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Leselupe.de > Science Fiction
Enthauptungsschlag (Teil 2)
Eingestellt am 17. 07. 2003 10:31


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Empi
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jul 2003

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Die nĂ€chste Stunde zogen die beiden Agenten durch weitere, von Junkies beherrschte Zonen, bis sie eine hell erleuchtete Halle erreichten, die in eine große Bar umfunktioniert worden war. NatĂŒrlich lungerten auch hier an vielen Tischen die Opfer einer Überdosis, aber es gab auch Besucher, die sich einfach nur miteinander unterhielten. Zwanzig Minuten lang versuchten die Agenten, nĂ€heres ĂŒber das Blutrausch herauszufinden: Sie befragten grĂŒngeschuppte Tulaner, klapperdĂŒrre Morsonen, zweiköpfige Echsenwesen und ein paar Menschen, aber alle Angesprochenen sagten nur, das Blutrasuch lĂ€ge in der ‘harten Zone’, und die könne man am besten ĂŒber den Molochexpress erreichen; dazu mĂŒsse man lediglich durch das angrenzende Wohnsilo gehen.
Symon und Dexter verließen die Bar und betraten das Wohnsilo. Ohne erkennbares Muster zweigten GĂ€nge nach links und rechts ab. Der Boden war ĂŒberall mit Unrat ĂŒbersĂ€t und es stank erbĂ€rmlich. Viele der TĂŒren, an denen sie vorbeikamen, waren eingeschlagen, und die dazugehörigen Zimmer allesamt verwĂŒstet. Manchmal hörten sie Schreie oder lustvolles Stöhnen. GlĂŒcklicherweise kamen sie nach einiger Zeit an einen Wegweiser, auf dem unter anderem auch der Weg zum Molochexpress angeschrieben war.
Nachdem sie das Wohnsilo hinter sich gelassen hatten, gelangten sie ohne weitere Probleme zur Abfahrtsplattform des Molochexpress. Passenderweise stand auch ein Zug bereit. Das marode StahlungetĂŒm weckte zwar kein besonderes Vertrauen in Symon und Dexter, doch was blieb ihnen anderes ĂŒbrig? Mit gerĂŒmpfter Nase quetschten sie sich in den ohnehin ĂŒberfĂŒllten Zug. Die Triebwerke wurden bald darauf gezĂŒndet und der Molochexpress rauschte los. Wenigstens dauerte die Fahrt nicht lang. Nachdem sie den Zug verlassen hatten, sahen sie eine große Tafel, auf der die diversen `Attraktionen` der harten Zone angepriesen wurden. Von einem Ort namens Blutrausch war nichts zu sehen, was aber auch an den vielen Brandstellen und Einschusslöchern liegen konnte.
„Verdammt!“ zischte Dexter. „Das Scheißding finden wir nie.“
Symon antwortete nicht. Dexter blickte seinen Partner an: sein Gesicht war kalkweiß, der Atem ging keuchend und ein fiebriger Glanz stand in seinen Augen. „Hey Kumpel, was ist los?“
„Mein Arm brennt wie die Hölle“, presste Symon zwischen zusammengebissenen ZĂ€hnen hervor. „Ich brauch noch ‘nen Painkiller.“
Wortlos kramte Dexter die Ampulle hervor und verabreichte sie seinem Partner. „Noch ‘ne Dosis und du drehst völlig ab. Wir haben noch zwei Stunden, Symon. Danach bist du fĂŒr die Mission unbrauchbar. Wir mĂŒssen uns beeilen. Deshalb teilen wir uns auf. Jeder sucht das Blutrausch auf eigene Faust. Wer den Informanten findet, kontaktiert den anderen via Intercom. Falls niemand Erfolg hat oder das Intercom ausfĂ€llt treffen wir uns hier in zwei Stunden wieder. Hast du verstanden, Symon?“
„Klar.“ Symons Stimme war wieder fest, und seine Augen hatten ihren hitzigen Schimmer verloren. „Ich bin voll da.“
„Na gut. Du hĂ€ltst dich links, ich geh nach rechts. Viel GlĂŒck.“
