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Leselupe.de > Horror und Psycho
Engelsschlucht
Eingestellt am 19. 10. 2002 13:08


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Loni
Hobbydichter
Registriert: Oct 2002

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KAPITEL 1

Nur noch wenige Stunden, dann war es vorbei. Dann hatte alles ein Ende, der Schrecken, das Unheil und sein Leben. In wenigen Stunden w√ľrde dar√ľber entschieden sein wie er sterben solle, der Graf hatte es so bestimmt.
Jetzt hing er da, angekettet an Armen und Beinen, an der Wand fixiert. Man hatte ihn vorsorglich auch eine schwere Kette umgeh√§ngt, aber das war nicht n√∂tig. Er wollte und konnte sich nicht mehr wehren. Seine Gedanken kreisten um das hier und jetzt. Keine Vergangenheit und keine Zukunft. Doch die schwere Dunkelheit trug ihm immer wieder in die Zeit zur√ľck, zur√ľck zu jenem schrecklichen Sommermorgen an dem das Unheil begonnen hatte, an dem Tag an dem er IHR begegnet war. Und SIE war hier, er konnte sie nicht sehen aber er sp√ľrte ihre Anwesenheit. SIE war da und wartete darauf ihn zu sich zu holen und zu bestrafen.
Genau konnte er sich an den Tag erinnern an dem er den gr√∂√üten Fehler begangen hatte. An dem er SIE getroffen, ihre Macht herausgefordert hatte. Und jahrelang konnte Sie IHN beherrschen, IHRE Macht f√ľr seine Ziele missbrauchen, doch jetzt hatte er verloren und er erwartete die Strafe daf√ľr.
Er dachte aber auch an die schönen Zeiten die ihm die neue Macht beschert hatte. Er hatte in Wohlstand gelebt, jede Frau hatte er bekommen die er wollte und vieles mehr..
Doch davon war ihm nichts geblieben, alles hatten sie ihm genommen. Alles. Und jetzt w√ľrden sie ihm sein Leben nehmen. Doch es war ihm egal, Hauptsache es hatte ein Ende.
Kraftlos lie√ü er sich in die Ketten h√§ngen und wartete auf den n√§chsten Morgen, den Morgen der √ľber sein Schicksal entscheiden w√ľrde. Der Tag an dem er sterben sollte.


