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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Er war einmal
Eingestellt am 15. 12. 2014 17:59


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Theo Tanz
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Oct 2014

Werke: 2
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Teil 1

Dieses verfickte Arschloch. Dieser verdammte Hurensohn. Diese Missgeburt, was bildet der sich eigentlich ein? Meint er hätte mich nicht verdient, dieser Vollidiot! Ich war das Beste was ihm je hätte passieren können. Ohne mich wird der gar nicht mehr klar kommen, ich sehe ihn jetzt schon rum heulen. Der wird sein Leben so gar nicht mehr auf die Reihe bekommen. Aber selber schuld, er wollte es ja so. Ich hab ihn immer noch geliebt, ich hätte es ja noch mal probiert. Es wäre wieder so schön wie am Anfang geworden, aber sicher doch. Ich hätte alles für ihn gegeben, klaro. Das macht man eben für seine große Liebe. So sehe ich das zumindest. Der kleine Wichser sieht es eben nicht und deshalb ist es jetzt vorbei. Na gut, was soll´s, Scheiß drauf! Ich brauch den nicht, scheiß auf den. Scheiß auf die Liebe! Scheiß auf das Leben! Ich komm damit klar, vollkommen. Er wird der sein, der rum heult, das weiß ich jetzt schon. Hier, schaut in mein Gesicht. Keine Träne, nicht eine werde ich für ihn vergießen. Ja schaut mich an! Ich bin saugut drauf. Ich sehe super aus, besser als ich es je in diesen verfickten zwei Jahren getan hab.
Ich war heute gleich beim Friseur, danach direkt weiter ins Nagelstudio, hab im Rossmann noch mal die Kosmetikabteilung geplündert und der C&A hat sich auch gefreut, als ich da mit zwei Beuteln voller neuer Klamotten wieder raus bin. Frisch aufgebitcht stehe ich vor dem Spiegel und schaue mir an, was der kleine Wichser jetzt verpasst, was er nie wieder haben wird. Nur ein einziges Kleidungsstück an mir ist noch von Früher, aus der Zeit mit ihm, nämlich mein Slip. Ja, dieser Slip, der ihn immer so scharf gemacht hat, dieser Fetzen Spitzenunterwäsche, bei dem er es so geliebt hat, ihn mir vom Körper zu ziehen. Tja, Pech für ihn, das wird er nämlich nie wieder tun.
Ich lache vor Freude, ich schüttele mich und meine brandneue Glitzer-Halskette klimpert. Ein letzter prüfender Blick in den Spiegel, Rouge lässt meine Wangen strahlen und Smokey Eyes blinzeln kokett. Läuft bei mir, würde ich sagen. Abfahrt!

Bei Marie in der WG angekommen gibts erst mal Jägermeister. Prost. Das Zeug schmeckt eigentlich voll Scheiße. Aber alle saufen es und irgendwie ist das lustig. Die eine Hälfte der Leute bei Marie kenne ich gar nicht, die andere Hälfte kommt mir irgendwie bekannt vor, so vom mal irgendwo gesehen haben. Marie stellt mir alle vor, ich vergesse gleich wieder alle Namen. Auch egal, Hauptsache die sind gut drauf. Das bin ich heute nämlich auch, schließlich hab ich einen nervenden Klotz am Bein verloren und kann endlich wieder alleine Spaß haben!
Ruckzuck ist der Jägi alle und die Stimmung steigt. Hätte ich noch ein Schluck von dem Zeug saufen müssen, hätte ich echt gekotzt. Zum Glück macht einer der Jungs aber gerade Cocktails. Der Kerl sieht so aus, als könnte der das wirklich. Lächelnd reicht er mir einen Tequila Sunrise.
„Lass ihn dir schmecken, schöne Frau.“ sagt er und macht sich daran für den Rest der Truppe weiter die Getränke zu mixen. Ich schau ihm dabei zu, etwas zu lang vielleicht. Marie stupst mich an und grinst zu mir rüber.
