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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Entmündigt und geplündert
Eingestellt am 04. 06. 2002 23:53


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Kolbatz
Nennt-sich-Schriftsteller
Registriert: Jun 2002

Werke: 3
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ENTMÜNDIGT UND GEPLÜNDERT

Auf meine Anzeige gegen die Sparkasse reagierte sie prompt und es standen 12 Kriminalbeamte vor unserer Gartentür. Sie legten mir nicht gerade unauffällig, einen Beschuss für eine Hausdurchsuchung vor. Den Beschluss hatte die Sparkasse veranlasst und hat gegen mich Anzeige wegen Erpressung gestellt. Mir wurde vorgeworfen, dass ich Drohbriefe verschickt haben soll in denen ich gefordert habe, dass alle Konten in den Stadtteilen Charlottenburg und Tiergarten von Soll auf Guthaben gesetzt werden.

Während die Beamten die Schränke nach verwertbarem Beweismaterial durchsuchten, saß ich im Morgenmantel mit Grippe einem Beamten gegenüber. Er verhörte mich, ich konnte ihn aber nur schwer folgen. Ich kann nicht sagen, ob ich wegen der Aufregung zitterte oder ob es Schüttelfrost war. Wahrscheinlich beides.

Ich hatte das erste mal in meinem Leben mit der Kriminalpolizei zu tun und konnte meine Gedanken vor Aufregung nicht ordnen. Irgendwie befand ich mich in einer Scheinwelt die doch so real und gefährlich für mich sein sollte.

Mir war kalt und ich wollte mir eine Decke holen. Als ich aufstand um zum Schlafzimmer zugehen, sprang der Beamte hoch und griff dabei zu seiner Pistole. Sie bleiben hier sitzen bis die Durchsuchung zu Ende ist.! Ich fühlte mich viel zu schwach um hier gegen etwas zu erwidern und setzte mich.

Um überhaupt begreifen zu können was da geschah, habe ich den Beamten gefragt wie sie auf mich kommen. Hier stelle ich die Fragen und nicht Sie, antwortete er sehr barsch.

In dem Verhör herrschte ein beängstigender Ton den ich nicht gewohnt war und der Beamte hatte offensichtlich Freude daran, mich wie einen Schwerverbrecher zu behandeln.

Ich war Fassungslos und richtig begriffen was hier geschah habe ich jedenfalls nicht. Entsprechend unwirklich empfand ich auch seine Fragen und antwortete als wenn ich persönlich gar nicht gemeint war. Das hätte zwar für mich gefährlich werden können, aber ich konnte in meinem Zustand gar nicht anders.

Ich weis nicht wie lange das so ging bis ich auf eine Frage hin bewusst reagierte und mich verteidigte.

Hier wollte er wissen, wann ich einen Kredit bei der KfW gestellt habe. Ich fragte wer das ist und sagte, das ich keinen Kreditantrag gestellt habe.

Etwas ungläubig sah er mich an und gab mir zu verstehen, dass der Erpresser aber einen Antrag für einen Kredit bei der KfW gestellt haben muss und ich soll noch einmal genau überlegen. Nachdem ich ihm die Freude nicht machen konnte meinte er, dass ich dann auch nicht als der gesuchte Erpresser infrage kommen könnte.

Entsprechend lautete auch 14 Tage später ein Schreiben von der Staatsanwaltschaft und das Verfahren wurde gegen mich eingestellt.

Auch wenn ich hier freigesprochen wurde so besteht doch eine Akte in der Verbrecherkartei über mich und ich kann hiermit nur schwer umgehen.

Für mich ist es nicht nachvollziehbar, dass die Sparkasse in ihrer Eigenschaft als immerhin staatliche Institution ohne Folgen Psychoterror betreiben kann. Diese Anzeige war gegen mich gezielt mit völlig haltlosen Anschuldigungen und passt in ihre Bankenwillkür aus der Vergangenheit.

Der ganze Vorgang blieb natürlich den Nachbarn nicht verborgen und um peinliche Fragen zu entgehen, sind wir nur noch abends auf die Strasse gegangen. Damit konnten wir aber nicht verhindern das sie unsere Kinder ausfragten.

Ich bin mit der Situation nicht klar gekommen und auch meine Frau hat daran schwer getragen, so dass wir uns entschlossen haben aus unserem Eigenheim auszuziehen und nur noch die Produktionsstätte zu nutzen.

