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Leselupe.de > Science Fiction
Entwicklungshilfe
Eingestellt am 20. 07. 2002 00:16


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Mazirian
???
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Entwicklungshilfe

Da√ü die Jungs von der Air-Force damals ein echtes UFO geschnappt hatten, war ja an sich schon ein wahres Heldenst√ľck. Aber da√ü sie sich den Burschen, der drinnen sa√ü, lebendig greifen konnten, er√∂ffnete der Erde und der sie bewohnenden Menschheit die sch√∂nsten Perspektiven.
Denn eines ist mal klar: Die Sache mit dem UFO passierte genau zum richtigen Zeitpunkt. Viel länger hätte die Menschheit nicht mehr auf ein solches Ereignis warten können. Es sah nämlich zu jener Zeit ziemlich schlimm aus mit der Erde: Überbevölkerung, Umweltverschmutzung, Kriege, Energie- und Rohstoffknappheit, Klimakatastrophe...aber wem erzähle ich das? Wir waren schlicht am Ende!
Und in dieser ausweglosen Situation kam, wie ein rettender Engel, jenes UFO aus den unendlichen Weiten des Alls bei uns vorbei. Es n√§herte sich aus Richtung Sirius, hatte einen ziemlichen Zahn drauf und das nicht allt√§gliche Pech, da√ü zur gleichen Zeit der Halley'sche Komet im Sonnensystem unterwegs war - auf gleicher Ebene und auf einem perfekt getimten Kollisionskurs. Allerdings nicht besonders schnell und auch nicht mehr besonders gro√ü, denn Halley war diesmal zu dicht an die Sonne geraten und explodiert. Was von ihm noch √ľbrig war, war nicht gr√∂√üer als ein K√ľhlschrank, hatte aber immer noch einen recht imposanten Schweif.
Der Bursche in dem UFO mu√üte wohl irgendwie eingeschlafen sein, sonst h√§tte er dem Kometen sicher leicht ausweichen k√∂nnen. Aber so knallte es eben. Dem UFO wurden die Steuerd√ľsen weggerissen und es hatte noch Gl√ľck, da√ü es sich in der N√§he der Erde befand und an der S√ľdgrenze von British-Columbia notlanden konnte, in einem 600 Quadratkilometer gro√üen Sperrgebiet unweit eines Reaktorkomplexes, an den sich niemand mehr herantraute, seit man ihn vor 25 Jahren notabgeschaltet hatte.
Normalerweise h√§tte es dort in hundert Jahren niemand gefunden, aber die Air-Force und NORAD hatten es durch Zufall schon auf dem Radar, als es seinen Unfall hatte. Sie wu√üten auch gleich, was sie da vor sich hatten und wo es runterkommen w√ľrde. Also leitete die Regierung entsprechende Ma√ünahmen ein - gro√üz√ľgige Ma√ünahmen. Drei volle Divisionen Infanterie und etliche Spezialeinheiten wurden in Marsch gesetzt und sperrten das betreffende Gebiet weitr√§umig ab. Wenn das fremde Raumschiff den Kundschafter f√ľr eine sp√§tere Invasion trug, sollte er gleich den richtigen Eindruck von der Wehrhaftigkeit der Erdbewohner bekommen. Allerdings waren es nur Bodentruppen, die eingesetzt wurden, denn auch die Air-Force mu√üte Energie sparen und flog nur noch zu besonderen Gelegenheiten. Zwei Hubschrauber stiftete das Oberkommando denn doch noch, da auch der Pr√§sident und einige andere hohe Tiere nach British-Columbia wollten, um sich die Sache anzusehen.
Die Sache - das war ein Metallellipsoid mit vielleicht 20 Meter L√§nge, 10 Meter Durchmesser und einer Einstiegsluke an der Seite. Man brach sie auf und holte den v√∂llig benommenen Piloten heraus: Ein hasen√§hnliches Wesen mit Knopfaugen, einem Schweiner√ľssel und einem drolligen Stummelschwanz, den es auf die dreifache L√§nge ausfahren konnte (was den Biologen sp√§ter noch so manches R√§tsel aufgeben sollte).
