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Leselupe.de > Kurzprosa
Erinnerung
Eingestellt am 26. 06. 2003 18:55


Autor
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weghenkel
Manchmal gelesener Autor
Registriert: May 2003

Werke: 23
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ERINNERUNG AN DAS LEBEN



Es ist fr√ľher Mai. Ein hei√üer Tag. Schwitzende Menschen bei der Arbeit. M√ľhvoller Kleinkrieg um das Holz f√ľr den Winter. Gegen Abend kommt milde Luft. Apfelbl√ľten f√§rben die Landschaft bla√ürosa, bla√üviolett. Wolken spielen √ľber dem Horizont. Behutsam bricht die Nacht an. Aus Fenstern dringt l√ľsternes Lachen. In den Vorg√§rten treibt der Nadelwald Knospen. Still liegt der Teich. An seinem Ufer steht eine Bank. Eine Bank, um darauf zu sitzen. Und auf das spiegelglatte Wasser zu schaun. Und den Fr√∂schen zuzuh√∂ren. Die Fr√∂sche singen.
       Der Sichelmond hat einen Hof. Die M√§dchenblusen sind wei√ü. Es duftet nach erstem Heu, nach Flieder, nach Kuhdung. Und nach dem Benzin der Mopeds, mit denen die Jungen wie irr √ľber die Feldwege fahrn. Und nach einer verbotenen Zigarette. Grillen durchsirren den Abend. Die Fr√∂sche singen.
       Die Menschen sind freundlich. Sie stehn in der Schenke und sprechen vom Fu√üball. Ein nicht erlaufener Pa√ü, eine sch√∂ne Flanke, die Angst vor dem Gegenspieler. Man raucht und man trinkt. Die M√§dchen sind sanft. Sie nehmen die schweren, zerschundenen H√§nde auf ihre Schultern und
stehn blicklos. Die Frösche singen.
       Hunde antworten mittern√§chtlich mit Gebell. Irgendwo f√§hrt ein Laster an. Es sind ein paar Sterne am Himmel. Ein paar M√ľcken im Laternenlicht. Es schneit erste Bl√ľten. Ein leichter Wind beginnt zu wehn. Flederm√§use fliegen durchs Ge√§st.
       Dann gibt es keine Worte mehr, um diesen Tag zu beschreiben.
__________________
weghenkel

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Rote Socke
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo!

Irgendwie sch√∂ne Bilder darin zu sehen, aber irgendwie ist die "Geschichte" auch nur Kurzsatz an Kurzsatz. Ich bin etwas unschl√ľssig.

Gruss
Socke

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Paul Stoyan
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jun 2003

Werke: 3
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der schlusssatz

Nein, rote Socke, Schlusssatz an Schlussatz ist das nicht. Es ist ein sehr sch√∂nes Schweigen, was da beschrieben wird. Es hat etwas romantisches. Es hat etwas dampfendes, etwas riechendes, etwas st√∂rendes... Das ist die Ungewissheit in der Stimmung, aber eh man sich der Stimmung ausliefert, wird sie dann mit dem tats√§chlichen Schlusssatz abgew√ľrgt.

Mir geht der Schlussatz dann zusehr nach Innen, zusehr zur√ľck zum Autor. Dieser letzte Satz dr√ľckt letztlich eine schweigende Zufriedenheit aus, die dann allerdings mich st√∂rt. Der Autor geht einfach ins Bett, lese ich da. Obwohl da noch mehr Riechen, und noch mehr H√∂ren, und noch mehr Sp√ľren drinsteckt.

Spontan fiel mir ein. Und dann kam das Schweigen. Aber dann w√§re das Staunen tot. Irgendwie will er da zuende kommen. Wenn man den Satz einfach wegnimmt, fehlt allerdings auch etwas. Nein. Ich w√ľrde den Schlusssatz als Anfang formulieren. Und dann ...

Dann beginnt die Geschichte.
(Da muss ich dann rote Socke recht geben. Ich stochere auch noch etwas herum, wie man hier sieht...)

