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Leselupe.de > Gereimtes
Ent-Wicklung
Eingestellt am 21. 08. 2004 16:30


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Svalin
???
Registriert: Sep 2000

Werke: 68
Kommentare: 695
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Komm zu mir am Abend,
mit allem was vom Tage
an dir haften blieb
und schÀme dich nicht.

Wir sind doch Spindeln nur,
die durch Flimmerstaub rotieren
und Leben nennen mĂŒssen,
was sich in Fasern um uns legt.

Deshalb - schÀme dich nicht!
FĂŒr Graues nicht und Schwarzes.
Nicht fĂŒr Verschlissenes und
was dir kratzig scheinen mag.

Braucht uns nicht kĂŒmmern,
ist ein Kokon aus Lebenswolle nur
fĂŒr einen trĂ€umenden Planeten,
der im kalten Universum friert.

Komm, leg dich zu mir.
Die Nacht wird uns entkleiden,
wenn sie durch die Plantagen
erntend geht und an uns zerrt.

Ich möchte neben dir erwachen
und sehen wie schön du wirklich bist:
Ein wenig hölzern vielleicht
und spindeldĂŒrr, atemlos und nackt.

___________________
Anm.: kursiv - nachtrÀgliche VerÀnderungen
weitere Versionen im Thread vorhanden

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Sandra
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Svalin,

dein Gedicht driftet mir in den Bildern zu weit auseinander. Das Bild der Spindel ist das eine, doch die trĂ€umenden Planeten im kalten Universum ein doch sehr anderes. Dann ein Bild von erntenden Plantagen, wieder die Spindeln. Die einzelnen Bilder sind nicht schlecht, auch in ihrer Aussage gut, aber wo ist das Ganze? Die Einheit fehlt mir hier und somit auch das GefĂŒhl.

Lieben Gruß
Sandra

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Svalin
???
Registriert: Sep 2000

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Hallo Sandra,

Vielen Dank fĂŒr deinen Kommentar.

> Die Einheit fehlt mir hier und somit auch das GefĂŒhl.

Ja, das kann ich gut verstehen Ich sitze irgendwie schon seit Monaten vor einzelnen Gedankenfragmenten und kann sie nicht zu einer Szene zusammenfĂŒgen. Vielleicht wird sie mit einigen ErgĂ€nzungen und Änderungen (kursiv) ein wenig deutlicher?

quote:
Ent-Wicklung

Komm zu mir am Abend,
mit allem was vom Tage
an dir haften blieb
und schÀme dich nicht.

Wir sind doch Spindeln nur,
die durch Flimmerstaub rotieren
und Leben nennen mĂŒssen,
was sich in Fasern um uns legt.

Deshalb - schÀme dich nicht!
FĂŒr Graues nicht und Schwarzes.
Nicht fĂŒr Verschlissenes und
was dir kratzig scheinen mag.

Niemand weiß, wozu dieser Planet
mit jeder Drehung weiter
millionenfach die LebensfÀden
von uns nimmt und um sich wickelt:

Wird‘s ein Kokon,
was schlÀft darin?
Und wenn es Zuckerwatte ist,
wer wird sie essen?

Vielleicht ein Knotenteppich,
den einmal jemand lesen wird?
Oder ein gewebtes Sternenhemd
aus einem KnÀuel Lebenswolle?

Nicht wir, die sich betten.
Nicht wir, die er nÀhrt.
Nicht wir, die verstehen.
Nicht wir, die er wÀrmt.


Deshalb – leg dich zu mir!
Die Nacht wird uns entwickeln,
wenn sie durch die Plantagen
erntend geht und an uns zerrt.

Ich möchte neben dir erwachen
und sehen wie schön du wirklich bist:
Ein wenig hölzern vielleicht
und spindeldĂŒrr, atemlos und nackt.
Viele GrĂŒĂŸe
Martin

__________________
Lyrik ist LogopÀdie im Zeitalter der Sprachlosigkeit. [Alexander Eilers]

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Sandra
Guest
Registriert: Not Yet