Da man der Ohnmacht des Fremden nicht recht traute, bekam er eine t√ľchtige Dosis Beruhigungsmittel injiziert, bevor man ihn in einen Sicherheitstrakt im Pentagon schaffte und die besten Wissenschaftler aus aller Welt zusammentrommelte, auf da√ü sie sich mit ihm besch√§ftigten. Der Fremde kam dort rasch wieder zu sich und man h√§tte sicher ganz vern√ľnftig mit ihm reden k√∂nnen, h√§tte man nur seine Sprache beherrscht. Diese indes war nun nach Auskunft der zust√§ndigen Wissenschaftler so komplex und fremdartig, da√ü man wahrscheinlich mehrere Jahrzehnte brauchen w√ľrde, um sie so weit zu entschl√ľsseln, da√ü man den Fremden zum Beispiel nach seinem Namen fragen konnte.
Gottseidank war der Fremde so clever, wie man es sich von Exoterrestriern immer vorstellt, so da√ü es ihm keine gro√üe M√ľhe bereitete, binnen sechs Wochen die 50 wichtigsten Erdsprachen zu erlernen (inclusive der Delphinsprache, die er sich beim Ansehen eines alten Kinderfilms aneignete). Nun, nachdem die Forschung so weit gediehen war, konnte man schlie√ülich darangehen, den eigentlichen Kontakt zu kn√ľpfen und den eventuellen Nutzen aus der Sache zu ziehen.
Wo er denn herkäme, wollten die Wissenschaftler als Erstes wissen, und ob man denn richtig läge, wenn man zum Beispiel 'Sirius' sage.
Jaja, Sirius sei schon in Ordnung, da l√§gen sie sogar verdammt richtig. Aber nat√ľrlich k√∂nne er nicht preisgeben, von welchem der 152 Siriusplaneten er genau komme.
Oh, nat√ľrlich; das sei auch gar nicht so wichtig. Man habe ja ohnehin keine Gelegenheit, dorthin zu kommen. Interresanter sei, ob er den Kapitalismus oder den Kommunismus f√ľr besser halte.
Mh, am Besten sei es, wenn jeder so viel Geld habe, wie er brauche.
Diplomatische Antwort... sei er vielleicht Diplomat?
Nein, nein, er sei bloß Entwicklungshelfer, auf dem Weg zu den primitiven Winselhasen von Wega IV, um denen zu zeigen, wie man Räder mit zentrierten Achsen baue. Er habe sich halt bloß verflogen.
Hoppla, Entwicklungshelfer? Da sei er ja wohl umfassend ausgebildet?
Klar! Er sei Ingenieur, √Ėkologe, Finanzfachmann...
Spitze! Da könne er ja auch gleich den Erdenmenschen ein wenig Know-How beibringen... wo er nun schon mal hier sei und auch nicht so schnell weg könne, weil sein Schiff doch ziemlich mitgenommen sei.
Ach, das habe er in ein paar Tagen repariert...
Sicher, wenn nur das Schiff nicht gerade bei einer Untersuchungskommission festhinge... f√ľr mindestens ein halbes Jahr...
Ah, wie dumm. Trotzdem habe er nicht den Eindruck, als ob er den Menschen noch viel beibringen k√∂nne. Au√üerdem habe man die Erde schon seit l√§ngerer Zeit beobachtet. Er habe ja ehrlich keine Ahnung wieso, aber es st√ľnden schwere Strafen darauf, den Erdlingen technisches Wissen zu vermitteln. Man habe da so seine Bedenken...
Das sei ja nun schon weit weniger diplomatisch.
Schon m√∂glich, aber so seien nun mal die Vorschriften und an die m√ľsse er sich eben halten.
Ach ja? Und er könne es also ruhigen Gewissens verantworten, Frauen und unschuldige Kinder verkommen und verhungern zu sehen, zuzulassen, daß eine ganze Zivilisation in Elend und Not versinke... hilflos zusammenbreche?
Nun, sch√∂n sei da√ü nat√ľrlich nicht, aber er wisse...
Ob er denn wisse, was das f√ľr ein schwarzes Metallger√§t sei, das der Chefanalytiker ihm da unter die Nase halte?