Vielleicht kann man hier mit einem Dialog anfangen? Ein Gespr√§ch aus dem Nichts? Hier singen ja zweimal die Fr√∂sche... das deutet auf Liebe. Deswegen w√ľrde ich es nun aber gerade nicht auf Liebe ankommen lassen. Oder doch? Ach Gott. Jetzt fusche ich rum... Das ist unfair... Der Text ist sehr gut, finde ich, aber am letzten Satz bin ich gescheitert...

Nochmal: In dem letzten Satz steckt ja die eigentliche Geschichte. Wir haben hier weiße Mädchenblusen gesehen. Also irgendwovon träumt er ja. Und läßt es die ihn umgebenden Geräusche erzählen, als Verliebtheit, oder als Träumen.

Wenn da noch was k√§me, ja, ich w√ľrde es weiterlesen. Aber so war ja nun Schluss.
Da waren ja zum Gl√ľck noch die Tage, die folgten...

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Zefira
???
Registriert: Jan 2001

Werke: 14
Kommentare: 1113
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Immerhin steht am Ende "Dann gibt es keine Worte mehr, um diesen Tag zu beschreiben", was andeutet, daß es auf jeden Fall noch etwas anderes gibt, womit man den Tag beschreiben könnte.

Das eröffnet noch einiges, und nicht unbedingt, daß der Autor sich bloß schlafen legt und fertig, denke ich ... aber ihr habt insoweit recht, daß aus diesem Satz eine gewisse Kapitulationshaltung zu sprechen scheint, ein Aufgeben. Könnte man ihn vielleicht etwas positiver formulieren?

Evtl. gen√ľgt es, die Betonung zu verschieben, etwa "Worte beschreiben diesen Tag nicht" bzw. "diesen Abend nicht"; das macht die √Ėffnung zum Nicht-Sagbaren gr√∂√üer ...

gr√ľbelt
Zefira
__________________
schmollfisch

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strumpfkuh
???
Registriert: Jun 2003

Werke: 15
Kommentare: 88
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Lieber Weghenkel,
ich bin vollkommen begeistert von dieser wunderschönen Beschreibung einer Erinnerung, und mir gefällt der letzte Satz sehr gut. Ich habe ihn aber auch positiv verstanden. Eher so, als ob alle weiteren Worte nicht annähernd die Stimmung dieses Tages beschreiben könnten.
Nur etwas hat mich verwirrt. "Die Mädchen sind sanft... sie stehn blicklos" das passt in meinen Augen nicht so gut zusammen.
Liebe Gr√ľ√üe
Doro

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Paul Stoyan
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jun 2003

Werke: 3
Kommentare: 17
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dass wir uns nicht missverstehen...

Ich finde die ERINERUNG AN DAS LEBEN sehr gut.
Und den letzten Satz bedenkens oder √ľberdenkenswert.

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schreibteufelinchen
Hobbydichter
Registriert: Apr 2003

Werke: 1
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Hallo weghenkel,
ja, ich kenne diese Maitage, die in diesen Maiabenden enden. Sie haben meine Jugend gepr√§gt und sind h√§ngengeblieben und haben gepr√§gt. Und es ist wirklich so. Nie mehr im Leben begibt man sich so zufrieden in den Schlaf, wie am Ende eines solchen Tages. Dann gibt es nichts mehr zu sagen, man hat dann keine Anspr√ľche mehr, kein Streben, kein Engagement. Man ist zufrieden und eins mit der Welt. Diese innerliche Ruhe und Zufriedenheit, mein Gott, Du hast es so sch√∂n erkl√§rt. Hab Dank f√ľr diese kurze Erinnerung. Aber die M√§dchen in den wei√üen Blusen haben mich auch gest√∂rt. Die Jungs auf ihren Motorr√§dern, ja, die gibt es. Aber die M√§dchen in den wei√üen Blusen ... Was willst Du damit sagen? Sie w√ľrden mir nicht fehlen, wenn sie nicht w√§ren ...
Gruß schreibteufelinchen
__________________
ae

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