KAPITEL 2

Es war ein lauer Sommermorgen, als sich Thomas auf den Weg machte. Er hasste diese Suchaktionen. Den ganzen, wundervollen Tag in der Bibliothek des Abtes zu verbringen um dort nach Textpassagen zu suchen, die ihn nicht interessierten, die er aber täglich rauf und runter beten musste. Er hasste diesen Ort, er hasste das Kloster, die Mönche die darin lebten und was viel schlimmer war, er verachtete den Menschen der ihm das angetan hatte, den alten Grafen.
Graf Lugbauer war ein alter Mann, der Kinder √ľber alles hasste. Er hatte in jungen Jahren seine Familie bei einem √úberfall verloren und seitdem war er ein gef√ľrchteter Mann.
Thomas war von seiner Familie getrennt und ins Kloster gesteckt worden. Das allein traf Thomas nicht so schlimm, er träume immer schon von einer Priesterlaufbahn. Seit er den Wanderprediger, der einmal sein Dorf besucht hatte, gesehen und dessen Worte und Predigten gehört hatte verfolgte er täglich seinen Wunsch.
Aber dieser Traum war zerplatz, gleich am ersten Tag seines Eintreffens. Der Graf hatte ihn in Ketten zu den M√∂nchen bringen lassen, und diese behandelten ihn wie einen Laufburschen, anstatt eines Abiturenten. Thomas musste den Garten pflegen und allerlei Boteng√§nge erledigen. Und er musste gerade stehen, wenn ein ach so frommer M√∂nch, wie sich Thomas auszudr√ľcken dachte, seine Hormone nicht mehr im Zaum halten konnte. Nicht einmal war er brutalst misshandelt worden, aber er hatte es aufgebeben sich zu wehren, denn wenn er es tat wurde er hart bestraft.
Am meisten hatte er aber vor den Keller des Klosters Angst. Denn dort wurden mehrmals im Monat Orgien abgehalten. Und oft schon musste Thomas diese √ľber sich ergehen lassen. Schon so oft hatte er versucht zu fliehen aber ohne Erfolg; immer wieder hatten sie ihn eingefangen und hart bestraft.
So wie heute. Er sollte den Tag in der großen Bibliothek mit Studien verbringen.
Er hasste es. Widerwillig betrat er den gro√üen Saal und sah sich um. An jeder Ecke stand ein M√∂nch, die ihn genau beobachteten und alles berichten w√ľrden, w√ľrde er es nur wagen unerlaubt zu niesen oder gar zu reden.
Langsam ging er zum ersten Regal, nahm sich eines der B√ľcher, die auf seiner Liste standen, und machte sich dann auf die Suche nach den anderen. Es dauerte fast eine Stunde, bis er alle beisammen hatte. Ohne auch nur den Blick zu heben, begab er sich zu dem Tisch der in der Mitte des Raumes stand und setzte sich.
Nachdem er sich seine Schreibunterlagen bereitgelegt hatte öffnete er das erste Buch.
Und pl√∂tzlich war SIE da. Nein ihr Bild lag vor ihm. Ein wundersch√∂nes M√§dchen in einem Schwarzen Kleid war auf der alten Pergamentseite abgebildet. Aber was Thomas am meisten an dem Bild faszinierte war, das sie schwarze Fl√ľgel an ihrem K√∂rper hatte, die anscheinend mit ihrem R√ľcken verwachsen waren. Und sie war wundersch√∂n. Sie hatte langes schwarzes Haar, das sie offen √ľber ihre Schultern h√§ngen lies. Sie trug ein schwarzes Kleid, das eng an ihrem wundersch√∂nen K√∂rper anlag. Thomas sah sich das Bild genauer an, und bekam pl√∂tzlich wildes Herzklopfen. Eine so wundersch√∂ne Frau hatte er noch nie gesehen. Er konnte den Blick nicht mehr von dem Bild l√∂sen, suchte nach Einzelheiten √ľber dieses M√§dchen. Und unter dem Bild stand in alter Schrift ihr Name eingraviert in einer goldenen Tafel. Alexia, so lautete ihr Name. Er klang vertraut f√ľr Thomas, immer wieder fl√ľsterte ihren Namen. Pl√∂tzlich war ihm so, als w√ľrde das M√§dchen ihn aus dem Buch heraus beobachten. Nein es konnte nicht sein; Thomas stie√ü das Buch von sich weg und sah sich um. Aber er