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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Endlich am Ziel
Eingestellt am 21. 05. 2002 23:38


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AWAS
Hobbydichter
Registriert: May 2002

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Endlich am Ziel

Noch 1.2 Sekunden zu spielen. Die Auszeit ist zu Ende.
Seine Mannschaft nimmt die vom Trainer vorgeschriebenen Positionen ein.
Drei Blocks sollen ihm einen freien Wurf verschaffen.
Zwei Punkte zur VerlÀngerung, drei zum Sieg.
Es ist das siebte Spiel, bereits die zweite VerlÀngerung.
Bisher hat Jason das Spiel seines Lebens gemacht.
Jeden Wurf in der VerlÀngerung hat er getroffen.
Er hat seinem Team die Chance auf die Meisterschaft gewahrt.
Es ist seine letzte Möglichkeit, den Titel zu holen.
Und das im Madison Square Garden, vor heimischen Publikum.
Zweimal ist er schon im Finale unterlegen gewesen.
Sein RĂŒcktritt nach 13 Jahren Profibasketball nach diesem Spiel steht schon fest.
Er wird in den Trainerstab nachrĂŒcken.
Als Ersatzspieler hatte er die Saison begonnen,
bevor er in den Playoffs zum Starter wurde.
Er hatte sich zum FĂŒhrer der Mannschaft entwickelt.
Er hatte sie ins Finale getragen.
Ihm gaben seine Mitspieler den Ball, wenn es eng wurde.
Er betrat jetzt das Feld. Seine letzte Chance wollte er nutzen.
Der Schiedsrichter pfeift an und gibt Charlie den Ball.
FĂŒnf Sekunden hat Jason jetzt noch, bis der Ball in seinen HĂ€nden sein muß.
Er lÀuft los. Am dritten Block bleibt sein Verteidiger hÀngen.
Ganz sicher fÀngt er den Pass von Charlie. Ab nun lÀuft die Zeit.
Zwei Schritte, ein Dribbel, dann springt Jason.
Am höchsten Punkt lÀsst er den Ball los.
Hinter der Dreier-Linie. FĂŒr den Sieg.
Er schaut dem rotierenden SpielgerÀt hinterher.
Dann hört er die Schlusssirene.
Es wird auf jeden Fall der letzte Wurf sein.
Die Arena hÀlt den Atem an. Es ganz ruhig.
Er schließt seine Augen. Er kann nicht hinsehen.

