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Leselupe.de > Humor und Satire
Erdbebenwasser
Eingestellt am 01. 10. 2005 02:12


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Marius Speermann
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Natasha f├╝rchtet sich vor nichts, au├čer vor Horrorfilmen, M├Ąusen, ├Âsterreichischen Kabarettfilmen, Laufmaschen, Sektkorkenknall, Finanzamt und dem Altwerden. Seit neuestem ist die Furcht vor Erdbeben hinzugekommen. Die Gegend um San Francisco, mu├č man n├Ąmlich wissen, ist eine Erdbebenzone. Alle paar Jahre sch├╝ttelt sich der Boden, H├Ąuser st├╝rzen ein, Feuer bricht aus, Autos parken falsch, Gasleitungen explodieren, Eichh├Ârnchen fallen von den B├Ąumen, Pl├╝nderungen beginnen, kurzum: es passiert alles, was zu so einem Erdbeben dazu geh├Ârt.

Wir hatten das nat├╝rlich l├Ąngst verdr├Ąngt, als sich k├╝rzlich in unserer Post ein Schreiben der ├Ârtlichen Gemeindeverwaltung fand, das uns auf die m├Âglichen Gefahren eines Erdbebens hinwies. Natasha verschlang Seite f├╝r Seite des liebevoll dramaturgisch und graphisch anschaulich aufbereiteten Heftes mit immer unruhiger werdenden Blicken. An der letzte Seite angekommen rief sie atemlos: ÔÇ×Wir m├╝ssen uns auf ein Erdbeben vorbereitenÔÇť. Sie hielt mir eine Notfallsliste mit ├╝berlebenswichtigen Gegenst├Ąnden, die man f├╝r den Fall der F├Ąlle bereithalten sollte, vor die Augen. Angefangen von Kn├Ąckebrot, gef├╝llten Konservendosen, Soundsoviel Kanister Wasser pro Person und Tag, ├╝ber Bargeld, Taschenlampen, Batterien, Batterieradio, Kohlengrill bis hin zu Schu├čwaffen, Kondomen und Wohnwagen reichte die Aufz├Ąhlung.

Ehe ich michÔÇÖs versah, hatte Natasha die hintere Sitzbank ausgebaut, mich ins Auto verfrachtet und den n├Ąchsten Supermarkt angesteuert. Es galt keine Zeit zu verlieren, immerhin pflegt sich solch ein Erdbeben nicht einfach telephonisch anzumelden, sondern erscheint so unerwartet wie eine Schwiegermutter. Wobei Erdbeben bekannterweise harmloser sind.

Es schien, als ob die ganze Nachbarschaft das Schreiben der Gemeindeverwaltung erhalten und sich zu Herzen genommen hatte. Der Verkehr in den Strassen um den Supermarkt war bereits zusammengebrochen. An ein Weiterkommen war nicht zu denken. Wir lie├čen den Wagen stehen und liefen mit einigen anderen Autofahrern zu Fu├č zwischen den wild geparkten Autos zum Supermarkt vor. Natasha hatte einen noch freien Einkaufswagen erblickt, als ein untersetzter Glatzkopf mit wildem Blick ebenfalls gierig nach ihm haschte. Gerade rechtzeitig klammerte ich mich an seinen Beinen fest und brachte ihn zu Fall. Natasha nutzte den ├ťberraschungseffekt, um den Einkaufswagen in ihren Besitz zu bringen. Ich lie├č den wimmernden Glatzkopf am Boden liegen und folgte Natasha, die sich bereits zielstrebig in das Get├╝mmel gest├╝rzt hatte.

Noch versuchten die Supermarktangestellten Ordnung zu halten, aber schlie├člich wurden sie von der ├ťbermacht ergriffen und ins Innere gesp├╝lt. Natasha und ich bahnten uns die Wege zwischen den vollgestopften Regalg├Ąngen und luden Konservendosen hier, Wasserkanister dort und Munition am Regalende auf. W├Ąhrend sich Natasha noch einige S├Ącke mit Grillkohle und ein paar Kaviargl├Ąser schnappte, robbte ich zwischen den Einkaufswagen zu den Flammenwerfern.
Einige nicht weiter nennenswerte und mit Hilfe meines Flammenwerfer g├╝tlich geregelte Zwischenf├Ąlle sp├Ąter war die Notfallsliste abgearbeitet. Die Fahrt nach Hause verlief ruhig, abgesehen vom Jammern des irrt├╝mlich in den Kofferraum mitverstauten Supermarktkassiers.

Zu Hause stapelten wir die Notfallsausr├╝stung bis unters Dach. Im Schlafzimmer befanden sich die Wasserkanister und Kn├Ąckebrotpackungen, in der K├╝che die Konserven und Batterien, im Bad die vierzig Packungen Shampoo, Zahnpasta und das Radio, und das Wohnzimmer hatte keinen Platz mehr, wegen der f├╝nf Tonnen Kohles├Ącke. Zwar konnte wir nicht mehr ins Haus und mu├čten im Garten im Zelt schlafen, aber uns beruhigte der Gedanke, da├č wir gut auf ein Erdbeben vorbereitet waren. Es w├╝rde uns nicht mehr so einfach obdachlos machen.

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flammarion
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na,

nu lass mal die kirche im dorf, ja. mann, ist das ├╝berspitzt! sch├Ąrfer gehts kaum.
lg
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Old Icke

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Marius Speermann
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Zu zynisch?

Ist es zu zynisch geworden?

Marius

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flammarion
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ja,

das finde ich zynisch. so sollte man nicht ├╝ber dieses thema reden.
lg
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Old Icke

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arle
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flammarion

Das finde ich gar nicht. Zumal es weniger um dieses wirklich tragische Thema geht als um die Absurdit├Ąt und Hilflosigkeit, in der der Mensch immer noch glaubt, sich vor Katastrophen jeglicher Art sch├╝tzen zu k├Ânnen.

Mir f├Ąllt kaum eine andere M├Âglichkeit ein als dieser ausgezeichnet geschriebene Galgenhumor, mit der man sich dieses Themas annehmen k├Ânnte.

Liebe Gr├╝├če
__________________
Am j├╝ngsten Tag, wenn die Posaunen schallen und alles aus ist mit dem Erdeleben, sind wir verpflichtet, Rechenschaft zu geben von jedem Wort, das unn├╝tz uns entfallen. - J.W. Goethe -

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arle
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PS:

Und nun lese ich auch noch, dass Marius in San Francisco lebt, ganz dicht am Geschehen, also mehr als jeder andere in der Lage ist, die Ereignisse zu beurteilen.
__________________
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