konnte noch immer den Blick des M√§dchens auf sich sp√ľren. Er begann zu zittern und sah sich hilfesuchend um. Die M√∂nche rings um ihn sahen ihn nur an, zeigten aber keine Reaktion. Thomas¬ī Herz begann schneller zu schlagen und seine Finger bohrten sich in die Lehne des Holzsessels in dem er sa√ü. Der Raum begann langsam an Form zu verlieren, die schweren Holzregale verschwanden vor seinen Augen. Dahinter wurde langsam eine alte Steinwand sichtbar. Binnen Sekunden befand sich Thomas in einem alten Keller, nur der Sessel und der Tisch auf dem das Buch lag waren standen noch immer an derselben Stelle. Es roch nach Moder und nach abgestandener Luft und das einzige Licht im Raum bildete eine kleine Fackel, die einige Meter weiter an der Wand befestigt war. √Ąngstlich eilte sein Blick umher, alles war verschwunden. Keine M√∂nche, keine Regale, kein Kloster, nur die steinernen W√§nde, der Tisch der Sessel und eine angenehme W√§rme und Zufriedenheit. Eine Zufriedenheit die er noch nie empfunden hatte. Und pl√∂tzlich stand er ihr gegen√ľber, dem jungen M√§dchen aus dem Buch. Es war ein gewaltiger Anblick, sie war in natura noch hundertmal sch√∂ner als auf dem Bild, die Fl√ľgel weit gespannt, den Blick auf ihn gerichtet. Und ohne den Mund zu bewegen begann sie zu ihm zu sprechen. Thomas h√∂rte die Worte, konnte sie anfangs aber nicht verstehen. Sie war in seinem Hinterkopf die Stimme, ganz leise, aber stetig lauter werdend. Es war als w√ľrde sich Alexia in seine Gedanken einschleichen. Jedoch dieser Zustand w√ľrde Thomas erst zu einem viel sp√§teren Zeitpunkt bewusst werden. Er konzentrierte sich auf die Stimme, sie wurde immer lauter und immer deutlicher, bis er das M√§dchen verstehen konnte. Es war eine uralte Sprache eine die Thomas nie gelernt hatte, aber er verstand jedes Wort das sie sprach. Es waren beruhigende Worte, sie gaben ihm Kraft, unbeschreibliche Kraft. Sein Hass wuchs immer mehr; er musste etwas zerst√∂ren.
Pl√∂tzlich hob Alexia ihre Hand und deutete Thomas mit zu kommen. Vorsichtig stand er auf und ging langsam auf sie zu. Er wollte sie so viel fragen, doch er kam nicht dazu, sie nahm ihn an der Hand und f√ľhrte ihn den Gang entlang. Sie waren einige Minuten unterwegs. Thomas sah sich genau um, konnte sich aber nicht erinnern jemals hier gewesen zu sein. Er vermutete in einem unterirdischen Gang zu sein, die W√§nde waren nass und kalt, gebaut mit alten Ziegelsteinen und Lehm. Alle Meter waren Fackeln angebracht die das einzige Licht im Gang spendeten.
Nach einigen Minuten Stille erreichten die beiden einen gro√üen Raum in den der Gang m√ľndete. Er war viel gr√∂√üer und hell erleuchtet. In der Mitte des Raumes standen Kerzenleuchter und eine gro√üe Truhe. Eine Holztruhe wie sie Thomas von seinem Vater noch kannte. Verziert mit Gold und Silber und vielen verschiedenen Motiven die von Alter und Weisheit zeugten. Jedoch war sie verschlossen mit einem goldenen Schloss. Alexia breitete ihre Fl√ľgel aus und zog Thomas zu sich. Sein Herz begann kr√§ftig zu schlagen, er konnte es laut h√∂ren wie es h√§mmerte. Langsam zog Alexia Thomas noch fester an sich und dr√ľckte ihn fest gegen ihren warmen K√∂rper.
Wieder konnte er ihre Stimme h√∂ren aber diesmal ‚Äěredete‚Äú sie mit ihm.
