dir ist. Dann kannst du ihn √ľberw√§ltigen. Aber dazu kam es nicht mehr.
Ich stieß einen Seufzer der Erleichterung aus, als sich eine Hand, nach einer Ewigkeit der Ungewissheit, von der Waffe löste und zielstrebig in einer seiner Jackentaschen verschwand, um kurz darauf wieder mit einem Handy zu erscheinen.
Er w√ľrde die Bullen anrufen. Ich hatte verloren, so oder so. Jetzt, wo ich √ľberleben werde, war mir die Durchf√ľhrung meiner Idee zu gef√§hrlich. Lebensgef√§hrlich.Wenn ich mich ruhig verhalte, werde ich √ľberleben. Das ist das Wichtigste. Zwar nicht das, was ich mir ertr√§umt hatte, aber immerhin werde ich nach der lebensl√§nglichen Haftstrafe, zu der ich sicher verurteilt werde, in Frieden weiter leben k√∂nnen.
Pl√∂tzlich erklang ein Schuss. Vor den F√ľssen des J√§gers wirbelte Staub und Dreck hoch, um sogleich wieder herabzuregnen. Jaulend rannte der Hund fort. Ungew√∂hnlich f√ľr den Hund eines J√§gers, dachte ich spontan. Noch bevor ich mich selbst √ľber den pl√∂tzlichen Knall erschrak.
"He, Arschloch! Schmei√ü auf der Stelle Deine Knarre fort und wirf mir Dein Handy her!" schrie ein Mann, der urpl√∂tzlich, seitlich von uns, aus dem Geh√∂lz trat und den J√§ger mit einer Pistole bedrohte. Mein Gott, dachte ich. Was f√ľr ein irrwitziges Gl√ľck. Der kommt ja wie gerufen. Dann hegte ich pl√∂tzlich Zweifel, ob dieser Unbekannte wirklich ein Gl√ľck f√ľr mich war. Vielleicht dachte er, der J√§ger wollte mich erschiessen und hatte erst mal daf√ľr gesorgt, dass er seine Waffe weg warf. Aber wenn der J√§ger ihm gleich alles erz√§hlt ....
Der J√§ger wurde kreidebleich und an seiner Hose wurde ein feuchter Fleck sichtbar, der schnell gr√∂√üer wurde. Trotz der Ungewissheit, ob der Unbekannte nun ein Segen f√ľr mich war oder nicht, mu√üte ich grinsen. Ein Erwachsener, der sich in die Butz macht, ist einfach in jeder Lebenslage zu komisch. Jedenfalls war ich, trotz Lebensgefahr immer noch trocken.
Mit zittrigen Händen warf der Jäger seine Waffe fort und dem Unbekannten das Handy hin.
"Gut so, Arschloch! Jetzt zeig uns, wie schnell Du laufen kannst, sonst verpass ich Deinem Arsch eine dicke, fette Kugel!"
Der Jäger lief, stolperte, fiel in den Dreck, stand auf und lief weiter, als wären die Hunnen hinter ihm her.
"So, Meister, jetzt verschwinden wir besser auch", meinte der Unbekannte und steckte seinen Revolver in den breiten G√ľrtel seiner Jeans.
"Wer sind Sie? Warum ...?"
"Keine Panik, Mann. Ich bin auf Ihrer Seite. Kommen Sie jetzt, wir m√ľssen schleunigst hier fort!"
Ohne seine Beweggr√ľnde zu verstehen, folgte ich ihm. Erst mal hier weg, das hatte Priorit√§t vor allem anderen.

