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Leselupe.de > Kurzprosa
Engel (volle Länge)
Eingestellt am 21. 12. 2005 19:13


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undieEckelins
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Nov 2005

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Mein Engel

Angefangen hat es vor drei Jahren. Damals war ich gerade zwanzig geworden. Ich weiss noch, es war eine Woche nach meinem Geburtstag. Es war ein solcher Tag, wo man sich einfach glücklich fühlen musste. Die Sonne scheinte, die Vögel zwitscherten und es zog alle Leute aus ihren grauen und tristen Wohnungen auf die Strasse. So auch mich. Ich schlenderte durch den Park direkt vor meiner Wohnung und liess meinen Gedanken freien Lauf, so wie ich es immer mache, wenn ich alleine unterwegs bin. Ich setzte mich auf meine Lieblings Bank und schaute den vorbeigehenden Leuten zu. Ich liebe es, Leute zu beobachten. Ich versuche mir vorzustellen, was sie vorhaben, oder woher sie kommen. Eine alte Dame führte ihren Hund spazieren und ein kleines Mädchen zieht an der Hand ihrer Mutter. Da räuspert sich ein Mann neben mir. Ich war so in meine Gedanken versunken, dass ich ihn gar nicht bemerkt hatte. Er war Mitte zwanzig und hatte dunkle Augen. Die Augen waren das erste was mir aufgefallen ist. Sie waren so dunkel das man seine Iris nicht erkennen konnte. Er lächelte mich verlegen an und fragte mich, was für Zeit es sei. Ich antwortete, er bedankte sich und verabschiedete sich von mir. Ich sah im nach, er trifft sicher seine Freundin oder sogar seine Frau. Oder vielleicht hat sie ihn ja versetz und er wartete vergeben auf sie. Nein, er machte einen Glücklichen Eindruck, oder?
Nach dieser Begegnung im Park habe ich ihn etwa einen Monat nicht mehr gesehen. Aber irgendwie suchten meine Gedanken immer wieder nach ihm. Ich ging fast jeden Tag nach der Arbeit in den Park und setzte mich auf diese Bank, in der Hoffnung ihn wieder zu sehen. Ich habe in nie getroffen. Bis an jenem Samstag im September. Ich sass wieder im Park. Es war kalt geworden und ich wickelte den Schal fester um meinen Hals. Ich wollte gerade nach Hause gehen und mir einen Kaffe machen. Da kam er und setzte sich neben mich. Ich überlegte ob ich ihn ansprechen sollte. Da sagte er:
„Es ist kalt geworden, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben.“
„Stimmt. Wie geht es ihnen?“
„Gut, danke. Ich habe gehofft sie hier zu sehen. Vielleicht könnten wir zusammen einen Kaffe trinken?“
„Ja, einverstanden. Gehen wir.“
Wir tranken zusammen einen Kaffe und redeten über Gott und die Welt. Man konnte gut mit ihm reden, er konnte zuhören. Er hiess Fabian, war 24 und studierte Geschichte und Psychologie an der örtlichen Universität. Er erzählte mir von seinen Erlebnissen und ich berichtete von meiner Familie. Zum Schluss verabredeten wir uns für den nächsten Samstag.
Die Woche dazwischen verflog im nu, ohne das irgendetwas passierte.
Wir trafen uns im selben Kaffe wie letztes Mal, redeten und lachten gemeinsam.
Die Treffen wurden immer häufiger und wir lernten uns immer besser kennen.

Eines Tages, eine Woche vor Weihnachten, fragte er mich, ob ich zu ihm ziehen wollte. Ich war ziemlich überrascht und total glücklich. Am 3. Januar schliesslich packte ich meine Sachen zusammen, übergab meinem Nachmieter den Schlüssel und zog endgültig zu Fabian. Wir erlebten eine schöne Zeit zusammen. Eine wirklich schöne Zeit die ich nie vergessen will.
Wir wollten im Frühling heiraten. Alles war geplant. Das Kleid ausgesucht, die Kirche und der Saal gemietet, es war einfach alles vorbereitet. Aber dann im Sommer letzten Jahres kam die schreckliche Nachricht. Fabian war an Krebs erkrankt. Zuerst hofften wir noch es sei Gutartig. Aber dann ging es ihm immer schlechter. Wir beschlossen unsere Hochzeit vorzuverlegen. So heirateten wir in kleinem Rahmen in der Kapelle am Stadtrand. Es war trotzt Fabians Krankheit der schönste Tag meines Lebens. Ich hatte ein weisses Kleid an. Fabian einen wundervollen Anzug. Das Wetter war traumhaft und auch Fabian konnte seit langer Zeit wieder lachen. Wir flogen am nächsten Tag in die Flitterwochen. Wir genossen die gemeinsame Zeit die uns noch blieb.
Dann, wir waren erst eine Woche zuhause, starb Fabian. Obwohl ich gewusst hatte, dass es jeden Tag soweit sein konnte, brach meine Welt zusammen. Ich war bei ihm und hielt seine Hand. Er sagte, dass er mich liebte, schloss die Augen und schlief friedlich ein. Einfach ein, für immer. Ich wollte es nicht war haben. Wieso Fabian, wieso? Ich ging nicht mehr arbeiten, kochte und putzte nicht mehr. In der Wohnung war alles noch so wie sie Fabian verlassen hatte. Ich hatten innert kürzester Zeit fünf Kilo abgenommen und die Wohnung so gut wie nie verlassen. In meinen Träumen, in meinen Gedanken, immer war Fabian bei mir. Er redete mit mir, und mit der Zeit glaubte ich ernsthaft er wäre noch bei mir. Ich könnte ihn berühren. Aber er war weg. Er war weg.
Meine Schwester brachte mich schliesslich zu einem Arzt. Er überwies mich in Psychiatrische Behandlung.
Jetzt, ein halbes Jahr nach Fabians Tod sitze ich hier und schreibe alles auf. Es tut gut meine Gedanken zu ordnen. Alles in die richtige Reihenfolge zu bringen. Aber trotz allem, ich trage Fabians Ring an meinem Finger und er ist immer noch bei mir. Er ist mein Engel. Er wird für immer mein Engel sein.

__________________
Der Gipfel des Humors - wenn ein Pessimist einen anderen Pessimist zum lachen bringt.

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bonanza
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starkes thema - flache bearbeitung.

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