„Das ist Sebastian, der jobbt als Barkeeper. Steht ihm, oder?“ flüstert sie mir zu.
„Hmm, ja kann sein.“ sage ich schnell und gebe mir Mühe nicht mehr zu ihm rüber zu schauen.
„Also, erzähl mal, wie war das jetzt mit deinem Ex, wann habt ihr Schluss gemacht?“ fragt mich Marie und saugt an dem quietschgelben Strohhalm ihres Cocktails.
„Ja lief ja die ganze Zeit schon Scheiße mit uns. Gestern war es dann soweit und wir haben Schluss gemacht.“ antworte ich trocken.
„Ach was, so frisch getrennt? Scheiße, gab´s Stress? Wie gehts dir denn jetzt? Ist alles gut? Kann ich dir was gutes tun?“
Marie schaut mich mit einem besorgt fragendem Blick an, genau so ein Blick den ich heute gar nicht gebrauchen kann. Mir geht es doch super und ich will nur Party machen!
„Ja ja, alles bestens. Wir haben uns ganz einvernehmlich getrennt und sind beide sehr froh, dass wir das so stressfrei hin bekommen haben.“ lüge ich und proste Marie schnell zu. „Aber jetzt lass uns feiern, ich hab dich doch so ewig nicht mehr gesehen.“
„Oh ja, seit dem du mit dem Typen zusammen warst, hat man dich fast gar nicht mehr zu sehen bekommen.“ lacht Marie und stößt mit mir an.
Plötzlich springt sie auf und ruft in die Runde: „Hey Leute, meine Freundin hier hat gerade erst ganz frisch mit ihrem Freund Schluss gemacht, also seid heute mal alle ganz lieb zu ihr, verstanden?“
Oh Gott. Ich laufe knallrot an und würde am liebsten im Boden versinken. Das hat sie gerade nicht wirklich getan. Alle lachen und einige klopfen mir auf die Schulter. Sprüche wie „Hey, Scheiß drauf.“, „Na klar, heute gehen wir voll steil.“ und „Keine Sorge, wir sorgen für Ablenkung“ werden durch einander gerufen und alle stoßen mit einander auf den heutigen Abend an. Nur Sebastian mischt weiter seine Cocktails und lächelt zu mir rüber.

Nach dem Vorglühen geht´s ab in den Club. Was sonst?
Der Laden, den wir ansteuern, ruft nicht die besten Erinnerungen in mir hervor. Früher war ich hier sehr oft und irgendwann habe ich ihn dort eben kennen gelernt. Dann kam das eine zum anderen und wir waren Paar, wie das eben immer so läuft.
Auf dem Mainfloor läuft Deep House, Marie und ihre Gang feiern es total. Ich geb mir Mühe.
Plötzlich steht Sebastian mit einer Ladung Cocktails vor mir. 
„Hey bedient euch, die gehen aufs Haus. Ein Kollege von mir schafft hier an der Bar und hat mir die in die Hand gedrückt.“
Dankend schnappe ich mir eins der Gläser. Ich habe keine Ahnung was da drin ist, aber die Mische ist gut. Gut genug, dass mir die Musik langsam gefällt. Hey, ich bin ja auch zum feiern hier!
Schon leicht tipsy schwanke ich zu den anderen auf die Tanzfläche und tanze mit. Am Anfang bin ich noch etwas schüchtern und zurück haltend, ich war schon ewig nicht mehr tanzen. Marie, Sebastian und die Anderen lachen und gröhlen zum Beat. Die haben einfach eine gute Zeit. Das will ich auch. Aber langsam komme ich in den Groove, die gesunde Mischung des Cocktails hilft mit.
Sebastian lächelt mich beim Tanzen die ganze Zeit an. Ich tue so, als würde ich es nicht bemerken und drehe mich sogar weg um ihn zu ignorieren. Eigentlich ist er ja ganz süß, ich glaube er könnte mir gefallen, aber ich hab gerade echt null Bock auf Kerle. Ich will nur feiern und meine Ruhe!
