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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Endlich
Eingestellt am 23. 07. 2009 23:58


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tinchen
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Oct 2002

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Sie war leer. So was von leer, als er aufgeh├Ârt hatte, mit ihr zu sprechen. Zumindest hatte er endlich mit ihr gesprochen.
Vorher hatte er nur geschwiegen. Hatte ihr jede M├Âglichkeit offen gelassen.
Was schlimmer war, konnte sie gar nicht beurteilen. Er hatte ihr was genommen, was konnte sie zu dem Zeitpunkt gar nicht sagen.
Sie sa├č in ihrem Auto. Brauste die Stra├če entlang. Ungewiss, was sie am Ende erwarten w├╝rde. Am Ende der Strecke k├Ânnte sie die Wahrheit erwarten.
Die Wahrheit, dass alles nicht echt war, nicht wahr war. Dass sie nicht in diesem einzelnen Moment get├Ąuscht wurde, sondern in all den Augenblicken, Stunden, Wochen und Monaten zuvor.
Dass sie sich vielleicht eingelassen hatte, sich gezeigt hatte, mit all dem, was sie ausmachte. Und mit dem Ergebnis, dass es nicht richtig war. Dass er sie nur benutzt hatte.
Aber dass konnte ja nicht sein. Wie oft hatte er ihr gesagt, dass er sie lieben w├╝rde. Wie oft hatte er, wie l├Ącherlich, wie sie das auch immer in den Momenten empfunden hatte, ihr einen Heiratsantrag gemacht. Vor ihren Freunden, ihren Geschwistern. Vor seiner Familie. Das konnte doch alles nicht der Wahrheit entsprechen.
Sie konnte vor lauter Tr├Ąnen kaum noch das Auto steuern und hielt am Seitenstreifen, mitten im nirgendwo an.
Sie ging ein paar Schritte, um sich zu beruhigen.
Sie weinte, endlose Tr├Ąnen. Und wusste nicht, wie es jemals weiter gehen sollte.
Doch dann schmunzelte sie auf einmal wieder.
Sie wusste doch, wie er war. Warum hatte sie nicht vorher daran gedacht.
Sie musste innerlich lachen. Mann, es war doch beim letzten Mal auch so gewesen. Es war der Moment, der f├╝r ihn doof, etwas schwer war.
Morgen w├╝rde er sich wieder melden. W├╝rde sich weinend vor sie knien. Sie wieder anflehen, ihm zu verzeihen.
Er f├╝hlte sich manchmal einfach unter Druck gesetzt von den anderen. Von seinen sogenannten Freunden, die ihn zwar ewig im Stich gelassen hatten, zu den Zeiten, wo eine Freundschaft mit ihm einfach unbequem, stressig gewesen w├Ąre.
Aber jetzt, wo sie ihn nicht mehr fahren mussten, sich nicht mehr um ihn k├╝mmern mussten, waren sie wieder da.
Und da ÔÇô musste sie nicht daf├╝r Verst├Ąndnis zeigen ÔÇô waren sie eben wieder wichtig; eben gute Freunde. Die, die immer da waren. Die, die man brauchte zur Unterst├╝tzung. Da ist es doch klar, dass ihre Meinung z├Ąhlen w├╝rde.
Das hatte sie anscheinend einfach einen kleinen Moment ausgeblendet und vergessen.
Aber wie auch beim letzten Mal, w├╝rde er auch dieses Mal irgendwann einsehen, was wirklich z├Ąhlte, auf wen er sich wirklich verlassen konnte. Auf sie.
Sie stieg mit ihrem Handy in der Hand wieder selbstsicher, verst├Ąndnisvoll nickend zur├╝ck ins Auto.
Wie konnte sie nur so dumm sein, ihm zu glauben, dass er sie wirklich nicht mehr lieben w├╝rde. Idiotisch. Sie hatte sich nur vertan.
Er liebte sie. Was f├╝r ein beruhigendes Gef├╝hl. Und wahrscheinlich w├╝rde er auch schon lange wieder bereuen, dass er sie mit seinen Worten getroffen und verletzt hatte.
Sie wusste doch, wie er war.
Er versprach ihr die Zukunft. Wollte mit ihr Kinder haben. Den Hof der Eltern ├╝bernehmen. Er wollte eine Zukunft mit ihr, mit allem, was da warten w├╝rde. Aber nat├╝rlich brauchte er auch seine Freunde. Da ist es doch klar, dass er auch mal straucheln, unsicher werden w├╝rde.
Denn eigentlich war er es doch am Anfang gewesen, der sich sicher war. Der von Anfang an bemerkt hatte, wie gro├č das zwischen ihnen war.