Sie hatte eine wundersch√∂ne, klare helle Stimme, Thomas schloss die Augen um sich ganz der Stimme hinzugeben. Sie erz√§hlte ihm das sie ein Geschenk f√ľr ihn h√§tte, nur m√ľsse er ihr etwas daf√ľr versprechen. Thomas war wie in Trance, in einem Rauschzustand, in dem er zu allem bereit gewesen w√§re. Er konnte sich nicht mehr wehren, er war dem sch√∂nen M√§dchen Namens Alexia verfallen. Sie hatte nicht gefragt, sie hatte sich einfach seiner Gedanken bem√§chtigt und sich seine Seele genommen. Pl√∂tzlich sp√ľrte Thomas etwas in seiner Hand. Alexia l√∂ste den Griff und Thomas √∂ffnete seine rechte Hand. Er traute seinen Augen nicht als er pl√∂tzlich einen silbernen Schl√ľssel in der Hand hielt; Es war der Schl√ľssel f√ľr die Truhe. Irritiert sah er abwechselnd zu Alexia und der Truhe.
Alexia nickte ihm zu, und Thomas begab sich zur Truhe, kniete davor nieder und versuchte das Schloss zu √∂ffnen. Vorsichtig drehte er den Schl√ľssel um seine eigene Achse und konnte h√∂ren, wie das Schloss aufsprang und damit den Inhalt der Truhe frei gab. Thomas nahm das Schloss von dem Riegel und legte es beiseite. √Ąngstlich hielt er den Atem an und √∂ffnete die Truhe. Der Deckel war sehr schwer und knarrte laut, als ihn Thomas aufklappte. Vorsichtig lie√ü er den Deckel nach hinten fallen, und nachdem er sich versichert hatte, das der Deckel nicht mehr nach vorne klappen w√ľrde, wagte er es in die Truhe zu blicken. Der Innenraum war mit schwarzem Samt ausgef√ľllt und weich ausgepolstert. Und in der Mitte der Truhe lag ein Schwert.
Thomas schluckte und sah fragend zu Alexia hin√ľber. Doch sie war verschwunden. Ver√§ngstigt sah er sich um, und erschrak, als sie pl√∂tzlich wieder neben ihm stand und ihn an der Schulter ber√ľhrte. Wieder sp√ľrte er wie eine angenehme W√§rme ihn durchdrang und seine Kraft zu wachsen begann. Vorsichtig griff Thomas nach dem Schwert. Der Griff war kalt, und das Schwert schwer, dennoch nahm Thomas es aus der Truhe und hielt es fest in beiden H√§nden. Und je l√§nger er es hielt umso leichter wurde es. Die Schneide gl√§nzte im Kerzenschein, der Griff war vergoldet und an seinem Ende war ein gro√üer Drachenkopf. Thomas wendete die Schneide gegen den Boden um sich den Kopf genauer zu betrachten. Pl√∂tzlich begannen die Augen des Drachens zu leuchten. Thomas erschrak so sehr dass er das Schwert fallen lies. Seine Augen waren vom Schrecken geweitet und er zitterte am ganzen K√∂rper. Alexia hob die rechte Hand, deutete auf das Schwert und es begann sich vom Boden zu heben und in Thomas¬ī Augenh√∂he zu schweben. Aber Thomas brachte es nicht fertig nach dem Schwert zu greifen, seine H√§nde zitterten zu sehr.
Alexia lies das Schwert wieder in die Truhe gleiten und ging langsam auf Thomas zu.
Abermals nahm sie ihn in den Arm, aber diesmal um etwas ganz anderes zu tun. Ihr Griff war so fest, das Thomas¬ī Arme zu schmerzen begannen, und erst jetzt bemerkte er, das er einige Zentimeter √ľber dem Boden schwebte. √Ąngstlich sah er sie an, versuchte den Griff zu l√∂sen aber es gelang ihm nicht. Er war ihr hilflos ausgeliefert.
Und wieder stieg der Hass in ihm auf, der Hass auf die Mönche die ihn jahrelang wie Dreck behandelt hatten. Einen Augenblick später war Alexia verschwunden, und Thomas schlug hart am Boden auf. Zielstrebig ging er auf die Truhe zu und nahm das Schwert in die Hand. Er war fest entschlossen, ließ das Schwert in seine Hand gleiten, den Drachenkopf genau beobachtend.
Thomas lies das Schwert ein paar Mal durch die Luft kreisen, bewegte sein Handgelenk spielerisch, auf und ab lies er die Schneide in sanften Bewegungen gleiten. Selbstbewusst verließ er den Raum und sah sich im Gang um. Er wollte etwas zerstören, er wollte töten. Er wollte Rache.
Thomas schloss die Augen, atmete tief ein, und öffnete die Augen wieder. Er war wieder in der Bibliothek. Das Schwert fest in seinen Händen haltend. Dann lief er los. Danach konnte er sich nur mehr an eines erinnern. Zufriedenheit, tiefste Zufriedenheit.

