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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Endlich frei.
Eingestellt am 04. 08. 2002 23:20


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philipp
Festzeitungsschreiber
Registriert: Aug 2002

Werke: 5
Kommentare: 5
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Endlich frei.

"Du nennst mich P. Einfach nur P. Mein Nachname war Dir nie wichtig. Ich glaube Du hast Dir nie Gedanken dar├╝ber gemacht, oder? Ob mein Name nun f├╝r Patricia oder f├╝r Petra steht, hat Dich nie gek├╝mmert.
Am Anfang fiel es mir nicht auf, da wir viel Spa├č zusammen hatten. Wir hatten fantastische Stunden und Tage zusammen. Wir haben die sch├Ânsten Momente zusammen erlebt. Manchmal war auch es einfach nur spannend. Aber immer haben wir uns gut verstanden und ich hatte das Gef├╝hl, dass Du mich durch all unsere gemeinsamen Erlebnisse erst so richtig kennengelernt hast.

Aber es hat sich was ge├Ąndert, das merke ich deutlich. In letzter Zeit erleben wir immer weniger zusammen. Manchmal arbeitest Du stundenlang am Computer, ohne dass Du oder ich auch nur einen einzigen Ton sagen. Meistens wei├č ich gar nicht so recht, woran Du ├╝berhaupt arbeitest. Das war fr├╝her anders. Damals haben wir alles geteilt, die unangenehmen, wie die guten Ereignisse, einfach alles.

Fr├╝her bist Du kaum aus dem Haus gegangen. Wenn wir irgendwohin gegangen sind, dann hast Du mich immer mitgenommen. In letzter Zeit gehst Du immer ├Âfter ohne mich aus dem Haus. Ich habe das noch eine ganze Weile ausgehalten. Aber gestern war es einfach zuviel.

Gestern hast Du mich wieder mal allein gelassen. Du hast den Computer zugeklappt, und bist rausgest├╝rmt. Fast so, als w├╝rdest Du vor mir fliehen.

Ich wollte mich daraufhin den restlichen Abend an der Hausbar bedienen, mich sinnlos besaufen vor lauter Frust. Aber Du hast mich ja nicht gelassen. Du h├Ąttest Dir zumindest 5 Minuten Zeit f├╝r mich nehmen k├Ânnen. H├Ąttest mir eine Erlaubnis schreiben k├Ânnen, an die Hausbar zu gehen. Aber Du hattest es eilig, musstest weg. Nun sitze ich hier und kann mich noch nicht einmal an der Hausbar verlustigen. Stattdessen warte ich, bis Du wiederkommst und mein tristes Dasein mit neuen Ideen f├╝llst.

Sp├Ąter kommst Du von Deinem n├Ąchtlichen Ausflug wieder. Du bist angetrunken, riechst nach Alkohol und dem billigen Parf├╝m einer anderen Frau. Aber Du verlierst nicht ein Wort dar├╝ber. Keine Erkl├Ąrungen, keine Entschuldigungen. Obwohl Du wei├čt, dass ich es gemerkt habe.
Und neue Ideen hast Du auch nicht f├╝r mich und mein Dasein. Ganz im Gegenteil. Dein Zustand ist erb├Ąrmlich. Vollgesoffen und tr├Ąge starrst Du auf den Bildschirm, kannst keinen klaren Gedanken fassen. Und zwingst mich dadurch dazu, tr├Ąge und handlungsunf├Ąhig hier herumzustehen.

Ich k├Ânnte verzweifeln. Ich stehe neben Dir, bereit, alles zu tun, was Du gerne m├Âchtest. Aber Du sitzt einfach nur da, schaust melancholisch auf den Monitor, und resignierst. Was ist los mit Dir? Haben wir nicht bereits viele sch├Âne und spannende Geschichten zusammen erlebt? Kannst Du nicht noch einmal, nur einmal, etwas Sch├Ânes, etwas Spannendes erfinden? Ich w├╝rde mich auch bem├╝hen, die Geschehnisse mit meinen begrenzten Mitteln mit Leben zu f├╝llen.

Warum erleben wir in den letzten Monaten immer so langweilige Dinge? Geht Dir die Phantasie aus? Ist die neue daran Schuld? Findest Du sie interessanter als mich? Was hat sie Dir denn zu bieten? Was macht Ihr denn zusammen, wenn Du die Wohnung verl├Ąsst?

Ich w├╝rde Dir zu gerne ├╝ber die Schulter schauen, um zu sehen, was Du nun wirklich an Deinem Computer treibst. Du wimmelst mich aber immer ab. Erz├Ąhlst mir irgendwelche Ausfl├╝chte dar├╝ber, dass Du zur Abwechslung mal einen Essay schreiben m├Âchtest.
Statt dass wir mal so richtig was spannendes zusammen erleben, schreibst Du lieber einen Essay.