Marie wirft sich mir an den Hals und ruft lachend: „Wuuh, endlich mal wieder mit dir tanzen, Mensch ich hab dich vermisst.“
Ihre gute Laune ist ansteckend und für diesen einen Moment bin ich glücklich. Glücklich dank der Musik, dank Marie und dank der FSK 18 Mischung der Cocktails.
Auf einmal steht Sebastian mit einem Tablett Jägermeister Shots vor uns. Der Junge ist tatsächlich nützlich. Wir prosten uns zu, kippen das braune Zeug rein und feiern weiter.
Durch das Flackern des Stroboskops sehe ich auf der anderen Seite der Tanzfläche ein bekanntes Gesicht. Ich höre auf zu tanzen und mir läuft es eiskalt den Rücken herunter. Scheiße. Das war´s. Der Abend ist gelaufen. Da steht doch tatsächlich mein Ex mit ner Flasche Bier in der Hand. Fuck. Fuck. Fuck!
Ich renne aufs Klo. Hoffentlich hat er mich nicht gesehen. Auf dem Klo ist es Scheiße voll. Alle Kabinen sind besetzt und es ist Anstehen angesagt. Ich muss cool bleiben. Ich muss mich beruhigen. Aber das geht nicht! Was will der Arsch hier? Warum versaut der mir den Abend? Es war doch gerade alles so gut.
Ich fange an zu blinzeln. Das ist schlecht. Bleib stark Mädchen. Es ist nur dein beschissener Ex. Ihr seid kein Paar mehr, er ist hier zum feiern, du bist hier zum feiern. Alles ist gut. Mein Atem beschleunigt sich und ich werde ungeduldig. Aus einer Kabine kommen kichernd zwei Mädels, die sich die Nasen reiben. Endlich eine Kabine frei, ich stürze hinein, werfe die Tür scheppernd hinter mir zu und sacke auf der Klobrille zusammen.
Mädchen beruhige dich, sage ich zu mir selber. Unruhig zupfe ich an meinen Haarsträhnen. Ruhig ein und aus atmen. Alles wird gut.
Ok, also jetzt mal ganz langsam. Der Nebel des Alkohols lässt meine Sicht verschwimmen. Aber alles ist gut.
Du gehst jetzt da raus, legst dein Superstar-Lächeln auf, gehst direkt wieder zu Marie und dem Rest und machst genau da weiter, wo du eben aufgehört hast, beim eine gute Zeit haben. Scheiß doch auf den Kerl, ignoriere ihn einfach, tu so als wäre er gar nicht da. Soll er doch sehen wie du ohne ihn Spaß hast. Dir geht es super!
Beim Verlassen der Toilette schaue ich in den Spiegel und übe mein Superstar-Lächeln. Klappt ganz gut.
Als ich zurück gehe, schiele ich an die Stelle rüber, wo eben noch mein Ex stand. Er ist nicht mehr da. Unruhig schaue ich mich um, ob ich ihn sonst irgendwo sehe. Ich habe keine Lust ihm einfach plötzlich in die Arme zu laufen. Marie und der Rest der Bande sind auch nicht mehr da. Kacke.
Völlig neben der Spur stehe ich nun im Club und schaue mich um. Dann plötzlich quatscht mich jemand von hinten an. Ich erschrecke total.
„Hey du, na was ziehst du denn für eine Fresse? Wie wärs mit einer kleinen Aufmunterung?“
Vor mir steht irgend so ein Typ. Lederjacke, mit zu viel Gel nach hinten geklebte Haare, locker Mitte Dreißig, unsympathisch. So einer hat mir gerade noch gefehlt.
„Nee, keine Zeit.“ antworte ich und sehe zu, dass ich weiter komme. Der Typ lässt nicht locker.