"Okay", sagte der Fremde und lenkte diskret den Pistolenlauf von seinem Nasenloch weg. "Ihr seid z√§he Verhandler. Was wollt ihr also wissen? Eins sag'ich euch aber gleich: Ich gebe nur das Know-How weiter. Alles weitere m√ľ√üt ihr selber machen... Ger√§te bauen, Infrastrukturen schaffen und so weiter..."
"Schon recht", nickte der Chefanalytiker. "Also als erstes..."
"Krebs!" hustete einer aus den hinteren Reihen. "Wir brauchen ein Mittel gegen Krebs!"
"Und eins gegen AIDS!" rief röchelte einer von weiter vorn.
"Und ich möchte endlich mal wieder richtig..."
"Kein Problem!" sagte der Fremde. "Im brasilianischen Bundesstaat Para, in der Sierra Dos Carajas entspringt ein Flu√ü mit dem Namen Rio Jacund√°. An seinem Unteralauf w√§chst eine knollenbildende Pflanze mit roten Bl√ľten. Sie bildet in ihren Knollen einen Wirkstoff, der gegen Krebs und AIDS gleichzeitig hilft und au√üerdem jegliche Form von Impotenz heilt"
"Prima!" riefen alle.
"Schei√üe!" rief ein einzelner hinterher. Es war einer von den √Ėkologen und er beantwortete die fragenden Blicke seiner Kollegen umgehend: "Alles abgeholzt da unten. Schon vor 50 Jahren. Das Tal ist eine einzige Kaffeeplantage."
"Pech f√ľr euch", sagte der Fremde. "Das war die einzige Stelle in der ganzen Galaxis, wo das Zeug w√§chst. Und synthetisieren kann man es nicht. Aber falls euch das tr√∂stet: Ihr habt die niedrigsten Kaffeepreise im ganzen Spiralarm..."
"Die Energiekrise!" krähte jemand dazwischen. "Wie beheben wir die Energiekrise?"
"Ihr m√ľ√üt eure gesamte Wirtschaft auf eine wartungsfreie Silicium/Wasserstoff-Technologie umstellen. Sonnenenergie und Elektrolyse, wi√üt ihr." Die Antwort erzeugte lange Gesichter.
"Hey, das hätten wir auch selbst gewußt!"
"Warum handelt ihr dann nicht danach?"
"Mit so billigen Sachen wie Sand und Wasser l√§√üt sich doch kein vern√ľnftiger Schnitt machen..."
"Na gut", seufzte der Chefanalytiker. "Wasser und Sand haben wir zum Gl√ľck noch genug. Aber wie steht's mit dem Hungerproblem? Wie kriegen wir die Weltbev√∂lkerung satt?"
"Ihr solltet weniger essen. Vor allem weniger Fleisch. Und außerdem seid ihr viel zu viele. Keine Rasse in der ganzen Galaxis leistet sich eine Planetenbevölkerung von zwölf Milliarden Köpfen."
"Ist der von der New-Age-Bewegung? Mit diesem Gewäsch können wir nichts anfangen!" Der Fremde zuckte die Achseln. "Schon möglich. Aber so machen's alle in der Galaxis. Einige einfache arithmetische Berechnungen und man weiß, was man tun darf."
"Blödsinn, so kommen wir nicht weiter. Was wir wollen ist High-Tech! Den Sternenantrieb brauchen wir. Dann helfen wir uns selbst."
"Den Sternenantrieb! Den Sternenantrieb!" scholl es ringsumher. Der Fremde zog mit dem Zeigefinger vielsagend sein unteres Augenlid nach unten.
"Damit ihr das ganze Weltall vor den Ofen fahrt, wie? Nichts zu machen Leute. Hier hat der Topf ein Loch!"
"Im Weltall ist Platz f√ľr alle. Wenn wir nicht von der Erde wegkommen, k√∂nnen wir uns beerdigen lassen... und du dich √ľbrigens auch." Ein Pistolenhahn klickte peinlich laut.
"Okay," sagte der Fremde. "Ich seh' schon, euch steht das Wasser bis zum Hals. Also paßt auf Freunde: Es ist ein ganz einfaches Prinzip. Als erstes..." Hälse wurden gereckt, Ohren gespitzt und Cassettenrecorder angeschaltet. "...als erstes braucht ihr mal Benzin. Und zwar in rauhen Mengen!"