Martin!! Wieso hast du es denn nicht so gelassen, wie in dieser zweiten (oder eher ersten) Version. Auf mich wirkt es nun so, wie es da steht wesentlich runder. Das Bild des Planeten passt nun perfekt in das Gedicht. Die Fragen, die du stellst, die intensiven Wiederholungen "nicht wir ..." - ein gut gewĂ€hltes Stilmittel - prĂ€gen sich ein, manifestieren sich und ziehen einen Spannungsbogen, der mir vorher in deinem Gedicht gefehlt hat. Ich will nicht sagen, dass es ein völlig neues Gedicht ist, aber durch die ErgĂ€nzungen und auch durch das erweiterte Sprachbild wirkt es auf mich viel intensiver. Vielleicht hast du zu lange an diesem Gedicht gesessen. Manchmal ergeht es mir so, dass ich Gesagtes dann wieder und wieder ĂŒberdenke und es irgendwann fĂŒr mich an Wichtigkeit verliert, obwohl der Leser diese Schwerpunkte braucht und sie dem Text auch seine ganz spezielle Note geben.

Bitte, Àndere es in die erweiterte Version, dann ist es in meinen Augen absolut gelungen. Ich werte in diesem Sinne.

Gute Nacht
Sandra

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Jongleur
Fast-Bestseller-Autor
Registriert: Aug 2001

Werke: 32
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zwei Gedichte?

Hallo Martin,

es ist mir ein wenig opulent, es steckt so viel drin - es ist so viel entwickelt an Bildern, an Ideen, an Modellen - dass es mich verwirrt.
Einmal das Bild, was mir sehr gut gefĂ€llt, weil es einmal nicht mit dem spielt, was man beim Leben, beim tagtĂ€glichen Kampf "lĂ€sst", was abgenutzt, verbraucht wird: Wir gehen durch den Tag, und etwas bleibt an uns haften. Das kann Belastung sein, Ärger, Kummer usw., das könnte auch eine Freude, ein Erfolg, eine Erkenntnis sein. Dein Bild: es haftet dem Du an, legt sich auf oder ĂŒber sein Wesen, seinen Kern.
Dann erklÀrst Du, schaffst ein Modell, in der zweiten Strophe:
Wir sind wie Spindeln [wozu das "nur"?], / die durch Flimmerstaub rotieren

und Leben nennen mĂŒssen,
was sich in Fasern um uns legt.

Dies ErklĂ€rungsmodell fĂŒr "Leben" scheint mir nicht einleuchtend und einseitig. Zum Leben gehört doch allemal mehr als eine Außenbestimmung (legt sich in Fasern um uns - das hat nur noch Negativanmutung, man fĂŒhlt sich gefesselt, blockiert, erwĂŒrgt regelrecht), da ist doch auch ein Umgang mit den Dingen des Lebens, ein Agieren und ein Re-agieren. Selbst "stillhalten" ist eine Reaktion.

...

Dann kommt das Denkmodell, die interessante und bildhafte Darstellung, das alles, was sich an "Leben" um den Menschen wickelt - nun wiederum vom Planeten Erde zurĂŒckgeholt wird, beinah physikalisch, es geht keine Energie verloren ...

Wenn ich versuche, was bei mir als Hauptanliegen, Aussage des Gedichtes ankommt, dann ist es dies:

Da ist einer, ein Ich - das möchte mit einem Du zusammenliegen und in der Nacht ehrlich sein miteinander und den Menschen unter der HĂŒlle entdecken.
- Ein Du möge seine Scheu ablegen und sich trauen, sich ehrlich und nackt im Sinne "ohne Maske" (?) zu zeigen - mit allem, womit es beladen ist oder entkrĂ€ftet, erschöpft. Das Ich ermutigt, komm, leg dich zu mir, ist verstĂ€ndnisvoll, zugewandt auch dem, was der/die andere verbergen, nicht zeigen möchte. Es gibt ein Versprechen, dass die Nacht, das Beieinanderliegen, das Verstehen (das Lieben?) die beiden Menschen ehrlich werden lassen wird. Das L. Ich weiß wahre menschliche "Schönheit" zu schĂ€tzen und die Eigenheiten eines Menschen zu respektieren, den er auch "hölzern" und "dĂŒrr" lieben wird. Ja, er wird dies ehrlich Hölzerne, dies offengelegte DĂŒrre sogar, weil authentisch, als die wirkliche Schönheit der Person empfinden.

Zwei Menschen - ein Wunsch - eine Nacht - ein Liebesgedicht?

Auf jeden Fall lenkt mich die ĂŒbergeordnete Idee des "ent-wickelnden" Planeten ab, fĂŒhrt mich weg vom Thema, macht es mir kompliziert.