Im Gleichklang zu den immer leerer werdenden Räumen, viel mir der Umzug von Fuhre zu Fuhre schwerer. Erinnerungen wurden wach. Hier konnte ich meine Neugier in die Praxis umsetzen und habe z.B. weltweit die Erste Solaranlage gebaut mit der ich erfolgreich das Haus, das Brauchwasser und den Swimmingpool ganzjährig beheizen konnte. Durch die Anlage sparten wir bereits im ersten Jahr ca. DM 1.000,- Heizkosten und DM 800,-- Strom. Die Anlage läuft heute noch und steht den heute Industriell gefertigten um nichts nach.

Diverse Erfindungen bis zur Paten, bzw. sogar Serienreife erfolgten hier.

Hier wurde von mir die Weltweit erste Schwimmbadalarmanlage erfunden und bis zur Serienreife hergestellt und weltweit vertrieben.

Repräsentanten von Firmen und Medien aus allen Kontinenten gaben sich die Klinke und unterzeichneten langfristige Lieferverträge oder brachten Beiträge in ihre Zeitschriften.

Der Fernsehsender SAT 1 drehte an unserem Pool eine Reportage und berichtete in den Nachrichten über meine Erfindung. Andere folgten.

Hier wurden unsere Kinder geboren und wie ein Film lauft vor mir ihr bisheriges Leben ab.

Aber was wird nun ?.......... Ist unsere Entscheidung richtig ?...... Wie machen wir es den Kindern klar ?...... Werden sie es verstehen ?....... Was ist mit ihren Freunden ?..... Finden sie in der neuen Wohnung schnell wieder Anschluss ?... Fragen über Fragen.

Es bedurfte tatsächlich in den darauffolgenden Wochen sehr viel Einfühlungsvermögen und Überredungskunst bis sie wenigstens die Umgebung akzeptierten.

Meine Frau kam mit der neuen Situation überhaupt nicht klar. Sie zog sich immer mehr von mir zurück. Missachtung und Schuldzuweisungen wurden bei ihr die Regel. Meine Kindererziehung wurde von ihr in Frage gestellt und wo sie nur konnte unterlaufen. Sie versuchte die Kinder mir gegenüber zu entfremden.

Gemeinsame Gespräche wurden immer seltener. Wir gingen zur Kinder und Eheberatung. Der Therapeut sagte, ich kann im Augenblick meiner Frau einen goldenen Schlüssel auf dem Tablett bringen und sie würde es noch nicht einmal merken.

Eines Abends kam meine Frau in mein Schlafzimmer und teilte mir mit, das Sie ausziehen werde. Sie habe bereits eine Wohnung und nimmt den Philip mit, während der David bei mir bleiben soll.

Für mich brach in diesem Moment die Welt zusammen und ich dachte an die beiden Brüder die nun auseinandergerissen werden. Der Gedanke lies mich nicht los und dachte, wenn ich nicht da wäre müsste sie auch den David mitnehmen.

Mit ihrer Entscheidung waren für mich endgültig alle Lebenswerte zerstört. Ich war der Meinung, dass beide Kinder ihre Mutter dringender brauchen und mit meinem Ableben konnte ich wenigstes meiner Familie noch einmal etwas Gutes tun.

Desto mehr ich überlegte, stellte sich bei mir eine Depression ein, die mir bisher fremd war. Ich empfand beispiellose Trauer mit auswegloser Leere und dachte an meine Schlaftabletten im Nachttisch.

Ich wollte nicht einfach so weggehen und habe für jedes Kind auf meinem Nachttisch einen Abschiedsbrief gelegt, in dem ich darum bat zusammenzuhalten und ihre Mutter auch in schlechten Zeiten zur Seite zu stehen. Ich teilte mein restliches Geld von jeweils DM 1.000,- auf und verschloss die Umschläge.

Nachdem alle schliefen saß ich auf der Bettkante mit ca. 70 Valium in der Hand. Mir war zum heulen.........

Angst überkam mich. Angst dass ich vielleicht die Tabletten nicht drinnen behalte und wieder ausbreche. Und Angst davor, das vielleicht doch noch jemand hereinkommt und mich zu früh findet. Ich wartete vorsichtshalber bis Mitternacht und habe alle Tabletten mit viel Wasser herunter geschluckt.

Am nächsten Tag als mein Sohn David von der Schule kam, fand er mich und rief einen Krankenwagen.

Nach 14 Tagen kam ich aus dem Krankenhaus und der ganze Schlamassel hatte mich wieder.

>Mit mir stirb auch meine Familie.<

Ich resignierte und hatte keine Kraft mehr.... Erinnerungen wurden wach.

