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Leselupe.de > Kurzprosa
Er
Eingestellt am 29. 06. 2004 16:59


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Persil
Hobbydichter
Registriert: Jun 2004

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War es wirklich meine Schuld? Wirklich? Ich habe doch alles so genau berechnet... Es d├╝rfte doch eigentlich nichts schief gehen... Deswegen kann ich nicht Schuld haben. Er war es bestimmt. Ganz bestimmt. Wer sollte es denn sonst sein? Wer hat denn unbedingt darauf bestanden, dass eine Kleinigkeit ge├Ąndert werden soll? Genau, er war es! Und nun soll ich daf├╝r b├╝├čen. Wie immer. Er macht etwas falsch und ich bekomme die Schuld, auch wenn ich nichts mit der Sache zu tun hatte! Aber diesmal hatte ich etwas damit zu tun. Ich bin es doch mindestens zehnmal durchgegangen, und ich habe keinen Fehler entdeckt, der uns zum Verh├Ąngnis h├Ątte werden k├Ânnen.
Doch nun ist alles zu sp├Ąt. Alles ist verloren. Wir m├╝ssen beide daf├╝r b├╝├čen. Nur wegen eines kleinen Fehlers. Jetzt sitze ich hier, alleine, weine. Was soll ich denn nur tun? Ich f├╝hle mich schuldig, obwohl ich wei├č, dass ich es nicht bin. Ein schlimmes Gef├╝hl und ich kann es nicht ├Ąndern. Habe nicht die Macht dazu, will es auch nicht. So, denke ich, kann ich es gut machen. Aber es f├╝hlt sich nicht danach an. Es f├╝hlt sich egoistisch an, als ob ich es nur meinen Gewissen wegen machen w├╝rde. Dabei ist es doch nicht so! Oder etwa doch? Es ist zum Verzweifeln! Ich wei├č nichts mehr, kann mich nicht mehr konzentrieren oder an etwas anderes denken... Immer spukt er durch meine Gedanken! Schon wieder brennen meine Augen, ich halte es nicht mehr aus. Ich will schreien. Meine Wut, meinen Hass, meine Trauer einfach hinausschreien - aber es geht nicht. ├ťber meine Lippen kommt kein Ton. Die Tr├Ąne hat sich von meinem Auge gel├Âst und tropft auf das Blatt vor mir. Ihr folgen weitere, bis sich das Papier wellt. Es ist schon ganz fleckig. Ich sollte damit aufh├Âren. Es hilft mir ja sowieso nicht. Aber bei dem Gedanken steigen mir nur noch mehr Tr├Ąnen in die Augen. Ich schiebe das Blatt weg, es soll noch leserlich bleiben.
Was soll ich nur tun? Ich kann doch nicht einfach Schluss machen! Nicht einfach so! Nicht jetzt! Ich habe doch noch so viel vor mir! Jedenfalls versuchen mir das alle anderen einzureden... Aber nein, ich kann nicht. Meine Blicke bleiben wieder bei seinem Foto h├Ąngen. Er sieht so gut aus. Auf dem Foto. Man sieht uns zwei auf einer Wiese liegen, er hat sich auf die Ellenbogen gest├╝tzt und schaut in die Kamera. Ich erwecke den Anschein, dass ich schlafe. Dabei betrachte ich ihn liegend. Das war vor vielen Jahren, kommt mir jedenfalls so vor...
Pl├Âtzlich trifft mich ein Stich ins Herz. Wie von einem Dolch. Er bohrt sich immer tiefer und zieht dabei einen Schmerzensspur hinter sich her. Es tut so weh. Alles. Ihn auf den Fotos anzusehen, an ihn und das Ende zu denken. Es ist da. Ich sp├╝re es. Ich habe den Entschluss gefasst, ich werde es tun! Jetzt! Sofort! Nun packt mich wieder die Angst, aber ich lasse sie nicht die Macht ├╝bernehmen. Ich kann es nicht zulassen...
Der Stuhl knarrt, als ich aufstehe und ihn zur├╝ckschiebe. Laut. Es muss jemand geh├Ârt haben. Ich sehe mich um, aber da ist niemand, die T├╝r geht nicht auf. Niemand fragt, wie es mir geht, ob etwas sei. Schon lange nicht mehr. Es scheint, dass sich niemand f├╝r mich interessieren w├╝rde. Das festigt meinen Willen und dr├Ąngt die Angst noch weiter in den Hintergrund. Mit festen Schritt gehe ich zur T├╝r und ├Âffne sie. Einen letzten Blick zur├╝ck und ich trete hinaus. Die Sonne zeigt sich schon am Horizont. Die V├Âgel zwitschern. Tau tropft von den Bl├Ąttern. Aber mich kann nun nichts mehr aufhalten. Ich schlie├če die T├╝r und gehe voraus. Gehe ins Ungewisse. Gehe in meine Zukunft, ohne zu wissen, was passieren wird. Ich gehe und lasse alles hinter mir zur├╝ck. Ohne einen Blick zur├╝ck zu werfen verlasse ich die Stadt und werde nie wieder zur├╝ckkehren. Die Gr├╝nde bleiben verborgen in einem tiefen Sumpf aus Schatten und Finsternis. Niemand kennt sie. Au├čer er. Aber das ist schon lange vorbei. Nun liegt er dort - bei meinen Gr├╝nden. Er liegt in dem tiefen Sumpf. In der Dunkelheit. Niemand kann ihn finden. Und das ist gut so.
__________________
Wer alles ernst nimmt, was Menschen sagen,
Darf sich nicht ├╝ber Menschen beklagen.
-Morgenstern

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AndreasGaertner
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Persil,

Im ersten Teil Deiner Geschichte bin ich ganz sch├Ân im Dunkeln getappt, fagte mich, um was es geht, denn Fehler
werden in allen nur erdenklichen Situationen und Variationen gemacht-->"Erare humanum est"...Es weiss niemand, ob schuldig oder nicht schuldig!
Dann habe ich begriffen, da├č es sich wohl um eine Trennung gehandelt haben muss und die "Schuld" bietet sich allen Beteiligten und Unbeteiligten wie "Der schwarze Peter" an
und beginnt, hat man ihn denn in sein eigenes Lebensspiel aufgenommen, die eigene Seele zu perforieren.
Die Frage der Schuld ist wohl so alt, wie der Mensch selbst.
Dein Ende finde ich ein wenig undurchsichtig, aber dennoch irgendwie erl├Âsend, da der Leser zum Ende des Textes hin sogar zu vermuten beginnt, der Protagonist dieser Geschichte w├╝rde ganz "Schlu├č" machen, was die schlimmste L├Âsung der Schuldfrage w├Ąre!

LG

Andreas

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Persil
Hobbydichter
Registriert: Jun 2004

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Kommentare: 8
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Hallo Andreas,

erstmal danke, dass du es dir durchgelesen hast
Ja, der Schluss ist etwas seltsam geworden, aber ich wollte Unsicherheit erzeugen, denn niemand wei├č ja genau, was sie macht, wo sie hingeht, da sie es ja selber nicht einmal wei├č. Vielleicht ist etwas zu stark geworden. *g*

-Persil
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-Morgenstern

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