KAPITEL 3

‚ÄěOh mein Gott, was ist hier denn passiert?‚Äú Der Abt des Klosters blickte sich entsetzt in der Bibliothek des Klosters um. Er hatte ein Taschentuch vor den Mund gelegt, Ekel machte sich in seinem Gesicht breit. Der junge M√∂nch neben ihm, sein pers√∂nlicher Sch√ľler, war kreide bleich, hatte aber seinen Magen unter Kontrolle.
In der Bibliothek sah es aus, wie nach einem Gemetzel, √ľberall war Blut verteilt, auch an den alten B√ľchern und W√§nden. Der Boden triefte von der roten Fl√ľssigkeit. Die einzelnen K√∂rperteile die von ihrem fr√ľheren Besitzer abgetrennt worden waren, waren so sorgf√§ltig zerhackt, das es unm√∂glich war, n√§heres zu erkennen. Auch die vielen gespaltenen K√∂pfe lie√üen immer schrecklichere und interessantere Einblicke in das zu, das hier stadtgefunden haben musste.
Dennoch waren alle M√∂nche des Klosters damit besch√§ftigt die Bibliothek zu s√§ubern und um die Toten wegzuschaffen. Hin und wieder konnte man ein St√∂hnen oder ein W√ľrgen h√∂ren.
Langsam sah sich der Abt um, seine Gedanken kreisten um die Opfer; wer war so brutal sie so hinzurichten. Und dann kam ihm ein Gedanke: Wo war dieser L√ľmmel Thomas nur? Er sollte doch in der Bibliothek seine Studien weiterf√ľhren. Den n√§chsten Gedanken schob er aber schnell wieder beiseite, er war zu absurd. Es konnte nicht sein. Wie k√∂nnte ein 16 j√§hriger Bursche so was anrichten, ohne Waffen, ohne Hilfe, alleine.
Im nächsten Moment sah er einen Mönch aus sich zu gehen dessen Gesicht noch weißer war als das der anderen. Er hatte offensichtlich nicht so starke Nerven, denn er trug einen säuerlichen Geruch mit sich.
‚ÄěEs ist eine Katastrophe‚Äú begann er. ‚Äě Hier muss der Teufel pers√∂nlich seine Hand im Spiel gehabt haben. Alle sind tot. Und von Thomas ist keine Spur zu sehen. Aber ich vermute er ist an allem Schuld.‚Äú
Fragende Blicke trafen den jungen Pater, die ihn unweigerlich zusammen zucken ließen. Seine Angst wurde deutlich immer größer.
Dann erz√§hlte er, dass einer der M√∂nche Thomas Namen gerufen hatte, bevor er starb. Der junge M√∂nch, Tobias sein Name, entschuldigte sich und rannte aus dem Raum, der Abt und sein Sch√ľler sahen ihm nach. Die beiden wechselten die Blicke und der Sch√ľler folgte seinem Freund, um ihn zu tr√∂sten und zu beiszustehen.
W√§hrenddessen suchte der Abt nach Spuren, die einen m√∂glichen T√§ter entlarven k√∂nnten und er wurde f√ľndig. Am Tisch in der Mitte des Raumes lagen noch immer die B√ľcher die Thomas ausgesucht hatte und noch immer lag das Bild von der Schwarzen Jungfer Alexia aufgeschlagen. Der Abt schluckte und seine Augen weiteten sich vor Schreck. Er kannte dieses M√§dchen, und das sehr gut. Sie war seine Gef√§hrtin gewesen, als er noch ein junger Mann war, so ungef√§hr in dem Alter in dem Thomas jetzt gerade war. Er hatte ihr damals blind aus Liebe vertraut und beinahe h√§tte sie ihm sein Leben geraubt. Rechtzeitig hatte er sich jedoch retten k√∂nnen, indem er sich in die Obhut Gottes begab und Priester wurde.
Er begann laut zu schreien, rief immer wieder NEIN, bis ihn alle anderen Mönche verwundert ansahen. Es durfte nicht sein, aber er kannte die Antwort auf all seine Fragen bereits.
Alexia hatte ein neues Opfer, einen naiven, jungen Mann der ihr blind vertrauen w√ľrde, alle ihre Befehle aus√ľben w√ľrde, ihr Werkzeug sein w√ľrde. Und er konnte es nicht mehr verhindern. Und eine Sekunde sp√§ter, nachdem er diesen Gedanken fertig gedacht hatte, konnte er alles mit ansehen, die letzen Minuten aktiv miterleben. Er sah wie Thomas sich pl√∂tzlich von dem schweren Holzsessel erhob mit der Teufelsschneide in der Hand. Er kannte es genau, das Schwert, dem er den Namen Teufelsschneide gegeben hatte. Auch er hatte damit get√∂tet, unschuldige aber auch unw√ľrdige Leben beendet.