Schon nach wenigen Augenblicken war Symon von den wogenden Massen verschlungen worden. Dexter meinte, er stapfe durch zĂ€hes Sirup, so langsam ging es vorwĂ€rts. Endlich, nach etlichen Minuten, ließ das GedrĂ€nge etwas nach und Dexter bog in eine unbelebte Seitengasse ein. Von da an benutzte er – wenn möglich – immer solch unbelebte Passagen. Einige zwielichte Gestalten kauerten zwar in dunklen Ecken, doch Dexter hatte keine Angst – im Gegenteil: Er hoffte sogar, dass einer von diesen Ganoven wusste, wo das Blutrausch war. Wie sich herausstellte, hatte Dexter den richtigen Riecher, denn bei einem abgewrackten, vom Drogenkonsum gezeichneten Irithid, dessen eklige Tentakeln schlaff herabhingen, wurde er schließlich fĂŒndig. Der erzĂ€hlte ihm - fĂŒr einen kleinen Obolus natĂŒrlich -, dass das Blutrausch im Kolosseum untergebracht sei. Nach einer ausfĂŒhrlichen Wegbeschreibung machte sich Dexter voll Eifer auf den Weg - es war nicht mehr weit. Nach knapp zehn Minuten stand er vor dem gewölbten Durchgang, der ins Kolosseum fĂŒhrte. Das riesige Bauwerk war tatsĂ€chlich einer Arena nachempfunden und offenbar auch in Betrieb, denn selbst durch die dicken Mauern war das Tosen und BrĂŒllen der Zuschauer zu hören. Dexter hatte gerade Eintritt bezahlt und einen Wegweiser zum Blutrausch erblickt, da hörte er das Piepsen seines Intercoms. Schnell suchte er sich eine Nische und hielt sein Armband vor den Mund. „Symon, was gibtÂŽs?“
„Ich habe den Informanten gefunden. Ich werde ihn jetzt ansprechen.“
„Nein, warte, ich bin ja gleich da!“ antwortete Dexter aufgeregt, aber sein Satz ging in einem mĂ€chtigen BrĂŒllen unter, als die Massen im Kolosseum plötzlich vor Begeisterung aufschrieen. Dexter fluchte ausgiebig. Nachdem sich der LĂ€rm gelegt hatte, versuchte er es nochmals. „Symon, hörst du? Warte auf mich - ich bin auch gleich da.“ Niemand antwortete. Eine böse Vorahnung kroch seinen RĂŒcken herab. Hier stimmte etwas nicht! Aus einem GefĂŒhl heraus schaltete Dexter auf Teds Frequenz, der hoffentlich noch im Raumgleiter wartete. „Ted, hörst du mich?“ Statt Teds Stimme ertönte nur ein Rauschen.
Irgendwie war ihm seit Beginn der Mission etwas mulmig zumute gewesen. Leider wurden die Zweifel jetzt bestĂ€tigt - er und sein Team schwebten in Gefahr. Dexters Herz schlug wie ein Stein gegen den Brustkorb, und er musste tief Luft holen - seine Kehle war plötzlich wie zugeschnĂŒrt. VernĂŒnftig wĂ€re es jetzt, unterzutauchen und zu fliehen, doch seinen Partner konnte er keinesfalls im Stich lassen. Schnell wie der Blitz stĂŒrmte Dexter los, bis er endlich vor dem Durchgang stand, ĂŒber dem ein Schild mit der Aufschrift Blutrausch prangte. Dexter hastete hinein und folgte dem Gang. Kurz darauf stand er an einer Balustrade und blickte hinab. Der Ort machte seinem Nahmen wahrlich alle Ehre: Getrocknetes und frisches Blut klebte an den WĂ€nden, manchmal waren sogar ganze Lachen auf dem Boden verbreitet. Anscheinend war dies hier der Treff fĂŒr Sadisten und Masochisten aller Rassen. Auf einem der Tische lag ein bis auf die Hose entblĂ¶ĂŸter Mann. Zwei weitere hielten ihn fest, und ein dritter machte sich mit etwas Blitzendem an der Bauchdecke des Opfers zu schaffen. Der Gepeinigte schrie wie am Spieß, doch das schien alle nur noch mehr anzustacheln. Immer mehr Schaulustige bildeten einen Kreis um den mittlerweile blutverschmierten Tisch und johlten. Obwohl Dexter normalerweise ziemlich hartgesotten war, musste er sich beim Anblick des aufgeschlitzten Bauches abwenden. Er atmete tief durch und sah sich statt dessen nach dem Informanten um - und fand ihn auf Anhieb. Wie vereinbart war der Mann ganz in grĂŒn gekleidet, saß an einer Bar und trug eine dunkle Brille. Von Symon allerdings war nichts zu sehen. Dexter ging betont lĂ€ssig eine Treppe hinunter und nĂ€herte sich dem Informanten von der Seite. Dann zog er unauffĂ€llig seine Pistole und drĂŒckte sie dem Mann in die Seite.