„Ach komm, so ein schönes Ding wie du will doch sicher mal einen Sekt mit mir trinken.“ sagt er in einem schmierigen Ton und zeigt seine Zähne.
„Such dir wen Anderes.“ sage ich schnell und mache, dass ich davon komme.
Ich irre eine Weile unsicher umher, von meinem Superstar-Lächeln ist nichts mehr übrig. Scheiße, die sind bestimmt eine Rauchen, dämmert es mir, und ich suche den Raucherraum.
Mir fällt ein Stein vom Herzen, als ich Marie und Sebastian entdecke und eile zu ihnen.
„Da bin ich wieder.“ sage ich und stelle mich neben Marie. Ich gebe mir echt Mühe nach guter Laune auszusehen.
Die Gruppe redet über alles mögliche, ich höre gar nicht richtig zu und schaue mich nur immer wieder nervös um. Wo steckt mein Ex?
„Gib mir mal ne Kippe.“ bitte ich Sebastian.
Er reicht mir eine rüber und lächelt mich immer noch so an. Feuer bekomme ich auch von ihm. Ja, er ist schon echt nett.
Plötzlich schiebt sich mein Ex an mir vorbei in den Raucherbereich. Scheiße.
„Ach du auch hier, schau an.“ sagt er mit einem eindeutig gespieltem Lächeln.
„Ja, war ja auch lang nicht mehr hier.“ gebe ich mit einem mindestens genau so gespielten Lächeln zurück.
„Na dann mal noch viel Spaß.“ antwortet er und drückt sich weiter in den viel zu vollen Raucherraum. An der Hand führt er ein Mädchen hinter sich her. Sie sieht super aus und irgendwie auch ganz nett, so natürlich, nicht so wie ich. Ach du Scheiße. Innerlich zerbreche ich.
Bevor ich auch nur einen klaren Gedanken fassen kann stupst mich Marie an.
„War das dein Ex?“ will sie wissen.
„Ja.“ sage ich leise. Mehr bekomme ich nicht raus. Marie merkt, dass etwas nicht stimmt, als meine Mauer aus guter Laune und Alkohol in sich zusammen bricht und droht als etwas viel schlimmeres wieder aufzuerstehen.
Verdammt, reiß dich zusammen, Mädel! Ich schaue Marie an, dann Sebastian, der mich immer noch nett anlächelt.
„Scheiß drauf, lass uns was trinken!“ rufe ich und bin wieder da. Jaaaa, Schieß drauf. Ich besauf mich einfach. YOLO! Mir doch alles egal.
Ich hake Sebastian und Marie links und rechts unter den Armen ein und steuere direkt auf die Bar zu. Saufen! Dort angekommen bestelle ich gleich mal eine Ladung Jägermeister für uns. Sebastian nickt dem Barkeeper zu, das ist wohl sein besagter Kumpel, und wir müssen mal wieder nicht bezahlen. Soll mir recht sein. Mittlerweile merke ich gar nicht mehr wie beschissen das Gesöff eigentlich schmeckt und trinke mit Sebastian einfach weiter. Marie ist irgendwo hin verschwunden. Auch egal, um mich beginnt sich alles zu drehen. Hui, das war vielleicht doch etwas viel. Aber es ist doch gerade wieder so lustig. Zumindest lachen wir, ich und Sebastian. Wieso? Keine Ahnung! Irgendwas witziges werden wir schon gesagt haben. Mit dem Reden wird es immer schwerer, was die Sache aber irgendwie nur noch lustiger macht. Sebastian lehnt mittlerweile an meiner Schulter und lacht sich halb schlapp, wobei er einen halben Shot Jägermeister über mein Kleid verschüttet. Egal, das ist auch lustig. Ab jetzt ist alles lustig!
Kichernd liegen wir uns irgendwann in den Armen. Es ist sonst alles vergessen, Marie, die Musik und vor allem der beschissene Ex.