Wir liefen etwa f√ľnf Minuten durch wegloses Gel√§nde. Dann kamen wir auf einen zugewachsenen, schmalen Waldweg, auf dem ein pechschwarzer Land Rover parkte.
Wir stiegen ein und der Unbekannte bretterte mit einem solchen Affenzahn durch den Wald, dass ich dachte, gleich bricht eine Achse auf dem holprigen Weg. Es war ein echter H√∂llenritt, der mich ‚Äď hoffentlich ‚Äď aus der H√∂lle herausbrachte. Ich wu√üte immer noch nicht, wer dieser Mensch war und warum er mich aus den F√§ngen des J√§gers und damit auch der Polizei geholt hatte. Jedenfalls hatte er sich dadurch auch strafbar gemacht. Fluchthelfer eines M√∂rders. Wir sa√üen also in einem Boot. Bleibt nur die Frage, nach seinem Motiv. Und wor√ľber ich mich immer noch wunderte, als das Gr√ľn der B√§ume und B√ľsche an den Fenstern des Wagens vorbeirauschte, war, wieso der Unbekannte so urpl√∂tzlich zu gegen war. Bevor ich meine Frau erschlagen hatte, hatte ich mich doch gewissenhaft umgeschaut, dass ich nicht √ľberrascht werde und in Ruhe den Tatort verlassen kann. Ein R√§tsel. √úberhaupt alles, der Hund, der J√§ger, der Unbekannte. Die h√§tten gar nicht da sein d√ľrfen. Beim Pilze suchen hatte ich die Gegend doch genauestens erforscht.
Nach etwa zwanzig Minuten kamen wir auf einen Feldweg, und näherten uns einem einsamen Bauernhof.
Er gehörte dem Unbekannten. Er fuhr seinen Land Rover in eine Scheune und eine Minute später saßen wir, in schwarzen Ledersesseln, in seinem riesigen Wohnzimmer und hatten jeder ein großes Glas Whiskey vor uns. Den hätte ich jetzt gebraucht, aber bevor ich einen Schluck nahm, wollte ich endlich wissen, warum dieser Mann mich da rausgeholt hatte.
"Warum habe .... ?" wollte ich fragen, aber der Unbekannte winkte ab und begann zu erzählen.
"Wissen Sie, Landwirtschaft lohnt sich heute nicht mehr. Damit kommt kein Bauer mehr auf einen gr√ľnen Zweig. Und weil ich mir schon als kleiner Bub, beim Schafe h√ľten, m√∂rderische Geschichten ausgedacht hatte, da dachte ich mir, arbeite als Autor. Deshalb hab ich meine K√ľhe, Ziegen, Schweine, Schafe und H√ľhner verkauft bzw. geschlachtet und das Fleisch verh√∂kert. Das Land liegt seit drei Jahren brach. Eigentlich ein Bl√∂dsinn, dass ich noch hier wohne. Aber hier habe ich eben meine Ruhe zum Schreiben."
"Aber warum haben Sie mich vor dem Jäg....?"
"Warum? Tja, warum? Ich kam gerade ganz zufällig vorbei, als Sie den Stein aufhoben und damit den Schädel von ..."
"...meiner Frau ..."
"..eingeschlagen haben. Ich dachte: Wart mal ab, was passiert, wenn gleich dieser bescheuerte J√§ger vorbeikommt. Der schlich n√§mlich ganz in der N√§he herum. Ja, das hab ich gemacht. Aber wie der Sie mit der Flinte bedroht hat und mit seinem verfluchten Handy die Bullen anrufen wollte, mu√üte ich nat√ľrlich dazwischen gehen."
Die Geschichte klang ziemlich suspekt und platt noch dazu. Ein Bauer, der sich zum Krimiautor wandelt und ganz zuf√§llig zur Stelle ist, als ich meine Frau erschlage, und mich dann auch noch mit einem Revolver bewaffnet vor dem J√§ger besch√ľtzt. Also sowas, das ist doch einfach unglaublich.
"Warum mußten Sie dazwischen gehen?"
"Weil ich von Menschen wie Ihnen lebe. Ich will Ihre Geschichte hören, um Sie dann aufzuschreiben und damit mein Geld zu verdienen. Und Mördern und Verbrechern, denen ich einen guten Krimi zu verdanken habe, die bring ich doch nicht in den Knast. Das kann ich doch nicht zulassen. Vielleicht kann man später mal wieder irgendwie ins Geschäft kommen."
"Verstehe, verstehe", sagte ich erstmal, obwohl mir die Sache immer unglaubw√ľrdiger erschien. Gut. M√∂rder liefern sicher tolle Ideen f√ľr Krimis, aber dann sitzen sie bereits hinter Gittern. Welcher M√∂rder, der noch frei heruml√§uft, w√§re so d√§mlich seine Taten einem Autoren zu beschreiben? Und welcher Autor w√ľrde sich strafbar machen und einen M√∂rder nach dem Interview in die Freiheit entlassen? Das kann einfach nicht wahr sein.
"Aber eine Frage hätte ich da noch: Wieso waren Sie ausgerechnet heute genau dort, wo ich ..."
"Zufall, w√ľrde ich sagen. Vielleicht auch Instinkt. Irgendwie habe ich immer so eine Ahnung vorher, wann und wo ein Mord geschieht. Und dann lege ich mich dort auf die Lauer und meistens passiert es dann auch. Dann habe ich wieder eine neue Story, mit der ich Kohle mache."
Der Mann erz√§hlte mir das, ohne die Spur eines Grinsens im Gesicht. Ich war verwirrt. Das klang einfach zu fantastisch, um Tatsache zu sein. Wollte der mir einen B√§ren aufbinden? Ich war mir nicht sicher. Bei seiner Erkl√§rung sah er n√§mlich aus, als glaube er tats√§chlich, was er sagte. Merkw√ľrdig. Oder war der Mann einfach nur irre und ich hatte das Pech ihm zu begegnen, weil er mich gleich vielleicht im Keller auseinanderschneiden m√∂chte? Ich nahm mein Glas und nippte an meinem Whiskey. Seltsam, er brannte √ľberhaupt nicht in meiner Kehle, wie er es sonst immer macht.
"Sagen Sie mal, was ist denn das f√ľr ein komischer Whiskey, der schmeckt so eigenartig, wie stinknormales Quellwasser, w√ľrde ich sagen."
Hätte ich das einem anderen Menschen erzählt, wäre er sicher irritiert. Aber dieser Kerl, der mir immer noch nicht seinen Namen gesagt hatte, erklärte, als wäre es das selbstveständlichste von der Welt, dass mein Whiskey nach Wasser schmeckte:
"Das ist ganz normaler Whiskey. Sicher schmeckt er Ihnen fad, weil Sie gerade so starke Erlebnisse hatten."
Das k√∂nnte nat√ľrlich ein Grund sein. Aber richtig √ľberzeugt war ich nicht. Ich nippte noch einmal an dem Whiskey und stellte fest, dass er immer noch wie einfaches Wasser schmeckte. Und als ich das Glas zur√ľck auf den Tisch stellte, erschrak ich ziemlich heftig √ľber den kleinen Goldfisch in meinem Glas.
"Verflucht! Wie kommt denn plötzlich ein Goldfisch in meinen Whiskey. Ich meine, in mein Glas."
Der Unbekannte lachte laut, geradezu v√∂llig hysterisch, eben richtig idiotisch. Der Kerl machte sich √ľber mich lustig. Er hatte mich wohl verarscht, indem er mir tats√§chlich Wasser ins Glas gef√ľllt hatte, zusammen mit einem Scherzartikel, der anfangs unsichtbar war.
Als er sich wieder beruhigt hatte, griff er mit beiden H√§nden seinen Kopf und stellte ihn auf den Tisch. Nur der K√∂rper ohne Kopf sass noch im Sessel. Abartiger geht¬īs wohl nicht mehr, dachte ich. Aber ein Scherz war dies nun offensichtlich nicht mehr. Denn der Kopf auf dem Tisch lachte: "Hahaha. Eh, Mann, kannst Du das auch?"
Und dann traf mich die Erkenntnis wie ein Blitz. Ja, nat√ľrlich, das alles hier ist so seltsam, so unglaublich und abgefahren, dass ich endlich Worte fand, f√ľr diesen ganzen Quatsch: "Was ist das hier? Ist das etwa ein Traum?"
Der Kopf auf dem Tisch kicherte und meinte: "Klar, was sollte es denn sonst sein, Du Träumer?!
In dem Moment wurde der Raum, der Körper und der Kopf des Unbekannten durchsichtig. Um schließlich ganz zu verschwinden und einem weißen Kittel Platz zu machen.

