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Leselupe.de > Kurzprosa
Endlich
Eingestellt am 19. 02. 2003 07:43


Autor
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Otto Lenk
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2001

Werke: 620
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Am Ende wartet man nur noch. Darauf, dass alles vorbeigeht. Der Morgen, der Tag, der Abend, die Nacht und das Morgen. Dass dieses m√ľde, einschl√§fernde Denken aufh√∂rt. Dieses Zeitlupenleben.
Sie meinen, ich wäre ein Rebell, nicht anpassungsfähig. Seht ihr denn nicht, begreift ihr nicht? Indem ich tagtäglich hier schlafwandle, bin ich doch schon längst Teil eures Systems geworden.
Was erwartet ihr von mir? Bingoabende, Seniorentanz, gemeinsames Singen. Das pralle Leben. Nein, nein! Dann schon lieber meine Schachpartien mit Meyer.
Sie haben etwas von diesem behäbigen, fast stillstehenden Zeitenlauf dieser Welt. Meyer fällt spätestens nach einer halben Stunde Schach in seine Tiefdenkschlafphase. Unsere Partien haben so etwas von Briefschach und ein Zug die Entfernung Paris-Venedig.
Es ist eine Strafe, hier bei Verstand zu sein.
Selten nur die Augenblicke, in denen meine Gedanken zu Träumen werden, im Zug Paris-Venedig Platz nehmen und auf die Reise gehen.
Dort treffe ich dich. Immer wieder! Du betrittst das Abteil, fragst nach einem freien Platz und ich denke f√ľr mich: Du f√ľllst doch schon mein Herz aus, Engel. W√§hrend der gesamten Fahrt finde ich keine Worte und beobachte dich, w√§hrend du aus dem Fenster schaust und ich ganz genau sp√ľre, dass du mein Spiegelbild im Glas beobachtest. Und w√§hrend ich dich anschaue und du mich, so hoffe ich, werde ich m√ľde.
Das gleichmäßige Ta-Tam Ta-Tam der Schienen klingt wie ein altes Gute-Nacht-Lied und ich beginne zu träumen.
Ich tr√§ume von meinem Leben im Heim und dem Tag, an dem sich die T√ľr √∂ffnet und du trittst in mein Zimmer, einem Engel gleich, und fl√ľsterst mir zu: Es ist Zeit zu gehen. Dein K√∂rper scheint aus purem Licht. Du nimmst meine m√ľden H√§nde und ich stehe auf. Tanzend und l√§chelnd, k√∂rperfrei schwebe ich durch den Raum. Dein L√§cheln, so tief wie die Ewigkeit, f√ľhrt mich aus meinem K√∂rper ins Licht.
Und endlich, endlich begreife ich…Heute ist es kein Traum.

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noel
???
Registriert: Dec 2002

Werke: 180
Kommentare: 768
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Lieber Otto

F√ľr mich gibt es keine Gedanken, die noch nicht gedacht, keine Worte, die noch nicht gesprochen wurden, einzig das WIE, der Ausdruck ist ver√§nderbar und l√§sst es wieder zu, das in der Gew√∂hnlichkeit Vergessene erneut zu beatmen, zu f√ľhlen.
Das ist dir hervorragend gelungen.

Liebe gr√ľ√üe Noel
__________________
© noel
Wir sind alle Meister/innen der Selektion und der konstruktiven Hoffnung, die man allgemein die WAHRHEIT nennt ©noel
NOEL = Eine Dosis knapp unterhalb der Toxizität, ohne erkennbare Nebenwirkung (NOEL - no observable effect level) .

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Zefira
???
Registriert: Jan 2001

Werke: 14
Kommentare: 1113
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Lieber Otto,

das einzige, was mich an diesem Text st√∂rt (und es ist wirklich nur eine WINZIGE Kleinigkeit) ist das Wort "Rebell". Es klingt zu sehr nach Aktionismus, als da√ü es zu jemandem passen w√ľrde, der sich dem Aktionismus gerade verweigert.

Ansonsten ist das ein bezaubernder Text. Herrlich die Poesie in diesem Leben grauer Einförmigkeit.

lG, Zefira

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Otto Lenk
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2001

Werke: 620
Kommentare: 3361
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Hallo noel, Zefira,

ich freue mich sehr, dass euch die geschichte ber√ľhrt hat. Ja, noel...es ist das suchen nach immer wieder neuen ausdruckm√∂glichkeiten des bereits gesagten.
Ja, Zefira...verstehe deinen einwand und werde den "Rebell" √ľberdenken.

Liebe Gr√ľ√üe Otto

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Quidam
Guest
Registriert: Not Yet

Da muss ich Zefira zustimmen, Rebell ist in der Tat etwas deplaziert. Wie wäre es mit einem Adjektiv: "dickköpfig"? Nur ein Vorschlag.

Hallo Otto,
der Anfang holpert ein wenig, meiner Meinung nach, da du Punkte setzt, wo ich mir eher Kommas, oder Doppelpunkte w√ľnsche. Aber ich denke, das war gewollt. Ansonsten: Durchgehend stimmungvoll beklemmend, deprimierend.
Schön!

*winke*
quid

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