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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Endstation
Eingestellt am 16. 08. 2012 21:57


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ebbajones
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Mar 2012

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Endstation

ÔÇ×Haste mal einen Zehner? Siehst aus als k├Ânntest du locker einen entbehren!ÔÇť
Eine forsche, leicht sarkastisch formulierte Bitte, subtile Gewalt.
Wie paralysiert steht er da und starrt sein Gegen├╝ber an.
Aus dem Nichts ist der Penner pl├Âtzlich vor ihm auf dem Bahnsteig aufgetaucht. Das sp├Ąrliche Haar des Mannes ist speckig und reicht ihm bis auf die Schultern, ein leicht s├╝├člicher Geruch geht von ihm aus.
Es war sp├Ąt geworden, schon weit nach Mitternacht, trotzdem
hat er statt einem Taxi die U-Bahn genommen, an Tagen wie diesem braucht er das. Nach der ganzen Speichelleckerei, in einer k├╝nstlichen Welt bei gro├čkotzigen Investoren und ihrer langweiligen Lasterhaftigkeit, schafft er es nicht auf direktem Weg in sein repr├Ąsentatives hypermodernes Loft.
Dann giert es ihn nach der Dominanz vom Dreck in abgenutzten Waggons, dem kurzzeitigen, zufallsbedingten Aufeinandertreffen verschiedenster Individuen und der Option an jeder beliebigen Haltestelle in die Anonymit├Ąt der Nacht aussteigen zu k├Ânnen. Wie hier an dieser Endstation.
Angewidert will er einen Schritt zur├╝ck machen und erstarrt dabei mitten in der Bewegung, jemand ist direkt hinter ihm, Zeit f├╝r physische Furcht, eine tierische Reaktion vom Mensch ├╝bernommen. Doch Furcht bedeutet st├Ąndige Verwirrung und hat zu lange sein Leben verd├╝stert. Er hat gelernt sie zu dirigieren, denn Verwirrung ist das Letzte was er in seinem straff durchorganisierten Leben gebrauchen kann. Einem bruchst├╝ckhaften Dasein, im Unternehmen risikofreudig und erfolgreich, sexuell kompromisslos ausgerichtet auf Lust und Vergn├╝gen, zwischenmenschlich introvertiert und misstrauisch.
Ein Leben in Fragmenten.
Doch genau in diesem Augenblick kann er sp├╝ren, wie lebendige, geballte Energie ihn durchflutet, ein berauschendes Gef├╝hl, so als ├Âffne sich die T├╝r zu einer anderen Dimension. Scheinbar arglos geht er auf das Spiel ein und klopft suchend mit der freien Hand die Tasche seines Kaschmirmantels ab.
Nat├╝rlich wei├č er genau wo seine Brieftasche steckt.
Sicher und gut gef├╝llt und in der rechten Ges├Ą├čtasche seiner ma├čgeschneiderten Hose. Er sucht stattdessen das hochwertige Designermesser, eine wundersch├Âne Arbeit, mit Griffschalen aus W├╝steneisenholz, gebogenem Messer und traditioneller Einlegearbeit. Ein Messer f├╝r richtige M├Ąnnerh├Ąnde, durch ein Back-Lock arretiert die Klinge zuverl├Ąssig. Eine Investition seiner letzten Flamme, die unter manch anderem auch sein Faible f├╝r Waffen nicht geteilt, aber geduldet hatte, schlie├člich w├Ąre er eine gute Partie f├╝r sie gewesen. Nat├╝rlich ha er das Messer nach Trennung behalten, was sollte sie auch damit? Als die Gebissruine einen Schritt auf ihn zu macht, str├Âmt ihm eine Welle unertr├Ąglichen Gestankes entgegen, doch er r├╝hrte sich nicht von der Stelle, denn wer oder was sich auch immer hinter ihm befindet, scheint vom selben Kaliber zu sein.
Kurz musste er an die Beretta in seinem Nachttisch denken.
Sie hat ein Kaliber von 9mm, doch da nutzen sie ihm jetzt wenig.
Wie zuf├Ąllig macht er einen Schritt zur Seite, endlich hat er den zweiten Penner aus seinem R├╝cken. Es ist eine Frau, das weibliche Pedant zu der Gebissruine. Sie hat eine Haut wie Pergament und tiefe dunkle Ringe unter den ├╝berraschend sch├Ânen wasserblauen Augen. Sie ist nicht besonders gro├č und kr├Ąftig,
wirkt aber nicht weniger bedrohlich, denn er kann ihre H├Ąnde nicht sehen.
Sie stecken in den verd├Ąchtig ausgebeulten, ├╝bergro├čen Taschen ihres schmierigen Mantels. Um Zeit zu gewinnen, stellt er ganz langsam seine lederne Businesstasche mit dem Zahlenschloss neben sich auf dem Boden ab.
Sie wird ihm sowieso nichts n├╝tzen.
Dummerweise hat er darin seine neuste Errungenschaft verstaut, brandneu,
noch nicht einmal ausgepackt, einen Schlagring aus Metall mit verst├Ąrktem Kn├Âchelbereich und angebrachten Spitzen.
ÔÇ×Ein paar Groschen w├╝rden es auch tun, haben verdammt viel Pech gehabt in der letzten Zeit!ÔÇť, schnieft da die Alte mit einem Blick auf die beiden Schlafs├Ącke, die zusammengekn├╝llt in einer Nische des Bahnsteiges liegen.
Es ist verdammt kalt hier unten, kalt wie in einer Gruft, wahrhaftig Endstation, schie├čt es ihm zynisch durch den Kopf, gef├╝llt mit Aggression und Hass ist kein Platz in ihm f├╝r Mitleid.
Endlich ertastet er den kalten harten Stahl seines Supermessers.
Die Alte zieht aus ihrer rechten Manteltasche eine zerl├Âcherte Wollm├╝tze und st├╝lpt sie umst├Ąndlich auf ihr graues Haar.
Wie von selbst scheint das Messer in seine Hand zu gleiten.
Grelles, intervallartig aufblitzendes Licht und kreischende Bremsen dringen in sein Bewusstsein, j├Ąhes Ende einer todbringenden Symbiose.
Das kalte Antlitz nackter Gewalt blickt ihm f├╝r einen kurzen Moment aus der Fensterspiegelung des Bahnwaggons entgegen, bevor das Licht darin erlischt.