Und pl√∂tzlich stand sie vor ihm, noch immer bildsch√∂n und lieblich wie vor 50 Jahren, als er ihr verfallen war. Er wollte laut um Hilfe schreien aber niemand h√∂rte ihn. Er war mit ihr allein. Doch das waren sie nicht, in der Ecke stand, wie versteinert, Thomas, und blickte ihn hasserf√ľllt an. In seinen H√§nden hielt er die Teufelsschneide, als w√§re es das selbstverst√§ndlichste f√ľr ihn. Und statt der Kutte trug er neue Kleider, die ihn wie einen Grafen aussehen lie√üen. Und nicht Alexia sprach zu ihm, sondern Thomas.
‚ÄěMarius wie konntest du das tun?‚Äú fragte Thomas. ‚Äě Wie konntest du mich verraten, ich habe doch alles f√ľr dich getan. War ich nicht immer f√ľr dich da, wenn du mich gebraucht hast?
Du hast mich zutiefst entt√§uscht und ver√§rgert und daf√ľr muss ich dich bestrafen.‚Äú
Und noch während Thomas den letzen Satz aussprach, trat er langsam auf den Abt zu.
Marius viel auf die Knie und flehte um Gnade, den Blick starr auf Alexia gerichtet. In seinen Augen spiegelte sich die Todesangst, er wollte nicht sterben. Langsam kam Thomas auf ihn zu und hob das Schwert. Marius schrie auf, als er die Klinge auf sich zu kommen sah. Kurz vor seinem Hals stoppte aber Thomas und setzte die Klinge ruhig an die Halsschlagader.
‚ÄěNiemand soll erfahren was hier passiert ist. Es war ein schrecklicher Unfall, mein ‚ÄěFreund‚Äú hat nichts damit zu tun, und du wirst ihn nicht verfolgen. Du vergisst was hier geschehen ist ansonsten.‚Äú
Diesmal war es aber Alexia die sprach, und sie betonte jedes einzelne Wort, ständig ihren kalten Blick auf Marius gerichtet.
Alexia musste den Satz nicht weiter sprechen, Marius wusste genau, was ihm drohen w√ľrde. Sie w√ľrde ihn finden, egal wo er sich verstecken w√ľrde. Und er k√∂nnte in diesem Fall auch nicht mehr mit dem Schutz seines Gottes rechnen denn Alexias Macht war gr√∂√üer und st√§rker als alles andere das Marius kannte.
‚ÄěJa ich verspreche es dir, nur lass mich am Leben‚Äú flehte Marius. Seine Augen waren mit Tr√§nen gef√ľllt und er hatte sehr gro√üe Angst vor den beiden. Unter Alexias Obhut war Thomas ein starker Mann, der ohne Z√∂gern ein Dutzend M√§nner t√∂ten k√∂nnte, ohne auch nur einen Funken Reue oder Angst zu zeigen.
Nur eine Sekunde später sah er eine Gruppe Männer um sich herum stehen, die ihn verwundert und verängstigt ansahen. Immer wieder riefen sie seinen Namen und erkundigten sich nach seinem Zustand.
Er musste ohnmächtig geworden sein, anders konnte er sich seine Lage nicht erklären. Er lag in seinem Zimmer auf dem Bett und hatte ein kaltes, nasses Tuch auf seiner Stirn liegen.
Nur schwer konnte er die M√∂nche davon √ľberzeugen, dass es ihm gut ging. Danach erkundigte er sich nach dem Stand der Dinge;
Sie hatten einige Verluste zu verzeichnen, bei dem Massaker waren 6 Männer verloren gegangen, Thomas war verschwunden und nicht auffindbar.
Mit einer abf√§lligen Handbewegung betonte Marius, doch diesen L√ľmmel zu vergessen, er h√§tte dem Kloster sowieso nur Scherereien gemacht und ein Nichtsnutz w√§re er sowieso gewesen.
Und damit war das Kapitel f√ľr ihn beendet und sie machten sich an die Arbeit, ihre Br√ľder zu beerdigen und ihnen einen w√ľrdigen Abschied zu bereiten. Und um Ihr n√§chstes Fest im Keller vorzubereiten.......



