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Leselupe.de > Fantasy und MĂ€rchen
Engelszorn
Eingestellt am 10. 05. 2018 10:11


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joecec
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Engelszorn



Uriel hatte sich in Marie verliebt, kaum dass sie das Licht der Welt erblickt hatte. Ihr unbeholfener Gang, diese wehklagende, sanfte Stimme und ĂŒberhaupt das ganze Wehrlose an ihr zogen ihn vollstĂ€ndig in ihren Bann. Sie zwischen all den Gittern zu sehen und mitzufĂŒhlen, wie sie geschubst und gedrĂ€ngt wurde, schmerzte in den FlĂŒgelspitzen. Das Elend der wenigen Jahre, die ihr bevorstanden, ließ sich an den Älteren ablesen. Da war keine Freude in deren Augen, nur Tristesse, Mutlosigkeit und bisweilen Angst, wenn sie ahnten, dass sie bald an der Reihe waren.

Keine Frage, Bauer Ewald musste weg, Marie gehörte nicht in Gefangenschaft. Uriel entschied sich fĂŒr den kĂŒrzesten aller Dienstwege und schritt selbst zur Tat. Er ließ all seinem Zorn auf Ewald freien Lauf und bereitete dessen Leben ein wuchtiges Ende, indem er ihm einen der sieben Zwerge ins Rektum steckte, weil er das fĂŒr die angemessene Strafe hielt. Der Zwerg wĂŒrde zetern, aber darum wollte er sich spĂ€ter kĂŒmmern. Es war ja nicht das erste Mal.

Die Frau des Bauern kreischte, als sie sah, wie sich ihr Mann im Kreis drehte und fortwĂ€hrend „Raus da!“ schrie, wĂ€hrend ihm zappelnde Beinchen aus dem nackten Hintern ragten. Wie sie erkannte, dass er das nicht ĂŒberleben konnte, nicht insgesamt und auch nicht den Tag, stellte sie das Kreischen ein. Die HĂ€nde noch vor den Erstaunen formenden Mund gelegt, eilte sie in den Flur, griff zum Telefon und rief ihre Freundin an.
„Tilly, das mit dem Urlaub geht klar. Ja, du buchst, ich zahle. Und Tilly, mach vier Wochen draus, das können wir uns leisten.“

Der greise Dorfarzt stellte Tod durch Verstopfung fest, konnte aber keinen nachvollziehbaren Grund dafĂŒr finden. Er unterschrieb mit zittrigen HĂ€nden den Totenschein und der Dorfbulle gab den Leichnam fĂŒr den Bestatter frei. Gott sah vorwurfsvoll auf den unschuldig dreinblickenden Erzengel.
„Dachtest du, das bliebe unentdeckt? Habe ich nicht immer ein offenes Ohr fĂŒr dich und deine 
 außergewöhnlichen Ideen? Musstest du das hinter meinem RĂŒcken machen?“
Uriel wirkte ertappt, aber nicht ernsthaft schuldbewusst. Der Zwerg stand vor ihm, die HĂ€nde in die HĂŒften gestemmt, seinen derangierten Bart und die gerĂŒmpfte Nase prĂ€sentierend.
„WĂ€rst du wohl so freundlich?!“
Uriel strich ĂŒber den Zwerg, ohne ihn zu berĂŒhren und stellte dessen makellosen Anblick wieder her. Der Zwerg roch wieder nach Zwerg, aus dem Mund vielleicht ein wenig nach Schneewittchen.

„Und? Ist es jetzt besser?“ Gott sah Uriel an wie einen Sohn, der dem Nachbarn Milch geklaut hatte.
„FĂŒr Marie ist es besser.“ Uriel sah auf Marie, die frisches, saftiges Gras kaute und auf die anderen Schafe, die auf der Wiese standen oder tobten. Ewald saß neben ihm, die kurzen FlĂŒgel noch etwas unbedarft schlagend und sie sahen auf Marie, die jederzeit zu ihrer Mutter laufen konnte, wenn ihr die Jungs zu wild wurden, weil sie ihnen die Zunge rausgestreckt hatte. Und sie fanden, dass es gut war.
„Ich könnte dir noch hunderte Betriebe zeigen, in denen es wie in meinem zugeht“, schlug Ewald vor.
„Untersteht euch!“, warnte Gott und drehte sich schnell ab, weil sie grinsen musste.
„Wir mĂŒssen dir einen anderen Namen suchen“, befand Uriel, „kein Engel heißt Ewald. Und dann zeigst du mir die anderen Betriebe.“
__________________
"Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt."
Ludwig Wittgenstein

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jon
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HĂŒbsche Idee(n); die AusfĂŒhrung hat mir prima gefallen. Auch wenn es ein paar inhaltliche Unstimmigkeiten gibt. Die grĂ¶ĂŸte und entscheidende: Wieso sollte sich durch den bloßen Tod Ewalds das Schicksal Maries so drastisch Ă€ndern??
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalÀsst (Klaus Klages)

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