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Leselupe.de > Gereimtes
Erbärmlich
Eingestellt am 28. 07. 2010 12:00


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Sta.tor
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Erbärmlich

Kurt führt ein erbärmliches Leben
seit Jahren lebt er auf der Strasse.
Für ihn hat’s nur Unglück gegeben
und zwar in besonderem Maße.

Kein Geld, keine Frau, keinen Job.
Nichts war ihm auf Dauer gewährt.
Der Tod hat ihm kürzlich darob
den Krieg um sein Dasein erklärt.

Er hat ihn ganz kläglich verloren
am Markttag in Mitten der Massen.
Kein Mensch hat sich um ihn geschoren.
Die Hauptsache: klingende Kassen.

In Duisburg, vergangene Woche:
Die Party der Raver kocht heiß.
Gleich endet hier eine Epoche
was momentan noch keiner weiß.

Am Zugang vermehrn sich die Toten,
im Festivalrund dröhnt der Bass.
Die Zäune zu öffnen verboten.
Verderbt uns hier bloß nicht den Spass.


Und wie sich die Schicksale decken,
durch sie wird wohl niemand gescheiter,
denn während die einen verrecken,
vergnügen sich andere weiter.

__________________
schlimmer geht immer

Version vom 28. 07. 2010 12:00

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Pelikan
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo, Stator, mich wundert es, dass dieses Gedicht noch nicht kommentiert wurde. Wahrscheinlich jedoch, weil es Gesellschaftskritik enthält und mit solcher befasst man sich nicht so gerne. Insofern passt solches Verhalten auch sehr gut zum Inhalt Deines Gedichtes: Der Mensch will sich vergnügen, auch beim Lesen. Oberflächlichkeiten sind ihm halt wichtiger. Mir gefallen gesellschaftskritische Gedichte, obwohl sie nicht "in" sind und "alle" gleich mit dem Vorwurf des erhobenen Fingers kommen, oder von zu viel Moral sprechen.
Du hast hier eine Thematik angesprochen, die man oft beobachten kann: Auf der einen Seite Elend/Tod und gleichzeitig, auf der anderen Seite, pures Vergnügen, Party und Shopping ohne Ende. Das hat man ganz besonders beim jüngsten Geschehen gemerkt: Während Menschen starben ging die Party ungeniert weiter - natürlich unter dem Deckmantel der
eventuell gefährdeten Sicherheit beim Abbruch derselbigen.
Heute findet bei uns in Dortmund Juicy Beats statt und ich könnte garantieren, dass die Massen hinströmen werden, ungeachtet der "allgemeinen? Betroffenheit" weil sich niemand seinen Jux, sein Vergnügen nehmen will. "Erbärmlich", der Titel ist gut ausgesucht und passt in seiner Doppeldeutigkeit:
Einerseit das erbärmliche (arme/einsame) Leben derer um die sich niemand schert (Kurt und andere) andererseits das erbärmliche Verhalten der sich weiter Vergnügenden (von einzelnen mal abgesehen, denen man Unrecht täte, schmieße man sie in den großen Topf) beim jüngsten, tragischen Geschehen.

Eines ist mir bei diesem Text aufgefallen und zwar, dass
Du "keiner hat sich um ihn geschoren" schreibst.
Ich habe extra noch im Google nachgeguckt, doch dieser spuckt immer nur "keiner hat sich um ihn geschert" aus. Und auch ich meine, dass diese Redewendung so richtiger ist.
Bei "geschoren" in diesem Zusammenhang musste ich ein wenig
schmunzeln, weil ich mir eine handvoll Personen vorgestellt habe die sich die Haare (nicht)scheren ließen

mit herzlichen Grüßen, Pelikan

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Estrella fugaz
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Hallo Pelikan,

du schreibst:

quote:
Hallo, Stator, mich wundert es, dass dieses Gedicht noch nicht kommentiert wurde. Wahrscheinlich jedoch, weil es Gesellschaftskritik enthält und mit solcher befasst man sich nicht so gerne. Insofern passt solches Verhalten auch sehr gut zum Inhalt Deines Gedichtes: Der Mensch will sich vergnügen, auch beim Lesen. Oberflächlichkeiten sind ihm halt wichtiger. Mir gefallen gesellschaftskritische Gedichte, obwohl sie nicht "in" sind und "alle" gleich mit dem Vorwurf des erhobenen Fingers kommen, oder von zu viel Moral sprechen.