__________________
ebbajones

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justooktavio
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo,
Zuerst: ich fand die geschichte an sich ganz gut, aber ich glaube f├╝r den beschriebenen konflikt braucht es ein wenig mehr tiefgang was den protagonisten betrifft. Also vielleicht ein wenig mehr auf sien innenleben eingehen. Was mir aufgefallen ist, und was ich an sp├Ąterer stelle gleich nochmal aufzeige, ist dass einerseits nicht ganz herauskommt, ob manche formulierungen nun empfindungen des protagonisten oder des erz├Ąhlers sind, weil du z.b. zum ende ziemlich distanziert schreibst, zwischendrin aber schon fast gef├╝hle des mannes mit den formulierungen beschreibst.
Vom Stil hat mir die geschichte an sich auch ganz gut gefallen, aber da habe ich von dir auch bessere gelesen
(was nicht hei├čt, dass die hier schlecht ist)

Die zweite Sache ist die Zeitform. Und das ist wichtig, weil da ein paar mal gewechselt wird. Schau nochmal dr├╝ber!

hier ein paar hinweise:

quote:
er eine gute Partie f├╝r sie gewesen. Nat├╝rlich hat er das Messer nach der Trennung behalten, was sollte sie auch damit? Als die Gebissruine S.O. einen Schritt auf ihn zu macht, str├Âmte ihm eine Welle unertr├Ąglichen Gestankes entgegen, doch er r├╝hrte sich nicht von der Stelle, denn wer oder was sich auch immer hinter ihm befindet, scheint vom selben Kaliber zu sein.


quote:
Sie hat ein Kaliber von 9mm, doch da nutzen sie ihm jetzt wenig.
das hab ich nicht ganz gecheckt... die patronen nutzen ihm wenig? kommt, wie ich finde, nicht ganz raus...

quote:
Wie zuf├Ąllig macht er einen Schritt zur Seite, endlich hat er den zweiten Penner aus seinem R├╝cken. Es ist eine Frau, das weibliche Pendant zu der Gebissruine
Den ersten teil des absatzes finde ich ganz gut aber Penner klingt so beurteilend und Gebissruine (ein ziemlich eindringliches wort) stand schon oben und dadurch ├╝berh├Ârt man sich schnell daran

quote:
den ├╝berraschend sch├Ânen, wasserblauen Augen. Sie ist nicht besonders gro├č und kr├Ąftig, den absatz w├╝rde ich weg machen
wirkt aber nicht weniger bedrohlich, denn er

quote:
seine lederne Businesstasche mit dem Zahlenschloss neben sich auf dem Boden ab. 1. ich w├╝rde einfach Aktentasche/koffer sagen, Buissnestasche klingt unbeholfen und ├╝bertrieben darauf ausgerichtet etwas zu sagen, das schon von sich aus heraus kommt
2. den absatz w├╝rde ich auch weg lassen

Sie wird ihm sowieso nichts n├╝tzen.

quote:
Dummerweise hat er darin seine neuste Errungenschaft verstaut, brandneu, absatz weg
noch nicht einmal ausgepackt, einen Schlagring aus Metall mit verst├Ąrktem Kn├Âchelbereich und angebrachten Spitzen.
was ist das eigentlich f├╝r ein Gesch├Ąftsmann? ├╝bler bursche... oder kommen hier gewaltgel├╝ste heraus?
ich hoffe du verstehst das alles nicht falsch, aber ich glaube, da kann mehr gehen!

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