"Hallo! Hallo! K√∂nnen Sie mich h√∂ren?" fragte eine Stimme, die eindeutig von dem wei√üen Kittel herr√ľhrte.
Ich wollte "Ja" sagen, höhrte aber nur ein Seufzen.
Ich probierte es noch einmal und brachte ein kaum wahrnembares, gehauchtes "Ja" zustande.
"Ganz wunderbar", sagte der Kittel, der sich Stunden später als Krankenschwester entpuppt hatte.
Sie war es dann auch, die mir sagte, dass ich es schaffen w√ľrde. Gut. Es schaffen, das klingt gut, dachte ich und schlief ein.
Tage später konnte ich wieder einigermassen klar denken und fragte mich, was passiert war?
Hatte der Jäger mir in den Kopf geschossen, nachdem ich meine Frau totgeschlagen hatte?
Es vergingen noch Stunden der Ungewissheit. Aber dann, als mir der Arzt alles erkl√§rte, war ich √ľbergl√ľcklich, dass ich nichts Schlimmes getan hatte. Alles war nur ein Traum gewesen. Der Bauer, der den Kopf auf den Tisch gestellt hatte, das war mir klar. Aber auch der Totschlag, der Hund und der J√§ger geh√∂rten zu diesem Traum. Ich hatte alles nur getr√§umt. Mir fiel ein Stein vom Herzen. Ich und ein M√∂rder, nein, da bin ich doch gar nicht der Typ f√ľr. Gut, ich wei√ü nicht, wie oft ich daran gedacht und davon getr√§umt hatte, es meiner Frau endlich auch mal zu zeigen. Aber ich war mir immer klar dar√ľber, dass ich niemals so tief sinken wollte, au√üer im Traum.
Ich hatte nichts getan. Gar nichts. Nur meine Frau hatte etwas getan. Und dies war, seit drei Jahren Ehe, der Gipfel ihrer Schikanen. Sie hatte mich mit der Axt bearbeitet. So, wie sie es mir in den letzten Monaten √∂fter prophezeit hatte. Nachbarn waren durch meine Schmerzensschreie aufmerksam geworden und hatten die Polizei alarmiert. Aber als sie eintrafen, war meine Frau schon √ľber alle Berge verschwunden. Nur ich lag halb abgeschlachtet und so gut wie tot in einer Blutlache auf dem K√ľchenfu√üboden, w√§hrend mein K√§tzchen neben mir hockte und jammerte.