Ich merke schon, Du willst nicht, dass ich sehe, was Du schreibst. Es ist Dir sichtlich peinlich. Aber ich kann mich nicht zusammennehmen. Ich will endlich wissen, was Du schreibst, wenn wir nicht zusammen Geschichten erleben. Du wirst sehr nerv├Âs, wenn ich mich Deinem Monitor n├Ąhere! Sei beruhigt. Ich werde nur schnell schauen, was da steht, und nichts sagen, sondern gleich wieder wegsehen.
Du verbietest mir das? Du bekommst Angst, dass Du mich nicht mehr unter Kontrolle hast? Ha! Richtig! Schon lange nicht mehr! Schon lange hast Du mich nicht mehr unter Kontrolle, hast Du das noch nicht gemerkt? Lass mal schauen, was Du da geschrieben hast!

Wie bitte? Du schreibst unsere Unterhaltung einfach mit? Wieso schreibst Du unsere Unterhaltung mit? Und das auch noch Wort f├╝r Wort? Glaubst Du etwa, jemand w├╝rde das lesen wollen? Nein glaubst Du auch nicht? Recht hast du, das w├╝rde keiner lesen wollen. Solch ein Quatsch. Warum schreibst Du Wort f├╝r Wort auf, was ich sage? Warum schreibst Du, dass Du Dich von mir verabschieden musst?
Hey! Du willst doch nicht einfach unsere Unterhaltung l├Âschen? NEIN! LASS DAS!
Nicht meine Datei l├Âschen! Du willst mich doch nicht etwa ..."



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annabelle g.
Guest
Registriert: Not Yet


lieber philipp, als jemand, der auch sehr neurotisch reagiert, wenn jemand meiner tastatur zu nahe kommt, kann ich den antihelden gut verstehen. auch mit der "unterhalte mich, mein leben ist so leer!"-einstellung der ich-figur kann ich nichts anfangen. mit anderen worten, ich w├╝rde diese datei auch l├Âschen.
vielleicht ist das deine absicht. sollte sie es nicht sein, ist der text zu einseitig.
auch m├╝sstest du noch einmal wegen einiger wiederholungen ├╝ber den text; zwei abs├Ątze habe ich dir mal eingestellt.
sch├Âne gr├╝├če und sch├Ânen tag, annabelle


Endlich frei.

"Du nennst mich P. Einfach nur P. Mein Nachname war Dir nie wichtig. Ich glaube Du hast Dir nie Gedanken dar├╝ber gemacht, oder? Ob mein Name nun f├╝r Patricia oder f├╝r Petra steht, hat Dich nie gek├╝mmert.
Am Anfang fiel es mir nicht auf, da wir viel Spa├č zusammen hatten. Wir hatten fantastische Stunden und Tage zusammen. Wir haben die sch├Ânsten Momente zusammen erlebt. Manchmal war auch es einfach nur spannend. Aber immer haben wir uns gut verstanden und ich hatte das Gef├╝hl, dass Du mich durch all unsere gemeinsamen Erlebnisse erst so richtig kennengelernt hast.

Aber es hat sich was ge├Ąndert, das merke ich deutlich. In letzter Zeit erleben wir immer weniger zusammen. Manchmal arbeitest Du stundenlang am Computer, ohne dass Du oder ich auch nur einen einzigen Ton sagen. Meistens wei├č ich gar nicht so recht, woran Du ├╝berhaupt arbeitest. Das war fr├╝her anders. Damals haben wir alles geteilt, die unangenehmen, wie die guten Ereignisse, einfach alles.

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philipp
Festzeitungsschreiber
Registriert: Aug 2002

Werke: 5
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Hallo annabelle,

Vielen Dank f├╝r Dein Feedback, in Bezug zu Deinen Korrekturen muss ich Dir recht geben, das werde ich nochmal ├╝berarbeiten.

Zu der Figur und dem Sinn des Textes selbst: Der Text hat noch eine andere, nicht ganz so offensichtliche Dimension (Tip: kennst Du Pirandello?).

Wenn Du keine Lust hast, den Text nochmal zu lesen, dann schicke ich Dir die Aufl├Âsung per E-Mail. Will es hier noch nicht veraten, damit die anderen Leser noch etwas davon haben...

Gruss,
philipp.

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annabelle g.
Guest
Registriert: Not Yet

schicke! ich liebe pirandello, er war meine januar-entdeckung (kurzgeschichten!). annabelle

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Zefira
???
Registriert: Jan 2001

Werke: 14
Kommentare: 1113
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Ich glaube es schon zu verstehen. Aber ich finde es ein bi├čchen ungl├╝cklich formuliert, da├č die "Ich"-Person eine schriftliche Erlaubnis braucht, um sich einen anzutrinken. Warum verlangt sie nicht - was ich f├╝r sinnvoller halten w├╝rde -, da├č er sie f├╝r die Dauer seiner Abwesenheit irgendwo hinschreibt, wo sie auch mal was erleben kann?
Gr├╝├čchen,
Zefira

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herb
???
Registriert: Jul 2002

Werke: 32
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hallo philipp,

das ist gut geschrieben, liest sich spannend, da ist ein r├Ątsel versteckt, das macht mich verr├╝ckt, lach, ich krieg es nicht raus. die am weitesten gehende andeutung ist das mit der hausbar, ich erwartete zum schluss eine l├Âsung in der richtung, es handle sich um eine katze oder irgend ein tier, aber du l├Ąsst es offen, ganz sch├Ân gemein
__________________
hier Es gibt nichts Gutes, au├čer man tut es. K├Ąstner

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