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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Endpunkt
Eingestellt am 29. 03. 2013 14:35


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IDee
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jun 2009

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Endpunkt

Ein Knistern erweckt meine Aufmerksamkeit. Ich hebe den Kopf, lege mein Buch beiseite und wende mich dem Ger├Ąusch zu. Langsam erhebe ich mich von der Bank in unserem Garten. Es ist ein alter Garten. Mit massigen hohen B├Ąumen, in dichtem Gr├╝n. Zarte Blumen, die verf├╝hrerisch ihren Duft verbreiten, mit ihren Farben frohlocken, sie wiegen sachte ihre K├Âpfe im sanften Wind. Genau genommen ist es nur ein Hauch. Insekten summen umher, Bienen scheinen wie magisch angezogen. Schmetterlinge spielen in der westlichen Sonne.
Zwischen den Zypressen stehend sehe ich zum Haus. Erhaben steht es da, mit seinen roten Ziegeln, den wei├čen geschwungenen Fensterrahmen, den Butzenscheiben im Erdgeschoss.
Knistern, wieder dieses Knistern.

Die Kinder, sie sind noch klein, mit drei und vier Jahren. Sie stehen oben im Fenster. Die Blondsch├Âpfe. Ihre H├Ąnde sind erhoben. Sie ist so s├╝├č mit ihren wilden Locken. So h├╝bsch in ihrem rosa Kleid. Und er mit seinem freundlichen Gesicht, den lieben Z├╝gen. Die fein geschwungenen M├╝nder weit ge├Âffnet. Sie lachen? Sie rufen mich? Knistern! Sie schreien!
Die kleinen H├Ąndchen fest gegen die Scheibe gepresst. Mit aufgerissenen Augen, die so leuchtend blau, sehen sie zu mir herab. Starr! Wie angewurzelt! Unf├Ąhig zu denken, zu reagieren! So stehe ich da. Der sanfte Duft der Zypressen weht an mir vorbei.

Ein kurzer Blick zum Swimmingpool. Ich sehe dich im Wasser. Wasser wie das Himmelsblau. Fast ist es wie erwachen. Ich laufe zum Haus. Ich halte inne. Jetzt sehe ichs!
Wie Schlangenzungen leckt, und z├╝ngelt es entlang dem knorrigen Efeu. Knistern. Die Kletterrosen lassen ihre K├Âpfe h├Ąngen. Dann schl├Ągt es empor. Rot gl├╝hend, hei├č und ohne Gnade fressen die Flammen sich durchs Haus.
Risse bilden sich auf den Fensterscheiben. Mein K├Ârper ist schwer. Ich frage mich, wo du bleibst? Du musst es doch sehen! Ein bei├čender Geruch breitet sich aus. Du musst es doch riechen! Kraftlosigkeit ├╝berf├Ąllt mich, wie ein Dieb in dunkler Nacht. Erneut wende ich mich um. Du bist im Pool. Du bewegst dich nicht! Ein Schritt zur├╝ck, ein Schritt vor.
Funken fallen wie gl├╝hender Schnee auf meine Arme. Vergl├╝hen auf der Haut.
Kein Knistern mehr. Krachen! Es st├╝rzt etwas vom Dach. Die Schlange kriecht durch alle Ritzen.
Die K├Ârper! Sie sind verschwunden! Mir stockt der Atem. Ein Schrei aus meinem Mund, so tonlos wie ein Atemhauch in eiskalter Winternacht. Meine Arme rei├če ich empor, als wollt ich flehen.
Krachend bricht das Dach zusammen. Die schwarzen Balken, gleich einem Gerippe reckt es stinkend in den Himmel. Asche f├Ąllt auf mich herab, als w├Ąren es l├Ąngst getrocknete Tr├Ąnen.

Ich wei├č es war nicht so! Doch f├╝hlt es sich so an. Erstarrt sa├čen wir an euren Bettchen. Rotgl├╝hende Gesichter unterstrichen von wei├čen Decken. Der lange Wimpernkranz verdeckte die dunklen Schatten unter euren Augen. Wie Puppen aus Wachs lagt ihr da. Nacht war es, dunkle Nacht. Ein schwaches Licht erhellte den Raum, gerade soviel das wir uns sehen konnten. Verloren sa├č ein rosa Hase auf dem Kissen. Ein Feuersturm tobte in den kleinen K├Ârpern. Flehend, betend hielten wir die kleinen H├Ąnde, selbst als sie schon schlaff vom Fieber fortgerafft.

Stumm der Zug. Frieren trotz glei├čender Hitze. Erstarrt mein Gesicht. Worte, die vielen Worte gleiten an mir vorbei. Sie fliegen, wie Schmetterlinge die spielend um die Bl├╝ten, schweben. Sie summen und surren. Wir sehen uns nicht an. Wir sehen niemanden an. Ein sanfter Duft von Zypressen weht an mir vorbei. Und du bist ertrunken in unseren Tr├Ąnen und nicht im Pool.

Wind kommt auf, fast wie Erl├Âsung. Von fern h├Ârt man ein Glockenspiel, es klingt wie helles Kinderlachen. Still halten wir uns an der Hand. Wir sehen in die Ferne, den wei├čen Ascheflocken hinterher.

Was ist geblieben? Nichts was der M├╝he lohnt ÔÇŽ

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