„Keine Dummheiten, mein Freund, oder du hast genau so ein großes Loch im Bauch wie der Typ auf dem Tisch.“
Der Mann erbleichte und nickte schwach.
„Wir gehen jetzt zur Toilette.“ Damit stand Dexter auf und fĂŒhrte den Mann vor sich her. Dexter beabsichtigte den Kerl mit vorgehaltener Waffe auszufragen, was mit Symon passiert war. Dazu benötigte er im wahrsten Sinne ein stilles Örtchen. Die Zeit fĂŒr nette GesprĂ€che war jetzt vorbei. Was er danach mit dem Kerl machen wĂŒrde, wusste Dexter noch nicht genau. KaltblĂŒtige Morde waren eigentlich nicht seine Sache.
Nachdem Dexter die TĂŒr hinter sich geschlossen hatte, ließ er seinen Blick schweifen. Die Toilette sah absolut schĂ€big aus, zudem war der Gestank kaum auszuhalten. Unter einer der geschlossenen KabinentĂŒren rann frisches Blut hervor. Dexter öffnete die TĂŒr - und taumelte vor Schreck zurĂŒck. Symons durchlöcherter Körper hockte schlaff auf der geschlossenen KloschĂŒssel.
Mit einem Knall flog hinter Dexter die ToilettentĂŒr auf und einige MĂ€nner stĂŒrmten herein. Der Geheimagent war zu geschockt um flink genug zu reagieren - etwas hartes traf ihn im Nacken und ließ ihn zu Boden gehen. Der Schmerz um Symons Tod wie auch die paralysierende Wirkung des Schlags saugten alle Kraft aus seinen Gliedern. Er lag nur da und blinzelte, um die bunten Schlieren vor seinen Augen zu vertreiben. Erst nach einiger Zeit nahm Dexter wahr, dass jemand zu ihm sprach.
„Und ich habe schon gedacht, du wĂŒrdest gar nicht mehr auftauchen. Normalerweise brauchst du nicht so lang.“
Dexter kam die Stimme so vertraut vor, dass er im ersten Moment dachte, er trĂ€ume, aber dann sah er den toten Körper Symons vor seinem geistigen Auge. Langsam drehte er den Kopf und flehte, es möge jemand anders sein, der jetzt zu ihm sprach - doch Dexter wurde nicht erhört. Über ihm kniete Farian, sein Bruder.
„Farian?“ krĂ€chzte er unglĂ€ubig. „Das kann doch nicht sein.“
„Doch, Bruderherz. Du siehst schon richtig.“
„Wie...?“ Mehr brachte Dexter vor lauter Entgeisterung nicht hervor.
„Ich arbeite schon lĂ€nger fĂŒr Bedragu,“ erklĂ€rte Farian ganz beilĂ€ufig.“ Deswegen schlugen auch alle Versuche der GET fehl, den Moloch auszukundschaften. Ich habe alles vereitelt. Aber dann kam mir eine Idee. Ich schlug Bedragu vor, einen Spitzenagenten der GET und ĂŒberdies einen gnadenlosen Killer in unsere Reihen aufzunehmen - nĂ€mlich dich!“ Farian lĂ€chelte sĂŒffisant. „Wie du siehst ist mein Plan ist aufgegangen. Ich wusste, du wĂŒrdest keine Mission ablehnen, die ich in die Wege geleitet hatte. Eigentlich wollte ich auch Symon haben, doch der hat sich etwas zu heftig gewehrt, da mussten wir ihn leider erschießen.“
„Du bist irre, Farian. Komm zu dir.“ Dexter konnte nicht fassen, das sein eigener Bruder, ein ergebenes Mitglied der GET, dem RĂ€nkespiel Bedragus erlegen war. „Was hat Bedragu mit dir gemacht? Du bist nicht mehr du selbst!“
Farian grinste und hielt eine Spritze hoch. „Es gibt da so ein Mittelchen, das macht ziemlich glĂŒcklich. Du wirst sehen, es wirkt Wunder. Danach reden wir weiter - dann begreifst du, was ich meine.“
Verzweifelt versuchte Dexter, seine Pistole zu ziehen, doch zwei MĂ€nner traten heran und hielten ihn gewaltsam fest. Schon oft hatte Dexter in seinem Leben Anspannung und Angst empfunden, beim Anblick der Spritze aber durchfuhr ihn eine Panik, wie er sie zuvor noch nie verspĂŒrt hatte. Trotz seiner Abwehrversuche rollte Farian ihm den Ärmel zurĂŒck und setzte die Nadel an. Neben Dexter erklang ein Klatschen. Er drehte den Kopf und sah durch den schmalen Spalt zwischen Boden und Trennwand der Kabine, dass Symons Körper auf den Boden gefallen war. Die Augen seines toten Partners starrten ihn an. „Es tut mir leid, mein Freund,“ flĂŒsterte Dexter als die Nadel seine Haut durchstach. Symon blinzelte. Dexter war verwirrt. Lebte Symon etwa noch? Plötzlich fĂŒhlte der Spezialagent, wie sich eine unangenehme KĂ€lte in seinem Arm ausbreitete.