Vielleicht hat niemand kommentiert, weil die 21 Toten noch nicht einmal unter der Erde liegen? Die stillen Bewertungen zeigen doch, wie gut Sta.tor das Gedicht gelungen ist, oder?

Lieben Gruß,
Karin
__________________
Ich schließe meine Augen, um zu sehen. (Paul Gauguin)

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Estrella fugaz
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Hallo Pelikan,

schau mal in die Bewertungen. Es sind weitere drei sehr gute, stumme eingegangen, ohne Kommentar. Da dein Kommentar doch sehr ausführlich war, bleibt vielleicht auch nicht mehr viel zu sagen? Ich melde mich per Mail bei dir, um hier weitere Diskussionen auszuschließen (jedenfalls was meine Person betrifft).

Freundlichen Gruß,
Karin
__________________
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Vera-Lena
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Lieber Sta,tor,

ich habe eine Weile gebraucht, bis ich mich auf Deinen Text einlassen konnte. Das lag hauptsächlich daran, dass Du über Duisburg geschrieben hast, es wurde weitergefeiert, obgleich Menschen gestorben waren. Nun war es ja so, dass die Feiernden nichts wussten. Die Veranstaltung wurde fortgeführt, um eine weitere Panik zu vermeiden.

Erst eben habe ich gesehen, dass es Dir in Deinem Text gar nicht um diese genauen Einzelheiten geht, sondern, dass Du etwas anprangern wolltest, was sich in unserer Gesellschaft so außerordentlich breit gemacht hat: "Jeder für sich - Gott für alle." Hauptsache mir geht es gut, um die anderen wird sich schon jemand kümmern.

Das fand ich an der Rede von Hannelore Kraft heute auch sehr gut, dass ein Vater sie gebeten hatte, zu sagen, dass die Gesellschaft ganz allgemein, den Menschen wieder in den Mittelpunkt stellen sollte.

Du hast das hier schon mehrere Tage zuvor getan und angeprangert, wie herzlos wir heutzutage miteinander umgehen, obgleich doch ein enormes Potential von Hilfestellungen zur Verfügug steht, wie es das vor 60 Jahren beispielsweise noch gar nicht gegeben hat.

Gut fand ich aber auch, dass Hannelore Kraft erwähnt hat, wie die jungen Leute sich untereinander dann doch noch Hilfen gegeben haben in dem Tunnel, indem sie versucht haben in eigener Lebensgefahr, andere aufzurichten und zu stützen. Das sollte man auch nicht vergessen, welch mitfühlendes und helfendes Potential dann doch auch noch vorhanden ist.

Aber Dein anprangender Text ist notwendig und ich freue mich, dass er hier steht.

Liebe Grüße
Vera-Lena

PS.: Übrigens geschoren und geschert ist beides richtig.

__________________
Der Mensch ist sich selbst das größte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

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HerbertH
???
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Lieber Stator,

dieses Gedicht ist inhaltlich eine Gegenüberstellung von zwei Teilgedichten. Einmal Karl, einmal Loveparade. Die Verbindung beider Themen ist seltsam lose, es fehlt mir eine verbindende Klammer.

Schreibt man nicht statt "in Mitten der" doch besser "inmitten der" oder ist das schon wieder diese !%!§$%"&/"$%/"$/ Rechtschreibreform?

Liebe Grüße

Herbert
__________________
© herberth - all rights reserved

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