Der Jubel der Zuschauer lĂ€sst ihn zum WĂŒrfel ĂŒber dem Spielfeld blicken.
TatsÀchlich. Mit einem Punkt gewonnen.
Er reißt seine Arme hoch und sinkt auf die Knie.
Als nĂ€chstes bemerkte seine Mitspieler, die auf ihn zustĂŒrmten.
Sie heben ihn hoch, werfen ihn immer wieder in die Luft. Mindestens fĂŒnf Minuten lang.
Dann kommen die Offiziellen und trennen die Jubelnden.
Jason muß jetzt Interviews geben. FĂŒr drei Fernsehsender und ebenso viele Radiostationen.
Dann die Siegerehrung. Der Besitzer des Teams ĂŒbergibt ihm die MeistertrophĂ€e.
Mit TrĂ€nen in den Augen kĂŒsst er den Pokal. Endlich am Ziel.
Sein Leben lang hat er auf diesen Augenblick gewartet,
die letzten 13 Jahre als Profi.
Er ist ĂŒberglĂŒcklich.
„Ich hab’s geschafft, ich hab’s geschafft!“, ist das einzige, was er im Moment denken kann.
Dann verkĂŒndet der Hallensprecher, Jason Miller ist der wertvollste Spieler der Finalserie.
Er geht zum Podium und nimmt auch diese Ehrung entgegen.
Man reicht ihm das Mikrophon.
Er weiß nicht, was er sagen soll.
Mit trĂ€nenerstickter Stimme stammelt er: „Danke, Danke, Danke!“
Er dankt seinen Mitspielern, den Trainern, dem Manager und Besitzer.
Dann blickt er auf die TribĂŒne. Dort sitzen seine Frau und sein Sohn.
Ihnen widmet er seinen Erfolg. Die Zuschauer lieben das. Er erntet BegeisterungsstĂŒrme.
Auf dem Weg in die Kabine schĂŒttelt er Hunderte HĂ€nde, die ihm die Fans entgegenstrecken.
Unter der Dusche findet er einen Moment der Besinnung.
Die vergangenen zwei Jahre lÀsst er Revue passieren.
Seine Verletzung im Finale, das sein Team verlor.
Ein Jahr schuftete er in der Reha, nur um dann entlassen zu werden.
Zur alt, lautete die BegrĂŒndung.
Da kam der Anruf aus New York.
Man wollte ihm eine Chance geben, aber er mĂŒsse mit einem Platz auf der Bank rechnen.
Das war ihm egal. Er wollte es allen noch einmal zeigen.
Jetzt hatte er es allen gezeigt.
NBA-Champion und wertvollster Spieler.
Verdammt, er hatte es geschafft.
Er wĂŒrde aufhören auf dem Höhepunkt seiner Karriere.
Als er aus der Dusche kommt, ist sein Spint von Reportern umlagert.
Eine Stunde muß er deren Fragen beantworten,
bis endlich alle verschwunden sind und er sich ankleiden kann.
Er will zu seiner Familie.
Dann kommt der Anruf des PrÀsidenten,
der Jason und der Mannschaft zu der hervorragenden Leistung gratuliert.
Im Gang vor der Kabine warten seine Frau und sein Sohn. Sie fÀllt ihm um den Hals.
Minutenlang drĂŒckt er sie an sich. Er will diesen Moment voller GlĂŒck festhalten.
Sara hatte ihn immer unterstĂŒtzt, besonders nach dem Kreuzbandriß.
Er kann spĂŒren, wie sie sich mit ihm freute.
Seinem Sohn Sean schenkt er das Trikot und die MĂŒtze,
auf der NBA-Champion steht. Der Kleine freut sich riesig.
Sara und Sean schickt er nach Hause.
Diese Nacht muß er mit dem Team feiern.
Die nÀchsten Monate sollen seiner Familie gehören.
Mit der Mannschaft macht er sich auf zum Times Square, wo die Fans schon feiern.
Es gibt sogar ein Feuerwerk.
Einige Stunden feiern sie am Times Square mit den New Yorkern.
Danach touren sie durch die Bars im Village. Bis morgens um acht Uhr.
Jason findet keinen Schlaf,
denn schon um zehn Uhr muß sich die Mannschaft am Garden treffen.
Zwei Stunden spĂ€ter steht die fĂŒr New York ĂŒbliche Konfetti-Parade an.
Total ĂŒbermĂŒdet sitzt er neben seinem Trainer im Cabrio
und winkt der begeisterten Menge zu.
Um ihn herum schneit es Konfetti und Luftschlangen.
Er genießt den Triumph.
Auch die Feier danach beim Besitzer.
Um acht Uhr abends ist er endlich zu Hause.
Er hat seit 34 Stunden nicht mehr geschlafen und will nur noch ins Bett.
Dennoch erzÀhlt er beim Abendessen Sean immer wieder vom letzten Wurf.
Den Zeitungen entnimmt er,
daß er einen neuen Rekord fĂŒr die Trefferquote in den Endspielen aufgestellt hat.
Um zehn legt er Sean schlafen.
Sara wartet bereits im Bett.
Er legt sich zu ihr. Er umarmt sie, kĂŒsst sie.
ÜberglĂŒcklich schlĂ€ft er in ihren Armen ein.
Er trÀumt von dem Spiel, in dem er sich das Kreuzband gerissen hatte,
von seiner RĂŒckkehr, und vom letzten Wurf seiner Karriere,
vom Jubel in der Halle, von den Meisterfeiern.
Als er wach wird, scheint bereits die Sonne ins Zimmer.
Er spĂŒrt die warmen Strahlen auf seinem Gesicht.
Er dreht sich noch einmal rum. Sara hat ihm FrĂŒhstĂŒck ans Bett gebracht.
Der Duft von Kaffee und frischem Spiegelei lÀsst ihn die Augen aufschlagen.

Er sieht, wie der Ball am Ring vorbeifliegt.
Airball.
Das Spiel, die Serie, die Meisterschaft.
Alles verloren.

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