Ich erinnere mich daran, dass meine Frau liebevoll unser Poolgerät als unser "Baby" bezeichnete und alle Banken vor und nach Vergabe der Kredite uns zu hause besuchten und prüften, ob meine Ehepartnerin auch hinter dem Vorhaben stand. Dieses hat meine Frau immer sehr überzeugend herübergebracht und die Wichtigkeit mit den Unfällen unserer beiden Kinder verknüpft.

Ohne ihre 100%tige Einstellung zu dem Vorhaben hätte sich keine Bank darauf eingelassen und somit grundsätzlich auch keinen Kredit bewilligt.

Nachdem nun aber ihre Erwartungen nicht eintraten, und die Banken anklopften, zog sich meine Frau mehr und mehr unter div. Vorwände von mir zurück. Hier hätte ich sie am dringendsten gebraucht und ihre erstmals offengelegte "geht mich nichts an Einstellung" dürfte auch mit dem Gebot ".....zusammenhalten in guten und schlechten Zeiten...." nichts gemein haben, so dass ich zufrieden bin, dass wir nicht kirchlich getraut sind.

Nur blöd, dass ich noch einer von der Alten Schule bin und in mir ein Beschützertrieb steckt den ich nicht entgehen konnte. So bin ich z.B. zum Schutz meiner Familie als Alleinschuldner für unser gemeinsames Vorhaben "POOLSOLARM", den Banken gegenüber aufgetreten und war trotz der schwierigen Lage immer darauf bedacht, dass wenigstens meine Frau mit unseren Kindern in den Urlaub fahren konnte, hierbei hat es unsere finanzielle Lage leider nicht erlaubt dass ich mitfahren konnte. Ich habe nie an mich gedacht und glaube, dass ich zu jeder Zeit ein fürsorglicher Ehemann und Vater war.

Ich habe meiner Familie ein schönes Zuhause gegeben und unsere Kinder konnten fern ab vom Straßenlärm mitten in der Natur aufwachsen.

Doch was war geschehen: Meine Frau hat sich von mir scheiden lassen und hat heute jemand anderen. Die Kinder wurden auseinandergerissen und sehen sich nur noch selten.

Medien berichten weiter über Unfälle mit kleinen Kindern in Swimmingpools und ich kann nicht helfen. Es schmerzt. Es schmerzt sehr, aber ich kann nichts dagegen tun. Ich fühle mich selbst ausgelaugt und hohl und habe mich völlig von anderen zurückgezogen. Kopfschmerzen sind die Regel geworden. 6 bis 10 Schmerztabletten am Tag sind keine Seltenheit. Ich habe Angst. Angst zum Briefkasten zu gehen und Angst wenn es an der Wohnungstür klingelt.

Es vergehen Tage, Monate.... und immer diese Unfallmeldungen. -Ich möchte schreien. Schreien hier ist ein Gerät das helfen kann. Aber ich kann ja gar nicht. Selbst wenn ich wieder anfangen könnte, würden die Banken sofort alles wegpfänden. Aussichtslos. Wenn ich eines Tages vor Gott treten muss und er mich fragt „was hast du aus deinem Leben gemacht ? was soll ich ihm antworten ?

Wie soll das weitergehen. David ist noch in der Ausbildung und kann nicht für sich selbst sorgen. Von seiner Mutter kann er nichts erwarten, sie hat noch nie gefragt ob er auch genug zu essen hat. Meine Mutter tut ihr möglichstes aber wie lange noch.

Was ist mir geblieben ? Nichts ! Ich sehe auch kein Licht am Horizont. Der Kühlschrank ist leer und ich weis nicht wie ich meinen Sohn etwas zu essen geben soll. Der Lebensmut hat mich schon lange verlassen und ich halte mich nur noch mit hohen Dosen von Kopfschmerztabletten über Wasser . Mein Leben ist mir nichts mehr Wert und ich komme auf die Idee, meine Organe zu verkaufen. Mit dem folgenden Schreiben habe ich mich an Kliniken gewand:

>“Verkauf meiner Niere

Sehr geehrter Herr Professor,

eine meiner Nieren beabsichtige ich zu verkaufen und bitte Sie, mir mitzuteilen ob hier Interesse besteht.

Ich bin 57 Jahre alt und hatte bisher keine organische Erkrankung durch die eine Nierenschädigung hätte eingetreten sein könnte.

Mein Alkoholkonsum beschränkt sich auf ein Glas pro Jahr und Drogen habe ich bisher nie probiert.

Sollte Ihr Haus keine Verwendung haben, bitte ich um eine entsprechende Nachricht und ggf. weitere Empfehlungen.

Mit freundlichen Grüßen“<

Ich bekam keine Antwort, stattdessen häuften sich die Anfragen in meiner E-Mailbox nach meinem Poolalarm- Gerät.

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