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Leselupe.de > Kurzprosa
Enstehung eines Bestsellers
Eingestellt am 02. 08. 2001 22:06


Autor
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Lenny
Junior Mitglied
Autorenanw├Ąrter

Registriert: Jan 1998

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Kommentare: 67
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"Ich bin der Anfang und das Ende, das Alfa und das Omega, der Erste und der Letzte."
Gott sa├č vor seiner altmodischen Schreibmaschine, die ein ├ťberbleibsel seines Vaters war. Er war sich noch unsicher, was er tippen sollte; er wollte den Lesern, die er sp├Ąter hoffentlich zahlreich haben w├╝rde, gerne etwas ├╝ber seine Person n├Ąher bringen. Er wu├čte, da├č seine ersten S├Ątze als sehr ├╝berheblich gewertet werden konnten, und er wusste auch, da├č es f├╝r den Leser nicht einfach werden w├╝rde, blind an diese Aussagen zu glauben. Wahrscheinlich erwartete man von ihm jetzt, da├č er irgendwelche Erkl├Ąrungen und Fakten hinter diesen ersten Satz schreiben w├╝rde. Aber lag nicht in seiner Absicht. Er wollte schreiben, wie es ist, nicht aber, warum es ist. Das Warum sollten die Leute selber herausfinden. Man k├Ânnte ihn als gemein bezeichnen, aber er war der Meinung, da├č das Warum nicht interessant genug war. Sein Leserschaft w├╝rde noch fr├╝h genug dahinter kommen, und bis dahin wollte er ihnen nicht den ganzen Spa├č verderben. Und: Er mu├čte auch noch etwas zu tun haben. Zum Beispiel: rauszufinden, warum er der einzige Mensch auf Erden war, der keinen Vater hatte. Zwar ging er davon aus, da├č er einen Vater hatte, aber er konnte sich partout nicht mehr an ihn errinern. Seine Errinnerung reicht nur dahin zur├╝ck, da├č sein Vater, oder besser: irgendjemand, ihm eine Menge Zeugs dagelassen hatte. Z.B. die veraltete Schreibmaschine, die jetzt vor ihm stand. Ein neuer Laptop w├Ąre ihm lieber gewesen, aber auf der seltsamen Schreibmaschine fielen ihm immer die besten S├Ątze ein. So tippte er spontan die Zeilen:
"Am Anfang war die Erde w├╝st und leer." Er war sich sicher, wenn er jetzt weiterschreiben w├╝rde, k├Ânnte er ein ganzes Buch daraus machen. Einen ganzen Bestseller. Er wusste, viele Leute w├╝rden an die Dinge glauben, die er hier schrieb. So k├Ânnte er Ihnen mitteilen, da├č die Leser seines Buches einfach alle nett zueinander sein sollten. Das sie bestimmte Dinge tun und bestimmte Dinge lassen sollten. Nicht so viel, so um die Dutzend Regeln, vielleicht auch eine oder zwei weniger. Vieles fiel ihm schon spontan ein, (z.B. mu├čte man die Konkurrenz ausschalten) und eine Menge Ideen kreisten in seinem Kopf herum. Es gab da nur ein Problem: Was w├╝rde er ihnen sagen, wenn sie ihn fragten, Warum es so ist? Woher er das alles wu├čte? Wieso es richtig war, was er ihnen schrieb? Es w├╝rde schlichtweg Ewigkeiten dauern, all den Leuten das Ganze zu erkl├Ąren, und er hatte eigentlich gar keine Lust, Ewigkeiten dazusitzen und immer wieder die gleiche Antwort auf die gleiche Frage zu geben. Das w├╝rde ihn einfach auf Dauer langweilen. Nein, es w├╝rde viel mehr Spa├č machen... Und Gott hatte einen teuflischen Plan. Er w├╝rde das Buch schreiben, aber danach... Danach w├╝rde er sich zur├╝ckziehen, verschwinden. Zumindest f├╝r eine kleine Ewigkeit. Er w├╝rde einfach nur zusehen, was die Leute machen w├╝rden, wenn Sie seinen Bestseller gelesen hatten, daran glaubten, sie aber nicht das Warum kannten. Was w├╝rden Sie tun? Ihn verehren, verg├Âttern, durchdrehen, mi├čachten, anbeten, ignorieren, auslachen...? Nun, er konnte seine Leserschaft noch nicht so ganz einsch├Ątzen, aber er glaubte nicht unbedingt, da├č sich die psyschich stabilsten waren. Mit ein wenig Gl├╝ck w├╝rden sie eine Menge verr├╝ckter Dinge wegen diesem Buch tun (denn sie waren ihm in mancher Hinsich sehr ├Ąhnlich.) Und das w├╝rde ER sehr lustig finden.


von Andreas Lennartz

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"Das Fliegen ist eine Kunst, oder vielmehr ein Trick: Der Trick besteht darin, auf den Boden zu fallen, aber daneben." (c) Douglas Adams

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