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Piratenbraut
???
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Hallo JuDschey,


was den reinen Ablauf der Geschichte angeht, finde ich sie super. Die Umsetzung hat mir allerdings nicht so gut gefallen.

Wenn sich dem Leser so spät erschließt, dass es sich um einen Traum handelt, muss er zumindest bis zu der 'Nummer' mit dem Goldfisch im Whiskeyglas alles logisch nachvollziehen können. Nachvollziehen konnte ich nicht, wie schwach die Reaktionen der Personen geschildert wurden:


\"Oh Gott! Oh Gott! Wie schrecklich?\" keuchte er mit Abscheu und Ekel in seinem Gesicht, als er meine tote Frau erblickte. \"Das waren Sie! Sie haben sie so zugerichtet!\"

F√ľr mich eine viel zu kurz beschriebene Situation ohne die passende Dramatik des Augenblicks.

Und noch ehe er zu Ende gesprochen hatte, zeigte seine Flinte auf mich. Augenblicklich schrie ich ihn an:
\"Hör mal, Du Pimpf! Leg Dein Gewehr sofort auf den Boden! Sonst schneid ich Deinem dämlichen Köter die Kehle durch! Glaub mir, ich hasse Hunde genauso sehr, wie meine Katze das tut.\"


Das ist eher Plauderton als Dramaturgie w√ľrde ich sagen.
Mich haben auch die vielen "\" irritiert. Sie sind nicht nötig.

Das klang einleuchtend und es sah tatsächlich so aus, als hätte ich dieses Spiel verloren.
Ich warf mein Messer in hohem Bogen fort und ließ gleichzeitig den Hund aus der Umklammerung meiner Beine frei.


Auch hier wieder keine Spannung. Eben einfach nur "dahin erzählt", was sich noch weiter durchzieht.

Trotzdem...die Geschichte an sich ist super. Der Anfang hat mich neugierig gemacht und war gut geschrieben. Auch die Formulierung "tot gemacht" war gut, hat auf irres Handeln und totale Spannung neugierig gemacht.

Viele Gr√ľ√üe,

PB (die sowas nicht besser kann, nicht dass du das denkst ;-))




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JuDschey
Festzeitungsschreiber
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Hallo Piratenbraut!

