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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Er sagt nichts
Eingestellt am 15. 10. 2016 19:04


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Cafard
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Er sagt nichts, er bekommt den Nobelpreis für Literatur und sagt nichts, ist er deswegen eine coole Socke? Ich finde, er könnte irgendwas sagen, wobei Bob Dylan für mich nie von Bedeutung war, ich habe seine Lieder nie gehört und von daher habe ich keinen Schimmer, was es mit diesen Texten auf sich hat, offenbar hat es etwas damit auf sich.

Wobei ich nie weiß, was es mit den Texten dieser Preisträger auf sich hat, es sei denn, der Murakami käme mal dran, aber der kommt nie dran, und Philipp Roth kommt auch nie dran, vermuten die Kenner.

Ich könnte es jetzt kurz machen, und zwar mit der Frage: Kann mir mal einer erklären, was an dem Dylan seinen Texten so besonders ist? Damit ich das mal verstehe, nur, wer will das, wer will mir das erklären?

Und die Welt steht still, hier im Hinterwald, und das Herz schlägt ruhig und alt. Und die Hoffnung hängt am Gartenzaun, und kaum ein Mensch kommt je vorbei. Im Hinterwald, wo mein Zuhause ist. Schön wieder hier zu sein.

Das singt gerade Stefanie Kloß von Silbermond, das Lied heißt B96, ich mag es, ich frage mich warum, ich war noch nie an der B96, ich mag den Text, er ist auch Literatur, Silbermond werden keinen Nobelpreis bekommen, aber wenn sie den bekommen hätten, dann würde Stefanie Kloß was sagen, ganz bestimmt würde sie uns an ihren Gedanken und Gefühlen teilhaben lassen. Ja, ich mag diese Stefanie.

Nun, Bob Dylan muss nichts sagen, und vielleicht sagt er ja noch was, warten wir es ab, und fahren wir doch inzwischen über die Dörfer, vielleicht ist es kalt im Hinterwald, kalt und dennoch schön. Ja, warm und schön wäre mir auch lieber, but you can't always get, what you want... Dylan? Nein, die Stones.

Und warum habe ich jetzt schon wieder was geschrieben?

Die neue Tischplatte ist da, ich musste unbedingt an der neuen Tischplatte was schreiben, ich mochte sie vom ersten Augenblick an gut leiden, sie ist hell und das Holz ist alt, alt und schön aufgearbeitet, ein Duft davon liegt im Raum, das alles gibt mir Kraft. Naja, zum Lesen ist es ja keine Strafe.

Versteckt unter Heu liegen Sachen von dir, singt die Stefanie jetzt... welche Sachen denn?, denke ich, und das muss man nicht wissen, denke ich, und dann legt sie wieder los... und die Welt steht still, hier im Hinterwald, und von Dylan weiß ich immer noch nichts, denke ich.

Ist doch egal, denkt Dylan, und er sagt nichts.

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Otto Lenk
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Dylan hat alles gesagt. Hör einfach einmal zu.

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Aber Silbermond hätten den Preis gewiss mehr verdient.

Gewiss!
__________________
Der Kopf denkt weiter als man denkt.

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Vagant
???
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nach 16 sekunden erraten: like a rolling stone.
once upon a time you dressed so fine...
dylan spricht seit jahrzehnten mit uns – man muss halt hinhören.

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aligaga
Guest
Registriert: Not Yet

Für Bob

Man muss nicht unbedingt Atomphysiker sein, Chemiker oder Mediziner, um Dylans Lebenswerk "gut oder schlecht" zu finden.

Das Dumme ist, dass man's, ohne "vom Fach" zu sein, bei den allermeisten anderen Sparten nicht könnte. Man stünde vor den Ideen, den Formeln, den Ergebnissen von Berechnungen und Experimenten und den daraus wachsenden Erkenntnissen wie der Ochs am (Sibylle) Berg und könnte bestenfalls etwas blöken.

Bei Dylan ist's scheinbar ganz einfach. Da macht man's wie in einem Literaturforum, sagt

quote:
ich habe seine Lieder nie gehört und von daher habe ich keinen Schimmer, was es mit diesen Texten auf sich hat, offenbar hat es etwas damit auf sich
und verteilt trotzdem Noten - am liebsten anonym und ganz schlechte, weil man die guten für seine Spezln in der Seilschaft braucht, die sich gerade die Nockherberg-Ostwand hinaufquält.

Wie könnte man Dylans näselndes Gekrächz mit Frau Kloß' Gepiepse vergleichen, selbst wenn man beides kennte?

Okay - sie haben beide keine Stimme, über die man ein Wort verlieren müsste. Aber für die Stimme allein gab's und gibt's keinen Nobelpreis. Sondern nur für das, was jemand damit angefangen hat. Dylan begann schon 1961, "etwas" damit anzufangen: Er erfand und erschuf eine neue Form der musikalischen Mitteilung und machte sie so populär, dass sie nicht nur die Musik, sondern auch die Gesellschaft insgesamt formte. Er war prägend für mindestens eine Generation junger Menschen - in den USA und everywhere.

Dafür kriegt er jetzt, wie @ali meint, ganz zu recht, den Nobelpreis für Literatur. Er bekommt ihn nicht dafür, dass er so lange gekrächzt hat, sondern dafür, was er so lange und immer wieder gekrächzt hat. @Ali gönnt es ihm von Herzen, und er kann sich gut vorstellen, dass viele, die jemand anderen auf der Liste hatten, jetzt sauer sind. Wie schön, dass sie keine heimlichen Einser und Zweier in die KandidatInnenliste tippen konnten!

Vielleicht überlegt Dylan noch, ob er einen Preis von dieser Gesellschaft überhaupt annehmen kann oder soll und schweigt deshalb so lange?

Übrigens - er ist nicht der erste schweigende Literatur-Nobelpreisträger. Tranströmer blieb damals auch stumm, weil er nicht anders konnte, und es gab eine Reihe von Schakalen, die darob zu kläffen begannen. Aber die Karawane zog unbeirrt weiter und ist heute bei Dylan angekommen.

Congrats, alter Junge! Ob du den Preis nimmst oder nicht, ist eigentlich wurscht. Wer schon mal eine Klampfe in der Hand hatte und was anderes damit zum Ausdruck bringen wollte als die Gefühle, die er im Schwanz oder in den Eierstöcken mit sich herumschleppen musste, ist glücklich, dass es dich gegeben hat. Wir haben dich alle mitgewählt!

Quietschvergnügt

aligaga


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Cafard
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Herzlichen Dank für die engagierten Kommentare, ich komme zwar immer noch nicht dahinter, was genau dieser Dylan der Welt in die Seele getextet hat, aber ich denke es waren empfängliche Seelen, empfänglich für angekratzte Stimmungen oder so etwas, also dann, seien wir empfänglich...

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