„Gleich gehörst du zu uns, mein Bruder. Ich darf die Droge nur nicht zu schnell injizieren, denn sonst kann es sein, dass du Schaden nimmst. Wenn wir fertig sind, stell ich dich Bedragu vor. Der leitet gerade die Spiele im Kolosseum. Er wird entzĂŒckt sein dich zu seh-.“
Mit einem Mal war ein Zischen und Klacken war zu hören. Die Droge vernebelte bereits Dexters Sinne, so dass er einen Augenblick brauchte, um zu erkennen, dass das GerÀusch von einem SchalldÀmpfer stammte. Neben ihm schlug etwas hart auf. Der Griff um seine Handgelenke und Fesseln verschwand schlagartig. Dexter blickte trÀge auf seinen Arm: die Nadel war fort!
Dann, so als hĂ€tte jemand den Strom abgedreht, kehrte Stille ein. Nachdem die Benommenheit und das Klingeln in seinen Ohren etwas nachgelassen hatte, richtete sich Dexter auf. Zwar waren seine Knie wackelig, doch es schien, als hĂ€tte Farian es nicht geschafft, ihm die ganze Dosis zu spritzen. Auch sein verschleierter Blick klĂ€rte sich. Die WĂ€nde waren allerorts mit Blut bespritzt und die Trennwand zu Symons Kabine durch Kugeln zerfetzt. Drei Gestalten lagen regungslos am Boden, darunter auch der Informant. Sein Bruder saß gegen die Wand gelehnt. Farians Gesicht war aschfahl, und seine HĂ€nde pressten auf eine Schusswunde in seinem Brustkorb. Die Augen waren vor Entsetzen geweitet - er musste genau spĂŒren, wie sein Leben aus ihm herausfloss. Dexter ging in die Kabine zu Symon. Sein Partner lag am Boden. Die leblosen HĂ€nde hielten die Hammer umklammert, mit der er diese Schurken erschossen hatte. Symon, dieser zĂ€he Kerl, hatte tatsĂ€chlich noch gelebt! dachte Dexter. Die letzte Kraft in seinem geschundenen Körper hatte er fĂŒr Dexter geopfert. Nun war er tot. Es schmerzte ihn, seinen Partner in einer dreckigen Toilette zurĂŒckzulassen – doch welche Wahl hatte er? Traurig wandte er sich ab und warf einen Blick auf seinen Bruder: Farians blutverschmierte Arme hingen mittlerweile schlaff herunter. Sein Kopf war zur Seite gefallen und die gebrochenen Augen stierten ins Nichts. Dexter musste sich gegen die Wand lehnen. Gewaltigen Flutwellen gleich brandeten Trauer und Wut gegen seine starke Mauer aus Disziplin und HĂ€rte. Sie bekam Risse, und TrĂ€nen kullerten ĂŒber seine Wangen, doch sie brach nicht. Mit ungeheurer Willenskraft drĂ€ngte Dexter seinen Kummer schließlich zurĂŒck und stieß sich von der Wand ab. Dann trat er entschlossen aus der Toilette – fĂŒr GefĂŒhle war jetzt – wie so oft in seinem Leben – keine Zeit.
Draußen erwarteten ihn zwei bewaffnete MĂ€nner, doch Dexter setzte sie mit gezielten SchĂŒssen blitzartig außer Gefecht. Die wenigen GĂ€ste, die nach dem Geballer in der Toilette noch da waren, flĂŒchteten nun endgĂŒltig. Dexter schloss sich ihnen an und gelangte so aus dem Blutrausch. Er ĂŒberlegte: entweder er verschwand sofort, oder er versuchte, seine eigentliche Mission doch noch erfolgreich abzuschließen - immerhin wusste er jetzt ja, wo Bedragu sich im Augenblick aufhielt. Vielleicht wĂŒrde sich ihm eine so gĂŒnstige Gelegenheit nie wieder bieten. Und außerdem - Symons und Farians Tod konnte er nicht ungesĂŒhnt lassen.