Wie bestellt taucht er mit der Tussi im Schlepptau an der Bar auf. Mega Abfuck. Er hat seinen Arm um ihre Hüfte gelegt und grinst zu mir herüber. Meine gute Laune verschwindet schlagartig. Sebastian bekommt gar nichts mehr mit und kichert weiter vor sich hin. Ich packe ihn im Genick und schlinge mich um ihn. Meine Lippen finden seine und ich küsse ihn einfach, genau so, dass der Ex es direkt sehen kann. Sebastian ist vollkommen überrascht und weiß gar nicht wie ihm geschieht, doch ich lasse nicht von ihm ab, meine Hände streichen durch sein Haar und ich drücke sein Gesicht fester an meins. Dann macht er mit und erwidert meinen Kuss, unsere feuchten Lippen kleben aneinander und unsere Zungen suchen sich. Langsam erhebt sich meine linke Hand in die Richtung meines Ex und alles was er zu sehen bekommt sind zwei heftig knutschende junge Menschen und meinen ausgestreckten Mittelfinger.

Absturz. Total besoffen machen ich und Sebastian weiter. Knutschen, fummeln, lachen. Eigentlich will ich ja gar nicht, aber irgendwie kann ich es auch nicht sein lassen. Mein Ex ist längst abgezogen. Kann mir ja auch egal sein, wo der hin ist.
Sebastian will noch eine Runde bestellen. Bei mir dreht sich alles. Nein, das lass ich besser sein. Mir wird immer schwindliger. Ich versuche aufzustehen und alles schwankt. Oh Scheiße. Jetzt ganz langsam machen. Ein seltsam flaues Gefühl macht sich in meinem Bauch breit. Das ist gar nicht gut. Ohne ein Wort zu verlieren torkele ich in Richtung Toilette. Fuck. Gerade laufen wird echt nichts mehr. Auf dem Weg remple fast jeden an, der mir entgegen kommt, doch irgendwie schaffe ich es aufs Klo. Diesmal gibt es zum Glück keine Schlange. Ab in eine Kabine, Klodeckel hoch, kotzen.
Ein brauner Schwall Kotze fällt mir aus dem Gesicht, nur die Hälfte davon trifft das WC. Verfickte Kackscheiße. Ich hänge über der Klobrille und würge Jägermeister vermischt mit den Resten meines Abendbrotes hoch. Vor der Kabine fragt jemand ob alles in Ordnung ist. Nein, Scheiße. Nichts ist in Ordnung! Mein ganzes Leben ist nur noch ein Haufen Scheiße! Alles geht den Bach runter! Ich antworte hustend „Ja, alles bestens.“ und übergebe mich noch einmal.
Als ich den Weg zum Waschbecken finde, sehe ich im Spiegel ein Monster. Ich bin nicht mehr ich. Nichts ist mehr von dem adretten Mädchen von vor ein paar Stunden noch übrig geblieben. Mein Make Up kann meine krankhafte Blässe nicht mehr verdecken, mein ehemals leuchtend roter Lippenstift ist eine Schmiererei aus rotbrauner Kotze, mein Lidstrich eine von Tränen verlaufene Schweinerei und meine Haare sind ein verschwitztes Durcheinander.
Plötzlich bin ich nüchtern, zumindest wieder sowas wie halbwegs klar im Kopf. Ich muss hier raus, ich muss weg. Irgendwo in meiner Handtasche finde ich noch ein Kaugummi gegen den Kotze-Mundgeruch, mit etwas Klopapier wische ich das schlimmste aus meinem Gesicht und sehe zu, dass ich nach draußen komme.
Vor dem Klo steht Sebastian und grinst wieder. Kacke. Er will mich in den Arm nehmen und mich wieder küssen. Ich will das jetzt aber ganz und gar nicht, ich will nur noch hier weg! So besoffen wie der Kerl ist, sieht er gar nicht wie beschissen ich inzwischen aussehe und brabbelt irgendwas von er hätte mich schon vermisst, ich sei so toll und er will heute bei mir sein. Ich höre gar nicht richtig zu und schaue mich hilfesuchend um. Von Marie und den Anderen ist weit und breit nichts zu sehen.