Ob der Text mit seinen verschiedenen, interessanten Schwerpunkten nicht Stoff fĂŒr *zwei* Gedichte ist?

GrĂŒĂŸe vom Jongleur

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Svalin
???
Registriert: Sep 2000

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Hallo ihr!

@ Sandra

quote:
Martin!! Wieso hast du es denn nicht so gelassen, wie in dieser zweiten (oder eher ersten) Version.
Es gab ja nie wirklich eine fertige Version Nur viele lose BlĂ€tter mit einer stets weiter ausufernden Metaphernsammlung, die mit jedem Versuch sie zu ordnen oder aufzugreifen, immer ein wenig abstrakter und umfangreicher wurde. In dieser zweiten Version ist tatsĂ€chlich alles Essentielle zusammengedrĂ€ngt. Vielleicht mehr eine Verzweiflungstat, wenn man eine Sache unbedingt zum Abschluss bringen will Dass ein zu langes Sitzen an Texten denen nicht unbedingt gut tut, darin stimme ich völlig mit dir ĂŒberein. Sie wirken dann oft zu durchdacht, zu ĂŒberlegt und konstruiert. Diesen Vorwurf mĂŒssen sich wahrscheinlich beide Versionen gefallen lassen.

@ Jongleur
quote:
es ist mir ein wenig opulent, es steckt so viel drin - es ist so viel entwickelt an Bildern, an Ideen, an Modellen - dass es mich verwirrt.
Ja, mich auch Wie ich gerade Sandra schrieb: hier haben sich im Laufe der Zeit zwar viele schöne Bilder, interessante Aspekte und Entwicklungsrichtungen versammelt, aber letztlich habe ich aus den Augen verloren, was ich eigentlich ursprĂŒnglich einmal sagen wollte. Deine Vermutung "Zwei Menschen - ein Wunsch - eine Nacht - ein Liebesgedicht?" kommt dem sehr nahe. Hier eine Art von RĂŒckbesinnung:

Entwicklung

Komm zu mir am Abend,
mit allem, was vom Tage
an dir haften blieb
und leg dich zu mir.

Ich möchte sehen,
was dich heut umfing
und was bedrÀngte,
es entknoten, von dir lösen.

Sind wir nicht Spindeln gleich,
die durch Flimmerstaub rotieren
und Erleben nennen mĂŒssen,
was sich in Fasern um uns hĂŒllt?

Es ist nicht wichtig,
ob es bunt war oder weich,
wir legen es einfach
der Nacht vor die FĂŒĂŸe.

Ich möchte sehen
wie schön du wirklich bist:
Nackt, ein wenig hölzern
vielleicht und spindeldĂŒrr.

quote:
Dies ErklĂ€rungsmodell fĂŒr "Leben" scheint mir nicht einleuchtend und einseitig. Zum Leben gehört doch allemal mehr als eine Außenbestimmung (legt sich in Fasern um uns - das hat nur noch Negativanmutung, man fĂŒhlt sich gefesselt, blockiert, erwĂŒrgt regelrecht), da ist doch auch ein Umgang mit den Dingen des Lebens, ein Agieren und ein Re-agieren. Selbst "stillhalten" ist eine Reaktion.
Ja, dem kann ich nur zustimmen. Die ersten Versionen sind maßlos ĂŒberzeichnet und ertrinken mehr oder weniger in einer Art von "romantischem Nihilismus", der nicht ohne Universum und absolute Determination auskommen mag Aber soweit man das auch zurĂŒckschraubt, das zugrundegelegte Spindel-Motiv erlaubt nach meinem Empfinden in sich keine umfassende (realistische) Bestimmung oder Abbildung von Dasein. Es bleibt bei einem passiven Empfangen.

Ich hoffe, dass du dich mit der 3. Version mehr anfreunden kannst Darin sind sehr viele deiner DenkanstĂ¶ĂŸe mit eingeflossen, ohne dass ich das jetzt im Einzelnen zerpflĂŒcken möchte. Deine wirklich gute und umfassende EinschĂ€tzung war ungemein hilfreich und inspirierend fĂŒr mich, Jongleur. Vielen Dank!

Viele GrĂŒĂŸe
Martin
__________________
Lyrik ist LogopÀdie im Zeitalter der Sprachlosigkeit. [Alexander Eilers]

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