- Fortsetzung folgt -

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Loni
Hobbydichter
Registriert: Oct 2002

Werke: 1
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Kleiner Nachtrag!

Nach 5 mal Korrekturlesen :-) der weibliche Charakter heißt Alexia. Es passieren leider doch immer wieder noch kleine Fehler *schlimmer Fehlerteufel*


__________________
Liebe Gr√ľ√üe
Martina

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Schweige
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Oct 2002

Werke: 2
Kommentare: 6
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Ein Fantasy-Horror-Thriller im Klostermilieu?
Die Geschichte könnte sehr interessant werden, mit Sicherheit werde ich weiterlesen.

Aber ... (als Anregung)
Die Geschichte (besonders K2) kommt mir vor, wie eine Inhaltsangabe, alle Geschehnisse könnten viel detaillierter beschrieben werden, womit ich nicht ein Abgleiten in Splatter meine, sondern:
Wie sehen die Leute aus? was denken sie gerade? wie sehen die Protagonisten sich selbst und die Räume? mehr wörtliche Rede! was ist mit Thomas und sein Konflikt mit der Kirche, seiner Familie, dem Mönch (Marius? Ganz klar wird das nicht) und seine Beziehung zu Alexia? Etc. etc.

Du hast in wenigen S√§tzen eine Geschichte erz√§hlt, f√ľr die andere ein halbes Buch brauchen.

Aber, wie gesagt, ich bliebe neugierig, werde weiter lesen

Schweige

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bluesnote
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: May 2002

Werke: 23
Kommentare: 77
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Zu Engelsschlucht

Du hast in wenigen S√§tzen eine Geschichte erz√§hlt, f√ľr die andere ein halbes Buch brauchen.

Ich schliesse mich soweit Schweiges Meinung an.
Andererseits..., mehr Abs√§tze w√ľrden diesem Text gut tun.
Es ist so vieles dicht gedr√§ngt – nicht, das mir das nicht auch passieren w√ľrde.

Zeigen, nicht behaupten wäre hier prima zu realisieren, ein gutes Beispiel:

Im nächsten Moment sah er einen Mönch auf sich zu gehen, dessen Gesicht noch weißer war als das der anderen. Er hatte offensichtlich nicht so starke Nerven, denn er trug einen ----- säuerlichen Geruch ----- mit sich.
( Aha, er musste sich also √ľbergeben, hier kann ich mitdenken, bekomme nichts vorgekaut. Ich kann als Leser die Geschichte mitkn√ľpfen. ) Meine Phantasie wird gefordert, jetzt beginne ich, mir die Szene und Situation auszumalen.

Nichts f√ľr ungut, ich will hier nicht den Oberlehrer machen.
Das Thema find ich klasse, bin gespannt auf die Fortsetzung!

Mit freundlichen Gr√ľssen

bluesnote

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