Es reicht. Ich schiebe Sebastian zur Seite.
„Ey du, ich kann dich heute echt nicht gebrauchen. Ich geh jetzt.“ sage ich so ruhig wie möglich zu ihm. Er schaut mich erst mit fragendem Blick an, dann wird er wütend.
„Was soll das denn jetzt? Es war doch eben alles noch super?“ lallt er und sein glasiger Blick nimmt etwas bedrohliches an. Ich werde auch sauer, dass dieser dumme Bock es einfach nicht kapiert, hier ist Schluss.
„Nichts ist super. Ich hau ab. Schönen Abend noch.“ antworte ich kurz angebunden und marschiere zum Ausgang. Sebastian bleibt hinter mir stehen und schüttelt völlig verwirrt den Kopf, als er mir nach sieht.

Draußen vor dem Club geht es mir richtig übel. In der Schlange stehen noch haufenweise partywütige Leute, die noch in den Laden rein wollen. Ich habe keine Lust mehr auf Menschen und gehe ein paar Meter in eine Nebenstraße. Es ist kalt und dunkel. Ich ziehe mein Handy aus der Handtasche um Marie eine SMS zu schreiben und ihr Bescheid zu geben, dass es mir schlecht geht und ich nach Hause gehe. Gerade als ich die SMS abgeschickt habe, taucht ein Typ vor mir auf. Lederjacke, Scheißfrisur, der Typ von vorhin, der mich so blöd angebaggert hat. Auch das noch. Ich verdrehe die Augen und will schnell weiter gehen. Da packt er mich am Arm und zerrt mich zu ihm ran.
„Ach schau mal, dich kenn ich doch. Na einen schönen Abend gehabt? Wohl nicht, wenn du hier so alleine rum läufst. Der Junge, mit dem du eben im Club rum gemacht hast ist wohl nichts für dich, was? Du stehst doch auf richtige Kerle, oder? Na wie gut, dass ich jetzt da bin und dir Gesellschaft leisten kann, meine Schönheit.“ sagt er höhnisch lachend und greift mir in die Haare.
Ich erstarre, mein Kopf setzt aus. Ich fühle nur noch seinen festen Griff an meinem Arm. Kein Wort verlässt meine Lippen und ich fange an zu zittern. Der kalte Wind weht mir ins Gesicht und meine Augen werden feucht. Nein, Nein, Nein. Bitte nicht.
Der Typ lacht noch einmal und schaut sich um. Niemand da. Dann zerrt er mich ein paar Meter in einen Hauseingang. Ich bin zu keiner Reaktion mehr fähig. Nur noch blankes Entsetzen hat mich gepackt, als der Typ mir unter mein Kleid fasst und sich an meinem Slip zu schaffen macht. Mein Verstand scheint vollkommen auszusetzen und ich bin zu keiner Handlung mehr fähig. Meine Unterhose rutscht an meinen Beinen nach unten in den Dreck. Von dem Typ sehe ich nicht viel, es ist zu dunkel, doch ich kann ihn riechen, seinen widerlichen Geruch aus billigem Aftershave und kaltem Schweiß. Er dreht mich um und drückt mich mit dem Gesicht an die Wand des Hauseingangs. Mit einem Ruck reißt er mein Kleid nach oben. Ein wimmerndes „Bitte.“ verlässt meine fahlen Lippen. Seine grobe Hand schlägt auf meinen nackten Hintern, ich verzerre das Gesicht und Tränen beginnen aus meinen Augen zu rollen. Nur ein einziger Gedanke schießt mir noch durch den Kopf: Lass es nur schnell vorbei sein.
Auf einmal höre ich in der Ferne eine Stimme. Ich kenne die Stimme. Das ist eine Stimme die meinen Namen ruft.

Fortsetzung folgt

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