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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Entlieben
Eingestellt am 19. 07. 2005 21:59


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Cynthia
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Mar 2005

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Entlieben

Als sie erwachte, schaute sie geradewegs in ein paar meeresblaue Augen. Was war geschehen? Nach und nach gelang es ihr die BruchstĂŒcke ihrer Erinnerung zu einem Bild zusammenzusetzen.
Alles nahm seinen Anfang, als sie vor vielen Monaten einem Menschen begegnete, der ihr sogleich als etwas ganz Besonderes auffiel. Sein Name war Legna. Er sagte Dinge, von denen sie wusste, dass sie diese genau so gesagt hĂ€tte, wĂ€ren ihr nur die passenden Worte eingefallen. Er hatte eine magische Anziehungskraft auf sie und sie drĂ€ngte danach mehr ĂŒber diesem Menschen zu erfahren. Sie fĂŒhlte etwas in ihrem Inneren, das sie nicht in Worte fassen konnte. Bald waren ihre Gedanken tĂ€glich, dann stĂŒndlich und schließlich stĂ€ndig bei Legna. Jetzt wusste sie... sie war verliebt.
Legna jedoch hatte war sehr beschĂ€ftigt. Er hatte weder Zeit noch Interesse sich in einen anderen Menschen zu verlieben. Zudem hatte er zuvor viele EnttĂ€uschungen auf seinem Weg ertragen mĂŒssen. Einem Menschen vertrauen, das wollte er nie wieder.
Die Situation schien aussichtslos zu sein. Sie wusste es. Doch das GefĂŒhl ließ sich nicht abstellen so sehr sie es auch versuchte. Die Aussichtslosigkeit und die Gewissheit, dass keines dieser GefĂŒhle ihn jemals erreichen wĂŒrden machten sie traurig. „So kann es nicht weiter gehen! Ich muss etwas tun, denn ich werde von Tag zu Tag betrĂŒbter. Meine Verliebtheit wandelt sich in Liebeskummer.“
Sie hatte gute Ideen dem Liebeskummer zu entkommen. Als erstes stĂŒrzte sie sich in Kontakte. „Menschen um mich herum lenken ab und bringen mich auf andere Gedanken.“ Doch schon bald erkannte sie, dass sie auch mit diesen Mensche zusammen stĂ€ndig diese Traurigkeit und die Gedanken an Legna in sich trug. Egal was sie tat, wo sie war, alles erinnerte sie an ihn. Ein Lied, gleichgĂŒltig ob laut oder leise, fröhlich oder traurig. Eine Mohnblume, ein Kleeblatt, ein Baum, ein Haus, Sonne. Mond, Sterne die Farben des Regenbogens, das blau des Himmels...
Sie behandelte Menschen, die sie doch eigentlich liebte mĂŒrrisch und ungeduldig und der Tag war fĂŒr sie eine Qual und mit Furcht vor der nahenden Nacht. Sie vergaß zu essen und zu leben. Die Tage rauschten an ihr vorbei wie ein kurzer Augenblick.
Das sah ein Freund. Er nahm sie in den Arm und blickte ihr in die traurigen Augen. „Was tust du? So kann es nicht weitergehen!“ Ja, endlich wieder durchatmen und lachen können. Das wĂŒnschte sie sich so sehr.
Bald schon tauchten immer mehr Freunde auf, die genau zu wissen schienen was fĂŒr sie das Beste sei. Du musst dich bewegen! Mache Sport, das fegt die Gedanken fort und du bis befreit!
Lese ein schönes Buch, schreibe ein Gedicht, eine Geschichte...
Ja, die Bewegung tat gut, hielt aber nicht auf Dauer was sie sich erhoffte. Das Buch interessierte sie nicht. Gedichte zu schreiben weckte in ihr nur traurige Gedanken. Alles endete in einem einzigen Gedanken. Der Gedanke an Legna. „Vergiss ihn! Mit der Zeit wird es schon gehen!“ Niemand konnte sich in ihre GefĂŒhlswelt hineindenken.
Nach einer Nacht voller wirrer TrĂ€ume sah sie den Weg, den sie gehen musste glasklar vor sich. Hatte sie sich verliebt, so sollte es doch auch möglich sein sich wieder zu entlieben. Ja! Nur wie konnte sie es anstellen? Sie ĂŒberlegte zunĂ€chst wo sie die Verliebtheit in ihren Inneren spĂŒrte.
Sie war vor allem im Herzen zu lokalisieren, dann im Bauch und ein wenig im Kopf. Welcher Arzt ist den auf dieses Gebiet spezialisiert? Ein Internist wird mit Sicherheit wissen was zu tun ist... „Hm... sie scheinen aber nach meinen Untersuchungen völlig in Ordnung zu sein. Ich glaube ich kann leider nichts fĂŒr sie tun.“ „ Und warum geht es mir dann so schlecht? Warum habe ich diese schweren Steine in meinem Inneren?“ „Das sollte mal ein Psychologe untersuchen. Wenn die Menschen gesund sind und es dennoch schmerzt, gibt es nur noch diese Möglichkeit.“
Also ging sie zu einem Psychologen. „ Eindeutiger Fall von Liebenskummer, aber das wird schon vergehen. Bisher ist daran noch niemand gestorben. Ich verschreibe ihnen ein Medikament, das fĂŒrs Erste hilft ihre Stimmung aufzuhellen. Danach wird’s schon wieder.“
Die Tabletten hatte sie alle eingenommen aber keine VerÀnderung alles blieb wie zuvor.
Da erblickte sie eines Morgens beim Lesen der Zeitung eine Annonce. „Neueröffnung einer Praxis fĂŒr Liebeskummeropfer.“ Genau das was sie suchte! Schnell einen Termin gemacht. Der Arzt hatte schon auf anderen Gebieten viele Erfolge zu verzeichnen und sich so in der Stadt einen Namen gemacht.
Hoffnungsvoll betrat sie die Praxis. Eine kurze Untersuchung. Ein GesprĂ€ch und die Sache war klar. „Ihr Fall scheint etwas komplizierter zu sein. Sie hĂ€tten nicht so lange warten dĂŒrfen. Ich stelle schon einige Versteinerungen in ihrem Inneren fest. Außerdem ist ihr Herz aus Überfluss an Liebe schon so vergrĂ¶ĂŸert, dass es kurz vor dem Zerreißen ist. Das muss ja ein unglaublicher Druck sein. Wir mĂŒssen operieren! Dabei werden wir ihr Herz an einer Stelle ein wenig anbohren und so den Überfluss an Liebe herauslaufen lassen. Nicht ungefĂ€hrlich, denn wenn es passiert, dass zuviel Liebe herauslĂ€uft haben wir ein Problem. Oft haben wir so eine Operation auch noch nicht durchgefĂŒhrt.“ Sie ging das Risiko ein. Eine Woche spĂ€ter lag sie schon auf dem Operationstisch und wurde mit einer Narkose in den Tiefschlaf versetzt.
Als sie wieder erwachte und die meerblauen Augen entdeckte waren ihre erstes Wort: „Legna!?!“
Ja, Legna stand an ihrem Bett! „ Was ist geschehen, Legna?“ „Die Ärzte haben die Liebe, die dein Herz beinahe zum Zerreißen gebracht hat herauslaufen lassen. Da ich schon lange auf der Liste der LiebesspendebedĂŒrftigen stand, haben sie mir diese Liebe, ĂŒbertragen.“

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