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GabiSils
???
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Hallo Mazirian,

willkommen in der Leselupe.

quote:
Aber falls euch das tröstet: Ihr habt die niedrigsten Kaffeepreise im ganzen Spiralarm...


Das ist mal wirklich boshaft. Die Story hat was von Robert Sheckley, so etwas gefällt mir immer. Prima!

Gruß
Gabi

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sunufatarungo
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Geht uuuuuunheimlich lahm und so richtig typisch durchschnittlich an, von Stil kaum eine Spur, daf√ľr mehr von Klischees. ABER ab den Dialogen (in inderekter Rede, passt ausgezeichnet!) krachts richtig! Offensichtlich liegt dir diese Form mehr, bzw. am blo√üen Erz√§hlen ohne Rede solltest du noch arbeiten, denn der Humor im letzten Teil ist ganz weit vorn! Sorry, ist auch nur meine bescheidene Meinung. Neben den Kaffeepreisen und der ungeheuren Menge Benzin ist √ľbrigens "Was von ihm noch √ľbrig war, war nicht gr√∂√üer als ein K√ľhlschrank, hatte aber immer noch einen recht imposanten Schweif" mein absoluter Favorit.

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Mazirian
???
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Hallo Sunufatarungo (ups, ich brech mir die Finger , woher kenn ich das? Ist das aus einem Corben-Comic?

vielen Dank f√ľr die insgesamt wie ich finde recht positive Kritik. Wie du gesagt hast besteht die Geschichte aus 3 Abschnitten: einem lahmen (ich w√ľrde eher sagen "unverbindlichen") Anfang im Erz√§hlton, einem Mittelabschnitt in indirekter Rede und einem Schlu√ü in direkter Rede, mit stetig sich steigerndem Tempo. Es ist halt eine typische Plot-Geschichte, sie ist sehr kurz und der Plot ist eher einfach gestrickt. Der Gedanke dabei war, einen m√∂glichst gro√üen Gewinn an Dynamik vom Anfang bis zum Schlu√ü zu kriegen. Deshalb hab ich den Beginn sehr flach und klischeehaft gehalten und nur die Gesamtsituation grob skizziert. Nicht mehr als man braucht damit der Plot funktioniert. Ein bi√üchen Stilmittel war's also schon.
Aber du hast nat√ľrlich Recht, ich hab wohl im ersten Drittel das Handwerkliche ein wenig vernachl√§ssigt und das ganze zu fl√ľchtig hingeworfen. Auch Klischees kann man sicher interessant einsetzen. Werd's mir zu Herzen nehmen f√ľr's n√§chste Mal.

In diesem Sinne
nochmals vielen Dank

Achim

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sunufatarungo
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Wenn du meinen Usernamen kennst, solltest du entweder Germanistik studieren oder spaßeshalber das Hildebrandtlied kennen. Sunufatarungo ist in der gesamten deutschen Sprachgeschichte einmaliges synthetisches Wort und bedeutet nichts anderes als "der Vater und der Sohn".

Wie gesagt, nimm dir trotz allem die Kritik nicht allzu sehr zu Herzen, denn der gute Teil wiegt eindeutig schwerer!!!

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jon
Foren-Redakteur
Fast-Bestseller-Autor

Lektor
Registriert: Nov 2000

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Ich finde es klasse, wie es ist.

PS: Wie w√§r's, es f√ľr die Lupen-Anthologie 2002 anzubieten? (http://www.leselupe.de/anthologie.php)
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Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

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