Dexter folgte einfach dem LĂ€rm der Zuschauer des Kolosseums und befand sich alsbald auf einer der TribĂŒnen. Weit unter ihm, im Sand der Arena, bekĂ€mpften sich gerade einige Streiter mit altmodischen Waffen wie Schwert und Lanze. Nur ein Streitwagen fiel etwas aus der Reihe, denn er hatte einen Raketenantrieb und jagte mit halsbrecherischer Geschwindigkeit ĂŒber den Kampfplatz. Augenscheinlich kĂ€mpften die Fußsoldaten gemeinsam gegen den Streitwagen. Ein Mann lenkte das GefĂ€hrt, ein anderer schleuderte Speere auf die Widersacher. Einige Krieger waren bereits niedergestreckt und lagen im Sand. Dexter riss seinen Blick von dem Spektakel los und hielt Ausschau nach Bedragus Privatbereich. Schnell hatte er gefunden, wonach er suchte. Bunte Fahnen und Kissen schmĂŒckten einen kleinen Bereich, der sich durch seinen Prunk deutlich hervortat. Bedauerlicherweise befand sich dieser jedoch genau auf der gegenĂŒberliegenden Seite der Arena; darĂŒber hinaus war er von den anderen Zuschauern abgegrenzt und gut bewacht. Kein Zweifel - einer der wenigen, die sich in dieser Edellonge aufhielten, musste Bedragu sein. Gerade als Dexter fieberhaft darĂŒber nachdachte, wie er wohl nah genug rankommen könnte, brĂŒllte jemand hinter ihm. „Das ist er. Knallt ihn ab!“
Dexter blickte ĂŒber seine Schulter: Hinter ihm war eine betrĂ€chtliche Anzahl Bewaffneter aufgetaucht. Gegen solch eine Übermacht hĂ€tte selbst er keine Chance. Aus Ermangelung einer anderen Möglichkeit zu entkommen, sprintete Dexter die Stufen nach unten. SchĂŒsse wurden abgefeuert. Dicht neben ihm sackten einige Zuschauer zusammen. Daraufhin brach auf der Stelle heilloses Chaos aus und Dexter wurde im Laufe des Tumults ganz nach unten an den Rand der TribĂŒne gedrĂŒckt. Plötzlich kam ihm eine Idee. Mit einem schwungvollen Satz setzte er ĂŒber die BrĂŒstung hinweg und rollte sich geschickt im Sand ab. Die KĂ€mpfer in der Arena hatten ihn nicht bemerkt und bekriegten sich eifrig weiter. Als der Streitwagen herangebraust kam, eröffnete Dexter das Feuer. Einer der MĂ€nner bĂ€umte sich auf und fiel rĂŒcklings aus dem GefĂ€hrt. Offenbar war es der Fahrer gewesen, denn der Streitwagen grub sich daraufhin in den Sand, wobei der zweite Insasse einen Salto schlug und unsanft auf den Boden knallte. Dexter hĂŒpfte in den Streitwagen. Kurz betrachtete er die Steuerung, dann aktivierte er die Triebwerke und beschleunigte - als Geheimagent hatte Dexter gelernt, GerĂ€tschaften jedweder Art schnell zu bedienen. Er beschrieb einen engen Bogen und hielt dann geradewegs auf die Loge zu. Als die dort Versammelten bemerkten, welch Unheil ihnen drohte, war es schon zu spĂ€t. Dexter gab Vollschub und sprang ab. Mit einem Donnern grub sich der Streitwagen in die Loge und explodierte. Ein greller Feuerball wuchs in die Höhe. Nun verwandelte sich die Arena endgĂŒltig in ein Tollhaus: wie durchgegangene Ochsen stĂŒrmten die Besucher die TribĂŒnen hinauf und trampelten sich gegenseitig nieder. Dexter war dieses Durcheinander nur recht. Aufmerksam blickte er sich um. Die `Gladiatoren` zogen es nun ebenfalls vor, die Arena eilig zu verlassen und rannten in einen angrenzenden Tunnel. Dexter folgte ihnen, blieb aber noch einmal stehen und begutachtete seine Tat: Die Loge hatte sich in ein flammendes Inferno verwandelt. „FĂŒr Symon und Farian,“ flĂŒsterte er. Dann verschmolz er mit der Dunkelheit des Tunnels.

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