Vielen Dank f√ľr Deine Kritik.
Dass Dich diese "/" gestört haben, kann ich jetzt gut nachvollziehen, nachdem ich eben erst hier nachgeschaut habe, ob es schon Kritik gibt.
Diese "/" waren nicht beabsichtigt. Ich bitte das zu entschuldigen. Aber ich bin ganz neu hier und gut m√∂glich, dass ich aus Versehen irgendwo draufgedr√ľckt habe.

Dass Dir der Ablauf meiner Geschichte gut gefallen hat, freut mich nat√ľrlich. Danke f√ľr die Blumen.

Tja, dass Du mich mit der Nase draufgesto√üen hast, dass ich erhebliche M√§ngel bei der Dramaturgie und Dramatik habe, finde ich ebenfalls prima. Alleine w√§re ich da wohl nie draufgekommen. Ich werde also demn√§chst mal schauen, wie ich das verbessern kann. Wenn Du einen kleinen Tip dazu h√§ttest, oder ein exemplarisches Beispiel auf Lager h√§ttest, w√ľrde ich mich freuen.

Weiter findest Du es nicht so gut, dass der Leser praktisch erst am Schluß erfährt, dass alles nur ein Traum war.
Eigentlich w√ľrde ich das nicht √§ndern wollen. Im wirklichen Leben erf√§hrt man normalerweise auch erst dann, dass man getr√§umt hat, wenn man schon so gut wie aufgewacht ist.
Aber wenn Du felsenfest davon √ľberzeugt bist, dass es der Story n√ľtzt, schon wesentlich fr√ľher durchblicken zu lassen, dass der Ich-Erz√§hler tr√§umt, dann werde ich das nat√ľrlich √§ndern.

Nochmals vielen Dank f√ľr Deine Kritik

Viele Gr√ľ√üe
JuDschey

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Piratenbraut
???
Registriert: Jun 2005

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quote:
Urspr√ľnglich ver√∂ffentlicht von JuDschey


...Weiter findest Du es nicht so gut, dass der Leser praktisch erst am Schluß erfährt, dass alles nur ein Traum war.
Eigentlich w√ľrde ich das nicht √§ndern wollen. Im wirklichen Leben erf√§hrt man normalerweise auch erst dann, dass man getr√§umt hat, wenn man schon so gut wie aufgewacht ist.
Aber wenn Du felsenfest davon √ľberzeugt bist, dass es der Story n√ľtzt, schon wesentlich fr√ľher durchblicken zu lassen, dass der Ich-Erz√§hler tr√§umt, dann werde ich das nat√ľrlich √§ndern.

Nochmals vielen Dank f√ľr Deine Kritik

Viele Gr√ľ√üe
JuDschey


Hey, das war jetzt aber nicht, was ich sagen wollte!
Ich finde es nicht falsch, dass am Ende erst klar ist, dass es sich um einen Traum handelt!

Nur muss bis zur Auflösung nichts passieren, das man nicht nachvollziehen kann weil man sonst das Lesen aufgibt oder die Geschichte einfach nicht gut findet.

Und ändern solltest du nur, was du selber ändern willst.

Gruß,

PR

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JuDschey
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Hi Piratenbraut,

oh, oh, da hatte ich Dich falsch verstanden. Sorry.

Also nochmal:
Du fändest meine Story besser, wenn ich die Traumerlebnisse des Ich-Erzählers dramatischer und spannender erzählt hätte.
Die Aufl√∂sung, dass der Totschlag, der J√§ger und der krimischreibende Bauer nur ein Traum war, kann bis kurz vor Toresschlu√ü f√ľr den Leser eine √úberraschung bleiben.
Richtig verstanden, jetzt?

Bis bald
JuDschey

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Michael Schmidt
Manchmal gelesener Autor
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Hallo JuDschey,

was vor allem fehlt sind die nachvollziehbaren Motive von J√§ger, Krimiautor (was ein Klischee) und auch des Protagonisten. Diese sollten besser herausgestellt werden, sollte es - wie im Traum √ľblich - unlogisch werden, sollte das unsere Mann merken und sich dar√ľber wundern. Er nimmt es in der Geschichte einfach so hin. Das erscheint mir nicht richtig. Selbst im Traum zweifelt man, au√üerdem schriebst du ja eine Geschichte.

Sind noch ein paar Rechtsschreibfehler drin, welche die Rechtsschreibepr√ľfung von Word eigentlich finden sollte.

Bis bald,
Michael
__________________
Der ErnstFall Michael Schmidt

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