Als sie den Motor wieder startete, sch├╝ttelte sie mit dem Kopf. Ein Lachen auf den Lippen, weil sie so schlecht von ihm und seinen Worten gedacht hatte.
Was hatte er schon gesagt: Dass er sie nicht mehr lieben w├╝rde, sie kein Verst├Ąndnis f├╝r ihn und seine Bed├╝rfnisse ÔÇô seine Freunde zu sehen ÔÇô hatte. War auch wirklich etwas ├╝bertrieben, dass sie ihm nicht zugestehen konnte, dass diese Leute wirklich seine Freunde waren.
Es ist ja auch anstrengend, f├╝r einen Freund da zu sein, der eben keinen F├╝hrerschein hatte, weit weg wohnte, viel zu tun hatte. Da konnte es auch einfach passieren, dass man sich eben eine Zeitlang, ein paar Wochen, vielleicht auch Monate, von der Person zur├╝ckziehen w├╝rde.
Aber, das hatte ja nichts mit ihnen zu tun. Da war ja viel mehr.
Das viel mehr, war ganz am Anfang. Als sie wirklich noch beide gezweifelt haben. Als auf einmal das Ergebnis, die Gewissheit da war. Sie w├╝rden ein Kind bekommen. Kurz nach dem sie das erste Mal ├╝berhaupt Sex hatten. Kurz nach dem feststand, es k├Ânnte wahrscheinlich wirklich was sein, zwischen ihnen beiden.
Wie schwer war die Entscheidung gef├Ąllt worden, sie nicht zu bekommen. Sondern erst mal ihnen eine Chance zu geben.
Wie konnte sie das nur ausblenden, in dem Moment, wo er sie nicht einmal mehr anschauen konnte, vor wenigen Minuten, nicht einmal eine Stunde her.
So kurz danach hatten sie doch klar, hatte er immer wieder betont, wie sehr er sich auf seine eigenen Kinder gefreut hatte.
Sie war wirklich naiv gewesen, als sie ihm eben geglaubt hatte, dass es dieses Mal ernsthaft alles vorbei sei.
Sie w├Ąhlte seine Nummer, mit der Gewissheit, dass er schon auf ihren Anruf gewartete hatte.
Genauso wie er auf ihr ernsthaftes Ja gewartete hatte, auf all seine Antr├Ąge, die sie belacht hatte, wenn er wieder mal von ihrer gemeinsamen rosigen Zukunft getr├Ąumt hatte.
Sie lauschte dem Tuten, w├Ąhrend sie nach einem Wendeman├Âver wieder ihm entgegen steuerte.
Und sie freute sich innerlich. Sie freute sich, sein Gesicht zu sehen. Die Sicherheit, die er ihr und der Beziehung entgegengebracht, schon nach einigen Wochen, als sie noch zweifelte. Sich so vielen Unwegsamkeiten entgegen stellte, wie dem Alter, seinem Job, dem Hof, der gemeinsamen Zukunft. Er schaffte es immer wieder, sie zu beruhigen.
Ob nach der Entscheidung, das junge Leben noch nicht in ihre gemeinsame Zukunft zu lassen, oder auch nach dem letzten Mal, als er verwirrt war und ihr kalt und unerwartet sagte, dass alles vorbei sei.
Als nicht er den H├Ârer abnahm, sondern sein bester Freund, musste sie l├Ąchele. Da erwartete sie anscheinend schon das erste Friedensangebot.
Etwas verwundert war sie, als sie keine Antwort auf ihre Frage, ob es ihm gut gehen w├╝rde, bekam, sondern nur Gel├Ąchter ├╝ber irgendwen.
Sie lachte einfach mit ihnen. Hatte sie ihm zufolge eh viel zu selten gemacht.
Erst dann h├Ârte sie ihren Namen. Und seine Stimme.
Ihr L├Ącheln gefror.
Sie nahm die Stra├če nicht mehr wahr, als sie ihn fl├╝stern h├Ârte. Lachend. Als er ihnen erz├Ąhlte.
Von den Zukunftspl├Ąnen. So utopisch. Wie dumm war er nur gewesen.
Ihre H├Ąnde umklammerten krampfhaft das Lenkrad.
Und sie h├Ârte, wie er lachte, dar├╝ber, dass sie gedacht hatte, er wolle Kinder mit ihr. Wie sie einfach nicht mit ihr abschlie├čen konnte. Dem Kind, dass ihr nach wie vor nahe war, auch wenn sie sich dagegen entschieden hatte.
Er hatte sie nicht wahrgenommen. Nicht in diesem Augenblick. Nicht in irgendeinem Augenblick. Nicht in diesem entscheidenden Augenblick.
Ihre Tr├Ąnen nahmen ihr nicht gen├╝gen die Sicht. Die Aussicht auf ein Ende der Schmerzen, die Sicht auf den Baum, der erwartungsvoll das Ende ank├╝ndigte. Der ein Ende war.


Version vom 23. 07. 2009 23:58

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